Supernatural 11x09

© mara und Dean âSupernaturalâ / (c) The CW Network
Amara
The Darkness hat nun die Form angenommen, in der sie Dean (Jensen Ackles) erstmals begegnet ist. Und Amara (Emily Swallow) setzt alles daran, die Aufmerksamkeit ihres Bruders zu erregen, indem sie rigoros ein Massaker nach dem anderen an seiner Schöpfung durchfĂŒhrt. Aber Gott scheint davon nicht beeindruckt zu sein - zumindest lĂ€sst er sich (noch?) nicht blicken.
Das Faszinierende an Amara ist, dass die Figur nachvollziehbar bleibt und ihre Argumentationen mit den Menschen (inklusive Dean) durchaus Sinn ergeben. Gut, die eingesetzten (ĂŒbermĂ€chtigen) Mittel stellen sie uns als eine böse Figur dar, schlieĂlich ernĂ€hrt sie sich von Seelen und tötet in dieser Episode so ziemlich alles, was sich ihr in den Weg stellt. Aber mit Blick darauf, dass sie so lange weggesperrt wurde, mutet es keineswegs komisch an, ihren Handlungen und AusfĂŒhrungen zu folgen. Sie versucht mit ihren Taten, Gott auf die BĂŒhne zu holen, bleibt damit vorerst allerdings erfolglos. O brother, where art thou?
Unterm Strich bleibt Amara damit ein interessanter Gegenspieler. Sie kommt weit weniger farblos daher, als so manch andere (Staffel-)Antagonisten und stellt durch ihre Worte Dinge wie Glauben und Gottes Absichten in Frage - womit sich das Thema âReligionâ heftig diskutieren lieĂe. Zudem demonstriert sie uns laufend, wie mĂ€chtig und scheinbar unaufhaltsam sie bereits ist. Es wird sicher noch ein langer Weg werden, bevor Sam (Jared Padalecki) und Dean auch nur den Hauch einer Idee davon haben werden, wie sie Amara wieder von der BildflĂ€che verschwinden lassen können.
Amara & Dean
Diese Woche wird erneut die Verbundenheit demonstriert, die Amara und Dean durch das Kainsmal und das erste Aufeinandertreffen haben. Aber so wirklich schlauer als vorher werden wir dabei nicht, denn die Richtung, in die sich diese merkwĂŒrdig anmutende Beziehung entwickeln wird, bleibt nach wie vor offen.
Sicher scheint jetzt allerdings, dass die beiden sich tatsĂ€chlich nicht töten können. Es mag zwar nicht verwunderlich sein, dass Deans Messer ohne Wirkung bleibt und in tausend Teile zerbricht (womit ein langjĂ€hrig bekannter Gegenstand aus der Serie scheidet). Aber Amaras Reaktion darauf sah zunĂ€chst so aus, als wenn sie sich Deans Seele einverleiben wollte - was sie nicht zustande bringt. Der anschlieĂende Kuss und Amaras Worte daraufhin könnten als Andeutung fĂŒr eine sich anbahnende Liebesgeschichte gesehen werden, aber im GroĂen und Ganzen bleibt es dann doch zu vage, zumal Dean kein Interesse daran zu haben scheint, âeinsâ mit Amara zu werden.
Als Fazit lĂ€sst sich hier bloĂ schlieĂen, dass die beiden sich durch die kuriose Bindung nichts anhaben können. Vielleicht steckt hier tatsĂ€chlich ein Hinweis drin, wie sich Amara zur Strecke bringen lassen könnte und dass Dean dabei eine wichtige Rolle spielen wird. Das ist aber momentan noch rein spekulativ und so hinterlassen uns diese Szenen am Ende doch mit einem groĂen Fragezeichen im Kopf - was nicht unbedingt schlecht sein muss.
Engel
Unsere geflĂŒgelten Freunde bekommen diese Woche zwei kleine Auftritte, wobei sich schon bei der ersten Zusammenkunft absehen lĂ€sst, dass sie lediglich als Kanonenfutter dienen werden. Es ist ja schön und gut, dass die (niederen) Engel mittlerweile auf den Trichter gekommen sind, dass die Dunkelheit bekĂ€mpft werden muss und es sogar zustande bringen, dass sich die âeinfachen KĂ€mpferâ der verschiedenen Fraktionen zusammenschlieĂen. Aber dieser kleine Nebenstrang wĂ€re viel bedeutungsvoller gewesen, wenn man dabei ein paar bekannte Gesichter gesehen hĂ€tte. Oder wenn man diese Entwicklung in einigen der vorherigen Folgen bereits ausfĂŒhrlicher dargestellt hĂ€tte.
