Sweet Magnolias 1x10

© romobild zu Sweet Magnolias / (c) Netflix
Sweet Magnolias spielt in einem verträumten Kleinstädtchen im Süden der USA, dessen Bewohner sich gefühlt täglich von Klatsch und Tratsch ernähren. Wer lediglich einen ersten Einblick in die Serie erhalten möchte, der kann sich unser Pilotreview zu Sweet Magnolias durchlesen.
Darum geht es in (der 1. Staffel von) Sweet Magnolias
Die drei besten Freundinnen Maddie (JoAnna Garcia Swisher), Dana Sue (Brooke Elliott) und Helen (Heather Headley) stehen im Mittelpunkt der Serie - ihre Leben, ihre Lieben, ihre Karrieren und ihre Familien. Sie wollen zusammen ein Spa eröffnen. Das soll der vor einer Scheidung stehenden Maddie eine neue Aufgabe im Leben geben und für die entsprechende Ablenkung sorgen: Ihr Mann Bill hat sie wegen seiner 20 Jahre jüngeren Sprechstundenhilfe Noreen (Jamie Lynn Spears), die er geschwängert hat und nun heiraten möchte, verlassen.
Das Handhaben mehrerer Aufgaben gleichzeitig sorgt aber ausgerechnet bei Dana Sue für Überlastung, denn sie muss neben dem Aufbau des Spas auch noch ihr Restaurant leiten, in dem sie ihren Souschef gefeuert hat, der nun Probleme bereitet. Währenddessen muss sie sich auf die Suche nach einem Ersatz begeben. Diesen Posten erhält ihr loyaler Mitarbeiter Erik (Dion Johnstone), der sich stets um alle sorgt und kümmert.
Außerdem stößt eine Art Auszubildender in der Küche dazu - Isaac (Chris Medlin) -, der stets neugierig ist und sich verdächtig verhält. Sein Verhalten klärt sich zu einem späteren Zeitpunkt auf. In ihrem Restaurant Sullivan's hilft zudem ihre jugendliche Tochter Annie (Anneliese Judge) als Kellnerin mit aus. Die beiden sind lediglich zu zweit Zuhause, weswegen sie aufgrund ihrer starken und engen Beziehung zueinander auch immer wieder aneinandergeraten und Meinungsverschiedenheiten austragen. Bei solchen Streitereien geht es um das pubertäre Verhalten Annies, dem Vater, der nicht da ist und das Gesundheitsproblem von Dana Sue: Die korpulente Frau soll auf ihren Blutzuckerspiegel achten, da sie ansonsten wie ihre Mutter Diabetes bekommen könnte, die daran gestorben ist.
Gerade als sie bekundet, dass sie gerne wieder auf Dates gehen würde, taucht ein unglaublich gutaussehender und charmanter Farmer auf, der an ihr Gefallen findet. Als wäre das noch nicht genug, steht auf einmal ihr Ex-Mann, mit dem sie eine komplizierte Vergangenheit hat, vor ihrer Haustür. Das wird bestimmt für Drama, Ärger und Chaos in der folgenden Staffel sorgen. Über die Vergangenheit der Beiden erfährt man übrigens nur am Rande etwas. Es wird stets nur angedeutet, dass er Dana Sue verletzt hat und daraufhin die Stadt verlassen hat. Nicht nur hier, sondern auch bei der gescheiterten Ehe zwischen Maddie und Bill (Chris Klein) hätte es gutgetan, mehr über die Vergangenheit zu erfahren. Wie war ihre Ehe? Wie war sie in den guten Zeiten? Wie war sie in den schlechten Zeiten? Konnte man das Ende der Ehe kommen sehen oder nicht?
Auch in Helens Liebesleben tut sich was: Ihre große (erste) Liebe kehrt zurück nach Serenity. Zwischen den beiden funkt es noch genauso viel wie vor 20 Jahren und sie werden binnen eines Wimpernschlags wieder ein Paar. Ab sofort führen sie eine Fernbeziehung, denn Ryan (Michael Shenefelt) reist in Krisengebiete, um dort für die nötige Wasserversorgung zu sorgen. Gerade als er sich dazu entscheidet für sie nach Serenity zurückzukehren und ihnen eigentlich eine rosige Zukunft bevorstehen sollte, trennen sich die beiden, denn sie haben unterschiedliche Vorstellungen, was den Wunsch nach Kindern angeht.
Helen wird aber nicht lange auf eine neue Liebe warten müssen, denn Koch Erik hat sichtliches Interesse an ihr: Die beiden verstehen sich zudem blendend, strahlen, wenn sie zusammen sind und passen einfach gut zueinander. Darauf können wir uns in der bestellten 2. Staffel freuen. Doch ihre Figur wird nicht nur auf ihr Liebesleben reduziert, sondern sie hilft Coach Cal bei der Vorbereitung auf ein „Mock Trial“, bei dem die Schüler der Serenity High einen eigenen, fiktiven Prozess führen. Als Anwältin hat sie schließlich in Gerichtsverfahren Übung. Dabei wird gezeigt, was für eine kompetente Anwältin und starke Frau sie ist, die andere Frauen - in diesem Fall Cece (Harlan Drum) -, wo und wie sie nur kann unterstützt.
