Supernatural 13x04

© ensen Ackles und Jared Padalecki in âSupernaturalâ (c) The CW
Castiel
Die Nebenhandlung findet in der schwarzen Leere statt, wo Castiel (Misha Collins) sich zunĂ€chst alleine vorfindet. Einen Ausweg gibt es ebenso wenig wie andere Personen, womit er der Verzweiflung nahe ist. Aber sein Wachzustand erregt schlieĂlich die Aufmerksamkeit eines kosmischen Wesens, welches gerne die Ruhe in der Leere wiederherstellen möchte.
Das ging schneller als erwartet. Unserem Engel stehen zwar einige unangenehme Szenen bevor, die ihm unter anderem seine schlimmsten Erlebnisse vor Augen fĂŒhren. Aber am Ende bleibt der kosmischen EntitĂ€t keine andere Wahl, als ihn wieder zurĂŒck zur Erde zu schicken - um der Ruhe Willen. Denn die scheinbar unbegrenzte Macht der Kreatur, welche schon vor Gott und der Schöpfung existierte und die Dunkelheit hĂŒtete, vermag es kurioserweise nicht, Jacks (Alexander Calvert) Weckruf entgegenzuwirken und Castiel wieder schlafen zu legen.
Erfreulich ist dabei, dass Castiel sich tatsĂ€chlich selbst und ohne die Mithilfe von Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) gegen das Wesen behaupten kann. Es muss - abgesehen von Jacks kleiner Intervention letzte Woche - also niemand irgendwelche Rituale oder sowas vollziehen, womit die Leere quasi von auĂen unangetastet bleibt. Collins darf zudem eine Doppelrolle spielen und kann erneut zeigen, wie gut er zwischen den verschiedenen Rollen wechseln kann. Das macht schon SpaĂ.
Am Ende bleibt aber trotz aller Szenen der Eindruck, dass es Castiel zu leicht gemacht wurde. Zwar möchte wohl niemand sehen, wie sein Aufenthalt dort unnötig in die LĂ€nge gezogen wird. Aber ein paar zusĂ€tzliche Tests oder PrĂŒfungen, mit denen er sich seine RĂŒckkehr erst verdienen muss, hĂ€tte es trotzdem geben können.
Fall der Woche
Der Fall der Woche bewegt sich nĂŒchtern betrachtet in bekannten Gefilden. Ein Monster treibt sein Unwesen und zieht mordend durch die Gegend, was die Aufmerksamkeit von Sam und Dean erregt. ZunĂ€chst muss herausgefunden werden, um welche Kreatur es sich dabei handelt. Ist es ein Geist? Ein WiedergĂ€nger? Oder doch etwas ganz anderes? Leicht ungewöhnlich - aber noch nicht unbedingt neu - wird es, als der vermeintliche MissetĂ€ter sich als gutartiges Wesen entpuppt. Denn Mia (Rukiya Bernard) setzt ihre Formwandler-FĂ€higkeiten ein, um Leuten zu helfen. Dem wahren Bösewicht Buddy (Niall Matter) kommen die BrĂŒder erst spĂ€ter auf die Schliche, wobei im Grunde genommen der mehr oder weniger ĂŒbliche Endkampf abgeliefert wird. Also besserer Durchschnitt?
Weit gefehlt! Jacks Anwesenheit alleine bringt schon eine gewaltige Ănderung mit. Aber hĂ€tte man ihn ânurâ dabei gehabt - quasi als Beobachter, der die Kniffe der Jagd erlernen soll - wĂ€re die Begeisterung womöglich verhaltener ausgefallen. Was der Fall der Woche mitbringt, ist vielmehr eine emotionale Achterbahnfahrt fĂŒr sowohl Sam und Dean als auch fĂŒr Jack. Keiner der drei kommt ungeschoren davon. Jeder wird durch die Ereignisse (und auch durch Mia) emotional gefordert. Und das alles eingebettet in die Geschichte um die Formwandler. Wunderbar.

