Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 10x22

Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 10x22

In der Episode The Prisoner der US-Serie Supernatural begibt sich Dean auf einen Rachefeldzug. Sein Bruder Sam versucht derweil, seinen Teil des Deals mit Rowena zu erfüllen. Zudem lernen wir Familie Styne besser kennen.

Dean ist in der Gewalt der Stynes in „Supernatural“ / (c) The CW
Dean ist in der Gewalt der Stynes in „Supernatural“ / (c) The CW

Styne

Diese Woche bekommen wir einen weiteren Einblick in die Familie Styne. Dabei steht besonders Cyrus Styne (Connor Price) im Fokus, der nur wenig Interesse daran zeigt, an der Familientradition teilzuhaben. Cyrus wird uns als ein halbwegs normaler Junge mit alltäglichen Problemen präsentiert, der gegen seinen Willen an den Machenschaften unter Papa Monroe Styne (Markus Flanagan) beteiligt wird. Dazu zählt, dass er einen Bully umbringen und später zusammen mit Eldon (David Hoflin) und Roscoe (Josh Emerson) in den Men of Letters-Bunker einbrechen muss.

Die Prämisse ist dabei - mit Blick auf das Ende - sehr eindeutig. Wir bekommen jemanden zu sehen, der zwar auch den Nachnamen „Styne“ trägt, aber eigentlich kaum Schuld an den Vorgängen innerhalb der Familie hat. Cyrus hatte nie eine Wahl, und sein Gnadengesuch, nachdem Dean (Jensen Ackles) alle anderen beseitigt hat, war gerechtfertigt. Wir kaufen ihm sofort ab, dass er sein Versprechen halten und niemals der Familientradition folgen würde. Somit - aber darauf kommen wir später noch einmal zurück - ist seine Hinrichtung durch Dean ein schwerer Schlag in den Magen für uns. Mit Blick darauf, dass hier ein eigentlich harmloser Junge kaltblütig ermordet wird, ein mutiger Schritt seitens der Macher (wir befinden uns schließlich bei einem Network und nicht bei einem Kabel- oder Pay-TV-Sender).

Der Rest der Familie, der diese Episode übrigens auch nicht überlebt, bleibt leider austauschbar blass. Zwar bekommen wir einen Eindruck davon, wie Monroe seine Söhne und sonstigen Verwandten auf den „rechten Weg“ bringt, aber sehen das hauptsächlich anhand von Cyrus. Sämtlichen Stynes fehlt es an Eigenständigkeit, sie sind vielmehr Abziehschablonen von Figuren. Ein Boss, ein paar treue Anhänger und ein Dutzend namenlose Sonstige, einzig vorhanden, um die Todesquote nach oben zu bringen. Sollte man, wie es letzte Woche den Anschein hatte, die Stynes als längerfristigen Gegner einplanen, ging der Schuss gewaltig nach hinten los. Schließlich fallen sie hier um wie die Fliegen. Sollte man sie jetzt nicht weiter erwähnen, fragen wir uns dennoch, weshalb in der Vorfolge noch von einem weltumspannenden Netzwerk die Rede war.

Klar, man muss hier natürlich im Auge behalten, dass uns hauptsächlich Dean interessieren soll, der seinen Rachefeldzug durchführt. Aber ihre Bedrohlichkeit haben die Stynes mit dieser Folge verspielt. Das sah bei Jacob Styne (Jeff Branson) in Book of the Damned (10x18) noch ganz anders aus. Oder mit Deans Worten: „Your old man is dead. They are all dead. So you can save me the speech on the, ehm, three hearts, the two spleens, the seven nipples for the ladies ... or the fellas. I don't judge. But even with all that, you still only have one brain.“ Bumm.

Red Eye Crowley

Hatte irgendwer letzte Woche geschrieben, dass der alte Crowley (Mark Sheppard) wieder da sei? War wohl etwas zu früh, denn der meldet sich erst mit dieser Episode wieder zurück. Von Sam (Jared Padalecki) in eine Falle gelockt, scheint es für den King of Hell nicht gut auszusehen. Aber der Schein trügt.

Es war irgendwie abzusehen, dass Rowena (Ruth Connell) nicht so einfach dem vorgegebenen Plan folgt, sondern zuerst den Tod ihres Sohnes verlangt, bevor sie Geschichten aus dem Book of the Damned vorliest. Eine harte Nuss für Sam, denn die Zeit drängt. Doch er zeigt sich einfallsreich, kann Crowley ohne große Probleme in eine Falle locken (vielleicht ein wenig zu einfach). Dumm nur, dass er dabei durchblicken lässt, wie er wirklich über den King of Hell denkt („You are a monster, just like all the rest of them.“), nebenbei noch wie ein Standard-Bösewicht seine Absichten mit langen Reden erklärt und damit viel zu lange wartet, ehe er das Messer benutzen will.

