Supernatural 11x22

Supernatural 11x22

In der Folge We Happy Few der US-Serie Supernatural gilt es zunĂ€chst, die Gang fĂŒr den großen Kampf zusammenzutrommeln und gewisse Wogen ein wenig zu glĂ€tten. Wer den großen Showdown erst fĂŒr nĂ€chste Woche erwartet hatte, wird ĂŒberrascht sein.

Bild aus der Episode „We Happy Few“ der Serie „Supernatural“ / (c) The CW
Bild aus der Episode „We Happy Few“ der Serie „Supernatural“ / (c) The CW
© ild aus der Episode „We Happy Few“ der Serie „Supernatural“ / (c) The CW

Lucifer and God

Das Aufeinandertreffen von Casifer (Misha Collins) und Chuck (Rob Benedict) a.k.a. Gott bringt wie vermutet einige Probleme mit sich. Beide sind vom jeweils anderen enttĂ€uscht und zunĂ€chst scheint kein Weg zu einer Schlichtung zu fĂŒhren, denn jeder beharrt auf seiner Position.

Der Ansatz, den die Macher hier gewĂ€hlt haben, funktioniert leider nur begrenzt. Gut gemacht waren die VorwĂŒrfe, die Lucifer seinem „Vater“ macht und wie Chuck darauf reagiert. Diese Aussprache und anschließende Versöhnung war eine Notwendigkeit, denn es wĂ€re unglaubhaft gewesen, wenn die beiden sich auf Anhieb wieder verstanden hĂ€tten - da wiegt die Vergangenheit der beiden dann doch zu schwer.

Weniger gut waren dann leider die Szenen, die wohl humorlastig sein sollten. Es ist aber nicht nur nicht lustig, wenn Lucifer wie ein bockiges Kind in sein Zimmer verschwindet und laute Musik hört oder wenn Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) die Therapeuten von Gott und Teufel mimen (obwohl dort ein paar Witze annehmbar waren). Nein, der angestrebte Humor schwĂ€cht hier gleichzeitig die Lage ab, lĂ€sst uns das Gezeigte weniger ernst nehmen und schadet obendrein noch den Figuren. Ein Lucifer aus Staffel fĂŒnf hĂ€tte wohl kaum das Verhalten an den Tag gelegt, was wir hier vom gefallenen Engel zu sehen bekommen.

Unterm Strich kommt Chuck in diesem Kapitel noch am besten weg. Anfangs recht störrisch und darauf beharrend, dass er damals keine Wahl hatte, ist er schließlich doch fĂ€hig zur Selbstkritik, rĂ€umt Fehler ein und gibt eine ernst gemeinte Entschuldigung von sich. Außerdem scheinen bei ihm die lustigen Momente besser zu funktionieren. „World's Greatest Dad“ eben.

Chuck in „Supernatural“
Chuck in „Supernatural“ - © The CW

Rowena

Von allen VerbĂŒndeten, die Sam, Dean, Chuck und Casifer anschließend zusammentrommeln, um den Kampf gegen Amara (Emily Swallow) anzutreten, scheint Rowena (Ruth Connell) am wenigsten zur Gang zu passen. Engel und DĂ€monen, klar, die gehören dazu. Aber Hexen?

Zugutehalten kann man Rowena allerdings, dass sie sich selbst in allen ihren Szenen treu bleibt. Überraschend ist höchstens, dass es ihr tatsĂ€chlich gelingt, andere Hexen fĂŒr den großen Plan zu gewinnen. Andererseits, wenn das Ende durch die Dunkelheit bevorsteht, mĂŒssen sich wohl auch ihre Konkurrentinnen zusammenreißen.

Ob man Rowena in dieser Episode mag, liegt am persönlichen Geschmack. Aber wie gesagt, sie bleibt sich treu, denn als Amara tatsĂ€chlich vor der TĂŒr steht, hat es zunĂ€chst den Anschein, dass Crowleys (Mark Sheppard) Mutti mal wieder die Seiten wechselt. Auch ihr vorheriger Flirtversuch mit Chuck passte da ins Bild.