So wie hier bleiben sie jedenfalls bloĂ Redshirts und dĂŒrfen beim Treffen mit Amara auch genau diesen Weg gehen - eine weitere Machtdemonstration der Dunkelheit. Wirklich fraglich ist dann auch nicht, ob das âSmitingâ funktioniert hat, was den etwas kleineren Cliffhanger des Midseason-Finales darstellt. Es sieht zwar so aus, als wenn die vereinte Kraft der Engel Amara in die ewigen JagdgrĂŒnde geschickt hat. Aber hey, so einfach lĂ€sst sich Gottes Schwester bestimmt nicht ausradieren. Der Rezensent wĂŒrde jedenfalls einige Wetten eingehen, dass Amara jetzt noch nicht hinĂŒber ist.

Anmerkung: Besonders auffĂ€llig ist natĂŒrlich, dass Castiel (Misha Collins) sich diese Woche nicht blicken lĂ€sst. Schaut der sich immer noch Serien an? Mal angenommen, er wĂ€re der ausschlaggebende Faktor fĂŒr die Allianz der Engel gewesen - hĂ€tten wir dann gesehen, wie Amara ihn platt gemacht hĂ€tte? Vermutlich nicht, aber es hĂ€tte das Aufeinandertreffen mit der himmlischen Fraktion doch interessanter gestaltet.
Rowena & Crowley
Mit dem King of Hell (Mark Sheppard) und seiner Mutter (Ruth Connell) werden diese Woche zwei gröĂere Figuren zurĂŒck auf die BĂŒhne geholt, die momentan auf KriegsfuĂ miteinander stehen und hier zĂ€hneknirschend zusammenarbeiten mĂŒssen. Das wĂ€re an sich eine feine Sache, denn zumindest Crowleys Anwesenheit verspricht stets eine gute Portion Humor und auch Rowena kann zuweilen zum Schmunzeln anregen, wenn sie beispielsweise wie hier auf den Namen âLuziferâ erstmal mit Begeisterung reagiert.
Allerdings bleiben die beiden im Folgenverlauf eher Plot Devices als eigenstĂ€ndige und wichtige Nebenfiguren. Sie werden benötigt, damit Sam zum KĂ€fig vorstoĂen kann und entsprechend sind ihre Rollen ausgelegt. Anfangs kann man vielleicht noch mitschmunzeln, wenn beide mit den Winchesters agieren. Aber spĂ€ter, als Sam tatsĂ€chlich auf Luzifer (Mark Pellegrino) trifft, wirken die AusflĂŒge zu Crowley und Rowena eher störend als bereichernd. Sie schauen schlieĂlich nur zu, ohne einen echten Beitrag zu liefern.
Verwunderlich ist auĂerdem, wie es Crowley so schnell gelingen konnte, Rowena in die Finger zu bekommen. Die ErklĂ€rung scheint hier einzig und allein im Drehbuch zu liegen, weil das Book of the Damned samt Ăbersetzung benötigt wurde - wozu man dann eben auch Rowena braucht. Aber sie uns direkt in Ketten gelegt vorzufĂŒhren, war einfach falsch. WĂ€re doch nicht schwer gewesen, in der einen oder anderen Folge anzudeuten, dass Crowley ihr dicht auf den Fersen ist. Dann hĂ€tte man hier ein stimmigeres Bild der Lage gehabt.
Highlight
Aller vorherigen Kritik zum Trotz kommen wir nun zu dem, was die Folge wirklich ausmacht: Sam kommt zum KĂ€fig und trifft auf Luzifer! Sowohl Jared Padalecki als auch Mark Pellegrino geben alles, um uns dieses Aufeinandertreffen nahezu perfekt zu bescheren. Zur vollkommenen Perfektion fehlen nur Adam und Michael, die eigentlich auch dort eingesperrt sein sollten (aber das lieĂe sich vielleicht noch mit dem Zauber erklĂ€ren, den Rowena in Gang setzt).
