Star Trek 3x09

Star Trek 3x09

Eilmeldung! Kirk hat ne Platte aufgenommen! Wer es angesichts der Musik des Bill Shatner nun mit der Angst bekommt, sei jedoch beruhigt: Kirk spricht auf der Platte nur. Wenn man sich den Rest der Episode ansieht, wäre eine Gesangsdarbietung aber doch vorzuziehen gewesen. Euer Platz 5!

Szenenbild aus der Episode „The Tholian Web“ / (c) NBC
Szenenbild aus der Episode „The Tholian Web“ / (c) NBC

Was passiert?

Die Enterprise ist auf der Suche nach der USS Defiant, deren Crew auf mysteriöse Art zu Tode gekommen ist und gerät dabei in einen Konflikt mit den in dieser Region ansässigen Tholianern. Bei einem Einsatz an Bord der Defiant kommt Captain Kirk scheinbar zu Tode und Spock und McCoy müssen ohne ihren Freund und Kommandanten einen Konsens über das weitere Vorgehen in dieser Krise finden…

Dies & das

  • Regisseur Ralph Senensky wurde während der Dreharbeiten gefeuert und durch Herb Wallerstein ersetzt.
  • Al Francis feierte hier sein Debüt als Kameramann, er ersetzte Jerry Finnerman, für den er vorher im Team mitgearbeitet hatte.
  • Judy Burns reichte ihr Skript als Freelancer ein, um sich einen Studientrip nach Afrika finanzieren zu können - ihr Mann Chet Richards half ihr beim Schreiben.
  • Dies ist das einzige Mal, dass Spock - wenn auch indirekt - den Doktor „Bones“ nennt.

Synchro-Anomalien

  • Hier werden die Tholians im Deutschen wie im Original genannt, was eher ungewöhnlich war für die Serie. Später ging man in den anderen Serien zu Tholianer über. Auch die Klingonen dürfen hier mal wieder Klingons sein - Klingonianer, Klingonier - irgendwann hat die Synchro bestimmt alle Varianten durchgehabt.

Gefühle

I shall not attempt to voice the quality of respect and admiration which Captain Kirk commanded. Each of you must evaluate the loss in the privacy of your own thoughts.“ (Spock)

He was a hero in every sense of the word, yet his life was sacrificed for nothing.“ (McCoy)

I'm sure the captain would simply have said: 'Forget it, Bones'.“ (Spock)

I must say I prefer a crowded universe much better.“ (Kirk)

He's alive! He's alive, doctor!“ (Uhura)

Hatten wir das nicht schon einmal?

Die Crew der Enterprise befindet sich auf der Suche nach dem verschollenen Raumschiff Defiant. Was sie finden, ist ein Schiff, das offenbar führerlos und grün glühend im Raum schwebt - an Bord bietet sich ebenfalls kein besserer Anblick: Der Captain und alle Besatzungsmitglieder sind tot. Hat es hier vielleicht eine Meuterei gegeben? Oder ist eine Krankheit ausgebrochen?

Insgesamt präsentiert man uns hier eine ungewöhnlich lange Eröffnungssequenz, in der das Außenteam die Defiant erkundet und dabei wenig strukturiert vorgeht. McCoy vermutet immerhin relativ zielsicher, dass sich alle gegenseitig umgebracht haben. Doch warum?

Irgendwie sollte den geneigten Zuschauer an dieser Stelle ein Dejá-vu überkommen. Hatte man uns nicht bereits zu Beginn der ersten Staffel mit einer sehr, sehr ähnlichen Prämisse verwöhnt? Gut - dort hatte jemand in Uniform geduscht. Aber sonst? In The Naked Time ging es ebenfalls um ein Schiff, dessen Crew auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen war. Auch dort sprang das Problem später auf Crewmitglieder der Enterprise über - oh, ich greife vor.

Einen Kniff haben die Autoren aber zumindest parat: Das Schiff glüht nämlich nicht grundlos so grünlich - es löst sich auf! Insgesamt muss man bereits hier feststellen, dass sich alle Beteiligten bei jeder Gelegenheit geistig äußerst träge und trottelig anstellen. Zudem wird mit schöner Regelmäßigkeit das Offensichtliche artikuliert, bis es auch der letzte verstanden hat. Kann man zwar machen, kann aber auch nerven.

Wie dem auch sei: Kirk schickt - ganz der vorbildliche Kapitän - Spock und McCoy zurück aufs Schiff und verbleibt für den Moment an Bord, da Scotty - Klischees müssen bedient sein - nur zwei auf einmal zurückbeamen kann. Bevor der rührige Chefingenieur den Captain zu fassen bekommt, löst sich das Schiff komplett auf. Boom. Ist er etwa tot? Werbepause.

