Station 19: Stuck/Invisible to Me - Review

Station 19: Stuck/Invisible to Me - Review

Das Spin-off zu Grey's Anatomy startet mit den beiden Episoden Stuck und Invisible to Me. Ist dieses Drama nur etwas für Grey's-Kenner? Und: Wo lässt sich die neue ABC-Serie zwischen anderen Produktionen ihres Formats und ihrer Mutterserie einordnen?

Szenenbild aus der „Station 19“-Episode „Invisible to Me“ / (c) ABC
Szenenbild aus der „Station 19“-Episode „Invisible to Me“ / (c) ABC
© zenenbild aus der „Station 19“-Episode „Invisible to Me“ / (c) ABC

Mit Station 19 startet nach Private Practice das zweite Spin-off der Mutterserie Grey's Anatomy. Dieses reiht sich ein zu den anderen Shondaland-Produktionen wie How to Get Away with Murder, Scandal, The Catch und natürlich die beiden eben genannten. Der Auftakt der Feuerwehr-Serie startet mit einer Doppelfolge, die auch beide in diesem Review behandelt werden.

Stop showing off

Das Gleichgewicht auf der Feuerwache Station 19 gerät aus dem Wanken, als der Captain (Miguel Sandoval) während eines Einsatzes verletzt wird und er nicht mehr verheimlichen kann, dass er im zweiten Stadium Krebs hat. Damit er sich von nun an schonen kann, tritt er seine Stelle als Captain ab. Auf die frei gewordene Stelle bewerben sich seine Tochter Andy Herrera (Jaina Lee Ortiz), die kurzerhand zum Lieutenant befördert wird, damit sie sich für den Posten des Captains bewerben kann, und Jack Gibson (Grey Damon). Letzterer ist nicht nur Andys Arbeitskollege, sondern auch ihr heimlicher Freund, der vorhatte, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Als sie jedoch davon erfährt, reagiert sie anders, als er es sich erhofft hatte und plötzlich stellt sich die Frage, ob sie überhaupt noch ein Paar sind. Ihre Situation verkompliziert sich, als er derjenige ist, der den Vater während des besagten Einsatzes alleine lässt und sie nun gegeneinander antreten. Außerdem schläft Andy mit ihrem Exfreund Ryan Tanner (Alberto Frezza), wovon Jack bisher noch nichts weiß...

Währenddessen muss sich Ben Warren (Jason George) an seine neue Tätigkeit gewöhnen und lernen, dass er hier - im Gegensatz zum Krankenhaus - noch ein Anfänger ist und sich auch dementsprechend verhalten sollte. Dabei erhält er Unterstützung von seiner Frau Miranda Bailey (Chandra Wilson). In der zweiten Episode Invisible To Me wird ausgemacht, dass die beiden Konkurrenten um den Posten des Captains jeweils abwechselnd ebendiesen Posten für je eine Schicht übernehmen werden, bis das Auswahlverfahren beendet ist. Zuerst ist Herrera an der Reihe. Dabei muss sie sich sowohl den Respekt ihrer Kollegen erarbeiten als auch den anderer Autoritätspersonen (zum Beispiel den einer Schulleiterin), mit denen sie zu tun bekommt. Dabei kommt ihr sowohl die Tatsache, dass sie eine Frau ist, in den Weg als auch der Umstand, dass sie konstant mit ihrem Vater verglichen wird und sie Angst hat, ebendiesen zu enttäuschen. Abgesehen von ein paar Ausnahmen macht sie sich jedoch ganz gut und wird am Ende des Tages sogar von ihrem Vater gelobt.

Wie es zwischen ihr und Jack steht, ist gegen Ende der zweiten Episode schwer auszumachen. Zwischen den beiden ist definitiv noch etwas, jedoch ist nicht geklärt, welchen Beziehungsstatus die zwei zurzeit haben. Während im Piloten der Fokus sehr stark auf Andy liegt, wechselt dieser in der darauffolgenden Episode, so dass auch die anderen Charaktere etwas mehr Farbe erhalten. So kann man sehen, wie sich Beziehungen entwickeln, wie das Team miteinander harmoniert und erfährt über den einen oder anderen Charakter etwas mehr. Hierbei erfährt man, dass Travis (Jay Hayden) früher mit einem anderen Feuerwehrmann verheiratet war. Dieser ist jedoch mittlerweile verstorben. Außerdem fällt auf, dass Travis und Dean (Okieriete Onaodowan) gute Freunde sind, die einander des Öfteren sticheln, aber was stets von Herzen kommt. Ein weiteres Duo, das gut miteinander funktioniert, ist Ben und Victoria (Barrett Doss). Anfangs kann sie ihn nicht besonders leiden, da er zu viel mit seinem früheren Job vergleicht. Das ändert sich jedoch schnell, als die beiden als Partner zusammenarbeiten müssen. Dabei geraten sie außerdem in Lebensgefahr und beruhigen einander, wodurch sie letztendlich einen Draht zueinander finden.