Vorweg muss man hier anmerken, dass es schon ein groĂer Pluspunkt war, dass auch Dean sich letzten Endes mit dem Plan einverstanden erklĂ€rte und wir hier keinen Alleingang von Sam prĂ€sentiert bekommen. Dass Dean schlieĂlich doch auĂen vor bleibt, lag gewissermaĂen an den UmstĂ€nden und ist an sich schon o.k. - zumal der Ă€ltere Winchester-Bruder wieder einmal nichts zu seiner Verbindung zu Amara erzĂ€hlt, obwohl das Thema angesprochen wurde.

Aber wie dem auch sei, Sam ist davon ĂŒberzeugt, dass seine Visionen von Gott stammen und Luzifer darf einmal mehr zeigen, weshalb er so gefĂ€hrlich ist. Pellegrino zeigt hier eine geradezu unglaubliche PrĂ€senz und es wĂ€re wahrscheinlich nicht verwunderlich gewesen, wenn Sam sich auf den Deal aus freien StĂŒcken eingelassen hĂ€tte - um der Dunkelheit entgegenzutreten, muss man eben Opfer bringen.
Aber die Offenbarung am Ende, dass nicht Gott, sondern Luzifer hinter den Visionen steckt, die Sam zum KĂ€fig gefĂŒhrt haben, war schon ein echter WTF-Moment. Sicher, es hĂ€tte sich erahnen lassen und Dean hatte es eigentlich schon auf dem Schirm. Trotzdem kommt es als Ăberraschung rĂŒber, zumal âLuziâ sich erstmal nichts anmerken lĂ€sst und Sam erst in den letzten Minuten mit der Wahrheit konfrontiert.
Die letzten Minuten sind es dann auch, die den Zuschauer so richtig in den Bann ziehen. Bislang hatten wir die Dunkelheit als Gegner, aber jetzt? Jetzt spielt auf einmal wieder ein alter Bekannter mit und wird (mit Sicherheit) aus seinem GefĂ€ngnis ausbrechen (was ja ohnehin schon angeknackst war). An sich hĂ€tte die Episode damit auch als Staffelfinale durchgehen können, aber zum GlĂŒck mĂŒssen wir nicht ganz so lange auf die nĂ€chste Folge warten.
Sonstiges
Ein kurzes Lob an die Special-Effects-Abteilung: Da wurde diese Woche richtig viel investiert und das meiste sah verdammt gut aus. Weiter so!
AuĂerdem atmen wir noch einmal tief durch und schauen uns die aktuelle Lage an: Amara ist bestimmt noch nicht vom Tisch, stellt einen geradezu ĂŒbermĂ€chtigen Gegner dar und eine Lösung dafĂŒr, wie man Gottes Schwester beikommen kann, ist noch nicht in Sicht. Dazu kommt jetzt Luzifer, der allem Anschein nach bald sein GefĂ€ngnis verlassen wird - was ebenfalls ein dicker Brocken ist, zumal er Sam als Wirt auserkoren hat. Letztlich schreit auch die ganze Handlung danach, dass wir Gott bald zu sehen bekommen, denn bei dem momentanen Geschehen ist kaum vorstellbar, dass die Winchesters alleine mit den ganzen Problemen fertig werden. Mit anderen Worten: Die elfte Staffel rockt und liefert uns mit dem Winterfinale eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten, wie es denn weitergehen könnte.

Fazit:
Es bleibt zwar in einigen Belangen noch Luft nach oben, aber gerade das Ende mit der Konfrontation zwischen Sam und Luzifer ist so enorm gelungen, dass sich gerne ĂŒber die kleineren MĂ€ngel hinwegsehen lĂ€sst. AuĂerdem bleibt Amara eine interessante Figur, die mit Sicherheit noch weitere Auftritte hinlegen wird. Auch wenn die Folge nicht durchweg gelungen erscheint - Crowley und Rowena auf der zweiten Bank und Castiels Abwesenheit sind deutliche AuffĂ€lligkeiten - kann sich das Winterfinale somit sehen lassen. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen.
Promo zur Episode 11x10 der Serie âSupernaturalâ: Verfasser: Christian SchĂ€fer am Freitag, 11. Dezember 2015Supernatural 11x09 Trailer
(Supernatural 11x09)
Schauspieler in der Episode Supernatural 11x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?