Was tun, sprach Zeus

Zurück auf der Brücke der Enterprise hält Spock eine Vorlesung über Parallele Universen. Bei seinen Untergebenen schürt er damit nur Kopfschmerzen, der Zuschauer fragt sich schlicht: Wie kommt er da jetzt drauf? Chekov - der in einer früheren Szene an Bord der Defiant bereits Anzeichen von gesundheitlichen Beeinträchtigungen zeigte - reagiert mit Angst, Wut und einem Ausbruch gegen den Vulkanier. Dieser deeskaliert jedoch gekonnt per Nervengriff. Ein Fall für die Krankenstation. Hierbei sei die coole Kameraarbeit erwähnt, die aus der Sicht des Infizierten die verzerrte Wahrnehmung illustriert. Nicht neu, aber ein Pluspunkt fürs Protokoll.

Zu allem Überfluss tauchen noch bisher unbekannte Fremde auf, die sich als Tholians vorstellen und den Raumsektor beanspruchen. Mit Ruhe und Diplomatie leiert der Interimskapitän ihnen jedoch 113 Minuten aus dem Kreuz um die Mission zur versuchten Doch-noch-Rettung des Captains zu beenden. In der Zwischenzeit greift ein Laborant Dr. McCoy an (der tatsächlich mal Zeit findet, an einem Gegenmittel zu arbeiten), was diesen zu erneuten Warnungen verleitet. Der folgende Rettungsversuch des Captains schlägt fehl, den Tholians geht die Geduld aus und sie greifen an, werden jedoch durch einen erfolgreichen Gegenschlag vorerst zum Verstummen gebracht. Schade, dass sofort andere von ihnen auftauchen und beginnen, ein Netz um die Enterprise zu spannen - irgendwoher muss der Episodentitel ja schließlich kommen. Spock weiß um die Gefahr und mahnt zu großer Eile, bevor man dem Netz nicht mehr wird entrinnen können!

Erstmal Käffchen

Eile? Aber nicht doch. Ein fast schon historisch schlechter Schnitt von eben jenem Spock, der auf eine schnelle Lösung drängt, hin zu einer Szene, in der man sich entspannt versammelt, streitet, Spock eine an dieser Stelle völlig unmotiviert-überflüssige Presseerklärung abgibt und ein wenig Trauerarbeit am verlorenen Captain einleitet. So geht Arbeiten unter Zeitdruck! Wer hat dieses Drehbuch bloß freigegeben?

Nebenbei drehen immer mehr Crewmitglieder durch, McCoy kann einfach nicht aufhören Spock zu kritisieren und der Nervfaktor des Dauerzoffs der beiden steigt im Minutentakt. Wer sind diese Leute und wer hat die echten Spock und McCoy entführt? Möchte man seitens der Autoren vielleicht andeuten, die Streithähne stehen auch unter dem zumindest latenten Einfluss des Raumsektors? Fast will man es hoffen - doch gleichermaßen bezweifele ich es leider auch.

Kirk hat ne Platte aufgenommen

Da ist es fast erleichternd, dass McCoy Spock an einen sensationellen Sachverhalt erinnert: Kirk hat nämlich zu Lebzeiten noch eine bisher geheime Platte aufgenommen! Nein, nein, der Captain ist nicht etwa heimlich unter die Singer/Songwriter gegangen, es geht natürlich um eine Art Abschiedsbrief für den Fall seines Ablebens, den Spock und McCoy sich nun gemeinsam anschauen sollen.

Da passt es doch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, dass der Captain a.D. seine beiden besten Freunde und Vertrauten mitten in ihrem vollkommen deplatzierten Streit über Spocks Kommando am Schlawittchen packt und wieder auf eine Linie bringt: Zusammenarbeiten, gegenseitig helfen, Stärken des anderen zum Guten der Sache einsetzen. Hach. Kirk weiß eben Bescheid - traurig, dass Spock und McCoy für derart dumm verkauft werden und hier Verhaltensmuster zeigen müssen, die den Charakteren nicht im Geringsten gerecht werden.

Beide schauen also betreten zu Boden, ziehen synchron eine Augenbraue hoch und am Ende der Rede des Captains herrscht Friede, Freude und eine Menge Eierkuchen. Ach ja - und man mahnt mal wieder zur Eile. Jetzt gilt es wirklich, keine Zeit mehr zu verlieren.

