Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 12x10

Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 12x10

In der Folge Lily Sunder Has Some Regrets der US-Serie Supernatural erhält Castiel einen Hilferuf von einem ihm bekannten Engel. Die Winchesters schließen sich ihm an um herauszufinden, wer es da auf Castiels alte Freunde abgesehen hat und eine Spur aus toten Engeln hinterlässt.

Misha Collins, Jensen Ackles und Jared Padalecki in „Supernatural“ / (c) The CW
Misha Collins, Jensen Ackles und Jared Padalecki in „Supernatural“ / (c) The CW
© isha Collins, Jensen Ackles und Jared Padalecki in „Supernatural“ / (c) The CW

Gestörte Verhältnisse

Als Castiel (Misha Collins) letzte Woche Billy (Lisa Berry) den Garaus machte, nahm er kosmische Konsequenzen in Kauf, um einem Winchester das Leben zu retten. Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) wissen nur allzu gut, wie derartige Konsequenzen aussehen können und sind nicht gerade glücklich, sich in naher Zukunft erneut gegen etwas - wie auch immer es dann aussehen mag - wehren zu müssen. Während Sam die Sache allerdings bereits akzeptiert hat und Castiels Handeln versteht, ist Dean während der Episode auf Krawall gebürstet, was unseren Engel angeht.

Bis zu einem gewissen Grad und mit Blick auf solche Dinge wie das Kainsmal, bei dem er damals die Warnung ignorierte, kann man Dean hier verstehen. Doch der von ihm eingeschlagene Aggressionskurs gegenüber Castiel fängt relativ schnell an zu nerven. Vor allem mit Blick darauf, dass Cas sein bester Freund ist und er zunächst stur ignoriert, dass Billy sonst einen von ihnen beziehungsweise Mary (Samantha Smith) mitgenommen hätte. Da wünscht man sich anfangs fast, die Brüder wären zusammen mit Mutti auf Shapeshifter-Jagd gegangen, während Castiel das neu auftauchende Problem alleine in Angriff nimmt.

Glücklicherweise renkt das gemeinsame Abenteuer unserer drei Protagonisten aber die Verhältnisse gegen Ende wieder ein. Das ist auch gut so, denn es stehen in Zukunft noch weit wichtigere Dinge auf dem Plan, um die es sich zu kümmern gilt. Kelly (Courtney Ford) beziehungsweise ihr (ungeborenes) Kind, die angesprochenen kosmischen Konsequenzen aus dem geplatzten Deal mit Billy und die britischen Men of Letters zum Beispiel. Da braucht es nicht noch einen angefressenen Dean, der mit seinem „Best Buddy“ keine Kirschen mehr essen will - oder auf Musik während der Autofahrt verzichtet.

Jensen Ackles, Misha Collins und Jared Padalecki in „Supernatural“
Jensen Ackles, Misha Collins und Jared Padalecki in „Supernatural“ - © The CW

Lily Sunder

Der Fall der Woche ist etwas, was nichts mit dem Staffelbogen (wie auch immer der letzten Endes aussehen wird) zu tun hat. Halt, das ist nicht ganz richtig. In gewisser Weise wird hier das Thema „Nephilim“ aufgegriffen, womit es durchaus eine Verbindung zum Kelly-Problem gibt, welches gegen Ende auch wieder in den Fokus rückt. Denn, wenn es hart auf hart kommt, wird einer unserer Helden gezwungen sein, ein Kind zu töten und diese Aussicht ist - böser Nephilim des Teufels hin oder her - nicht gerade eine, auf die sie sich freuen. Es bleibt zwar die Hoffnung, dass sich eine alternative Lösung ergibt, wenn sie Kelly ausfindig machen - aber diese Hoffnung dürfte eher geringer Natur sein.

Jetzt aber zurück zum Abenteuer dieser Woche: Lily Sunder (Alicia Witt) ist diejenige, die es auf Castiel und seine geflügelten Freunde abgesehen hat. Lang, lang ist es her, da haben einige Engel ihrer Familie einen Besuch abgestattet, um ihren Mann (Nils Hognestad) und ihre Tochter (Ava Sleeth) zu töten. Darunter war auch Castiel, der zu der Zeit einen weiblichen Wirt (Jessa Danielson) hatte. Das Motiv für die Morde ist schnell erklärt, denn Lilys Gatte war der Engel Akobel und ihre Tochter May sollte ein Nephilim sein.

Der Rückblick, der uns von Ishim (Ian Tracey) und Cas erzählt wird, lockt uns und die Winchesters allerdings auf eine falsche Fährte. Denn, wie sich später herausstellt, war alles ganz anders. Womit uns eine Überraschung erwartet, die sowohl Lily als auch Ishim in einem anderen Licht dastehen lässt...

Für gewöhnlich sind die Fälle der Woche bei den Winchesters anders gestrickt. Es gibt zwar immer wieder kleinere Überraschungen und Wendungen, aber die drehen sich hauptsächlich darum, um welches Monster es denn nun wirklich geht und wie es zu besiegen ist. Ansonsten verläuft die Jagd fast immer sehr geradlinig und direkt, ohne dass die eigentliche Geschichte umgedreht wird. Hier erleben wir allerdings eine Wendung um nahezu 180 Grad, was doch eher ungewöhnlich ist (jedenfalls für Fälle der Woche).

