Stick: Altbewährtes Rezept ohne Tiefen oder Höhen

Stick: Altbewährtes Rezept ohne Tiefen oder Höhen

In der Sport-Dramedy „Stick“ bei Apple TV+ präsentiert sich ein routiniert aufspielender Owen Wilson in einem ebenso routiniert wie ideenlos wirkenden Format.

Owen Wilson in der Apple-TV+-Serie „Stick“
Owen Wilson in der Apple-TV+-Serie „Stick“
© Apple TV+

Das passiert in der Dramedy-Serie „Stick“

Pryce Cahill (Owen Wilson) ist in der neuen Serie Stick ein abgehalfterter Golfer, der seine besten Tage hinter sich hat und nach dem Tod seines Kindes und der Scheidung seiner Frau vor sich hinvegetiert. Als er das junge Megatalent Santi Wheeler Peter Dager) heimlich auf einer Golfbahn trainieren sieht, entschließt er sich, ihn zu managen und ein neues Leben zu beginnen. Doch bis es so weit ist, müssen er, Santi und dessen Mutter Elena (Mariana Treviño einige Hürden gemeinsam überwinden...

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Altbewährt oder altbacken?

Um es einführend einmal direkt vorneweg zu formulieren: Die Pilotfolge der ComedyserieStick“ ist keineswegs ungenießbar oder schlecht produziert. Wer auf Sportler-Dramedys steht, könnte also mit der Geschichte um den Ex-Golfer Pryce und seinem Schützling Santi durchaus seine Freude haben.

Sowohl schauspielerisch als auch in Sachen Warmherzigkeit und Familienfreundlichkeit steht das Debüt seinen großen filmischen Vorbildern insofern in nichts nach. Das Problem liegt indes ganz woanders verborgen. Wer nämlich abseits der ausgetretenen Genre-Pfade ein paar neue Ideen erwartet, sollte diese Hoffnung womöglich am besten still und leise wieder begraben, zumal in den ersten rund 45 Minuten nichts darauf hindeutet, dass wir große Überraschungen erleben werden.

Das Rezept ist dabei altbekannt: Abgewrackter Ex-Profi entdeckt ein junges Talent, findet sich darin wieder und wird zu dessen Trainer und Manager. Im Verlauf der Zeit hat das neue Team einige Schwierigkeiten zu überwinden, findet aber immer mehr zusammen, bis die Protagonisten am Ende schließlich am Ziel ihrer Wünsche angelangt sind.

Einerseits ist das natürlich genau das, was wir von Sportlerfilmen und -serien erwarten. Andererseits wurde das Konzept aber schon so oft verwurstet, dass sich unwillkürlich einige Fragen auftun.

Zehn Folgen

Peter Dager und Owen Wilson in der Serie „Stick“
Peter Dager und Owen Wilson in der Serie „Stick“ - © Apple TV+

Eine davon könnte sich als entscheidend herausstellen, nämlich die Frage nach der Länge der Serie. Diese umfasst immerhin zehn Episoden zu je 45 Minuten, womit wir bei einer Gesamtlaufzeit von immerhin siebeneinhalb Stunden angekommen sind.

Im Gegensatz dazu haken die meisten Genrevertreter ihre Storys in Filmlänge ab. Ausnahmen wie Ted Lasso, die allerdings vor Witz und Ideen nur so sprüht, bestätigen die Regel zwar, allerdings handelt es sich auch um einen Sonderfall.

Stick“ ist trotz der soliden, routinierten Leistung von Owen Wilson zumindest vom Serieneinstieg ausgehend jedoch bei weitem nicht so spritzig und setzt mehr auf das melodramatisch-komödiantische Element als auf Wortwitz. Die Gags sind zudem bisher voll und ganz auf die typische Komik des unumstrittenen Zugpferdes zurechtgeschnitten und weisen daher ebenfalls keinerlei Neuerungen oder Überraschungen auf. So betrachtet ist die Frage, wie Serienerfinder Jason Keller bei einer relativ ausgedehnten Spieldauer das Interesse hochhalten will, nicht ganz unberechtigt.

