Star Trek 2x15

Was passiert?
Die USS Enterprise unter dem Kommando von Captain James T. Kirk reagiert auf einen Notruf der Raumstation K-7 in der Nähe der klingonischen Grenze. Die Crew soll dort eine Ladung wertvolles Getreide schützen, stolpert jedoch mitten hinein in eine potentielle Verschwörung und haufenweise Tribbles, die für viel Aufregung sorgen…
Dies & das
- Erst spat bemerkte Gene Roddenberry die Ähnlichkeit der Episode zum Heinlein-Roman “The Rolling Stones“, in dem sogenannte „Martian Flat Cats" vorkamen. Er rief den Autor an und entschuldigte sich um eine mögliche rechtliche Auseinandersetzung zu verhindern. Doch Heinlein war sehr verständnisvoll und ließ Roddenberry mit einem einfachen „mea culpa“ davonkommen.
- Sulu fehlte hier wie so oft in der zweiten Staffel, da er mit anderweitigen Dreharbeiten beschäftigt war.
- Die Episode zog zwei TV-Fortsetzungen nach sich. In der Zeichentrickserie setzte man die Handlung in “More Tribbles, More Troubles” fort. Viel später in der DS9-Folge „Trials and Tribble-ations“ schließlich, reisten Sisko & Co anlässlich des 30. Geburtstages des Franchise zurück ins Ur-Setting.
- In letztgenannter Episode nahm Charlie Brill alias Darvin seine Rolle wieder auf.
Zitate
„I was making a little joke, sir. - Extremely little, Ensign.“ (Chekov & Spock)
„Do you know what you get if you feed a tribble too much? - A fat tribble.“ (McCoy & Kirk)
„I see no practical use for them. - Does everything have to have a practical use for you? They're nice, they're soft, they're furry, and they make a pleasant sound. - So would an ermin violin, Doctor, yet I see no advantage to having one.“ (Spock & McCoy)
„I want these things off my ship! I don't care if it takes every man we've got - I want them off the ship!“ (Kirk)
Synchron oder weniger synchron
- “Alles still wie bei Onkel Erwin im Garten“ ist ein absoluter Kirk-Klassiker der deutschen Synchronisation.
- Weitere Kracher: “Ein einmaliger Hit!“ - „Ein einmaliger Shit!“, „parfümierte labberige Blutwurst“, „ihr drei Nussknacker“, „Die Raumpflegerinnen sollen vor allem erstmal das Schiff säubern“.
- Um mehr Witze einstreuen zu können, ließ man die Synchronsprecher teilweise ohne Lippenbewegungen der Schauspieler einfach weitersprechen.
Heiliges Mütterchen Russland
Etwas ungewöhnlich beginnt das neue Abenteuer der Enterprise: Kirk, Spock und Chekov diskutieren in einem Mix aus Fakten und Kalauern die anstehende Mission, bei der es um den Streit um den sogenannten Sherman-Planeten geht, auf den sowohl die Föderation, als auch die Klingonen Anspruch erheben. Dass Chekov dabei eigentlich nur für Russenwitze herhalten muss, mag man galant übergehen - immerhin scheint es sich um eine politisch durchaus interessante Mission zu handeln, da durfte man in den 60ern schon mal plakative Scherze über die damaligen Weltmächte einstreuen. Das leise Gefühl, dass man hier nicht allzu viel ernstnehmen sollte, beschleicht den geneigten Zuschauer aber bereits an dieser Stelle.
