Stargirl: Review zur Pilotepisode der neuen DC-Serie

Stargirl: Review zur Pilotepisode der neuen DC-Serie

Bei DC Universe fliegt die neue DC-Superhelden-Adaption Stargirl ein. Die von Geoff Johns erfunden Figur Courtney Whitmore muss vom modernen Kalifornien ins ländliche Nebraska ziehen, erbt kosmische Kräfte und belebt die legendäre JSA wieder.

Kritik zum Auftakt der US-Superheldenserie Stargirl von DC Universe und The CW (c) DC Universe
Kritik zum Auftakt der US-Superheldenserie Stargirl von DC Universe und The CW (c) DC Universe
© ritik zum Auftakt der US-Superheldenserie Stargirl von DC Universe und The CW (c) DC Universe

2001, also bald vor 20 Jahren, startete die Serie Smallville beim The CW-Vorgänger The WB und mischte die Anfänge von Clark Kent (zu Beginn) mit einem Freak-of-the-Week-Format, vielen Teeniethemen und Americana-Flair sowie einer sehr berühmten Figur aus dem DC-Fundus. 2020 wiederholt sich die Geschichte bei DC Universe, dem hauseigenen Streamingdienst von DC, aber auch beim Haus-und-Hof-Networksender des Arrowverse, auf dem mehr DC-Serien heimisch sind als sonst wo, läuft die neue Coming-of-Age-Superheldenserie, die sich groß auf die Fahnen geschrieben hat, das Wort Vermächtnis zu betonen. Es handelt sich dabei seit geraumer Zeit um ein Lieblingswort bei den DC Comics, die schon immer mehr als Marvel den Generationenaspekt betont haben, welcher in den 1940ern mit den Helden der Justice Society begann und in den 60ern dann durch neue Helden mit den Namen Flash und Green Lantern fortgeführt wurde.

Angefangen hat es bei dem Verlag, der 1938 noch gar nicht DC, sondern National Comics hieß, aber dennoch mit dem Mann aus Stahl, darum passt das Ganze auf poetische Weise also doch zusammen. Was diese Einleitung ausdrücken möchte? Stargirl könnte der geistige Nachfolger von „Smallville“ werden, nur eben mit einer weiblichen Hauptfigur, einem von Anfang an seriellen Charakter, aber auch viel Liebe für Tradition und Moderne zugleich.

Worum geht es in Stargirl?

DC Universe DC Universe
DC Universe DC Universe - © DC Universe DC Universe

Einst gab es ein goldenes Zeitalter der Helden, doch dies endete, als die Justice Society of America im Kampf gegen die Injustice Society vernichtend geschlagen wurde. Übrig blieb damals nur der Sidekick Pat Dugan / S.T.R.I.P.E. (Luke Wilson), der das Erbe des Teams bewahren sollte, bis ein Nachfolger für den gefallenen Helden Starman (Joel McHale) gefunden werden kann.

Einige Jahre später: Courtney Whitmore (Brec Bassinger) und ihre Mutter Barbara (Amy Smart) ziehen von Kalifornien in die Kleinstadt Blue Valley in Nebraska, denn die Mutter hat einen neuen Job und Lebensgefährte Pat sowie dessen Sohn Mike (Trae Romano) sollen dort als Patchworkfamilie ein neues Kapitel in ihren Leben aufschlagen. Begeistert sind eher die Eltern als der Nachwuchs, denn das neue Zuhause gilt als ziemliches Kaff, in dem nichts los ist.

Courtney macht am ersten Tag in der Schule gleich einen schlechten Eindruck, weil sie ein Angebot der Cheerleader ausschlägt und sich den vermeintlichen Losern in der Cafeteria anschließt. Da sie auch noch einen kleinen Mensa-Unfall verursacht, muss sie direkt nachsitzen. Stiefbruder Mike geht es besser, weil er hier seine Freude für Videospiele ausleben kann und daher die Situation sowie das neue große Haus eher akzeptiert als die Teenstiefschwester. Courtney hat Probleme damit, Pat als Ersatzvater zu sehen, doch weil ihre Mutter ihn ins Herz geschlossen hat, probiert sie ihr Bestes. Dann stößt sie zufällig auf den Inhalt einer mysteriösen Kiste, die Pat wie seinen Augapfel hütet und dort findet sie den „Cosmic Staff“, die Waffe, die einst dem Golden-Age-Helden Starman gehörte.

