Superstore 1x01

NBC schickt eine Workplace-Sitcom ins Rennen, die das Team eines riesigen Supermarktes ins Zentrum des Interesses stellt. In der Pilotepisode lernen wir die bunten Charaktere kennen - und stellen am Ende wenig überrascht fest, dass Ben Feldman nach A to Z in der nächsten Liebescomedy gelandet ist.
Worum es geht
Die wichtigste Fähigkeit, die man als Angestellter im Supermarkt „Cloud 9“ haben muss, ist immer beschäftigt auszusehen. Wer eigentlich was genau machen sollte, erfahren wir nicht, aber das Wichtigste scheint ohnehin die Hierarchie zu sein.
Schon nach wenigen Minuten ist klar, welche zwei Charaktere man sich auf jeden Fall merken muss: Amy (America Ferrera; Ugly Betty, The Good Wife) alias Ramona und Neuling Jonah (Feldman). Amy ist Abteilungsleiterin, zu schlau für einen uns als extrem eintönig beschriebenen Job und an der Schwelle zur Verbitterung, weil sie ihn trotzdem seit zehn Jahren macht. Jonah ist der Neue, der sich noch deutlich von seinem Job distanzieren kann, ihm haben die Jahre halt noch nicht zugesetzt. Er fühlt sich fehl am Platze, ist aber im Grunde genommen ein freundlicher Zeitgenosse, der nicht im negativen Sinne selbstüberzeugt ist, sondern unter einer angeborenen Grundarroganz leidet, über die er ja bereits in der Pilotepisode teilweise hinwegkommt.
Außerdem treffen wir auf „Cloud 9“ auf Dina (Lauren Ash, Another Period), die auch auf einer Leitungsebene steht und sich vor allem durch eine militärische Vorbildung auszeichnet. Und seit der Pilotepisode auch dadurch, dass sie fälschlicherweise annimmt, Jonah sei an ihr interessiert.
An der Spitze der hiesigen Machtpyramide steht Glenn (Mark McKinney, „The Kids in the Hall“), aber nach alter Tradition der Workplace-Sitcoms geht ihm ernst zu nehmende Führungsfähigkeit ab und er hat die Kontrolle über seine Truppe längst verloren. Bisher zeigt er sich als liebenswürdiger Chef, schnell zu begeistern und mit einer Tendenz zum Naiven.
Besonders clever kommt auch die hochschwangere Cheyenne nicht daher, die sich vor allem durch ihre Partnerwahl selbst demontiert. Den ersten Hochzeitsantrag macht Bo (Johnny Pemberton, Family Tools) ganz lässig während ihrer Schicht in den Gängen mit einem Ring, den er vorher für wenige Dollar bei Amy gekauft hat. Für den zweiten Anlauf verwandelt er einen angeblichen Überfall in einen Tanzflashmob.
Den Moment nutzt Jonah, der sich in der Zwischenzeit ein bisschen in Amy verguckt hat, um ihr mithilfe eines Sternenhimmels einen Tag zu bescheren, der sich von der Vorhersehbarkeit abhebt. Am Ende der Episode stehen alle zusammen und zeigen damit, in welche Richtung die Serie wohl gehen wird. Im öden, aber grell blinkenden Alltag der Einkaufswelt sind die Angestellten zu einem Team zusammengewachsen, das gegen ätzende Kunden, die echte Chefetage und andere Gegenspieler zusammenstehen wird.
Wie kommt es rüber?
Neben der Wohlfühlatmosphäre, die sich in der Serie Superstore wie ein Nebel auf das Angestelltenleben im Einzelhandel legt, gehört auch eine ordentliche Portion Romantik zum Programm der neuen Sitcom. Was auf den ersten Blick also ziemlich bieder und langweilig klingt, kann sich dann aber überraschenderweise doch sehen lassen. Zumindest im direkten Vergleich mit Sitcoms wie Dr. Ken hat das Team aus dem Warenhaus einiges mehr zu bieten. Nichts ist bahnbrechend originell, aber eben auch nicht nervig.
Die Storys aus „Cloud 9“ sind mit komischen, kurzen Szenen garniert, wie die, in der Amy ein kleines Kind sieht, das in einem Gang seine Notdurft verrichtet. Sie stockt kurz und entscheidet sich dann dafür, das Ganze einfach nicht gesehen zu haben. Die Gags, die wir in der ersten Episode geboten bekommen, sind ebenfalls in dieser angenehmen Grauzone angesiedelt - nicht herausragend gut, aber eben auch nicht schlecht. Wenn man bedenkt, dass noch Luft nach oben vorhanden ist und die vielleicht auch genutzt werden kann, wenn die Anforderungen einer Pilotepisode erst einmal aus dem Weg geräumt sind, dann kann man die Superstore-Episoden bestens für einen dunklen Wintertag sammeln.
Doch man kann natürlich auch mal in der britischen Comedyserie Trollied vorbeischauen, die das Thema des Supermarktteams bereits seit 2011 in äußerst unterhaltsamer Weise bedient. Beide Serien unterscheidet trotz der auffällig gleichen Prämisse so einiges. Wo in der US-Serie gleich der Sternenhimmel aufgefahren wird, bleibt die britische Serie doch eher bodenständig. Auch der Supermarkt als Umfeld wirkt in „Trollied“ wichtiger. Bisher könnte Superstore auch an anderen Plätzen stattfinden. Doch das ist natürlich etwas unfair, denn immerhin hatten America Ferrera und ihre Kollegen erst 20 Minuten Zeit, sich zu beweisen. Da kann natürlich noch einiges kommen.
Fazit
Das ist das Gefühl, was beim Anschauen der Pilotepisode generell vorherrscht: die vage Ahnung, dass das, was im Moment schon ganz okay ist, sich noch steigern könnte.
Trailer zur Serie „Superstore“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 3. Dezember 2015Superstore 1x01 Trailer
(Superstore 1x01)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?