Aber wie kommt es eigentlich, dass Amaras Verteidigung beziehungsweise Gegenangriff dem weit entfernten Hexenzirkel den Garaus macht, wĂ€hrend Rowena kaum etwas abbekommt? Ach ja, wir haben es hier ja mit Magie zu tun. Wer weiß schon, wie sich die magische Verbindung da genau auswirkt? Gut möglich, dass Amaras Gegenschlag durch die Verbindung grĂ¶ĂŸtenteils „weitergeleitet“ wurde.

Crowley

Der King of Hell ist nur noch ein Schatten seiner selbst, wenn wir ihn diese Woche das erste Mal sehen. Da hat er es doch glatt geschafft, einige DĂ€monen um sich zu versammeln und am Ende machen sich alle ĂŒber ihn lustig. Wie er dann spĂ€ter auf seinem Thron sitzt, als Dean ihn fĂŒr den großen Showdown rekrutiert, vermittelt nicht gerade ein besseres Bild.

Es ist irgendwie schade, dass die Figur, die sonst mit allen Wassern gewaschen war, soweit heruntergekommen ist. Dem Rezensenten fehlt der alte Crowley, der fĂŒr alles eine Alternative parat hatte und sich nie unterkriegen ließ. Der Crowley, der stets einen kontrollierenden Eindruck vermittelte und fĂŒr den Fall, dass er (scheinbar) ausgetrickst wurde, ein Ass aus dem Ärmel schĂŒttelt und das Blatt erneut wendet.

Crowley in „Supernatural“
Crowley in „Supernatural“ - © The CW

Aber gut, hier sind höhere MĂ€chte am Werk. Da lĂ€sst sich noch akzeptieren, dass er ins Team geholt wird und insgesamt eher eine Nebenrolle spielt. Was dabei nicht so ganz einleuchten will: Wie hat er es geschafft, die DĂ€monen von ihrem Einsatz zu ĂŒberzeugen? Deans Worte haben da in die richtige Richtung gezeigt und ihm bestimmt ein paar Ideen gegeben. Aber wo blieb die Szene, in der er seinen Kollegen von dem großen Plan erzĂ€hlt und die DĂ€monenwelt zum Kampf motiviert? Genau so etwas hĂ€tte man doch erwartet. Aber da kam nichts. Die nĂ€chsten Szenen nach Deans Besuch zeigten ihn schon im Team, die DĂ€monen offensichtlich einsatzbereit.

Es war natĂŒrlich nichtsdestotrotz schön, Crowley dabei zu haben. Wenn schon die Erzengel ausfallen, dann darf auch gerne auf unseren Crossroad-Demon zurĂŒckgegriffen werden. NĂ€chstes Mal aber dann bitte mit etwas mehr Elan und ohne, dass man direkt ahnt, worauf es hinauslĂ€uft (war doch irgendwie klar, dass der scharlachrote Rauch zum Einsatz kommt, oder?) - unerwartete Überraschungen eben, wie man es vom King of Hell gewohnt ist.

Engel

Nur ganz kurz zur BĂŒroetage: Castiel durfte sich endlich mal wieder „nach vorne“ schalten und die himmlischen Kollegen von einer Zusammenarbeit mit Lucifer ĂŒberreden. Collins spielt wie gewohnt gut - die ganze Episode ĂŒber.

Aber hĂ€tte das erneute „Smiting“ (sollte es doch sein, oder?) nicht etwas grĂ¶ĂŸere Auswirkungen haben mĂŒssen? Beim ersten Mal kam das bombastischer und vernichtender rĂŒber - wir erinnern uns kurz, dass Dean das Weite suchen musste. Dieses Mal ließ sich nicht viel davon verspĂŒren. Ein Schlag auf Amara, der ihr zwar zusetzt, aber bei Weitem nicht so sehr wie damals. Kann gut sein, dass sie jetzt darauf vorbereitet war. Aber Rowena liegt in (unmittelbarer) Reichweite, ohne Schaden zu nehmen. Komisch. Vielleicht braucht es auch nur mehr Zeit, damit die Engel einen wirklich wuchtigen Schlag auslösen können? Eine große Hilfe schienen sie jedenfalls nicht gewesen zu sein.

