Suits 6x12

© arvey (Gabriel Macht) in der Serie „Suits“ / (c) USA Network
In der sechsten Suits-Staffel ist es dann soweit, nach unzähligen Konflikten, beruflicher wie privater Natur, stellt Harvey (Gabriel Macht) sind in der Episode The Painting endlich seinem Grundproblem, seiner Mutter. Doch auch die anderen Figuren gehen dabei nicht unter.
Auf dem Grund der Ursache
Den größten Teil der Episode nimmt dieses Mal Harvey ein. Und das ist auch klar, denn nach so langer Zeit traut er sich endlich, seinen Beziehungsproblemen und seiner generellen Unfähigkeit, zu vertrauen, auf den Grund zu gehen. Dabei geht es weniger darum, die Ursache zu lokalisieren. Die ist nämlich schon lange klar, sie sitzt in Boston und heißt Lily (Brynn Thayer). Kleine Rückschau: Harvey hat im Alter von 16 Jahren seine Mutter mit deren Liebhaber überrascht. Sie bat ihn, nichts seinem Vater zu sagen und weil er dessen Gefühle nicht verletzen wollte, hielt er dicht. Nichtsdestotrotz verließ Lily die Familie zwei Jahre später und Harvey brach den Kontakt zu seiner Mutter ab. Selbst auf der Beerdigung des Vaters endete das Aufeinandertreffen mit einem Rauswurf, wie wir in dieser Episode erfahren.
Doch seit die Partner von Pearson Specter Litt mit dem Rücken zur Wand stehen und mit Jessica Harveys Mentorin sich verabschiedet hat, entgleitet ihm die Situation so sehr, dass Donna (Sarah Rafferty) ihn dazu bringt, sich der Ursache seiner Probleme endlich zu stellen. Und wir wissen ja, wenn Donna etwas wirklich will und nicht locker lässt, dann hat Harvey keine Chance. Gut, dass Donna ihr Talent ausschließlich für Harveys Wohl und auch nur in Extremfällen nutzt. Schade nur, dass sie es nicht für sich einsetzt, aber das ist eine andere Geschichte.
In „The Painting“ begleiten wir Harvey nach Boston, wo er seine Mutter in ihrem Klassenzimmer/Atelier überrascht. Das ist natürlich eine gefährliche Sache und die Ausrede, dass er ihre Telefonnummer nicht hatte, darf als Ausrede nicht gelten, besonders weil Harvey mit seinem Bruder gut klarkommt. Aber nun, da steht er also und blickt einer ahnungslosen Frau ins Gesicht, die ihren Sohn jahrelang nicht zu Gesicht bekommen hat. Im ersten Moment reagiert Lily gefasst und freudig, fast zu gefasst und zu freudig wenn man das spätere Abendessen bedenkt. Da haben die „Suits“-Autoren in der Charakterzeichnung ein bisschen geschludert, das fühlte sich wenig nach verlorenem Sohn an. Aber es muss ja einen Grund geben aus dem Harvey den Besuch verlängert und er ist zu misstrauisch um bei einer verhaltenen Reaktion zu bleiben.
Also treffen die beiden sich zur Aussprache in einem schicken Restaurant, das sich kaum von denen unterscheidet, in denen Harvey sonst seine Liebschaften, seine Klienten oder Mike ausführt. Da es sich um ein Stammlokal von Lily handelt, ist nun also geklärt, woher der Mann seinen Stil hat. Aber lange hält die Idylle nicht an. Und daran gebe ich eindeutig Lily die Schuld. Verständlich ist, dass auch auf ihrer Seite Frust angehäuft wurde. Aber auf eine Vergebung, die offensichtlich sehr schwer fiel, damit zu reagieren, dass man seinem Gegenüber ebenfalls vergebe, hat wohl noch nie gut geendet. Wenn sie sich so sehr gefreut hat über Harveys Besuch wie ihr neuer Mann behauptet, wieso sucht sie sich dann genau den Zeitpunkt seiner Vergebung aus, um ihren Frust zu äußern? Sehr ungeschickt.