Put your game face on

Während der Feuerwehreinsätze stellt man schnell fest, dass das Drama dieselbe Schiene wie andere Serien ihrer Art fährt - sie setzen auf plötzliches und übermäßiges Drama. So entkommen sie unter anderem blauen Feuer, welches man nur in der Dunkelheit sehen kann. Dieses ist überaus gefährlich, da es heißer als andere Feuer ist und da man es nur schwer löschen kann. Es kann sein, dass diese Einsätze ansonsten schnell zu normal und demzufolge auch langweilig erscheinen, jedoch ist man auch schnell von solchen scheinbar aussichtslosen und außergewöhnlichen Situationen gesättigt, wie ich aus eigener Erfahrung von Chicago Fire berichten kann.

Jason George als Ben Warren in „Station 19“
Jason George als Ben Warren in „Station 19“ - © ABC

Außerdem darf die scheinbar obligatorische Geschichte eines Feuerwehrmannes nicht fehlen, der während 9/11 im Einsatz war. So kommt die Serie auch hier nicht umher, ihrem Patriotismus zu frönen, wodurch sie schnell zu einer klischeehaften und übertriebenen Darstellung ihrer selbst wird. Als Konsequenz erinnert sie eben schnell an Dramen wie „Chicago Fire“ oder die neue FOX-Serie 9-1-1. Wenn wir gerade schon bei Vergleichen sind, so ist die Ähnlichkeit zu einer anderen Serie einfach nicht von der Hand zu weisen. Die Feuerwehrserie ähnelt ebenso in vielen Bereichen ihrer Mutterserie „Grey's Anatomy“. Insbesondere in der ersten Episode wird man von „Grey's“-Elementen beinahe überladen. Die Hauptdarstellerin ist eine starke Frau, die im Fokus der Handlung steht und aus dem Off die jeweilige Folge mit einem passenden Thema zu dieser Folge einleitet und beendet. Diese macht mit ihrem geheimen Liebhaber in einer Kammer herum und dann lässt sie ihre Liebe zu ihrem Exfreund wieder aufflammen. Dadurch würde einem potentiellen Liebesdreieck schon mal nichts im Wege stehen.

Die Vergleiche zur Mutterserie müssen an sich nichts Schlimmes sein. Sie fallen einem „Grey's“-Kenner jedoch sofort ins Auge. Fans der Mutterserie, die nichts dagegen haben, ihren Arztkittel gegen einen Feuerwehranzug zu tauschen, könnten an dieser Serie ihren Spaß haben. Das Drama kann jedoch auch von Zuschauern angesehen werden, die sich weniger mit der Mutterserie auskennen, aber gerne mal einen Blick in eine Feuerwache werfen würden. Ebenso lässt sich ein Stilelement einer weiteren Shondaland-Produktion ausmachen. Die rapide Aneinanderreihung von Momentaufnahmen, die mit einer Flamme hinterlegt wurden und als Trennung zwischen einzelnen Szenen dienen, erinnern sehr stark an die schnelle Aneinanderreihung von Fotos in Scandal. Abgesehen davon lässt sich sagen, dass sich der Cast zwar erst noch etwas einspielen muss, bisher aber schon ganz gut miteinander harmoniert. Zudem sorgt die Serie für eine Balance zwischen den dramatischen und ruhigen Elementen, so dass es spannende Szenen zu sehen gibt, man aber auch das eine oder andere private Detail über die Figuren erfährt.

Fazit

Das Spin-off zu Grey's Anatomy gestaltet sich als eine Mischung aus seiner Mutterserie und bekannten anderen Serien des Formats wie 9-1-1 und Chicago Fire. Insbesondere durch die Parallelen zu dem Krankenhausdrama könnte diese Serie etwas für Fans von „Grey's“ sein. Außerdem driftet die Produktion leider allzu oft ins Pathetische ab, was dann auch noch mit überaus dramatischen Elementen sowie Patriotismus gekoppelt wird. Somit wird uns nichts besonders Neues geboten, es weiß jedoch zu unterhalten und könnte mit der Zeit noch etwas aus den Klischees herauswachsen.

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