So kommt die 1. Staffel rüber
Sweet Magnolias versucht nach dem Rezept von anderen erfolgreichen (Kleinstadt-)Serien vorzugehen, vergisst dabei jedoch völlig, dass es die richtige Mischung und der richtige Umgang mit den Zutaten ausmacht, um die passende Atmosphäre und Wirkung zu erzielen. So baut Sweet Magnolias typische Handlungsstränge ein, gibt diesen aber nicht genügend Zeit sich zu entwickeln, um so eine gewisse Authentizität und Kraft aufzubauen:
Die Beziehung zwischen Helen und Ryan ist ungefähr so schnell zu Ende, wie sie angefangen hat. Dabei kommt die Trennung auch besonders plötzlich und es wird nicht lange gehadert, um diese Beziehung zu beenden. Auch die Beziehung zwischen Maddie und Cal, die übrigens sehr vorhersehbar war, macht auf einmal eine Krise durch: Sie haben eine Meinungsverschiedenheit aufgrund Tys Baseball-Zukunft.
Außerdem fühlt sich Kyle vernachlässigt und ignoriert, weshalb er sich zwei Mal innerhalb einer Staffel auffällig verhält: So verschwindet er für einen ganzen Tag, als eigentlich der wichtige „Mock Trial“ stattfinden soll. Ein anderes Mal macht er einen unvorhergesehen und Aufsehen erregenden Aufstand, als sich sein Bruder Ty mit seinem Erzfeind Jackson prügelt.
Dabei versteckt sich einmal für einen ganzen Tag in einer Kirche. Beim anderen Mal, der Prügelei seines Bruders mit einem anderen Jugendlichen, fühlt er sich auf einmal ignoriert und läuft weg. Dabei finde ich insbesondere den letzten Teil zu schwach ausgebaut. So wird lediglich zuvor angedeutet, dass die beiden sich auseinanderleben, aber es wird nie wirklich darauf eingegangen, sodass diese Szene nicht die nötige Wirkung erzielen kann: Demnach wird nicht nur Kyle vernachlässigt, sondern auch der Handlungsstrang, der sich um seine Vernachlässigung dreht.

Abgesehen davon wird auch der Beziehung zwischen Ty und Cece zu wenig Zeit oder schlichtweg die falsche Zeit gewidmet. Dadurch wirkt deren Entwicklung von einer Freundschaft zu einer Liebesbeziehung schlichtweg unnatürlich, unharmonisch und konstruiert: So fängt natürlich der Baseball-Spieler etwas mit der hübschen Cheerleaderin an anstatt mit der nerdigen Fotografin zusammenzukommen. Es scheint so, als ob die Entscheidung Cece und Ty zusammenzubringen schlichtweg deshalb getroffen wurde, weil dieser Schritt Cheerleader und Athleten miteinanderzubringen sehr oft gegangen wird. Dieses Gefühl kommt vielleicht gerade deshalb auf, weil wir die beiden Figuren kaum zusammensehen oder besser gesagt kaum sexuelle, romantische oder intime Szenen zwischen dem Paar sehen, die sie uns überhaupt als Paar näherbringen. So kann bei uns auch kein Gefühl für Intimität oder Chemie herüberkommen. Wie sollen wir denn an eine Beziehung glauben, wenn wir sie nicht zu Gesicht bekommen?
Hierbei stört mich außerdem, dass es scheint, dass Ty nur deshalb mit Cece abhängt, um sich abzulenken. Die Ablenkung braucht er deshalb, weil er erfährt, dass seine beste Freundin, die wie eine Schwester für ihn ist - Annie - in ihn verliebt ist. Doch es wird nie die Wendung gemacht von „Ich hänge nur aus Spaß/ aus Ablenkung mit Cece ab“ und „Ich mag Cece wirklich“. Abgesehen davon wird auch nie die Situation zwischen Ty und Annie geklärt: Die beiden streiten sich und hängen danach wieder normal miteinander ab, als ob nie etwas gewesen wäre, ohne die Situation zu klären. Bei den Teenager-Liebesgeschichten mangelt es also extrem an der nötigen Stärkung von Handlungssträngen.
