Star Trek 2x17

Was passiert?
Die Enterprise besucht den Planeten Sigma Iotia II. Vor rund hundert Jahren hatte die USS Horizon diesen bereits einmal im Auftrag der Föderation besucht - nun soll festgestellt werden, welche Entwicklung die Bevölkerung seit damals genommen hat. Erstaunlicherweise hat sich die Kultur wie auf der Erde der zwanziger Jahre nach dem Vorbild der Verbrechersyndikate Chicagos entwickelt. Ein damals zurückgelassenes Buch ist offenbar dafür verantwortlich. Kirk & seine Crew müssen für Ordnung sorgen…
Hier könnt Ihr über Eure Lieblingsepisoden abstimmen.
Dies & das
- Die Episode entstand aus einer kurzen Notiz von Gene Roddenberry, die mit „President Capone“ überschrieben war. Autor George Johnson entwickelte daraus ein Konzept mit dem Titel „Chicago II“, welches aber erst in der zweiten Season durch Gene L. Coon wiederentdeckt und schließlich hier doch noch verwendet wurde.
- Dies ist die einzige Episode in der im Original Doktor McCoys DeForest Kelley kompletter Spitzname verwendet wird: Sawbones
- Ein Modell der USS Horizon kann man in Star Trek: Deep Space Nine in Captain Siskos Avery Brooks Büro sehen.
- Sulu George Takei kommt in dieser Episode nicht vor, Chekov Walter Koenig hat nur eine einzige Zeile.
- McCoy vergisst am Ende einen Kommunikator auf Sigma Iotia II. Diese Idee wurde in der Episode The Communicator aufgegriffen, als Reed Dominic Keating seinen Kommunikator verliert.
- Es wird der erste Ort-zu-Ort-Transport der Serie durchgeführt.
Synchro-Anomalien
- Eine Namensänderung: aus Krako wurde Krake.
- Insgesamt eine Episode, die äußerst viele Abweichungen zur Originalfassung zeigt, was dem Humor der Synchronfassung aber sogar eindeutig zu Gute kam.
- Eine negative Ausnahme bildet die komplette Endsequenz an Bord, in der erst Spock hinterfragt, was das Föderationskommando wohl zu den 40% Zwangsabgabe der Iotianer sagen wird und Kirk erwidert, man werde es in eine Art Fonds stecken, der der Betreuung des Planeten zu Gute kommt. Macht Sinn. Im Deutschen fragt Spock, was die Föderation wohl dazu sagen wird, dass durch die nun nötigen Kontrollbesuche die Kosten steigen würden. Auch Kirks Entgegnung ist wenig erhellend. Und als McCoy später zugibt, seinen Kommunikator vergessen zu haben, entgegnen Spock und Kirk, dass die Iotianer bei ihrem Einfallsreichtum mit Hilfe dieser Technik vermutlich irgendwann einen Teil vom Föderationsprofit haben wollen würden („…a piece of our action“). Im Deutschen geht es um einen „Transtator“, den Kirk vorher aus dem Gerät herausgenommen haben will - die Szene ergibt so leider keinen wirklichen Sinn mehr und vermasselt auch die Abschlusspointe.

Gangsta-Talk
„Okay, you three, let's see you petrify.“ - „Sir, would you mind explaining that statement, please?“ - „I want to see you turn to stone. Put your hands over your head, or you ain't going to have no head to put your hands over.“ (Kalo und Spock)
„I got the biggest in the world. You know, there's one thing wrong with having the biggest. There's always some punk trying to cut you out.“ (Oxmyx)
„I'm gonna give you just eight hours to get me the things I want. If I don't have those tools by then, I'm gonna call up your ship and have them pick you up…in a box!“ (Oxmyx)
„No, I don't think you're stupid, Mister Krako. I just think your behavior is arrested.“ - „I haven't been arrested in my whole life!“ (Kirk und Krako)
„Nobody helps nobody but himself.“ - „Sir, you are employing a double negative.“ (Oxmyx und Spock)
„Logic and practical information do not seem to apply here.“ - „You admit that?“ - „To deny the facts would be illogical, Doctor.“ (Spock und McCoy)
„Captain, you're an excellent starship commander. But as a taxi driver, you leave much to be desired.“ (Spock)
„You mind your place, mister, or you'll be wearing concrete galoshes.“ - „You mean cement overshoes?“ - „Uh... Aye.“ (Scotty und Krako)
„Are you afraid of cars?“ - „Not at all, Captain. It's your driving that alarms me.“ (Kirk und Spock)
„I would advise ya to keep dialin', Oxmyx.“ (Spock als Gangster)
Eingespieltes Team
Eines hatte sich zum Zeitpunkt von A Piece of the Action über rund eineinhalb Staffeln definitiv eingestellt: Ein wunderbar eingespieltes Ensemble. Das wird schon anhand der Brückenszene deutlich - der Ton ist lässig und freundschaftlich, die Atmosphäre entspannt. Die Mission, den Planeten Iotia II zu besuchen und nachzusehen, was dort nach der Abreise der USS Horizon geschehen ist, klingt nach Routine, der erste Kontakt von Kirk (William Shatner) mit einem Bewohner über Funk nach einer Fun-Episode, die sich nicht zu ernst nimmt.