Castiel in „Supernatural“
Castiel in „Supernatural“ - © The CW

Showdown

Im Grunde genommen war es das, was man sich fĂŒr das Staffelfinale erwartet hĂ€tte: Amara vs. Chuck! Der Kampf der Geschwister bekommt dabei aber leider nicht die Bedeutung wie beispielsweise der Kampf gegen Lucifer damals in Staffel fĂŒnf. Was mehrere GrĂŒnde hat.

Da wĂ€re zunĂ€chst die Tatsache, dass Chuck erstmal seine „Minions“ auf Amara loslĂ€sst, um sie zu schwĂ€chen. Nicht gerade etwas, was man von einem allmĂ€chtigen Wesen erwarten wĂŒrde. Zumal er laut Status letzter Woche noch einen ganz anderen Plan hatte. Auch, dass er seinem neuen Propheten Donatello (Keith Szarabajka) nicht unter die Arme greift, geschweige denn rettet, mutet schon komisch an. Aber gut, sollte er sich tatsĂ€chlich kaum Chancen im Kampf gegen seine Schwester ausrechnen, könnte man den Plan sowie das Nichteingreifen in Bezug auf Donatello verschmerzen.

Zweiter Punkt wĂ€re, dass Amara ordentlich eingesteckt hat und schon fast am Boden liegt, wĂ€hrend Chuck bislang noch nicht gekĂ€mpft hat. Wie kommt es dann, dass sie das Blatt plötzlich wenden kann? Gut, wir haben da vorher noch den Austausch der Geschwister ĂŒber Einkerkerung, Gottes Motive und dergleichen - was ihr eine Verschnaufpause gibt. Aber trotzdem hat sie zuvor nicht gerade wenig abbekommen und war deutlich geschwĂ€cht. Da glitzerte sogar schon das Kainsmal auf ihrem Körper, der zuvor noch durchbohrt wurde. Woher hat sie dann die Kraft, Chuck an die Gurgel zu gehen? Ist Gott wirklich so schwach?

NĂ€chster Punkt, der das Ganze etwas madig macht: Sam hat also mit Chuck ausgehandelt, dass er der neue KainsmaltrĂ€ger wird? O.K. - vielleicht hatte er da einen Fanboy-Bonus (ging ja damals schon bei Lucifer „so gut“...) - aber pochte Sam nicht gerade darauf, dass die BrĂŒder sich nichts verschweigen sollten? Was diesen Teil des Plans angeht, hĂ€tte man da doch erwartet, dass so etwas vorher abgesprochen wird.

Aber gut, schieben wir mal kurz diverse Unstimmigkeiten beiseite und konzentrieren uns auf den Ausgang der Konfrontation. FĂŒr einen Moment sah es tatsĂ€chlich so aus, als wenn Chuck hinĂŒber wĂ€re. Was fĂŒr ein Cliffhanger! Gott tot, die Dunkelheit siegt. Staffelfinale? Nee, kommt ja noch eine Folge.

Aber dieser Moment, wo man meint, alles wÀre verloren, wird dann in den letzten Minuten der Episode doch noch abgeschwÀcht. Amara erklÀrt selbst, dass Chuck noch nicht tot ist. Er soll dabei zusehen, wie seine Schöpfung von ihr vernichtet wird und erst dann sterben. Mehrere Jahre (waren es jetzt Milliarden oder Millionen?) der Einkerkerung haben die Dame schon leicht zickig gemacht. Aber besteht jetzt nicht doch eine Chance, dass Chuck - Àhnlich wie sie wenige Momente zuvor - sich wieder erholt?

