Surface (2022) 1x01

© zenenfoto aus der Serie Surface aka The Girl in the Water - hier unser Review zur ersten Folge. (c) Apple TV+
KurzĂŒbersicht
FĂŒnf Monate ist es her, seit Sophie (Gugu Matha-Raw, Loki) sich umbringen wollte und dadurch ihr GedĂ€chtnis verlor. Obwohl Ihr Leben mit ihrem liebenden Mann (Oliver Jackson-Cohen, (The Haunting of Hill House) trotz fehlender Erinnerung perfekt sein könnte, nagt der Wunsch an ihr, mehr ĂŒber ihre Vergangenheit herauszufinden. Doch als sie nach und nach die Puzzleteile ihres Lebens zusammensetzt, offenbaren sich einige Geheimnisse, die vielleicht besser in der Dunkelheit der kalten Fluten geblieben wĂ€ren, in die sich Sophie stĂŒrzte.
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Altbekannt
Ictus (Latein etwa: Schicksalsschlag) gehört zu den vielen Pilotfolgen der letzten Zeit, die es dem geneigten Publikum nicht unbedingt leicht machen. Die Geschichte, die die Produktion Surface (2022) (deutscher Titel: „The Girl in the Water“) erzĂ€hlt, beginnt als typische Thrillerserie mit einer PrĂ€misse, die man in unterschiedlichen Variationen bereits in zahllosen Filmen, Serien und Videospielen erlebt hat. Auf einen Satz reduziert geht es um eine Frau, die ihr GedĂ€chtnis verloren hat, mehr ĂŒber ihre Vergangenheit herauszufinden versucht und dabei auf Geheimnisse stöĂt, die sich erst nach und nach erschlieĂen. Um Spannung zu erzeugen, bietet die Autorin Veronica West (Chicago Fire), diverse Trigger auf, die Neugier erzeugen und die Geschichte manchmal mehr, manchmal weniger voranbringen. Das mag ein wenig abgedroschen klingen, kann aber, wenn es gut geschrieben ist, fĂŒr kurzweilige und spannende Unterhaltung sorgen.
TatsĂ€chlich gelingt das in „Surface“ zumindest streckenweise, vor allem, weil es die Serienmacher recht geschickt hinbekommen, von Anfang an eine geheimnisumwobene AtmosphĂ€re zu schaffen. Egal, ob Sophie bei ihrer Therapeutin ist, sich mit ihrer Freundin trifft oder mit ihrem Gatten eine GeschĂ€ftsparty besucht. Irgendwie wird man das unbestimmte GefĂŒhl nicht los, dass ihr niemand wirklich die Wahrheit darĂŒber erzĂ€hlt, was an jenem Tag geschah, als sie von einer FĂ€hre ins kalte Wasser sprang. Vor allem aber ihr frĂŒheres Leben ist von einer dĂŒsteren Wolke des Mysteriösen umgeben, durch die sie nur nach und nach einige Blicke erhaschen kann. Interessant wird es, als ein Fremder sie zunĂ€chst in einem Restaurant zu observieren scheint und sie eines Tages auf der StraĂe anspricht. Was er ihr zu erzĂ€hlen hat, ist schockierend und aufwĂŒhlend zugleich. Seine kryptische Behauptung, ihr Mann sei nicht der, der er vorgibt zu sein und wĂŒrde ihr nicht alles erzĂ€hlen, was es ĂŒber ihr Leben vor ihrem vermeintlichen Selbstmordversuch zu berichten gĂ€be, löst in Sophie Angst, aber auch Neugier aus.
Dass „Surface“ nach nur 15 Minuten mit dem ersten groĂen Spannungsmoment der Season einsteigt, ist die richtige Entscheidung, zumal der Inszenierungsstil bisweilen ein wenig schwerfĂ€llig daherkommt. Mit einigen Szenen lĂ€sst sich Regisseur Sam Miller schlicht zu viel Zeit, so dass man das GefĂŒhl nicht loswird, dass nun bitte doch endlich etwas passieren muss. Vor allem die Mitte der ersten 49 Minuten weist die ein oder andere LĂ€nge auf, die auch die geheimnisvolle musikalische Untermalung, die ansonsten prima zum Ton der Show passt, nicht abzumildern vermag.
Puzzle

