Star Trek 2x08

Was passiert?
Ein neues Crewmitglied namens Norman entpuppt sich als Android und kapert die Enterprise. Nach vier Tagen erreicht man einen Planeten mit weiteren Blechmännern und Blechfrauen. Außerdem mittendrin: Der allen bereits bekannte Gauner Harry Mudd. Dieser plant, mit der Enterprise das All unsicher zu machen. Bis zu seiner Abreise bleibt nur noch wenig Zeit, um sowohl Mudd als auch die unzähligen Androiden unschädlich zu machen und das Schiff zurückzuerobern…
Dies & das
- Für Roger C. Carmel war dies der zweite Auftritt als Harry Mudd nach Mudd's Women. Für die Episode „Mudd's Passion“ lieh er seinem ikonischen Charakter in der Zeichentrickserie nochmal seine Stimme.
Synchro-Anomalien
- Wieder mal glänzt die Synchronisation mit der einen oder anderen flapsigen Bemerkung, die auf Deutsch manchmal sogar noch spaßiger ist als im Original, aber der die Bezeichnung „freie Übersetzung“ auch definitiv noch schmeichelt.
Kalauerpolizei auf Patrouille
„Spock, you're going to love it here. They all talk just the way you do.“ (Mudd)
„Harcourt Fenton Mudd, where have you been? What have you been up to? Have you been drinking again, you miserable sot! You good-for-nothing thing!“ (Stella)
„This place is even better than Leningrad!“ (Chekov)
„You may be a wonderful science officer, but believe me, you couldn't sell fake patents to your mother! - I fail to understand why I should care to induce my mother to purchase falsified patents.“ (Mudd und Spock)
„Logic is a little tweeting bird, chirping in a meadow. Logic is wreath of pretty flowers that smell bad. Are you sure your circuits are registering correctly? Your ears are green!“ (Spock)
„Now you'll find yourself back among us illogical Humans again. - Which I find eminently satisfactory, Doctor, for nowhere am I so desperately needed as among a shipload of illogical humans.“ (McCoy und Spock)

Scotty, geh doch mal ans Rohr
Ein neues Crewmitglied erweckt das Interesse von Dr. McCoy. Mr. Norman ist zwar erst seit 72 Stunden an Bord, fällt durch seine geringe Mitteilsamkeit und das unterkühlte Auftreten jedoch schon unangenehm auf. Eigentlich fast so wie des Doktors Hassliebe Mr. Spock, mit dem sich er sich zum Auftakt des aktuellen Abenteuer ein kleines Scharmützel liefert.
Mr. Norman prügelt sich derweil durch den Kontrollraum des Schiffes (wobei sein Stuntman leider keinerlei Ähnlichkeit mit ihm aufweist) und übernimmt das Kommando über die Schiffsfunktionen. Eine plötzliche und ungewollte Kursänderung scheint dem Doktor also schnell Recht zu geben. Auf der Brücke deklamiert Norman kurz darauf seinen Plan: Eine Reise zu einem entlegenen Planeten. Bevor er sich selbst in eine Art Steh-Schlaf versetzt, enthüllt er noch das düstere Geheimnis hinter einer Klappe in seinem Bauch: Er ist ein Androide. Der Crew bleibt nichts anderes übrig, als zu warten, bis das Schiff sein Ziel erreicht…
Nach vier langen Tagen (nach denen es scheinbar immer noch Niemandem gelingt, dem immer noch am selben Ort stehenden Norman auszuweichen) ist es dann soweit. Der Planet ist erreicht und der Android erwacht. Gemeinsam mit Kirk, McCoy, Spock, Chekov und Uhura will er auf die Oberfläche hinunterbeamen. Eine Einladung, die man mangels Alternativen nicht ablehnen kann.
Jetzt haut's mich um!
