StartUp 1x01

Die neue Crackle-Serie StartUp legt mit Seed Money einen recht soliden Thrillerpiloten hin, der sich vor allem darauf konzentriert, seine schichtenübergreifende Charakterkonstellation und das Thema zu etablieren. Während es dabei durchaus erfrischend ist, den ansonsten eher als netten Charakter gewohnten Martin Freeman mal als „Bad Cop“ zu sehen, fällt vor allem der inflationäre Gebrauch von unmotivierten Sexszenen negativ ins Gewicht.
Der Plot
Die zentrale und titelgebende Idee des Piloten ist es, dass die Informatikerin Izzy (Otmara Marrero) nach sieben Jahren Arbeit einen Code für eine digitale Währung entwickelt hat, die das komplette Bankensystem ablösen und jedem auf der Erde finanzielle Zugangsmöglichkeiten bieten könnte. Diese Idee wiederum stellt sie verschiedenen Banken vor, bis sie schließlich bei der von Nick Talman (Adam Brody) landet, der sofort Feuer und Flamme dafür ist.
Jedoch hat er selbst mit familiären Problemen zu kämpfen, da sein Vater Andy (Carl Weintraub) nicht nur durch fremde Betten, sondern auch durch zwielichtige Geschäfte hüpft, welche anscheinend mit dem kriminellen Haitianer Ronald (Edi Gathegi) verbunden sind, der somit das dritte Glied der Beziehungskette darstellt. Andy will jedoch untertauchen und vertraut deshalb sein Vermögen von 2 Millionen Dollar seinem Sohn an, der dieses wiederum in Izzys digitale Währung eintauscht, um ihrer Idee das fehlende Startkapital zur Verfügung zu stellen.
Zuletzt bleibt noch der FBI-Agent Phil Rask, der dank der Darstellung durch den aus Fargo und Sherlock bekannten Martin Freeman den anderen Charakteren die Show stiehlt. Phil hat nämlich Andy und seine krummen Verbindungen im Visier, bleibt dabei jedoch stets zwischen eigener Korruption und Agentenmoral undurchschaubar. Zum Ende der Episode münden schließlich auch noch Phils und Ronalds Plots in nicht wirklich angenehmen Treffen mit Nick, sodass dieser zum Handlungsmittelpunkt der Serie erkoren wird.
Die Machart
Diese Auffächerung der einzelnen Elemente des Plots zwischen Korruption und Innovation auf verschiedenste Charaktere, die wie einzelne Mosaik-Teile das Charaktergerüst zusammensetzen, kommt durchaus kurzweilig daher. So bleibt aber leider auch eine tiefergehende Charakterzeichnung aus, die sich vor allem daran aufzeigen lässt, dass mit Phil zwar ein guter böser Bube der Serie etabliert wird, sich Nick dagegen aufgrund seines naiven Verhaltens nicht so recht als charismatischer Protagonist etablieren lassen will.
Zu viel Zeit verschwendet der Pilot darauf, die einzelnen Beziehungsstränge peu à peu aufzubauen, statt sich ein bisschen tiefer den vier bis fünf zentralen Charakteren und ihren Motivationen zu widmen. Weiterhin stoßen auch verbrauchte, narrative Elemente negativ auf, allen voran der inflationäre Gebrauch von Sexszenen, die anscheinend weniger für den Plot als vielmehr dazu genutzt werden, das Interesse des Zuschauers zu wecken. Schade, diese Zeit hätte man lieber für etwas bessere Charakterbeleuchtung nutzen können.
Fazit
Mit Seed Money legt StartUp zwar einen durchaus soliden Piloten hin, der vor allem handwerklich und besetzungstechnisch aufzutrumpfen weiß, jedoch werde ich das Gefühl am Ende nicht los, dass der Pilot insgesamt einfach hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Zwar weiß Martin Freeman seine Rolle des zwielichtigen FBI-Agenten dramatisch wie unterhaltend auszuspielen, leider kann man das jedoch nicht von den übrigen Charakteren sagen.
Es bleibt somit zu hoffen, dass diese durchaus solide wirkende Serie in ihren folgenden Episoden vor allem weiter auf ihre Charakterarbeit setzt, statt es sich mit verbrauchten Erzählmustern zu einfach zu machen. Wenn schon Freeman in seinem Schlussverhör aufzutrumpfen weiß, sollte sein Gegenspieler nicht völlig in den Schatten von dessen Schauspiel gedrängt werden. Besser wäre ein ebenbürtiger, ausgeglichener Kampf - wie richtig gutes Tennis eben.
Verfasser: Henning Harder am Mittwoch, 9. November 2016StartUp 1x01 Trailer
(StartUp 1x01)
Schauspieler in der Episode StartUp 1x01
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