Dean
Dean gibt sich anfangs unverĂ€ndert und ist nicht gerade begeistert davon, dass Sam Jack mitnehmen will. Seine miese Haltung gegenĂŒber Jack kann den Zuschauer zuweilen auf die Palme treiben, ist aber mit Blick auf die letzten Episoden konsequent. Als die drei bei Mia schlieĂlich auf der Couch sitzen und sich die Unterhaltung in Richtung Mary (Samantha Smith) bewegt, bekommt auch Sam vom Ă€lteren Bruder sein Fett weg. Kalt und stur bringt er das Mutterthema und seine Ansicht dazu zur Sprache, womit aus dem Vorwand, unter dem die drei bei Mia auftauchten, plötzlich bitterer Ernst wird. Sam ist schlieĂlich so aufgebracht, dass er den Raum verlassen muss - und wir sind uns an der Stelle sicher, dass diese Reaktion nicht vorgetĂ€uscht war, um Sam eine Gelegenheit zur Durchsuchung der Wohnung zu geben.
Interessanterweise durchschaut Mia Deans Verhalten aber sofort und zieht auch die richtigen SchlĂŒsse in Bezug auf Jack und Dean. Keine schlechte Leistung fĂŒr den Shapeshifter, dessen IdentitĂ€t im nĂ€chsten Moment enthĂŒllt wird. Und diese EnthĂŒllung liefert nicht das Monster hinter den Morden. Mia hilft ihren Patienten, nutzt ihre FĂ€higkeiten, damit sie ihre Verstorbenen noch einmal sehen und Abschied nehmen können. Eine gelungene Ăberraschung, zeigt sich doch ein weiteres Mal, dass nicht alle Kreaturen böse sind. Mehr noch, Mia hilft den Winchestern anschlieĂend bei der Suche nach dem wahren MissetĂ€ter.
Diese Offenbarung wird sicher einen Eindruck bei Dean hinterlassen haben, denn sie passt nicht zu dem Bild, welches er stĂ€ndig von Jack wiedergibt. Dass Mia die Folge ĂŒberlebt (und nicht von Dean getötet wird - eine BefĂŒrchtung, die man durchaus haben konnte), obwohl sie als Formwandler ein Monster per Definition darstellt, spricht BĂ€nde. Aber erst Jacks Einsatz am Ende wird bei Dean das dringend benötigte Umdenken eingeleitet haben.
Wer jetzt meint, dass Dean sich in seiner Einstellung um 180 Grad gedreht hat, liegt falsch. Zwar sind seine abschlieĂenden Worte an Sam - „I need you to keep the faith. For both of us.“ - eher in Richtung Mary-Thematik gerichtet, lassen sich aber auch auf Jack anwenden. Somit bröckelt die Mauer, die den Ă€lteren Winchester-Bruder umgibt, aber seine Skepsis bleibt erhalten. WĂ€hrend er Sam das sehr eindeutig und treffend vermittelt, darf Jack sich ĂŒber ein kleines Lob am Ende freuen. „You did good today.“

Sam
Sam muss sich anfangs um Schadensbegrenzung bemĂŒhen, da Jack das StreitgesprĂ€ch zwischen den BrĂŒdern am Ende von Patience mitbekommen hat und ĂŒberhaupt nicht Teil des neuen Abenteuers sein möchte. Da gilt es zunĂ€chst, dem Jungen zu vermitteln, dass er kein „interdimensional can-opener“ ist, sondern Sam tatsĂ€chlich an ihn glaubt. Sehr feinfĂŒhlig wird hier vorgegangen und mit der Aussicht darauf, dass Jack Dean im Verlauf des neuen Falls beeindrucken könnte, gibt es schlieĂlich auch die passende Motivation fĂŒr Jack. „Look, if there's one thing Dean respects, it's effort. So come along, help us out. Let's be the good guys.“
Schwieriger wird es dann fĂŒr Sam, als der neue Fall untersucht wird und Dean keine Gelegenheit auslĂ€sst, um Jack in schlechtem Licht dastehen zu lassen - sei es aufgrund seiner Unerfahrenheit oder weil es zu lange dauert, bis Jack mit Hot Dogs und Kaffee wiederkommt. Das ist unfair und Sam ziemlich machtlos gegenĂŒber Dean, der dem Jungen offensichtlich keine Chance geben will. Aber es war nicht anders zu erwarten, dass nur Jack selbst da eine VerĂ€nderung bewirken kann.