Uhura hat das jedoch noch nicht mitbekommen - im Nachthemd irrlichtert sie durch ihr Quartier, als plötzlich der Captain als Erscheinung in ihrem Spiegel auftaucht. Uhura wirkt dabei dezent wie unter Drogen - vielleicht auch deshalb glaubt McCoy ihr nicht und verfrachtet sie auf die Krankenstation, auf der Chekov konstant wie ein Wahnsinniger vor sich hin brüllt.

Kurz darauf sieht jedoch auch Scotty das Abbild des Captains durch den Maschinenraum geistern - definitiv ein Punkt für die Glaubwürdigkeit von Uhura. Auf der Brücke diskutieren derweil erneut Spock und McCoy - Lerneffekt durch Kirks Greatest Hits? Offenbar null. Am Ende weist der Vulkanier den Doktor mit Seelenruhe zum gefühlt zehnten Mal in dieser Episode an, sich doch bitte in seinem Labor um das Gegenmittel zu kümmern. Die Bezeichnung lazy writing wäre in diesem Fall fast schon ein Hohn.

Erfreulich: Am Ende sehen schließlich alle Kirk durch die Brücke schweben und sind sich zumindest einig, dass man ihn nun auch mal retten sollte - mit der bekannten Eile natürlich.

Schwupps, schon vorbei

Da nach viel zu langer Episodenlaufzeit nun also feststand, dass Kirk noch lebt, blieb für die Auflösung leider keine Zeit mehr. Vielleicht bin ich auch zwischendurch kurz eingenickt, der Plan zur Rettung des Captains, das Finden eines Gegenmittels, das Entkommen aus dem Netz der Tholianer - all das wirkte doch eine Spur befremdlich und übereilt.

Klar, dass auch Kirk immer noch weiter herumschwirrt, das Beamen problemlos funktioniert und am Ende alle glücklich und feixend auf der Brücke herumlungern. Alles ist wieder gut. Das Defiant-Rätsel ist abgehakt, die Tholianer verschwunden und Spock und McCoy erhalten den Abschlussgag: Wie? Du hast ne Platte aufgenommen? Fast schon böse, wenn man mal kurz an einen Seitenhieb auf das reale Leben der Darsteller denkt...

The Reviewer's wife

Wenig Konsens zwischen Spock und McCoy, dafür umso mehr zwischen dem Rezensenten und seiner Frau - und das ganz ohne Platte des Captains. Die Episode fiel auch bei ihr als völlig überflüssig durch, sie fand keinen Ansatzpunkt für Lob. Kein Humor, keine Spannung, kein interessantes Hintergrundthema und dazu ein furchtbar waberndes Drehbuch - ihre Frage beim Abspann sprach Bände: „Warum mussten wir die nochmal gucken?“.

Gib dem Kind einen Namen

Bereits im Original kein besonders origineller Titel, da er nur auf das Netz der Tholianer eingeht - wenn auch natürlich hier bereits die Nähe zum Spinnennetz sicher gewollt ist. Im Deutschen sah man das genauso, erklärte es den Zuschauern direkt im Titel und ließ die Außerirdischen gleich ganz weg.

Schmankerl am Rande: Besonders gelungen sind oft die japanischen Episodentitel - der dieser Episode heißt übersetzt in etwa: "Krise um Captain Kirk, der in eine Art von Anders-Dimensionalem Raum geworfen wurde". Irgendwie hübsch.

Fazit

Wenn eine Episode für ihre Prämisse eine zwei Staffeln alte Geschichte raubkopiert, eine vermeintlich emotionale Geschichte ergänzt, die an überdeutlichen Drehbuchschwächen verendet, die Charaktere überzeichnet und in keiner Sekunde trifft und einen zwar interessanten aber letztlich bedeutungslosen Feind ins Spiel bringt und gleich wieder fallenlässt, dann muss der Rezensent gestehen, dass er ihr weder ein positives Urteil zukommen lassen kann noch möchte.

The Tholian Web ist unkreativ, unlustig und handwerklich selbst für die 60er Jahre nahezu desaströs - definitiv keine Sternstunde der Reihe.

Morgen geht es bei den Kollegen auf der Enterprise-D um den ersten Kontakt mit einem ganz besonderen Widersacher...

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 27. Februar 2016
Episode
Staffel 3, Episode 9
(Star Trek 3x09)
Deutscher Titel der Episode
Das Spinnennetz
Titel der Episode im Original
The Tholian Web
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 15. November 1968 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 17. Juni 1972
Autoren
Cacey Riggan, Paula Iland, Cacey Riggan
Regisseure
Kiele Sanchez, Michael-John Wolfe, Sarah Sawatsky, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Star Trek 3x09

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