Erfreulicherweise reden wir lediglich ĂŒber ein paar Minuten und im letzten Drittel der ersten Folge der Produktion beginnt Sophie endlich, die kleinen und groĂen Hinweise, die ihr und dem Publikum wie Knochen vorgeworfen werden, wie ein Puzzle zusammensetzen. Eine Streichholzschachtel hier, ein Erinnerungsfetzen da, der seltsame Cop Baden (gut gespielt von Stephan James, Homecoming), ihre Krankenhausakte, zu der sich Sophie heimlich Zugriff verschafft. All diese Indizien verstĂ€rken in ihr den Wunsch, das RĂ€tsel um ihre Person zu lösen, zumal sich das GefĂŒhl des oben angesprochenen LĂŒgennetzes verstĂ€rkt, das sie umgibt.
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Als Sophie beispielsweise in ihrer Akte entdeckt, dass ihr Arm gebrochen war und sie bei ihrer Freundin Caroline (Ari Graynor, Fringe) nachhakt, spĂŒrt man geradezu die unbeholfene LĂŒge, die diese ihr auftischt. Als sich dann auch noch herausstellt, dass der Fremde, der sie in der Bar beobachtete, ein Police-Officer ist, der zudem ein privates Interesse an ihr hat, gerĂ€t die Situation fast auĂer Kontrolle. Hier entwickelt sich der Plot endgĂŒltig vom Drama zum Thriller. Kurz vor Ende der Folge findet Sophie schlieĂlich ihr vergessen geglaubtes Passwort fĂŒr ihr Tablet heraus und entdeckt etwas, das wir aus Spoiler-GrĂŒnden unerwĂ€hnt lassen wollen. Die letzte Szene treibt das Geheimnis weiter voran und soll mit einem Knalleffekt enden, der allerdings weitestgehend ausbleibt, weil die aufmerksamen Zuschauerinnen und Zuschauer an dieser Stelle lĂ€ngst herausgefunden haben dĂŒrften, was Sophie nun erfĂ€hrt.
Fazit

Ictus ist beileibe nicht schlecht, aber eben auch nicht so gut, dass man staunend vor dem Screen sitzt und es kaum erwarten kann, bis das System die nĂ€chste Folge startet. Die PrĂ€misse wurde in den Unterhaltungsmedien vielleicht schon etwas zu oft bemĂŒht, das Pacing stimmt nicht immer und der halbe Cliffhanger am Ende der Pilotfolge ist vorhersehbar. Dem steht ein klug gewobenes Netz von Geheimnissen gegenĂŒber, die neugierig machen und routinierte Schauspieler, die ihr Bestes geben, um diese noch wirkungsvoller aussehen zu lassen. Vor allem Gugu Mbatha-Raw verleiht der Story einen leichten Hauch von „Basic Instinct“-Feeling, der durchaus Sexyness versprĂŒht.
Warum Veronica West und Sam Miller diesen Trumpf aber nicht auch voll ausspielen und in solchen Momenten einen Touch mehr Erotik ins Spiel bringen, ist unverstĂ€ndlich. Die entsprechenden Szenen, die eine gewisse Erwartungshaltung wecken, sind so konsequent harmlos und nichtssagend umgesetzt, dass von einem „sexy Thriller auf gehobenem Niveau“ (so der Pressetext zur Serie) in der Pilotfolge noch nicht viel zu spĂŒren ist. Das mag sich im Verlauf restlichen Episoden natĂŒrlich Ă€ndern und die DebĂŒt-Folge hat sicherlich ihre starken Seiten. AuĂerdem werden garantiert noch einige Twists den RĂ€tselfaktor erhöhen. Ob die Hoffnung auf so eine Entwicklung aber genĂŒgt, um alle acht Folgen sehen zu wollen, ist letztlich eine Frage des Gustos. Den Geschmack des Rezensenten konnte der Serienstart leider nicht voll treffen.
Hier der Originaltrailer zur neuen Serie „Surface“ aka „The Girl in the Water“, die heute beim Streamingdienst Apple TV+ an den Start gegangen ist:
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 29. Juli 2022Surface (2022) 1x01 Trailer
(Surface (2022) 1x01)
Schauspieler in der Episode Surface (2022) 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?