Kurz darauf am gelben Hydranten
Und so beamt sich das Außenteam aus Kirk, McCoy und Spock (Leonard Nimoy) direkt hinein in die berühmte Paramount-Stadt, die schon in so vielen Serien und Filmen zu sehen war. Diesmal jedoch steht sie Pate für Iotia II, eine Kultur, die auf den ersten Blick nicht vom Amerika der 20er Jahre auf der Erde zu unterscheiden ist. Doch warum?
Klare Sache: Die Crew der Horizon hatte ein Buch auf dem Planeten vergessen - eine Dokumentation der Chicagoer Gangs in den zwanziger Jahren. Und die Iotianer hatten nichts Besseres zu tun, als seitdem ihr komplettes Leben nach diesem Buch, welches sie ehrfürchtig „DAS Buch“ nennen, zu modellieren. Man möchte sich an dieser Stelle nicht ausmalen, was durch diese Unachtsamkeit alternativ alles noch hätte passieren können - je nach Buchgeschmack der Crewmitglieder. Noch gefährlichere Werke oder gar böseste Schundliteratur hätte es sicher zu Hauf an Bord gegeben.

Viel später gerieten Riker (Jonathan Frakes), Worf (Michael Dorn) und Data (Brent Spiner) in Hotel Royale zum Beispiel mitten hinein in den lebendig gewordenen Albtraum eines solchen Schundromans über Neid, Verrat, Intrigen und Liebe in einem Hotel der 80er Jahre. Im Gegensatz dazu muss sich hier niemand beschweren. Die Gangster haben wenigstens Humor!
Doch zurück zur aktuellen Situation. Der erste Obergangster, an den Kirk & Co geraten, nennt sich Bela Oxmyx. Laut eigener Aussage ist er selbstverständlich der größte Boss unter den Bossen. Und er will - wie sollte es anders sein - Alleinherrscher der Unterwelt werden - am liebsten mit den Waffen der Enterprise-Crew. 100 Stück dürften es schon sein, sonst würde er Kirk einfach in einem Sarg zum Schiff zurückschicken. Nicht nur der liebe Scotty (James Doohan) ist angesichts dieser Drohung zuerst ein klein wenig irritiert.
Echte Männer spielen Fizzbin
Auf dem Planeten möchte Kirk, der sich mit seinen Leuten inzwischen in Gefangenschaft befindet, das Heft des Handels wieder in die Hände bekommen - mit durchaus unorthodoxen Mitteln. Er versucht, den etwas minderbemittelten Schergen von Bela weiszumachen, dass echte Männer ein ganz anderes Kartenspiel als Poker bevorzugen würden. Willkommen zur glorreichen Geburtsstunde des fiktiven Spiels Fizzbin vom Planeten Antares! Nicht nur Spock hat noch nie etwas davon gehört. Eine brillante und herrlich amüsante Szene in der sowohl Shatner und Nimoy als Darsteller glänzen können, als auch Kirk und Spock als Charaktere. Shatner spielt sich hier geradezu in einen Rausch, wie er die zunehmend albernen Regeln erklärt und verkauft, bis am Ende die Gangster überwältigt werden können. Terence Hill hätte es nicht besser hinbekommen.
Doch geht der Humor nicht nur von Kirk, der sich alleine auf den Weg zu Belas Gegenspieler Krako macht, aus - auch der Versuch von McCoy und Spock, die auf das Schiff zurückkehren sollen, ein Funkgerät zum Laufen zu bekommen lässt Schmunzeln.
Bei Krako angekommen ändert sich zunächst wenig für Kirk - kennst du einen Gangster, kennst du alle. Diesmal bekommt der Captain zwar immerhin eine kleine Massage von Krakos Assistentin und dürfte im Falle einer Einigung sogar prozentual am Gewinn partizipieren, eine Absage muss er dem charmanten Gauner dennoch geben - und landet erneut in Gefangenschaft. Nur diesmal alleine und ohne die Chance, seine rhetorischen Fähigkeiten einzusetzen. Vielleicht hätte er sich den grandiosen Spruch „Ich halte sie nicht für dämlich, sie sind nur ein wenig rückständig im Denken.“ doch besser schenken sollen.