ZurĂŒck zu Sam. Die Sitzung bei Mia bringt hier verstĂ€ndlicherweise die GefĂŒhle zur Wallung. Dean trifft da nicht nur einen Nerv, sondern bringt Sam dazu, sich am Ende noch einmal nĂ€her mit dem Thema Mary zu beschĂ€ftigen. Erschreckenderweise ist er in der BM Szene (âboy melodramaâ, nicht âbowel movementâ) sogar bereit, auf Deans harte Worte zu hören und stellt die Hoffnung darauf, dass Mama Winchester noch leben könnte, in Frage. Das kommt unerwartet, zeigt aber einmal mehr, dass die Beeinflussung der beiden BrĂŒder aufeinander in beide Richtungen geht.
Hier liegt es jetzt bei Dean, sich in Schadensbegrenzung zu ĂŒben. Er braucht Sams Hoffnung, auch wenn er selbst keine hat. Entsprechend darf er sich - wenn auch nur kurz - gegenĂŒber Sam öffnen. Ein toller Abschluss fĂŒr die Achterbahnfahrt.
Jack
Die meisten Entwicklungen gibt es diese Woche bei Jack zu verbuchen. Angefangen mit dem relativ hoffnungslosen Zustand zu Beginn der Episode geht es fĂŒr ihn im Folgenverlauf aber aufwĂ€rts, was eine generell freudige Entwicklung ist. Denn verdient hat er es sich allemal.
Von Sam mit der Aussicht darauf ausgestattet, Dean möglicherweise beeindrucken zu können, bekommt er Gelegenheit, einige grundlegende Dinge ĂŒber die Jagd zu erfahren. Deans Schikanen lĂ€sst er ĂŒber sich ergehen, allerdings hinterlĂ€sst die Offenbarung, dass seine Mutter Kelly (Courtney Ford) verbrannt wurde, deutliche Spuren. Zumal das Thema Mutter auch bei den BrĂŒdern diese Woche eine gröĂere Rolle spielt.
Da ist es sehr passend, dass Mia ihre Therapiemethode bei Jack anwenden kann. Es dĂŒrfte ihm zwar klar sein, dass er nicht wirklich Kelly vor sich hat. Trotzdem gibt ihm dieser Moment mitsamt Umarmung die Möglichkeit, in emotionaler Hinsicht Abschied zu nehmen. Noch wichtiger ist aber, dass Mia, die zu diesem Zeitpunkt bereits als âMonsterâ entlarvt wurde, genau die richtigen Worte findet. „It doesn't matter, what you are. It matters, what you do. And even monsters can do good in this world.“

Mia gibt hier das beste Beispiel fĂŒr Jack ab, dass auch er zu guten Dingen fĂ€hig ist. Als es gegen Ende hart auf hart kommt, bleibt er zwar zunĂ€chst unter seinen Möglichkeiten (auf Kommando kann er seine FĂ€higkeiten noch immer nicht abrufen). Aber im entscheidenden Moment und als Sams Leben bedroht ist, kommt der erlösende Schlag. Dieser Einsatz hatte kein Selbstschutzmotiv und diente auch nicht dazu, irgendwelche verbuddelten Bösewichte auszugraben. Erstmalig seit seiner Geburt setzt Jack seine FĂ€higkeiten ein, um jemanden zu retten (okay, den Weckruf an Castiel mal auĂen vorgelassen). Und dabei hĂ€lt er Buddy nur auf, denn der tödliche Schuss wird kurz darauf von Sam abgefeuert.
Unterm Strich eine gelungene Entwicklung, die Jack am Ende sogar ein kleines Lob von Dean einbringt. Und wie viel dieses Lob bedeutet, sieht man Jack direkt an. Er kann wieder neue Hoffnung schöpfen, was seinen Werdegang angeht. Mal schauen, ob er bald auch in der Lage ist, seine KrÀfte kontrolliert einzusetzen.
Fazit
Besser lĂ€sst sich ein Fall der Woche kaum mit den Figuren verbinden. Das war kein einfaches, konsequenzloses Abenteuer, um die Staffel zu fĂŒllen, sondern eine wichtige Charakterepisode. Hut ab! Einen kleinen Punktabzug gibt es allerdings fĂŒr die Nebenhandlung, die zwar an sich in Ordnung war, aber ein wenig zu schnell vonstatten ging, um die RĂŒckkehr einer gewissen Figur zu bewerkstelligen. Von mir gibt es diese Woche 4,5 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 4. November 2017Supernatural 13x04 Trailer
(Supernatural 13x04)
Schauspieler in der Episode Supernatural 13x04
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