Wenn man genau aufpasst, kann man zwar erahnen, dass mit Ishim etwas nicht stimmt. So erwähnt Cas schon zu Beginn, dass er keine Menschen mag und Ishim betont mehrfach, dass er in Gottes größter Schöpfung bloß Tiere sieht. Aber, dass er aus Eifersucht so weit geht, ein harmloses Mädchen umzubringen und noch dazu seinen himmlischen Freunden eine Lüge auftischt, um sein Vorhaben durchzuziehen, ist schon ein starkes Stück. Dieser Twist hat jedenfalls gesessen und hebt die gesamte Episode ein deutliches Stück nach oben.

Einziges Manko an der Sache: Ishim sollte bei seiner Sicht der Dinge (und auch mit Blick darauf, wie langsam Castiel seine menschliche Gefühlswelt aufgebaut hat) eigentlich keine großen Empfindungen für Menschen haben - genau das eben, was er immer wieder betont. Aber für Lily hat er scheinbar etwas empfunden und die Zurückweisung nicht ertragen. Und das war wohlgemerkt zu einer Zeit, als die Engel noch im Himmel hausten und kaum Kontakt mit Menschen hatten.

Merkwürdig also, dass Ishim in kurzer Zeit dann doch zu solch starken Gefühlen fähig war, dass er schließlich zum Monster wurde. Abschließend sei an dieser Stelle noch Ian Tracey für seine Darstellung des Ishim gelobt - der Mann versteht es oft, in seinen Rollen zu überzeugen und konnte diese Woche auch die Welt von Supernatural um eine gute Figur reicher machen (auch wenn wir ihn nur dieses eine Mal in der Serie sehen).

Misha Collins und Ian Tracey in „Supernatural“
Misha Collins und Ian Tracey in „Supernatural“ - © The CW

Und Lily? Ihre Geschichte und ihre Fähigkeiten waren schon sehr beeindruckend. Alleine schon, dass eine scheinbar kaltblütige Killerin im Folgenverlauf zu einer Figur wird, mit der es sich mitfühlen lässt, ist eine Besonderheit. Aber obendrein noch solch übernatürliche Kräfte zu entwickeln, mit der man Engeln die Stirn bieten kann, setzt dem Ganzen die gelungene Krone auf. Schade, dass diese Eigenschaften mit einem hohen Preis daherkommen, sonst hätten die Winchesters womöglich noch das eine oder andere davon mitnehmen können. Aber die Seele zu riskieren, kommt natürlich nicht in Frage (Sam weiß da schließlich genau, was das bedeuten kann).

Castiel

Was unseren Engel angeht, ist er nun endgültig auf einem menschlichen Level angelangt. Diese Entwicklung (die sich schon letzte Woche stark bemerkbar machte) ist eine positive und wird auch wunderbar in seinen Gesprächen mit Ishim genutzt. Zwar wird auch bestimmt in den kommenden Folgen noch des Öfteren seine Unbeholfenheit in gewissen Dingen amüsant genutzt werden, aber er steht schon länger nicht mehr mit einem Fragezeichen im Kopf herum, wenn es um menschliche Eigenschaften und Gefühle geht.

Im Vergleich zu den anderen Engeln, die wir diese Woche zu sehen bekommen, ist Castiel der eindeutig schwächere. Er braucht länger, um sich zu erholen und seine übernatürlichen Fähigkeiten sind weiterhin eingeschränkt. Dafür reiht er sich allerdings besser bei seinen menschlichen Gefährten ein und wirkt... nun ja... menschlicher. Es wusste jedenfalls zu gefallen, wie er sich diese Woche schlägt - sowohl gegenüber „Angry-Dean“ als auch gegenüber Ishim und schließlich Lily. Als kleinen Kritikpunkt könnte man höchstens anmerken, dass er diese Woche erneut jemanden hinterrücks ersticht - und backstabbing ist kein Hobby, dem er dauerhaft nachgehen sollte.

Abschließend sei noch angemerkt, dass die große Präsenz an Engeln im Großen und Ganzen mal wieder guttut, auch wenn deren Zahlen weiter dezimiert werden. Es stimmt jedenfalls positiv, dass sich noch gute Geschichten mit ihnen erzählen lassen und sie nicht gänzlich (also, abgesehen von Cas und Lucifer) zu Randfiguren verkommen sind.

Alicia Witt, Jensen Ackles, Misha Collins und Jared Padalecki in „Supernatural“
Alicia Witt, Jensen Ackles, Misha Collins und Jared Padalecki in „Supernatural“ - © The CW

Fazit

Endlich wieder eine gute Folge. Anstehende größere Ereignisse lassen zwar noch auf sich warten und sowohl Mary als auch die Briten nehmen sich diese Woche eine Auszeit, aber dieser Schatten aus Castiels Vergangenheit war eine gelungene Abwechslung und bot eine Überraschung, die sich wirklich als solche bezeichnen lässt. Ganz ohne Schwächen kommt zwar auch Lily Sunder Has Some Regrets nicht aus, aber unterm Strich war das ein guter Fall der Woche und das lässt in Bezug auf die Serie zuversichtlich in die Zukunft sehen. Von mir gibt es übrigens vier von fünf Sternen.

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 4. Februar 2017

Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 12x10 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 10
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 12x10)
Deutscher Titel der Episode
Alte Wunden
Titel der Episode im Original
Lily Sunder Has Some Regrets
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 2. Februar 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 3. Dezember 2017
Autoren
Steve Yockey, Davy Perez
Regisseur
Thomas J. Wright

Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 12x10

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