Ein Notruf sprengt die flotte Dreierrunde und führt die Crew zur Raumstation K-7. Los ist dort jedoch eigentlich gar nichts. Die Enterprise wurde vom Stationsleiter nur wegen eines hochwertigen Getreides namens Quadrotriticale zur Station gelockt, das sicher zum Sherman-Planeten gelangen soll. Kirk stellt sich jedoch lieber wie ein kleiner Junge beleidigt an und übt sich im Schmollen - gut, dass Spock ihn zumindest etwas einbremst und das Ganze ein wenig auf Kurs bringt. Man verspricht dem Stationsleiter Mr. Lurry, für die Sicherheit des Getreides zu sorgen - wenn auch definitiv mit gebremstem Schaum. Was wohl der Föderationsrat davon hält, wenn Kirk aus Bockigkeit riskiert, dass der Planet letztlich an die Klingonen geht? Dem Captain ist es egal. Später in der Bar erfreut er sich an Drinks und knappen Höschen - vielleicht gibt es auf dieser Station für ihn ja doch noch etwas zu holen. Auch Chekov („ich brauche dringend warme Unterwäsche“) und Uhura („Shoppen!“) treffen ein und geraten direkt an einen schmierigen Händler namens Cyrano Jones, der neben typischem Krimskrams auch ein Fellknäuel präsentiert, dass sich als Lebensform herausstellt: Genauer als ein Tribble. Uhura ist begeistert und muss so ein Tierchen unbedingt haben.
Admiral calling
Nach all diesem Geplänkel destilliert das Drehbuch dann aber doch noch eine Verschärfung der Mission für die Crew heraus: Die Enterprise wird zum Getreidetransporter und soll die Ladung nun sicher zum Planeten bringen. Dass die Klingonen auftauchen, ist da natürlich keine große Hilfe. Captain Koloth und seine Mannen sind jedoch in friedlicher Mission gekommen und wollen nur ein wenig Spaß. Wie schön. Kirk spielt das Spiel erstmal mit und lässt die Klingonen in kleinen Gruppen die Station besuchen, was Mr. Lurry weiterhin verärgert, da er um sein wertvolles Gut fürchtet und Kirk in seinen Augen - womit er Recht hat - alles auf die leichte Schulter nimmt. Klar wirkt Kirk hier sympathisch und Lurry wie ein verbohrter Bürokrat - doch ist das Benehmen des Captains letztlich wirklich unprofessionell und flegelhaft. Doch bleibt es dabei: Kirk spielt die Lustloskarte.
Auf der Enterprise gibt es übrigens derweil Nachwuchs: Der Tribble hat eine ganze Horde Kinder bekommen, die sofort reißenden Absatz in der Crew finden. In der Bar werden kurz darauf auch den Klingonen Tribbles angeboten. Diese haben jedoch keinen Sinn für die Flauschbällchen und scheinen den Tieren im Gegenzug auch unsympathisch zu sein - etwas, das offenbar bei sonst keiner Spezies vorkommt. Und auch insgesamt gehen die Geschäfte des Händlers schlecht: K-7 ist nämlich wie die Enterprise zunehmend überschwemmt von den kleinen Tieren. Und von Testosteron: Die Klingonen machen nämlich Stress. Eine Weile können Scotty und Chekov sich mit den albernen und sich ständig wiederholenden Phrasen der verhinderten Stirnhucketräger noch beherrschen, doch irgendwann siegt der Alkoholpegel dann doch und führt zu einer denkwürdigen Kneipenschlägerei. Spannend dabei: Scotty lässt jede Art Beleidigung gegen Kirk lange zu und beruhigt den echauffierten Chekov, auf sein Schiff lässt er jedoch nichts kommen. Knuff. Bum. Bäng. Zongel. Geraufe wie ie in der alten Batman-Serie - nur ohne unterstützende Texteinblendungen.
Anschiss
Kurz darauf geht es zum Rapport. Typisch Chef: Kirk benimmt sich die ganze Zeit selber daneben, wenn jedoch seine Crew Mist baut, wird er zum Moralapostel. Immerhin gibt Scotty zu, dass ihm sein Captain total egal war und er nur seine Enterprise verteidigen wollte. Irgendwie süß. Gut, dass Kirk so ein kleines Ego hat und das Ganze scheinbar nicht persönlich nimmt. Mit Stubenarrest geht es für die Prügelcrew ab in die Kabinen. Ist vielleicht auch besser: Inzwischen übernehmen die Tribbles mehr und mehr das Schiff. Sogar überall auf der Brücke und auf dem Stuhl des Captains liegen sie herum - vielleicht sollte mal jemand über Verhütungsmaßnahmen nachdenken? McCoy hat in jedem Fall keine brauchbare Idee und amüsiert sich lieber konstant über das flauschige Treiben. Anstatt ihn und Uhura zur Verantwortung zu ziehen, geht Kirk lieber auf den armen Händler los, als er erneut aufgefordert wird, seinen Pflichten nachzukommen und das kostbare Getreide zu schützen.