Unten warten noch mehr Androiden - und zur allgemeinen Verwunderung ein alter Bekannter: Harry Mudd, seines Zeichens Lebemann, Gauner und Sprücheklopfer. Das kann ja heiter werden. Mudd hat sich zum Anführer des Androidenplaneten aufgeschwungen. Unterstützt von Norman und 500 Versionen der leicht bekleideten Alice führt er eine Art Harem mit Spiel, Spaß und nie endender Fröhlichkeit, an der - wenn es nach ihm geht - Kirk & Co ab sofort teilhaben sollen.
In einer langatmigen Sequenz, die ausschließlich mit einer Menge Blabla, viel Geplänkel und zotigen Witzen aufwartet, entwickelt sich die Handlung maximal im Kreis. Man erfährt immerhin, dass Mudd seine Ex-Frau als Androidin in einem Schrein aufbewahrt, um sie regelmäßig mitten in ihrem Redeschwall über Sauftouren und Verfehlungen des Gatten abwürgen und abschalten zu können. Reizende Vorstellung für geplagte Ehemänner - nicht, dass der Rezensent ein selbiger wäre.
Bei deinen Witzen zieht's mir die Schuhe aus
Die Mannen und die einsame Frau der Enterprise werden wenig später in ein Quartier gebracht. Auch dort wird geblödelt, was das Drehbuch hergibt. Mit den Androiden, untereinander - bis Spock beschließt, sich die Anlage etwas genauer anzusehen und Kirk aufbricht, Mudd zur Rede zu stellen.
Erkenntnisse bleiben dabei jedoch weiterhin vage: Die Technik des Planeten weiß zu begeistern, Mudd hat sich eine Art Hubot-Armee (oh, falsche Serie) aus verschiedenen - natürlich meist weiblichen und halbnackten Mädels - zusammengestellt und Uhura schmachtet, ob der verlockenden Vision ewiger Schönheit.

Ja, Fremdling
Wenig später gibt es zudem neue Hiobsbotschaften: Mudd hat inzwischen die ganze Besatzung der Enterprise am Boden versammelt. Kirk ist aufgebracht und geht wie ein Grundschüler auf den Gauner los. Vielleicht ärgert ihn auch einfach nur die Inkompetenz seiner Crew - wirklich souverän wirkt der Captain hier nicht. Seine Crew jedoch auch nicht - sie ist sogar zunehmend fasziniert: Scotty von der Technik, Chekov von den Girls (die ihn an seine russische Heimat erinnern) und Uhura - nun ja. Die schwelgt noch in Tagträumen ihrer selbst mit ewig makelloser Haut.
Doch Kirk will um jeden Preis zurück auf sein Schiff und startet einen gewieften Test: Er verwirrt eine Alice, bis diese irritiert nach Hilfe von Norman verlangt. Vielleicht ein Weg hinaus aus dieser misslichen Lage? Maschinen zu Tode zu quatschen, wäre zumindest für Kirk kein allzu unbekanntes Motto.
Kling, kling, kling
Auch Mudd hat inzwischen genug von seinem Paradies und möchte lieber mit einer Crew aus Androiden an Bord der Enterprise das All unsicher machen. Ein letztes Bye-bye an seine Ex-Frau im Schrein und schon steht er vor einem Problem: Die Androiden widersetzen sich, beenden ihren Deal und wollen zum Schutze der Galaxie selber die Enterprise übernehmen. Mudd soll bei der Crew der Enterprise auf dem Planeten bleiben. Pech aber auch.
Reise ins Wunderland
Wenn sich in der Classic-Serie aus der Handlung keine logischen Schlussfolgerungen ergaben, schrieben die Autoren oft Kirk übermenschlich brillante Erkenntnisse zu. So auch hier: Norman ist die Leitstelle, die es zu zerstören gilt. Die Borg-Königin seiner Zeit sozusagen. Nach einer kleinen Verwirrungseinlage von Uhura, der man ihre debile Anwandlung jedoch leider fast zugetraut hätte, bricht die Crew mit dem simplen Motto, Chaos, Idiotie und Unlogik in die heile Welt der Androiden zu bringen in ihre Mission auf.