Auch Noreen, die Verlobte von Bill, wird vollkommen vernachlässigt. Sie verlässt Bill und damit auch Serenity. Das wird jedoch nur in Nebensätzen bzw. „Nebenszenen“ thematisiert. Natürlich hat sie keine Hauptrolle gespielt, aber sie ist doch insbesondere aufgrund ihrer Liebesbeziehung zu ihrem Verlobten, dem Ex-Mann von Maddie, und dadurch, dass sie die Stiefmutter von Kyle, Ty und Katie ist, relevant. So wundert es doch sehr, dass Bill nicht versucht die Mutter seines ungeborenen Babys aufzuhalten, als sie ihn verlässt - auch nicht nachträglich durch eine Entschuldigung oder ein Gespräch per Telefonat, wie es der kluge Kyle vorschlägt.
An dieser Stelle muss ich aber auch ein Lob aussprechen, denn mir hat es außerordentlich gut gefallen, dass versucht wurde Noreen unabhängig von ihrem Verlobten darzustellen und ihr ein eigener Charakter und eine eigene Geschichte verliehen wurde. So wurde sie vermenschlicht und blieb nicht nur die Affäre des Mannes, die eine Familie zerstört hat. Nein, man kann ihre widersprüchlichen Emotionen nachvollziehen: Sie will sowohl eine gute Beziehung zu ihren Steifkindern entwickeln, eine schöne und enge Beziehung mit ihrem Verlobten aufbauen, ihrem Kind eine tolle Zukunft ermöglichen und ihr Ansehen in Serenity verbessern. Dass sie dabei immer wieder an (ihre) Grenzen stößt, macht ihr sichtlich zu schaffen und man kann ihre komplizierte und brenzlige Lage durchaus verstehen und nachvollziehen. Diesen Teil der Serie, finde ich, überaus gelungen.
Auch das Finale finde ich mehr gewollt als gekonnt spannend. So werden gegen Ende der Staffel noch schnell alle Handlungsstränge zu einem Ende geführt, wie auch immer das aussehen mag. Dabei wirkt auch hier wieder alles sehr übereilt. Es wird sich nicht wirklich die Zeit genommen, um dramatische Momente zu etablieren. So könnten sie eine viel größere Wirkung entfalten, da man viel mehr in die Situation involviert ist:
Dem Küchenjungen Isaac gelingt es endlich Dana Sue zu fragen, ob sie seine Mutter ist. Ob dies nun das Ende der Suche nach seiner Mutter darstellt oder erst den Anfang, das bleibt abzuwarten, denn es wird nicht aufgelöst, ob er mit seiner Hypothese Recht behält.
Der Unfall von Kyle wirkt unglaubwürdig. Er kommt zu plötzlich, zu inszeniert. So haben wir zuvor erst eine andere dramatische Szene mit ihm: Er flieht von der Party und auf einmal hat er einen Autounfall gebaut. Dabei konnte man sich noch nicht mal wirklich auf seinen Aufstand bei der Party einlassen, weil dieser auch schlichtweg zu plötzlich kam. Hätte man diesen Unfall mit der nötigen Vorgeschichte aufgebaut, hätte er eine immense Wirkung entfalten können, aber so erscheint er einfach zu inszeniert und man kann nicht die nötige emotionale Involvierung mitbringen.
Ich will die Serie jedoch nicht nur schlecht reden. Sweet Magnolias ist ein netter Zeitvertreib. Sie ist süß, stellenweise sogar etwas kitschig, und charmant. Sie hat einfach einen gewissen Charme und strahlt eine gewisse Kleinstadt-Harmonie aus, die an Serien wie One Tree Hill erinnert. Eine Gemütlichkeit wie Gilmore Girls kann die Netflix-Serie jedoch nicht entwickeln. Dafür ist sie zu modern und schnelllebig.
Auf die Freundschaft des im Zentrum der Serie stehenden Trios kann man sich stets verlassen. Diese Szenen bereiten Freude und man kann fast neidisch auf die Tiefe ihrer Freundschaft werden. So treffen sie sich traditionell auf Margerita-Abende, bei der sie alle einander ihr Herz ausschütten und einander mit Rat und Tat zur Seite stehen. Solche Girls-Talk-Momente sind einfach herzlich inszeniert.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Netflix-Dramedy Sweet Magnolias schön, aber nicht gut ist. Sie ist unterhaltsam, wirkt aber leider immer wieder zu konstruiert und die Handlung und die Figuren werden nicht genug vertieft. Ihnen wird nicht genug Raum (und Zeit) für ihre Entfaltung gegeben. Das ist schade, denn so vergeudet sie viel Potenzial.
Die Probleme entwickeln sich nicht natürlich aus der Handlung heraus, sondern tauchen plötzlich auf oder sind echt vorhersehbar. Dadurch wirken sie konstruiert und man kann sie nicht wirklich ernstnehmen: Sie verlieren ihre natürliche Leichtigkeit.
Verfasser: Maike Karr am Montag, 1. Juni 2020(Sweet Magnolias 1x10)
Schauspieler in der Episode Sweet Magnolias 1x10
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