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© er Cast der Serie „Star“ / (c) FOX
Die junge Titelheldin der Serie Star hat eine genaue Vorstellung davon, wie ihr Leben verlaufen soll: im Glanz der Prominenz, auf der großen Bühne. Doch die Realität des Foster-Kindes sieht eher grau aus, als die Serie beginnt.
Worum es geht
Star (Jude Demorest) lebt als Pflegekind bei einer Familie, die sie in erster Linie als billige Putzkraft wahrnimmt. Doch sie hat große Träume. Bei denen wird sie von einer Instagram-Bekanntschaft unterstützt, Alexandra (Ryan Destiny), Tochter eines der größten Popstars (Lenny Kravitz), die auf der Suche nach ihrer eigenen Stimme ist und sich nicht im Schatten ihres Vaters ausruhen will. Die beiden planen eine gemeinsame Karriere und wollen sich treffen, dafür müssen sie nur einmal quer durchs Land. Als ersten Schritt haut Star aus ihrer Pflegefamilie ab und erbettelt sich bei ihrer Sozialarbeiterin die Kontaktadresse ihrer jüngeren Schwester, die sie auf dem Weg zu Alexandra noch abholen will.
Wider Erwarten findet sie in der Akte ihrer Schwester auch Briefe einer gewissen Carlotta (Queen Latifah), die seit Jahren auf der Suche nach den beiden Schwestern ist und behauptet, deren Patentante zu sein. Kurz darauf kommt Star bei der Pflegefamilie ihrer Schwester Simone (Brittany O'Grady) an, wo sie deren Pflegevater dabei überrascht, wie er seinen jungen Schützling vergewaltigt. Star fackelt nicht lange, holt ein Messer aus der Küche und sticht zu. Mit ihrer Schwester flüchtet sie im geklauten Auto dann zu Alexandra, die sie vor ihrer luxuriösen Wohnanlage abholt. Zu dritt fahren sie schließlich zu Carlotta, die in Atlanta einen Beautysalon betreibt. Dort wollen sie dank vibrierender lokaler Musikszene richtig durchstarten.
Doch zunächst müssen sie mit ihrer neuen Tante in die Kirche. Das gefällt der jungen Simone immer besser und sie wendet sich den Heilsverprechen der Religion zu, während sie gleichzeitig ein immer größer werdendes Suchtproblem mit sich herumschleppt. Auch bei den anderen beiden herrscht keine Idylle. Star will sich mit allen Mitteln ins Rampenlicht boxen, auch strippen, um dabei einen Musikmanager kennenzulernen, gehört durchaus zu ihrem Repertoire. Alexandra stellt sich eher vor, wie die neu gebildete Girlband auf Musikwettbewerben Aufsehen erregt. Doch der erste Versuch dieser Art endet enttäuschend, wonach Star also dann doch Richtung Stripclub abzieht.
Gemeinsam mit der in dieser Hinsicht bereits erfahrenen Tochter von Carlotta umgarnt sie den angeblich erfolgreichen Manager Jahil Rivera (Benjamin Bratt), der sie noch im Stripclub für die Party des berühmten Sportlers Hunter Morgan (Chad James Buchanan) engagiert. Gut, dass Alexandra die anderen beiden immer wieder angetrieben hat, zu proben. So wird der Auftritt auf der Promiparty zum vollen Erfolg, nicht nur der Sportler auch der Manager verdrehen sich den Kopf nach der Titelfigur.
In Nebenszenen wird die Hintergrundstory vorbereitet: So erfahren wir, dass Carlotta und Stars verstorbene Mutter einst selbst eine Band hatten und von Jahil gemanagt wurden. Außerdem müssen wir feststellen, dass Simones Pflegevater den Angriff von Star überlebt hat und nun von der Polizei verhört wird. Dazu kommt, dass Alexandra den anderen beiden bisher verschwiegen hat, dass ihr Vater ein reicher Popstar ist, was ebenfalls genügend Konfliktpotential für eine kleine Streiterei mitbringt.