Jetzt müssen wir sie nur noch braten
Es kommt wie es kommen musste: Ladies and Gentlemen, herzlich Willkommen zu einem weiteren Auftritt von Captain Kirk & seiner Laienschar, der besten Amateur-Schauspieltruppe des Quadranten.

Unter den Augen einiger Alice-Versionen tanzen Scotty, Chekov, McCoy, Spock und Uhura einen Tanz ohne Musik und machen ständig das Gegenteil von dem, was sie oder der auf Mudds Thron sitzende Kirk sagen - und bringen damit die beiden hochentwickelten Damen zum Durchschmoren. Zugegeben, auch mir würden bei dem Hampeln und Herumalbern irgendwann sämtliche Drähte aus der Mütze fliegen, aber ich bin auch kein technisches Wunderwerk. Nun ja.
Im Labor macht Spock genau da weiter, wo er aufgehört hat. Er erklärt zwei Alice-Versionen, dass er die eine liebt und die andere hasst - obwohl beide gleich sind. Oder gerade deswegen? Zu viel des Guten für die Damen, auch hier wird brav durchgeschmort.
Doch muss der Kern des Übels noch bekämpft werden - Norman. Gemeinsam mit Mudd wird das große Finale eingeleitet. Scotty und McCoy spielen Roboter, Spock zitiert absurde Lyrik, und am Ende töten alle gemeinsam den sich windenden Scotty mit ihren Fingern (die sie wie Waffen halten). Wenn man es aufschreibt, klingt es fast noch verrückter als auf dem TV-Schirm und erinnert eher an einen Helge-Schneider-Film.
Schon bereit, Mutter
Doch zündet der große, finale Gag erst noch: Unsichtbarer Sprengstoff ist am Start und wird hin- und hergeworfen bis er schließlich explodiert und alle zu wundervollen Leidens- und Sterbeszenen treibt. Gibt es auf der Sternenflottenakademie eigentlich Schauspielunterricht?
Norman würde sich das vermutlich auch fragen - doch brennen bei ihm nun auch alle Sicherungen durch.
Dann geh ich doch lieber gleich in den Knast
So weit so gut. Harry Mudd möchte nun verständlicherweise kooperieren - hat jedoch die Rechnung ohne Kirk gemacht. Der alte Gauner muss bleiben und soll die Schar neuprogrammierter Androiden in eine bessere Zeit führen. Wenn Mudd sich die Damen so anschaut, vielleicht doch gar keine so schlimme Strafe?
Denkste. Kirk hat nämlich noch ein neues Sondermodell aufgelegt. 500 Exemplare der geliebten Ex-Frau Stella. Ein Alptraum der wahr wird - und mit weitem Abstand der beste Gag der ganzen Episode.

Subtextsuche
In Star Trek wollten die Autoren ja oft etwas aussagen. Irgendeine Botschaft transportieren und uns auf etwas hinweisen. Die ganze Episode habe ich per Feldstecher Ausschau nach dieser Botscahft des Tages gehalten. Leicht war es jedoch nicht.
Neben „Übermut tut selten gut“ und „Trau, schau, wem“ ist es am ehesten das Konzept des Wunschbrunnens, eines Schlaraffenlandes, in dem alles möglich scheint, welches als Aussagewert herhalten kann. Diese Themen werden jedoch so knapp und irrelevant abgekanzelt, dass man sie eher als Beiwerk bezeichnen muss. Auseinandergesetzt hat sich damit niemand. Es bleibt die Vermutung, dass hier schlicht auf Mudd, Fun und Heiterkeit gesetzt wurde. Muss nicht schlecht sein, könnte aber eventuell auch etwas hemdsärmelig wirken.
Schauspielerisch ist das Treiben zudem kaum zu bewerten. Alle haben derart viel Spaß, dass es fast wirkt, als würden die Darsteller aus ihren Rollen heraustreten und im Privaten gesellig beisammen sein. Somit passt die Form eben letztlich zum Inhalt. Zum „Inhalt“.
