
Jonathan Halpern hat einen autoritären Vater, der seinem Ärger Luft macht ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer zu nehmen, was in amüsante, clevere und oft auch politisch inkorrekte Sprüche resultiert, die für Beobachter der Szene schreiend amüsant sein können.
Jonathan Halpern hat diese Kindheit nicht nur überlebt, er hat eine Karriere daraus gemacht. 2009 startete er den Blog „Shit My Dad Says“, woraus ein Jahr später die Serie $#*! My Dad Says resultierte. Es ging um einen erwachsenen Sohn, der gezwungen ist, wieder bei seinen Eltern einzuziehen. Auch wenn die Serie sich nicht lange halten konnte, Jonathan Halpern bekam einen Buchvertrag aus dem die Autobiographie „I Suck with Girls“ entstand. Darauf basiert nun die Serie Surviving Jack.
Worum geht's?
Jack Dunley (Christopher Meloni, Law & Order: Special Victims Unit, Oz) ist ein angesehener Arzt mit Familie. Im Jahr 1991 entscheidet sich seine Frau Joanne (Rachael Harris, Suits, New Girl), zurück an die Universität zu kehren um sich wieder den Rechtswissenschaften zuzuwenden. Das bedeutet, dass der autoritäre Jack sich fortan aktiver ins Familienleben einbringen muss, oder wie er seiner Tochter zur Information am ersten Morgen von der Küche aus zubrüllt: „I'm in charge of parenting!“
Damit beginnt für die Teenagerkinder Rachel (Claudia Lee, Hart of Dixie) und Frankie (Connor Buckley, Deception) eine leidensreiche Zeit, die mit einem verklärenden Blick auf die 90er sehr amüsant sein kann und auch einige herzerwärmende Momente produziert. In der Pilotepisode fassen die Surviving Jack-Macher gleich zwei Meilensteine im Leben eines Teenagers an: Wir sehen Jacks Art, mit seinem Sohn das Gespräch über Sex zu führen und wir erleben Frankies ersten Kuss. Eine Menge Pulver, das bereits in der Pilotepisode verschossen wird, doch es lohnt sich. Am Ende der nur zwanzig Minuten fühlt man sich auf eine behagliche Art - also aus der Entfernung - bereits recht Zuhause im Dunley-Haushalt und kehrt gerne zurück.
Jack ist ein Tyrann im eigentlichen Sinne, auf seine Art trägt er seine Frau auf Händen und möchte für seine Kinder nur das Beste. Doch im Verhältnis zu Letzteren bedeutet das vor allem, dass Jack den festen Freund seiner Tochter nach Möglichkeit ignoriert und seinen Sohn um drei Uhr nachts eine Runde um den Block rennen lässt.
Nachdem Jack seinen Sohn also durch die geheime Mitgabe einer Kondompackung in der Schulcafeteria blamiert hat, bleibt für beide Kinder Joanne erste Ansprechpartnerin bei Problemen. Doch in der Nacht von Frankies erstem Kuss beweist Jack, dass er auch anders kann und dass die richtigen Worte nicht immer kuschelweich gespült sein müssen.
Wie kommt es rüber?
Der autoritäre Familienvater mit Militäreinschlag kommt gut an, besonders da man nach der Pilotepisode erleichtert feststellen kann, dass viele Klischees des Stay-at-Home-Dads von den Surviving Jack-Machern gekonnt umschifft werden. Wir müssen Jack nicht dabei zusehen, wie er an der Einstellung der Mikrowelle verzweifelt oder Fliesenputzmittel in die Waschmaschine kippt. Seine Probleme hat er in erster Linie mit dem Umgang mit seinen Kindern.
Der geneigte aktuelle Comedy-Fan wird sich schnell an eine andere Sitcom mit ähnlichem Thema erinnert fühlen, The Goldbergs. Beide Serien verklären das Bild des autoritären Vaters der späten 80er und frühen 90er Jahre, einer Zeit als Väter das Geld für das Essen verdienten und sich nicht um die emotionalen Belange ihrer Kinder kümmern mussten. Wo die Goldbergs in ihrer liebenswert-schrillen Art weit über die Stränge schlagen, bleibt Surviving Jack mehr in Reichweite der Realität und damit nachvollziehbarer. Dadurch werden auch die Figuren vielschichtiger, wo die Goldbergs Karikaturen werden, finden die Dunleys Individualität.
Fazit
Die Serie Surviving Jack bleibt einem Trend der aktuellen Serienseason treu und bringt uns einen Blick ins Familienalbum eines Serienautors. Neben Growing Up Fisher und The Goldbergs geben die Dunleys dennoch einen eigenen Ton ab und wissen auf ihre Art zu begeistern.
Trailer zur Serie Surviving Jack