Wie kommt es rüber?
Die Pilotepisode der Serie Star nimmt sich so einiges vor. Vieles davon kommt daher zu kurz. Doch das kümmert die Autoren ebenso wenig, wie Star sich damit befasst, was sie für den Ruhm tun muss. Und in dieser Kompromisslosigkeit legt die Serie einen bezaubernden Start hin. Logik funktioniert nach den eigenen Maßstäben. Und auf den ersten Blick ist das immer genau das, was die Story verlangt, was die Sache lahm werden lässt. Doch wenn man die Pilotepisode hinter sich hat, merkt man, dass es so einfach vielleicht doch nicht ist. Die Logik der Serie folgt einer Art Märchenstruktur, mit allen Grausamkeiten, die Märchen stets auf dem Weg zum Happy End bereithalten.
Star wird als Waisenmädchen von ihrer Pflegefamilie ausgebeutet, ihre Schwester wird vergewaltigt, überhaupt sind Männer in der FOX-Serie fast durchweg testosterongesteuert. Selbst Alexandras Vater, der bisher noch nichts Wirkliches verbrochen hat, tut sich mit jedweder Art Reflexion der eigenen Taten sichtlich schwer. Die Müttergeneration um Carlotta versteckt große Enttäuschungen hinter Abgebrühtheit. Auch unter den jüngeren finden sich bereits viele Opfer dieser männlichen Übermacht.
In diese Chauvinismuswelt bricht Star mit kompromisslosem Ehrgeiz. Sie verschwendet keine Zeit damit, sich moralische Vorwürfe über die zu machen, die sie verletzt. Sie tut, was sie bei den anderen gelernt hat: sich selbst an die erste Stelle zu setzen. Bereits in der Pilotepisode lässt sie zwei Männer verletzt auf dem Boden zurück. Beide hatten versucht, Frauen zu vergewaltigen und wurden damit in Stars eigener Wertvorstellung zu Freiwild. Und sie tut es nicht widerwillig. Sie genießt die Macht, ebenso, wie sie es bei anderen gesehen hat. Und sie hat gelernt, das Interesse der Männer zu ihren eigenen Vorteilen zu nutzen.
Als Konzept funktioniert auf diese Weise auch der Rest der Serie. Keine Entschuldigungen, keine Erklärungen, nur eine wilde Fahrt, die bei Liedern immer wieder zum Musikvideo wird. Doch das zu erklären käme den Machern nicht in den Sinn. So sieht es besser aus und so funktioniert diese Welt eben. Unterstützt wird dieser Märchencharakter nicht nur vom Fernbleiben zahlreicher Regeln aus der Story, sondern auch von einer seltsamen Zeitlosigkeit. Zwischendurch sieht alles nach einer unbestimmten Vergangenheit aus, doch dann wird plötzlich Kim Kardashian als Referenz für den Weg zum Erfolg herangezogen...
Fazit
Wer sich nicht mit zu vielen Fragen aufhält, sondern die Kompromisslosigkeit von Figur und Story zu schätzen weiß, der kann in Star eine Serie entdecken, die mit schönen Bildern und viel Charisma punkten kann. Ob die Drogenstory von Simone nun noch eine überraschende Wendung Richtung Unterhaltungswert bekommt oder ob Alexandra sich aus ihrer nervigen Rich-Girl-Stellung befreien kann, muss man abwarten. Aber Star zuzusehen, wie sie in einer Welt, die sie ausgespuckt hat, alle Regeln ignoriert, um ihren Traum zu erreichen - das macht Spaß.
Trailer zur zweiten Episode der Serie „Star“:
Verfasser: am Donnerstag, 15. Dezember 2016Star 1x01 Trailer
(Star 1x01)
Schauspieler in der Episode Star 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?