The Reviewer's wife
Die Frau des Rezensenten nahm sich bei dieser Episode eine Auszeit und lauschte ihr nur aus einigen Metern Entfernung. Das was sie hörte schien ihr aber durchaus Spaß zu machen.
Gib dem Kind einen Namen
Der Episodentitel ist vermutlich eine Referenz an Asimovs „I, Robot“, welches wiederum eine Referenz an Graves „I, Claudius“ darstellte. Asimov war ein enger Freund von Gene Roddenberry. Der Titel stellt Mudd jedoch mehr in den Fokus, als nötig, da er gar nicht so sehr die treibende Kraft der Geschichte ist, wie man annehmen würde.
Die deutsche Version „Der dressierte Herrscher“ nimmt natürlich mal wieder die Pointe der Episode vorweg. Bei einem so locker-flockigen Spaß sicher kein so großes Drama wie zum Beispiel bei „O'Briens Identität“ - von daher gibt es von mir ein „okay“, gerade weil der deutsche Titel den Fokus besser in Richtung der Androiden ausbalanciert.
Fazit
Tja, wie soll ich sagen? Die Folge ist verrückt. Auf eine vollkommen abwegige Art und Weise macht sie Spaß und berührt zugleich peinlich. Eindeutig ist, dass hier der allseits beliebte und berüchtigte Ton und Charme der Serie zum Tragen kommen, man aber dabei das Setting der Serie auch vollkommen ins Lächerliche zieht. Heutzutage kann man das kaum mehr ernst nehmen, damals war es vermutlich ein zeitgeistlich gesehen adäquater Spaß. Da ich mich entscheiden muss, wähle ich die Mitte aus Lachkrampf und Schreikrampf und spreche der Episode eine lauwarme Empfehlung aus. Jeder möge seinen Humor selber auf Kompatibilität abklopfen.
Morgen geht es im Review-Countdown weiter mit Platz 7 von der Enterprise-D. Dann am Start: Picard lernt Flöte. Klingt nicht unbedingt nach einem Must-see? Ist es aber.

Übersicht zum Review-Countdown
Hier findet ihr die bisher erschienenen Reviews nach Serien sortiert zum Nachlesen:
Star Trek
Where no man has gone before (Pilot)
The Conscience of the King (Klein aber fein)
Tomorrow is Yesterday (Platz 10)
A Piece of the Action (Platz 9)
Spock´s Brain (Trash oder Fun?)
The Naked Now (Platz 8)
Star Trek: The Next Generation
Encounter at Farpoint (Pilot)
Lower Decks (Klein aber fein)
Data´s Day (Platz 10)
First Contact (Platz 9)
Phantasms (Trash oder Fun?)
I Borg (Platz 8)
Star Trek: Deep Space Nine
Emissary (Pilot)
Nor the battle to the strong (Klein aber fein)
The Wire (Platz 10)
Hard Time (Platz 9)
Our Man Bashir (Trash oder Fun?)
The Siege of AR-588 (Platz 8)
Star Trek: Voyager
Caretaker (Pilot)
11:59 (klein aber fein)
Drone (Platz 10)
Blink of an Eye (Platz 9)
Bride of Chaotica! (Trash oder Fun?)
Endgame (Platz 8)
Star Trek: Enterprise
Broken Bow (Pilot)
Alle restlichen Reviews zur Serie (aktuell bis Anfang Season 3) findet ihr auf der Serienseite.
Star Trek: Die Kinofilme
„Star Trek: The Motion Picture“
„Star Trek: The Wrath of Khan“
„Star Trek: The Search for Spock“
„Star Trek: The Voyage Home“
Diverses
„Star Trek-Renegades“
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 5. Dezember 2015(Star Trek 2x08)
Schauspieler in der Episode Star Trek 2x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?