Insgesamt kommt noch ein weiteres Problemchen dazu. Der Showdown sollte sicher großartig wirken. Aber so richtig fesselnd war es dann doch nicht. Man erinnere sich mal kurz an das fĂŒnfte Staffelfinale (vielleicht etwas unfair zum Vergleich, aber das muss jetzt sein). Da wurde bis zuletzt mit allen Figuren mitgefiebert - allen voran natĂŒrlich Sam und Dean, die im Vordergrund standen. Dieses GefĂŒhl bleibt hier aus. Klar, es sind sehr viele Spieler beteiligt. Aber einerseits haben wir im Hinterkopf, dass es das jetzt noch nicht gewesen sein kann (weil noch eine Episode kommt) und andererseits bleiben die Winchesters diese Woche mitunter im Hintergrund.

Winchesters

Ja, die waren dabei. Sie durften Chuck unterstĂŒtzen und helfen, aber im Grunde genommen haben die BrĂŒder diese Woche nicht die grĂ¶ĂŸte Rolle gespielt. An sich nicht schlimm, wenn man soviele Mitspieler dabei hat. Aber sie gerade beim Showdown im Hintergrund zu sehen, weil sie eben keine DĂ€monen, Engel oder magische Wesen sind, kratzt dennoch ein wenig an der grundlegenden PrĂ€misse der Reihe.

Die große Frage, die sich nun stellt, ist, wie man Amara jetzt noch in ihre Schranken verweisen kann. Chuck scheint keine Option mehr zu sein. Wie es um Casifer steht (sah nicht gut aus, was Amara da mit ihm gemacht hat), ist fraglich. Crowley und Rowena? Haben bisher zwar ein wenig beigetragen, aber ohne große Auswirkungen zu zeigen.

Sam und Dean in „Supernatural“
Sam und Dean in „Supernatural“ - © The CW

Bleibt eigentlich nur noch die Verbindung zwischen Dean und Amara. Wird der Àltere Winchester-Bruder im Staffelfinale alles zurechtbiegen - wie auch immer? Fraglich. Bemerkenswert war allerdings Amaras Reaktion auf ihn, bevor sie Chuck (scheinbar) tötete. Offensichtlich schenkt sie Deans Worten eine gewisse Bedeutung und das könnte sich als Vorteil erweisen, wenn die Winchesters (wie auch immer) im Staffelfinale erneut gegen sie antreten.

Letzte Anmerkung: An sich können wir uns glĂŒcklich schĂ€tzen, dass Chucks Plan nicht aufging. Sam als Kainsmal-TrĂ€ger? WĂŒrde bloß wie eine Wiederholung mit dem anderen Bruder wirken. Vielleicht nicht ganz uninteressant, nachdem Chuck zuvor bemerkt hatte, dass das Mal die dunklen Seiten im TrĂ€ger hervorruft. Aber wir haben bei Dean bereits zusehen dĂŒrfen, welche Auswirkungen das Mal hat. Von daher eher gut, dass Sam nicht mit dem Tattoo ausgestattet wurde beziehungsweise dass es wieder verschwand.

Fazit:

Auch wenn der Text da oben eher negativ klingt, war es doch eine gute Folge. Die Idee, den zu erwartenden Showdown zwischen Chuck und Amara schon jetzt zu bringen, ist jedenfalls gut gewesen. Was die AusfĂŒhrung angeht, na ja, da werden sich die Meinungen sicher spalten. Es war mit Sicherheit schön, die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen im Kampf gegen Amara dabei zu haben. Diverse Unstimmigkeiten trĂŒben aber das Bild, was unter anderen UmstĂ€nden bedeutungsvoller hĂ€tte sein können. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass da Potenzial fĂŒr mehr drin gewesen wĂ€re und vergebe diese Woche 3,5 von 5 Sternen. Und jetzt kommt Ihr.

Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 21. Mai 2016

Supernatural 11x22 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 22
(Supernatural 11x22)
Deutscher Titel der Episode
Ein unglaubliches BĂŒndnis
Titel der Episode im Original
We Happy Few
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 18. Mai 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 19. Januar 2017
Autor
Robert Berens
Regisseur
John Badham

Schauspieler in der Episode Supernatural 11x22

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?