Am Donnerstagabend wurde auf dem Kölner Fernsehfestival Cologne Conference der Pilotfilm zur neuen US-Serie Terra Nova gezeigt. Serienjunkies-Redakteur Christian Junklewitz hat sich den Film auf der großen Leinwand angeschaut.

Der Cast von „Terra Nova“ / (c) FOX
Der Cast von „Terra Nova“ / (c) FOX

Wir schreiben das Jahr 2149: Kyoto-Protokoll und Emissionshandel scheinen ihre Wirkung klar verfehlt zu haben. Die Luftverschmutzung ist so groß, dass der Anblick von Mond und Sternen nur eine ferne Erinnerung ist. Darüber hinaus hat die Überbevölkerung so dramatisch zugenommen, dass eine strenge Zwei-Kind-Politik gesetzlich reglementiert ist. Wer dagegen verstößt, landet im Gefängnis. Diese Erfahrung muss auch der Polizist Jim Shannon (Jason O'Mara, In Justice) machen, der mit seiner Frau Elisabeth (Shelley Conn, Mistresses) ein drittes Kind bekommen hat, welches sie vor der Autoritäten so lange wie möglich verborgen haben.

Während Jim noch im Gefängnis sitzt, wird seine Frau, eine Ärztin und renommierte Wissenschaftlerin, ausgewählt, nach Terra Nova auswandern zu dürfen. Terra Nova ist der Name einer Siedlung 85 Millionen Jahre in der Vergangenheit, welche auf die Entdeckung eines Zeitrisses zurückgeht - und der Menschheit einen Neuanfang ermöglichen soll.

Elizabeth will jedoch nicht ohne ihren Mann gehen. Daher verhilft sie ihm zur Flucht aus dem Gefängnis - und zur gemeinsamen Reise in die Vergangenheit. In Terra Nova angekommen, stellen sich jedoch schon sehr bald gewisse Eingewöhnungsprobleme ein. Dazu gehören nicht nur Dinosaurier, sondern auch eine militante Gruppe, die sich aus noch ungeklärten Gründen von Terra Nova abgespalten hat...

Bewaffnet mit einer Tüte Popcorn hat sich der Rezensent den Pilotfilm von Terra Nova am Donnerstagabend auf dem Festival Cologne Conference im Kölner Cinedom angeschaut - weil Spielberg-Dinos nun mal ins Kino gehören! - und kann deshalb voller Überzeugung sagen: Die Serie ist bestes Popcorn-Kino. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Spezialeffekte, Szenerie und Cinematographie halten auch der kritischen Begutachtung auf der großen Leinwand statt. Wären nicht die nervtötend langen schwarzen Abblenden für die Werbepausen (Notiz an Organisatoren, Studio und Sender: Für ein Festival-Screening sollten diese Unterbrechungen deutlich gekürzt werden), man könnte fast wirklich glauben, in einem Film zu sitzen, der fürs Kino produziert wurde. Technisch gibt es an Terra Nova nicht das Geringste auszusetzen. Der Film wirft lediglich die Frage auf, wie man davon 13 oder gar 22 Episoden im Jahr herstellen will, ohne deutliche Abstriche bei der Qualität zu machen.

Dramaturgisch kommt Terra Nova im Pilotfilm sehr uneben daher: Nach einem sehr starken Auftakt - die Familie muss ihr jüngstes Mitglied vor der gnadenlosen Staatsgewalt verstecken -, der tatsächlich sogar so stark ist, dass einem die Geschichte dieser dystopischen Zukunftswelt viel interessanter vorkommt als der Trip in die Dino-Zeit, leidet der Film an dem klassischen Problem vieler SciFi-Piloten. Die Exposition der neuen Umgebung nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass eigentlich kaum mehr Raum für eine richtige Handlung bleibt.

Es ist schon bezeichnend, dass der Höhepunkt der Pilot-Handlung der nicht mehr ganz taufrische Plot rund um eine Gruppe von Jugendlichen ist, die in Gefahr geraten, weil sie sich nicht an die von den Erwachsenen gesetzten Grenzen halten. Originalität geht anders. Aber darum geht es im Pilotfilm von Terra Nova auch gar nicht. In weiten Teilen fühlt er sich mehr wie eine Besichtigungstour an. Und das ist gar nicht einmal so verkehrt. Denn schließlich gibt es ja auch viel zu sehen und zu entdecken. Von daher kommt trotz der etwas dünnen Handlung keine Langeweile auf.

Entscheidend werden für Terra Nova die kommenden Wochen sein, wenn es nicht länger ausreicht, den Zuschauern putzige und weniger putzige Dinosaurier, komische Urzeit-Früchte und fancy SciFi-Equipment zu zeigen. Dann wird sich herausstellen, ob die Serie auch erzählerisch zu überzeugen vermag. Interessante Ansätze dazu sind durchaus vorhanden (die rätselhaften Fels-Gravuren, das Geheimnis um den wahren Grund für die Existenz von Terra Nova). Ihnen gegenüber stehen allerdings auch zahlreiche Klischees (der stereotype Vater-Sohn-Konflikt, der Doppelpack an Love Interests für die pubertierenden Kinder), welche weniger vielversprechend sind.

Die Familie Shannon kommt summa summarum recht sympathisch herüber, auch wenn einige Momente vielleicht einen Tick zu süß geraten. Jason O'Mara macht als männlicher Lead bislang eine gute Figur, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Autoren ihm neben all den üblichen Heldenattributen einen Sinn für Ironie mitgegeben haben. Noch etwas unkonturiert bleibt dagegen der Charakter von Shelley Conns Figur.

Etwas Kopfschmerzen kann es einem bereiten, dass das Paradies, welches uns hier präsentiert wird, als eine Art Militärdiktatur unter dem Regime von Commander Taylor (Stephen Lang) daherkommt. Andererseits kann dies auch durchaus als Teil einer - zumindest ansatzweise durchschimmernden - gesellschaftskritischen Botschaft verstanden werden: Wir können 85 Millionen Jahre in die Vergangenheit reisen, Krieg und Zerstörung entkommen wir damit aber noch lange nicht, so lange unser Verhalten dasselbe bleibt.

Man darf gespannt sein, ob dies ein Punkt ist, den die Serie tatsächlich verfolgen wird.

Fazit

Vielleicht sollte ich den Film ja noch mal auf dem kleinen Bildschirm schauen... Auf der großen Leinwand hat Terra Nova auf jeden Fall Spaß gemacht. Bei allen - insbesondere dramaturgischen - Unzulänglichkeiten, welche der Pilotfilm fraglos aufwies. Wichtig scheint mir vor allem zu sein, dass man die Serie als das sieht, was sie ist: Familienzentrierte Popcorn-Unterhaltung, welche thematisch zwar durchaus einen ernsten Kern hat. Wieweit dieser am Ende aber auch ausgespielt wird, wird die Zeit lehren. Keine „große“ Science Fiction, aber auch kein schlechter Weg, sich für ein, zwei Stunden unterhalten zu lassen.

In Deutschland hat ProSieben die Rechte an „Terra Nova“ erworben. Die Serie wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2012 auf Sendung gehen. Nach „Terra Nova“ hatte ProSieben noch ein zweites Screening auf der Cologne Conference: Die Web-Mysteryserie „Grimmsberg“, welche am 29. Oktober auch im Fernsehen zu sehen sein wird. Eine Besprechung und ausführliche Informationen gibt es pünktlich zur TV-Ausstrahlung auf Serienjunkies.de.

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