Pearson: Review der Pilotepisode

Pearson: Review der Pilotepisode

Jessica Pearson ist aus ihrem Penthouse-Büro gegangen und direkt auf der Straße in Chicago gelandet. Statt um die finanziellen Probleme der oberen Zehntausend kümmert sie nun um die Rechte der Machtlosen. Doch wie düster wird es in der neuen Serie Pearson?

Gina Torres in Pearson (c) USA Network
Gina Torres in Pearson (c) USA Network
© ina Torres in Pearson (c) USA Network

Es dauert keine zwei Minuten und schon ist klar, dass die Serienmacher gut daran getan haben, den Titel der Mutterserie entfernt zu haben. Der ursprünglich verbreitete Arbeitstitel „Suits: Second City“ klingt nach einer fluffig-leichten Serie aus unterhaltsamen Schlagabtauschen mit einem anderen Hintergrund. Doch Pearson hat nicht viel mit Suits gemeinsam. Wiedererkennungswert hat vor neben Gina Torres nur die teure Designergarderobe, die die attraktiven Darsteller durch die Gegend tragen. Doch statt in Penthouse-Büros tragen ihre Stilettos Jessica dieses Mal in düstere Seitenstraßen.

Worum es geht

Im Backdoor-Piloten hat die Staranwältin sich auf einer ungewohnten Seite versucht, nämlich der Schwachen, derer, die keine Lobby und keine Millionen haben. Doch sie hat sich direkt in die schmutzige Politik ihrer neuen, alten Heimatstadt Chicago verstrickt. Nun sehen wir, wie Jessica einen Job beim Bürgermeister der Stadt antritt. Das finden weder ihr Freund noch ihre Cousine gut. Denn der korrupte Dschungel der Stadt ist tief und morastig. Doch Jessica wäre nicht Jessica, wenn sie nicht hoch erhobenen Hauptes in die nächste große Herausforderung geht. Denn sie hat ihren moralischen Kompass an, sie will das System von innen verändern. Das passt gut zu der Jessica, die wir bei Pearson Specter Litt beobachten durften. Schon immer hat sie ihre Machtposition genossen und aus dieser heraus entschieden, wann es Zeit war, zu helfen. Einen Platz am Tisch zu haben, das war schon immer ihr Ziel. Nachdem sie es im Jungsclub der New Yorker Anwaltsszene ganz nach oben geschafft hat, versucht sie nun, denen eine Platzkarte zu verschaffen, die sonst nicht gehört werden. Auf dem Weg ins Büro lässt sie ihren Fahrer also konsequenterweise auch anhalten als sie einen Protest von afroamerikanischen Bürgern wegen einer Schulschließung sieht. Doch die Leute vertrauen Handlangern des Bürgermeisters nicht. Ihr neuer Chef ist von ihrer Anti-Haltung jedoch alles andere als abgeschreckt. Schlimmer findet er ihr mangelndes Verständnis für Pünktlichkeit.

Doch wir wissen, dass er sie ohnehin nur angestellt hat um eine Feindin handlungsunfähig zu machen. Er ködert sie mit Macht um sie von seinem schmutzigen Geschäften abzulenken. Die erledigt er nämlich weniger im Rathaus als viel öfter auf einer Bowlingbahn.

Doch auf seiner Seite ist niemand von der neuen Zusammenarbeit begeistert. Besonders seine rechte Hand und heimliche Liebe Keri (Bethany Joy Lenz, One Tree Hill) ist wenig begeistert von der neuen Kollegin. im Backdoor-Piloten haben wir gesehen, wie Keri ihrer Widersacherin auf Geheiß des Bürgermeisters die Anwaltslizenz entzieht. Das erste Aufeinandertreffen in der Episode The Alderman ist dann auch von wenig Zuneigung geprägt. Jessica lässt ihre Kontrahentin vor Gericht ziemlich alt aussehen, doch die wird das nicht lange auch sich sitzen lassen.