Der Stab hat ein Eigenleben (man denke an den Teppich aus „Aladdin“ oder den Mantel von „Doctor Strange“). Er scheint Courtney auserwählt zu haben und schon bald testet sie, was damit möglich ist, nimmt etwas Rache an den Schulrowdys und übt zu fliegen und Turnübungen damit umzusetzen.

Was sie nicht weiß: Der Bully, dessen Auto sie zerstört, ist der Sohn eines der Schurken, der einst die JSA niederstreckte und er und seine Kollegen sind auf Blut aus, sobald ein neuer Held mit dem Stab erscheint...

Mit Mühe und Not kann sich Courtney aus dem ersten Kampf retten und mit Pat hat sie vorher einen Pakt geschlossen: Sie wahrt sein Geheimnis gegenüber dem Rest der Familie und er übernimmt erneut die Sidekick-Rolle, die er einst schon innehatte. Und Pat ist für eine weitere Überraschung gut: Er bringt einen gewaltigen Mech für diesen Job mit: S.T.R.I.P.E.

Now leaving California!

Stargirl ist von der Wertigkeit vergleichbar mit anderen Produktionen von DC Universe, was heißt, das am Look in meinen Augen wenig auszusetzen ist und man wahrscheinlich sogar etwas mehr Budget hat als bei den The CW-Serien, die schneller ihre bis zu 23 Folgen produzieren müssen. Leichte Abzüge in der B-Note gibt es, wenn zu viel CGI im Spiel ist (farbige Flammen sind immer etwas problematisch, egal wo), aber die Effekte haben durchaus Kinoqualität. Denn das, was Courtney mit dem Stab anstellt, sieht auch nicht schlechter aus als das in einem „Shazam!“. Ein wenig erinnert ihre charakterliche Einführung auch an die Kinoabenteuer von Billy Batson, was aber eher an DC und dem Genre an sich liegt denn an anderen Faktoren. Persönlich bin ich ohnehin immer ein großer Fan davon, wenn DC- und Marvel-Helden ihre neu gefundenen oder gewonnenen Kräfte erkunden können und wilde Dinge ganz ungestüm ausprobieren. Beste Bespiele: „Spider-Man“ und „Shazam“. Es sind oft die jungen Helden, die hier besonders viel Spaß machen und Courtney bildet da keine Ausnahme. Auch bei The Flash hat dies anfangs viel Freude bereitet.

Coming-of-Age-Superheldenstoffe (vor allem im Fernsehen) von DC und Marvel sind - fernab von Smallville als Vorreiter - in den letzten 20 Jahren gar nicht mal so häufig aufgetreten und so ist es erfrischend, dass wir hier einmal die weibliche Perspektive erleben. Denn weder The Flash noch Supergirl oder Arrow - und schon gar nicht Black Lightning oder Batwoman - waren zu Beginn ihrer Heldenkarriere so jung wie Courtney, sondern mit einem Fuß schon im Berufsleben oder sogar etablierte Arbeitnehmer/-innen. Bei Marvel gibt es natürlich Marvel's Runaways und Cloak & Dagger, die auch im Highschool-Alter waren, und die erwähnten Spidey und Billy Batson sind ebenfalls zur Schule gegangen und hatten dort ihre Alltagsprobleme neben den Superkräften.

Die Justice Society wurde ebenso schon mehrfach in den Realserien der jüngeren Vergangenheit thematisiert: In Legends of Tomorrow gibt es eine Inkarnation, inklusive Stargirl, zu sehen, Smallville hatte das erste DC-Team interpretiert und auch bei Arrow sowie The Flash gab es den einen oder anderen Helden (beispielsweise Mr. Terrific, Wildcat und Jay Garrick, den Golden-Age-Flash), der traditionell zur JSA gehört.

Eine persönliche Geschichte

DC Universe
DC Universe - © DC Universe

Ich persönlich bin sehr angetan vom Vermächtnis-Aspekt und der Serienmacher Geoff Johns, der Courtney auch für die Comics schuf und jahrelang die Abenteuer der Justice Society verantwortete, ist der richtige Showrunner und Kreative für das Ganze. Die Comics, die er Ende der 1990er und Anfang bis Mitte der 2000er Dekade geschrieben hatte, gehörten für mich zu den Lieblingen meines DC-Konsums: „Teen Titans“, „The Flash“, „Justice League“, „Green Lantern“ und „Superboy“ sind für mich ewige Favoriten und haben die Charaktere oft modernisiert, neu interpretiert und definiert. Der Mann weiß, was er tut. Und bei Courtney hat er zudem den tragischen Verlust seiner eigenen Schwester verarbeitet. Persönlicher geht es also kaum.