Hin und her
Spock und McCoy gehen derweil erneut Bela in die Falle - statt Verhandlungen über die Befreiung von Kirk zu führen, geraten die beiden in Gefangenschaft. Doch nicht allzu lange. Auch mit simplem Geschick und Kraft hat Kirk sein Gefängnis inzwischen verlassen können und prescht in bester Jack-Bauer-Manier mit geladener Waffe in die kleine Runde. Nun hat wieder er das Heft in der Hand - in Anzug und Hut wird mit Spock das nächste Auto geentert und eine weitere denkwürdige Szene eingeleitet: Die Fahrkünste des James T. Kirk. Zusammen mit Spocks trockenen Kommentaren ein weiteres Highlight der Episode. Klasse!

Eher in die Kategorie Laientheater fällt dann die Hilfe eines Jungen, der vor den bewaffneten Männern von Krako den sterbenden Schwan markiert, damit Kirk und Spock sich unbeachtet nähern können. Doch kommen die Beiden auf diese Weise dennoch ins Gebäude und geraten kurz darauf - man ahnt es schon - erneut in Gefangenschaft. Ab hier hat Krako also wieder die Oberhand. Ein fast schon minütiges Wechselspiel, das besonders die Dynamik zwischen den verschiedenen Gangs und Bossen amüsant wiederspiegelt. Hier gewinnt nie jemand ganz, hier ist nie jemand wirklich der Größte. Teilerfolg, Rückschlag, neuer Anlauf und wieder von vorne.
Doch Kirk hat seit seinem Fizzbin-Erfolg in Sachen Schauspielerei Blut geleckt: Er (und an dieser Stelle zu erwähnen natürlich auch erneut Shatner) dreht groß auf und weist Krako in seine Schranken. Gemeinsam mit Spock und McCoy wird der durchaus sympathische Boss auf die Enterprise verfrachtet. Und Kirk und Spock starten in ihr zweites Abenteuer Auto - wobei der Protest des ersten Offiziers ungehört verhallt: Einfach herrlich.
Demonstration der Macht
Es kommt zur großen Abrechnung. Bela soll alle Bosse zusammenrufen, was zu einer weiteren sehr amüsanten Szene führt, in der Scotty die Angerufenen ortet und direkt in Belas Büro beamt. Doch trotz all der Technik steht Kirk letztlich auf verlorenem Posten - der Mob will ihm nicht glauben und zweifelt seine Überlegenheit offen an. Als dann noch Krakos Männer Belas Bürokomplex angreifen, muss der Captain zu drastischeren Maßnahmen greifen: Scotty schickt einen Betäubungsstrahl in die Straße und erledigt alle kämpfenden Gangster auf einmal. An dieser Stelle hatte dann auch niemand mehr Fragen bezüglich Kirks Macht. Man einigt sich auf einen guten Deal und Kirk und seine Leute lassen die Kultur in der Hoffnung zurück, dass sich vielleicht nun einiges zum Guten wenden wird.
Die Sache mit dem Kommunikator
Die letzte Szene verdient noch einmal besondere Beachtung: Dr. McCoy gibt zögernd und beschämt zu, seinen Kommunikator in Belas Büro vergessen zu haben. Doch hat er die Rechnung ohne seinen fast schon beschwingt wirkenden Kumpel Kirk gemacht: Dieser ist keineswegs besorgt sondern merkt nur an, dass die Iotianer sicher was aus dieser neuen Technik machen werden und irgendwann die Föderation zur Kasse bitten könnten. Abschlussgelächter, Ende. Hier wird natürlich auch sehr charmant mit dem Episodentitel gespielt („Well, in a few years, the Iotians may demand… a piece of OUR action!“), was sowohl durch den deutschen Titel als auch die deutsche Synchro (siehe oben) wegfällt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang aber natürlich, wie lässig und gleichgültig man hier letztlich mit der erneuten Kontamination einer Welt umgeht. Erst war es das vergessene Buch, das dramatische Folgen hatte und nun fortschrittliche Technik, die sicher auch Konsequenzen nach sich ziehen wird. Doch bleibt als Tenor: Was solls? Interessiert keinen. Wird schon. Die Episode The Communicator aus der Serie Star Trek: Enterprise spielte fast vier Jahrzehnte später genau diese Thematik noch einmal anders - und zumindest im Ansatz viel besser weil realistischer - aus, als Reed sein Gerät bei einer Undercovermission vergessen hatte und man dann sehr aufwändig versuchte, den Schaden zu begrenzen.