Andererseits wäre es natürlich enttäuschend gewesen, Crowley in einer Nebenszene aus der Serie zu streichen. Von daher konnten wir uns freuen, als der vermeintlich Besiegte plötzlich rote Augen bekam, die Spezialpatrone aus sich herauspuhlte und das Hexbag in Flammen aufgehen ließ. Denn genau das ist es, was diese Figur immer wieder aus den Reihen der anderen Gegner herausragen lässt - er kommt nie unvorbereitet zu einem Treffen und bekommt genau dann wieder die Oberhand, wenn wir es am wenigsten vermuten. Wir können uns zwar fragen, weshalb er überhaupt in der Lage ist, den ganzen Zaubern zu widerstehen und uns den Kopf darüber zerbrechen, weshalb die etablierten Dämonen-Regeln plötzlich außer Kraft gesetzt werden. Aber die Antwort ist denkbar simpel: Es ist Crowley, der King of Hell - und das ist nicht bloß ein Titel.

Dennoch gibt es ein wenig zu meckern: Das Ding mit der Menschlichkeit und dass es Crowley danach verlangt, etwas zu fühlen, wurde lange nicht mehr angeschnitten. Auch haben wir nicht viel davon mitbekommen, dass er die Regeln der Hölle zum Besseren verändert hätte. Wir haben zwar allerlei Szenen mit ihm und Rowena bekommen, die sich auch darüber beschwert hat, dass er mit den Winchesters auf zu gutem Fuß steht und nach deren Pfeife tanzt. Aber es hätte sich angeboten, in früheren Folgen mehr darauf einzugehen, dass er tatsächlich nach mehr Menschlichkeit strebt und eigentlich ein „guter Junge“ sein will. Hätte man das besser etabliert und deutlicher gezeigt (das Darts-Spiel letzte Woche machte zum Beispiel einen ganz anderen Eindruck), wäre die Wirkung der Szenen mit Sam weitaus größer gewesen.

Ein weiterer, aber nur marginaler Punkt, der sich kritisieren ließe: Warum tötet er Sam nicht mit einem Fingerschnippsen? Also, abgesehen davon, dass die Serie von zwei Brüdern handelt und die Autoren nicht auf einen der beiden verzichten werden. Die Antwort ist, dass Sam Rowena eine Nachricht überbringen soll und das passt wiederum gut ins Bild. Crowley ist (jetzt endlich wieder) eine düstere Figur, der seinem Gegenüber gerne demonstriert, wie mächtig er ist. Rowena soll wissen, was und wer auf sie zukommt. Und ihre Reaktion auf Sams Nachricht bringt auch zum Ausdruck, dass sie besorgt ist.

Wir können uns folglich auf das nächste Treffen zwischen Mutter und Sohn freuen, was sicher kommen wird. Gibt es einen Mutigen, der auf Rowena als Siegerin setzt?

Sam und Dean in %26bdquo;Supernatural%26ldquo; © The CW
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Samuel

Das war es also mit Charlie (Felicia Day). Keine Wiederbelebung oder Rettung in letzter Minute. Sie ist tot und könnte uns bestenfalls im Himmel wieder begegnen. Die Rückblicke, als die Winchesters den Scheiterhaufen vorbereiten, nehmen uns mit und machen deutlich, dass der Abschied endgültig ist. Auch auf den Gesichtern von Sam und Dean vernehmen wir Trauer.

Aber als Sam anfängt, eine Grabrede zu halten, wird er von Dean unterbrochen. „Shut up. You got her killed, you don't get to apologize.“ Sehr deutlich macht Dean klar, wer hier die Schuld am Ableben von Charlie hat und wie es um das Verhältnis der Brüder jetzt bestellt ist. Sam wirkt dabei gebrochen. Sein Plan ging nicht auf und seine Mitschuld an Charlies Tod wird ihm in aller Deutlichkeit an den Kopf geworfen. Er versucht, sein Handeln zu erklären, stößt bei seinem älteren Bruder, der sich direkt auf den Rachefeldzug begibt, aber auf taube Ohren.

Neue Hoffnung schöpft Sam erst wieder, als er sieht, dass Charlie ihm noch eine Nachricht geschickt hat, mit deren Hilfe sich doch noch eine Kur für das Kainsmal aus dem verdammten Buch entnehmen lassen könnte. Also kämpft er weiter dafür, dass Rowena ihm hilft und macht sich daran, seinen Teil des Deals zu erfüllen. Wie das ausgeht, wurde oben bereits besprochen. Geradezu aussichtslos (Sam wird kaum eine Möglichkeit finden, Crowley doch noch zu töten), sieht der jüngere Bruder dem Staffelfinale entgegen.