Wir begleiten Harvey bei seiner Sinnsuche, wie er erfährt, dass sie für den kranken Bruder da war, wie sie sich gekümmert hat und das ist für ihn viel wert. Er geht dabei noch weitere Schritte auf seine Mutter zu. Doch wer sich wirklich zwischen den beiden Treffen verändert ist Lily. Statt auf ihrer eigenen Enttäuschung zu pochen weil Harvey als Erwachsener keinen Kontakt wollte, erkennt sie endlich an, wie sie ihm als Kind wehgetan hat.
Am Ende fühlt sich die Sache dann doch ziemlich schnell abgehakt an. Immerhin handelt es sich um einen Konflikt, der uns seit der ersten Staffel begleitet, der so vieles überschattet hat, was Harvey gemacht hat. Aber man darf gespannt sein, wie es ihm weiterhilft, die Herausforderungen der Kanzlei zu meistern - und natürlich auch neue Beziehungen. Der erste Nutznießer der Sache ist Louis (Rick Hoffman), der dieses Mal nicht angemeckert wird, sondern dem Harvey eine Schwäche eingesteht, sowas ist auch noch nie passiert.
Neustart
Unterdessen versucht Mike (Patrick J. Adams) einen Tag zu entspannen. Sowas kommt in Suits so gut wie nie vor und darum wissen wir schon von Anfang an, dass das Schicksal ihn sowieso einholt. Dieses Mal kommt es in Form eines Chefs einer Rechtskanzlei, die umsonst Klienten vertritt. Der wittert seine Chance, einen fähigen Vertreter für wenig Geld zu bekommen und Mike greift zu. Das ging ja mal wieder schnell, aber man darf auch nicht vergessen, dass Mike immer noch ein ausgesprochenes Wunderkind ist, sehr begabt, nur ohne Abschluss. So ganz unrealistisch ist es also nicht, dass er schnell wieder vom Markt ist nachdem er erste Versuche gemacht hat.
In seiner neuen Tätigkeit trifft er auf Ablehnung und auch das ist neu. Denn als Top Dog ist er zuletzt überall hofiert worden. Als er feststellt, dass die anderen nichts von seiner Verurteilung wissen, sondern ihn als gescheiterten Schnösel betrachten, schlägt seine große Stunde zu einer überzeugenden, charakterlichen Entwicklung. Er steht auf und gibt sein Verbrechen zu, standesgemäß mit Hand Out natürlich. Doch am Ende gewinnt er seine neue Kollegin nicht nur dadurch für sich, sondern auch weil er der von der Obdachlosigkeit bedrohten Klientin die Miete aus eigener Tasche zahlt.
Das ist eine noble Geste, keine Frage, besonders für jemanden, der nur noch einen Bruchteil seines üblichen Gehalts bekommt. Auch wenn Mike sich natürlich später auf Rachels Erbe ohnehin vorzüglich ausruhen kann. Er zeigt also, dass er nicht der arrogante Geldscheffler ist, für den sie ihn gehalten hat, aber trotzdem ist die Analogie schief, besonders in einer Serie über Recht. Schließlich sollte es nicht darum gehen, das Problem durch Privatengagement zu lösen, sondern den Fall mit dem Waffen des Gesetzes zu gewinnen und damit unter Umständen auch einen Präzedenzfall zu schaffen um es anderen später einfacher zu machen, zu ihrem Recht zu kommen.
Ohnehin wirkt es befremdlich, dass die Studentin, die schon länger dort arbeitet, nicht die offenbar üblichen Tricks der Gegner kennt. Ein Prozess gegen einen Vermieter wegen drohender Räumung sollte zum Standardrepertoire gehören. Auch dass der echte Anwalt später vor Gericht ins Stottern kommt obwohl die Gegenanwältin keine neuen Argumente bringt, landet eher auf Mike und seiner Mitstreiterin für schlechte Vorbereitung als auf dem armen Mann, der nicht mehr weiter weiß. Mike hat also wieder eine Sonderstellung als einziger, der alles überblickt. Von dem Standpunkt aus bleibt abzuwarten, ob er sich integrieren kann oder ob sein Ausflug in die Welt der juristischen Helden von kurzer Dauer sein wird.
Trailer zur Episode „Teeth, Nose, Teeth“ (6x13) der US-Serie „Suits“:
Verfasser: am Donnerstag, 2. Februar 2017Suits 6x12 Trailer
(Suits 6x12)
Schauspieler in der Episode Suits 6x12
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