Tribblehausen
Zwischen Millionen von Tribbles kommt Spock auf einmal eine ganz böse Idee: Die Tierchen könnten durch die Luftschächte auch in die Getreidevorrichtungen gelangt sein. Testweise öffnet Kirk eine Luke und begräbt sich damit in einem Berg von Tribbles. Vermutlich eine der charmantesten Szenen der ganzen Serie, die William Shatner auch angemessen genussvoll zelebriert. McCoy hat nun immerhin herausgefunden, dass man die Tribbles nicht füttern darf, da sie sich dann nicht mehr vermehren. Geistesblitzalarm. Kirk ist sich bezüglich der Vorwürfe des Stationsleiters natürlich weiterhin keiner Schuld bewusst und gibt zumindest kohärent ein äußerst merkwürdiges Bild ab. Dass er schlussendlich aufdeckt, dass das Getreide vergiftet wurde (die Tribbles sind teilweise tot), die Klingonen und den Assistenten des Stationsleiters der Kollaboration enttarnt und somit eine Vergiftung der Siedler auf dem Sherman-Planeten verhindert, macht die Sache nur unbedeutend besser. Kirk hat schlicht Glück gehabt.
Zum Schluss bekommt noch Cyrano Jones sein Fett weg: Er muss die nächsten 17 Jahre auf K-7 Tribbles einsammeln. Höhö. Auf der Enterprise hat Scotty zudem ganze Arbeit geleistet und alle Tierchen zu den Klingonen gebeamt. Hihi. Die Lacher kommen eben immer zum Schluss. Zuverlässig.
Light as light can be
Mein Review mag teilweise so klingen, als würde ich die Episode nicht mögen - dem ist aber mitnichten so. Sie ist nur nach heutigen Maßstäben als Teil einer eigentlich auch oft ernsthaften SF-Serie gerade bezüglich Kirks Verhalten keine Sekunde ernst zu nehmen. Hier hat man in anderen Episoden ein besseres Gleichgewicht erreicht und keine eigentlich seriöse Situation durch unpassendes Verhalten karikiert. Dennoch haben wir es bis heute mit einer unterhaltsamen Dreiviertelstunde zu tun, die mehr Spaß macht, als sie sollte.
The Reviewer's wife
Keine Chance. Diese Episode fand die Frau des Rezensenten nur albern und unnötig. Klar punkteten die Tribbles mit ihrem Niedlich-Faktor, das reichte jedoch keine Sekunde für eine messbare Wertung. Der große Tribbles-Trouble fiel bei ihr mit Pauken und Trompeten durch.
Gib dem Kind einen Namen
Ein hübscher, kleiner, gereimter Titel, der sympathisch klingt und die Gangart der Episode deutlich macht. Im Deutschen war man kreativ und sprach den Zuschauer direkt an. Beides stimmig.
Fazit
The Trouble With Tribbles ist zwar mit Sicherheit der Inbegriff einer seichten und oft albern-grotesken Dreiviertelstunde, punktet aber durchweg mit liebenswertem Charme, Schauspielern, die sichtlich Freude bei der Arbeit hatten und denkwürdigen, wenn auch teils schmerzhaften Dialogen. Dass zudem noch eine der sympathischsten Alienspezies eingeführt wurde, rundet das Bild ab. Die Folge taucht in so ziemlicher jeder Top-10-Liste der Serie auf und hat sich ihren Platz dort absolut verdient.
Nächste Woche läuft eine von vielen geliebte TNG-Doppelfolge in den Review-Hafen ein.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 25. Juni 2016
(Star Trek 2x15)
Schauspieler in der Episode Star Trek 2x15
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?