Alles ist möglich

Wir möchten an dieser Stelle nicht unterstellen, dass geschickt geschriebene Wendungen, dramatische sowie emotionale Ereignisse und starke Charakterentwicklungen ausgeschlossen sind. Vielleicht dient der erwählte Sport Golf lediglich als Aufhänger für eine zutiefst menschliche und emotional fordernde Geschichte.

Bislang deutet allerdings recht wenig darauf hin, dass wir am Ende tatsächlich im metaphorischen Serienhimmel landen werden, zumal eben auch Golf als Initiator eine verhältnismäßig spezielle Wahl ist. Basketball, American Football, Baseball, Fußball oder auch Tennis scheinen insgesamt zumindest oberflächlich betrachtet die wesentlich interessanteren und beliebteren Sportarten, um das Publikum bei der Stange zu halten.

Routine ist auch etwas

Owen Wilson am Telefon in der Serie „Stick“
Owen Wilson am Telefon in der Serie „Stick“ - © Apple TV+

Es ist ja nicht so, dass das Gesehene an den Zuschauenden vorbeiplätschert oder völlig uninteressant daherkäme. Wie bereits gesagt, sorgt vor allem der starke Cast für Aufmerksamkeit, wobei der Plot bei aller Ansehnlichkeit aber eben in jeder Hinsicht innovationsarm bleibt.

Pryce war einst ein aufsteigender Stern am Profigolfhimmel und auch privat auf dem richtigen Weg. Er heiratete eine nette und erfolgreiche Frau und bekam bald darauf einen Sohn. Wie wir aber bereits in der Pilotfolge erfahren, starb das Kind. Das warf Pryce so aus der Bahn, dass er während eines Turniers gewalttätig wurde und sich daraufhin aus dem Sport zurückzog.

Nun arbeitet er als mehr oder weniger erfolgreicher Golf-Equipmentverkäufer, streitet sich mit seiner Ex-Frau um den Hausverkauf und zockt mit seinem ehemaligen Caddy Leute in Bars mit gefakten Wetten ab, wenn er Geld braucht.

All das ist durchaus ansprechend inszeniert und warmherzig erzählt. Andererseits hat man ähnliche Filmschicksale aber schon zigmal erlebt. Ähnliches lässt sich über das Kennenlernen und den Background seines Schülers Santi berichten. Er ist ein Ausnahmetalent, der als Kind von seinem herrischen und geltungssüchtigen Vater trainiert wurde, bis dieser irgendwann die Familie sang- und klanglos verließ.

Der junge Mann arbeitet aktuell in einem Supermarkt und scheint ein tristes Leben vor sich zu haben, bis er auf Pryce trifft, der ihn und sich selbst wieder aufbaut. Damit ist die Prämisse ausformuliert und die Frage bleibt, wie sich diese sinnvoll und unterhaltsam füllen lässt.

Fazit

Noch einmal: „Stick“ präsentiert sich in der Pilotfolge nicht schlecht, aber auch nicht ausnehmend gut. Wer Sportlerdramen beziehungsweise Dramedys mag, findet höchstwahrscheinlich genau das Gesuchte, wenn auch möglicherweise bis zum Exzess gestreckt und gedehnt. Alle anderen scrollen vielleicht solange weiter, bis sich ein vielversprechenderes Format offenbart.

Die Frage, wie man die über sieben Stunden Laufzeit so ausfüllen will, dass man Folge für Folge unbedingt weiterschauen möchte, drängt sich schlicht und ergreifend gerade zu auf. Daran ändert auch das schöne Nostalgiegefühl eines Wiedersehens mit Owen Wilson nichts.

Tatsache ist zudem, dass der Mime trotz seiner Beliebtheit und seines Könnens seit vielen Jahren immer wieder denselben Typus verkörpert. Auch das könnte für eine Serie mit einer vollwertigen Staffel durchaus ein Stolperstein sein. Alles in allem bleibt uns lediglich die Option des Abwartens. Und wer weiß? Vielleicht erweisen sich all die genannten Kritikpunkte als Unkenrufe. Schön wäre es.

Bis dahin gibt es von uns drei von fünf Golfschlägern.

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