Sam bekommt dabei in der Folge nicht besonders viel zu tun und was er macht, erweist sich als ein Fehlschlag nach dem anderen. Er hat keine Chance mehr, auf Dean einzureden. Sein Versuch, Crowley zu beseitigen, schlägt fehl und er muss nun einen Weg finden, Rowena auf andere Art und Weise davon zu überzeugen, den Fluch des Kainsmals aufzuheben. Bloß wie?

Deanmon 2.0

Nun zum eigentlichen Kernstück der Episode: Dean Winchester. Nach dem bedrückenden Anfang hat man als Zuschauer noch das Gefühl, er hat sich unter Kontrolle und auch die gesamte Folge über legt Dean eine Ruhe an den Tag, die sehr kontrolliert wirkt. Aber der Schein trügt. Innerlich brodelt Dean und sein Racheverlangen ist groß. Sehr groß.

Direkt und ohne Umwege macht er sich auf die Suche nach Charlies Mörder. Diesen Punkt können wir perfekt nachvollziehen und - wie Dean schon anfangs sagte - ob nun mit oder ohne Kainsmal: Er hätte sich so oder so auf den Weg gemacht.

Dean ist in Rage in %26bdquo;Supernatural%26ldquo;. © The CW
Dean ist in Rage in %26bdquo;Supernatural%26ldquo;. © The CW

Was dann aber kommt und wohin es sich steigert, macht uns recht deutlich, dass das Kainsmal sich längst nicht mehr kontrollieren lässt. Rückblickend wirft das einen anderen Blick darauf, dass er dem Familiy-Business zur Ablenkung und Selbstkontrolle nachgehen will. Dean glaubt zwar, die Oberhand zu haben, aber wir sehen, dass wir nicht mehr den Dean Winchester vor uns haben, den wir kennen.

Ackles spielt die Rolle mal wieder wunderbar. Wir nehmen ihm den emotionslosen Gesichtsausdruck eines Psychopathen ab - nebenbei bemerkt so ziemlich der einzige Gesichtsausdruck, den wir in der Episode von ihm zu sehen bekommen. Anfangs lässt sich noch schmunzeln, wenn er zum Beispiel dem Sheriff (Sean Campbell) gegenüber meint, „Yeah. Well, I kill gods.

Wie weit das Kainsmal nun die Kontrolle über ihn hat, wird aber zum Schluss deutlich. Niemals hätte der alte Dean den Jungen umgebracht. Niemals hätte der alte Dean Castiel (Misha Collins) angegriffen. Hier müssen wir schwer schlucken, denn es wird uns klar, dass der Kainsmal-Träger zwar keine schwarzen Augen hat, aber der dämonischen Seite kaum noch etwas entgegenzusetzen vermag.

Wieso „kaum“? Nun, er benennt Sam zwar anfangs als Schuldigen, greift ihn aber nicht an (wobei das noch kommen könnte). Und auch am Ende bringt er Castiel nicht um, sondern lässt ihn mit einer Warnung (und einem zermatschten Gesicht) davon kommen. Ein bisschen Restkontrolle scheint somit noch vorhanden zu sein und Castiels Worte haben vielleicht doch zu ihm durchdringen können. Zumindest ein wenig. Nebenbei bemerkt hätte es übrigens einen sehr effektiven Cliffhanger abgegeben, wenn die Folge an der Stelle beendet worden wäre, als er mit dem Engelstöter zustößt (und wir noch nicht sehen, ob er den Engel tötet oder nicht).

Wir können nun mit Spannung dem Staffelfinale entgegenblicken. Werden Sam und Castiel es doch noch irgendwie schaffen, Dean vom Kainsmal zu befreien? Werden wir vielleicht sehen, wie einer der beiden (Castiel) von ihm umgebracht wird? Deans Worte waren deutlich: „You and Sam can stay the hell away from me. Next time I won't miss.

Fazit:

Wow. Es mag zwar ein paar Dinge geben, die sich kritisieren lassen, aber im Grunde genommen war die Episode eine konsequente Weitererzählung zum Kainsmal-Dilemma und zeigt uns, wie stark es Dean nach den Ereignissen der Vorfolge beeinflusst, obwohl er noch (beziehungsweise wieder) ein Mensch ist. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen.

Promo zum Finale der 10. Staffel der Serie „Supernatural“
Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 15. Mai 2015

Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 10x22 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 22
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 10x22)
Deutscher Titel der Episode
Schicksal
Titel der Episode im Original
The Prisoner
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 13. Mai 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 15. Dezember 2015
Autor
Andrew Dabb
Regisseur
Thomas J. Wright

Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 10x22

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