Valeria

Unter den männlichen Figuren des Casts bricht derweil das Seifenopernfieber aus. Denn Bürgermeister Bobby Golec (Morgan Spector, Homeland) hat nicht nur geheime Geschäfte sondern auch einen geheimen Halbbruder, den er sich mit offenbar leeren Versprechungen warm hält, aber nicht öffentlich anerkennt. Das nutzt wiederum sein Geschäftspartner aus und setzt den ungenehmen Verwandten als Spion gegen den Bürgermeister ein.

Auch Jessica hat mit ihrer Familie zu kämpfen. Sie muss ihrer Tante gestehen, dass sie den Prozess, den sie im Backdoor-Piloten angefangen hat, für einen Job beim Bürgermeister eingetauscht hat. Doch die Tante glaubt weiterhin an ihre Nichte, anders als Jessicas Cousine, die Krankenschwester Angela (Chantel Riley). Dort hat Jessica sich nämlich ebenfalls blicken lassen um einer jungen Patientin zu versprechen, sich für den Erhalt der Schule einzusetzen. Doch Angela glaubt das erst, wenn sie es sieht.

Wie es rüberkommt

Pearson hat nicht mehr viel mit der Anwaltsserie Suits zu tun und das nicht nur weil Jessica ja gar keine Anwältin mehr ist. Die neue Dramaserie ist deutlich düsterer, politischer und aktueller. Während Harvey (Gabriel Macht) und Co. in ihrem Highclass-Büros über den Stadt ihre extrem wertvolle Basketballsammlungen und Feierabendwishkeys pflegen, geht es in „Pearson“ um die Probleme der Menschen auf dem Boden. Auf der einen Seite haben wir die eiskalten Politiker, die schäbige Hinterzimmerdeals mit der Wirtschaft abschließen und auf der anderen Seite die Bewohner der Stadt, von denen viele machtlos mitansehen müssen, wie ihre gewählten Vertreter ihre Zukunft verspielen. Jessica positioniert sich dazwischen. Aus alter Überzeugung heraus glaubt sie, dass ein Protest auf dem Bürgersteig zwar gut ist, aber man braucht einen Platz am Tisch um mitreden zu können. Sie nimmt also an diesem Tisch Platz, um von dort für die Machtlosen zu kämpfen. Als erstes schafft sie erfolgreich die nutzlose Stadträtin aus de Weg, die den Menschen in ihrem Bezirk ohnehin nicht gedient hat. Dabei dienen ihr ihre beiden besten Waffen, Selbstvertrauen und strategische Intelligenz. Als Weiterführung für die Suits-Figur ist die Serie bestens geeignet.

Für den Moment präsentiert sich die Serie etwas seifenoperartig, was einerseits mit dem Territorium der politischen und persönlichen Intrigen kommt, andererseits aber auch einfach damit zu tun hat, dass wir in kurzer Zeit auf eine ziemlich zielgerichtete Art viele Figuren kennenlernen. Statt die Zusammenhänge langsam aufzudecken, lassen die Drehbuchautoren ihre Figuren in bester Trivialmanier erklären, wer hier mit dem verwandt ist oder ein Verhältnis hat. Diese Pilotkrankheit könnte die Serie schnell ablegen.

Fazit

Mit der Idee, Gina Torres ein Spinoff von Suits auf den Leib zu schneidern, konnte man bei USA Network eigentlich nicht viel falsch machen. Das beweist auch die Episode The Alderman. Jessica und einige der anderen Figuren bringen mit ihrem Charisma jede Menge Pluspunkte ein. Die Story siedelt sich knapp unterhalb der Offensichtlichkeit an. Es werden aktuelle Gesellschaftsprobleme angesprochen und die sind auch mehr als ein Vorwand. Aber den Serienmachern sind die Figuren und das persönliche Drama, die romantischen Verflechtungen und die privaten Fallstricke eindeutig wichtiger als die politischen Verwicklungen. Wer also ein solide gemachtes Drama mit einer Portion Sozialkritik sucht, der ist bei Pearson nicht falsch. Wer den lockeren Schlagabtausch über Popkultur vermisst, den Harvey und Mike kultiviert haben, der muss sich für einen Ersatz noch gedulden.

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