Tonal gibt es manchmal ein paar kleine Ausreißer im Pilot, die an den Marvel- oder „Star Wars“-Humor aus dem Kino erinnern und deswegen vielleicht nicht jedem schmecken. Ich denke hier explizit an Starmans letzte Worte gegenüber Pat oder dem comic relief-Charakter Mike, aber das kann man verzeihen, denke ich, sofern es nicht überhandnimmt.

There's a Stargirl waiting in the sky

DC Universe
DC Universe - © DC Universe

Brec Bassinger, die zuvor im Nickelodeon-Format „Bella & the Bulldods“ mitwirkte, kannte ich bisher noch nicht. Werde aber durch ihr Spiel teilweise an eine junge Miley Cyrus aus Hannah Monata erinnert, was in dem Falle aber als Kompliment zu verstehen ist. Ihr Spiel macht auf mich einen sympathischen Eindruck und obwohl sie natürlich manchmal ihre Teenlaunen hat und besonders in Gesprächen mit dem Ersatzvater Pat mal etwas patzig daherkommt, hatte ich kein Problem mit ihr als Identifikationsfigur warm zu werden. Auch Luke Wilson als bemühter Dad und Ex-Sidekick gibt eine solide Vorstellung ab. Bruder Mike ist durchaus witzig, wobei ihm die Eltern vielleicht etwas viel durchgehen lassen und man kann jetzt schon sehen, dass die eingeführten Loser und Klassenkameraden in den weiteren Folgen sicherlich noch einmal wichtiger werden, denn schließlich hat man im Vorfeld schon damit geworben, dass eine neue Generation der Justice Society gegründet wird.

Auch um manche Highschoolklischees kommen die Macher nicht ganz rum. Der Trubel direkt am ersten Tag an der neuen Schule etwa, die Cliquenbildung und das Nachsitzen, was mich sofort an den „Breakfast Club“ erinnerte und auch die omnipräsenten Schulrowdys. Noch weiß ich nicht genau, was ich von den Schurken halten soll. Die Auswahl ist vielversprechend, denn die Injustice Society hat einige interessante Mitglieder. Aufhorchen ließ mich beispielsweise sofort der Name Solomon Grundy („Born on a Sunday“) und der actionreiche Folgeneinstieg machte auch etwas her. Die Konfrontation mit Brainwave zum Ende ließ hingegen noch etwas Luft nach oben.

Spannend wird nun sein, ob man wie bei „Smallville“ mit den Dorfbewohnern umgeht und ob diese als Freaks involviert werden. Oder, ob es beispielsweise wie bei Arrow und The Flash immer wieder die gleichen Kulissen und Kämpfe geben wird (Docks/Lagerhäuser) oder hier etwas mehr Kreativität zum Einsatz kommt. Immerhin kann man sowohl aufs Weltall setzen als auch auf die Vergangenheit der JSA...

Froh bin ich zudem darüber, dass das Format nicht zwanghaft auf Network-Staffellänge gestreckt wird, denn so könnte schnell der Drang nach Fillerfolgen entstehen. Da ich bisher nur den Piloten gesehen habe, ist diese Gefahr noch nicht gänzlich gebannt, aber im Streaming haben die DC-Serien doch häufiger einen roten Pfaden als bei den Networkkollegen.

Fazit

Mir hat die Einführung in die Welt von Stargirl jedenfalls großen Spaß bereitet und ich wurde als Fan von Geoff Johns, der JSA und der Protagonistin gut abgeholt und kurzweilig unterhalten. Weil ohnehin eine mittelfristige Sommerflaute in diesem Jahr zu erwarten ist, werde ich auf jeden Fall dranbleiben und schauen, wie sich das Ganze entwickelt. Die Serie passt zudem wirklich wunderbar zum luftigen The CW-Portfolio und könnte so neue Zuschauerschichten erreichen, die durch das nischige DC Universe vielleicht sonst nicht in den Genuss kommen würden.

Bleibt nur zu hoffen und abzuwarten, dass auch ein Streamingdienst hierzulande zeitnah zuschlägt. Sowohl Netflix als auch Amazon Prime Video hatten schon Serien von DC Universe und Warner Bros. im Angebot. Bisher hat sich allerdings noch keiner dazu bekannt. Meist wartet man in diesen Fällen die komplette Ausstrahlung der Debütstaffel ab - so, wie es etwa bei Titans und Doom Patrol der Fall war.

Hier abschließend noch ein Trailer zur neuen US-Serie „Stargirl“ rund um die Justice Society:

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