Für so etwas war hier jedoch kein Platz - und das ist auch gut so. A Piece of the Action ist ein reines Fun-Vehikel, das jeglichen fehlenden Tiefsinn durch gelungene Gags kompensiert und von vorne bis hinten unterhält. Und das auch heute noch - fast 50 Jahre nach der Erstausstrahlung.
The Reviewer's wife
Hatte die Frau des Rezensenten zum Beispiel beim Schauen von The Conscience of the King noch in bösen Vorahnungen geschwelgt, was ihr wohl bei den ausstehenden Episoden der Classic-Serie qualitativ noch so alles blühen würde, war sie diesmal voll des Lobes. Der leichte Ton, der Spaß, die pointierten Dialoge, der großartige Leonard Nimoy als Spock und natürlich Fizzbin! Die Episode machte ihr durchgehend Spaß und punktete auf ganzer Linie. Der Rezensent vermutet heimlich, dass sie durch Episoden wie diese langsam den Reiz und die Anziehungskraft der Serie verstehen wird und blickt deshalb äußerst optimistisch in die Zukunft.
Gib dem Kind einen Namen
Der Originaltitel ist eine schöne Anspielung auf die Gang-Thematik - jeder will seinen Teil des Profits, seinen Anteil am Kuchen. Eine Übersetzung wäre direkt oder frei sicherlich möglich gewesen. Stattdessen entschied man sich für den Titel „Epigonen“, der auf den ersten Blick verwirrend klingt. Doch bedeutet er als deutsche Version des griechischen epigonos so viel wie „Nachgeborener“ und bezeichnet im weiteren Sinne einen weniger bedeutenden Nachfolger. Hier hat sich jemand definitiv Gedanken gemacht - keine Einwände von mir.
Fazit
A Piece of the Action versprüht gute Laune pur - alle Darsteller chargieren, dass es eine reine Freude ist, die Dialoge glänzen im Original wie auch im Deutschen mit viel Witz und Charme und lassen keine Langeweile aufkommen. Dass dabei keine allzu relevante Geschichte erzählt wird und der Grundgedanke der Kontamination einer Kultur durch Unachtsamkeit keine wirkliche Rolle spielt ist Nebensache. Hier hatte man schlicht Spaß und überträgt dies 1:1 auf den Zuschauer. Ein sehr gutes Beispiel dafür, warum die Classic-Crew sich bis heute zu Recht ungebrochener Beliebtheit erfreut und ein früher Fingerzeig auf den viele Jahre später folgenden vierten Kinofilm, der exakt mit dieser Leichtigkeit punktete und bis heute als eines der Highlights der Kinoreihe gilt.
Star Trek - The Original Series (Blu-ray-Komplett-Box)
Morgen geht es im Review-Countdown weiter mit Platz 9 von Star Trek: The Next Generation. Dann am Start: Riker geht verloren und muss unter Berücksichtigung der Obersten Direktive gerettet werden. Richtig, die Oberste Direktive ist das, was Captain Picard im Gegensatz zu einigen Kollegen und Kolleginnen noch wirklich interessiert hat…
Hier könnt Ihr über Eure Lieblingsepisoden abstimmen.
Auf der nächsten Seite findet Ihr eine Übersicht über die bisher erschienen Star-Trek-Reviews.

Übersicht zum Review-Countdown
Hier findet ihr die bisher erschienenen Reviews nach Serien sortiert zum Nachlesen:
Star Trek
Where no man has gone before (Pilot)
The Conscience of the King (Klein aber fein)
Tomorrow is Yesterday (Platz 10)
Star Trek: The Next Generation
Encounter at Farpoint (Pilot)
Lower Decks (Klein aber fein)
Data´s Day (Platz 10)
Star Trek: Deep Space Nine
Emissary (Pilot)
Nor the battle to the strong (Klein aber fein)
The Wire (Platz 10)
Star Trek: Voyager
Caretaker (Pilot)
11:59 (Klein aber fein)
Drone (Platz 10)
Star Trek: Enterprise
Broken Bow (Pilot)
Alle restlichen Reviews zur Serie (aktuell bis Anfang Season 3) findet ihr auf der Serienseite.
Star Trek: Die Kinofilme
„Star Trek: The Motion Picture“
„Star Trek: The Wrath of Khan“
„Star Trek: The Search for Spock“
Diverses
„Star Trek-Renegades“
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 26. September 2015(Star Trek 2x17)
Schauspieler in der Episode Star Trek 2x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?