Star Trek 2x04

Star Trek 2x04

Wenn der gute James T. auf den bös bärtigen Spock trifft… Im Paralleluniversum dürfen die Helden mal so gar nicht sie selbst sein, begeisterten die Fans und begründeten viele Fortsetzungen. Euer Platz 1!

„Star Trek“-Episode „Mirror, Mirror“ / (c) Paramount
„Star Trek“-Episode „Mirror, Mirror“ / (c) Paramount

Was passiert?

Aufgrund eines Transporterunfalls werden Captain Kirk, Scotty, Doktor McCoy und Uhura mit Gegenstücken aus einem brutalen, parallelen Universums ausgetauscht. Gemeinsam und unter Einsatz ihrer Leben müssen sie das gefährliche Spiel mitspielen und einen Weg finden, auf ihre Enterprise zurückzukehren…

Dies & das

  • Auf den Uniformen im Parallel-Universum ist das Logo auf der rechten Seite angebracht. Spiegelverkehrt zum normalen Universum.
  • Ronald D. Moore hat diese Episode wiederholt als seine Lieblingsepisode der Originalserie bezeichnet.

Zitate

Has the whole galaxy gone crazy?! What kind of a uniform is this?! Where's your beard?! What's going on?! Where's my personal guard?!“ (Mirror-Kirk)

I do not threaten, Captain. I merely state facts.“ (Mirror-Spock)

You're the Captain's woman until he says you're not.“ (Kirk)

You're a man of integrity in both universes, Mister Spock.“ (Kirk)

Synchron oder weniger synchron

In einer Szene im Labor spricht eigentlich der Doktor, in der deutschen Fassung ist jedoch Kirks Stimme zu hören. Erst danach wechselt man wieder zu der deutschen Stimme von McCoy.

It ain't over til it's over

Rund ein Jahr lang sind wir nun am Countdown zum Trek-Geburtstag dran - in diesem Zuge habe ich für euch die TOP 10 aus Classics, Next Generation, DS9 und Voyager besprochen, mich um die ersten zwölf Kinofilme gekümmert und diverse weitere Episoden aller Serien und Specials eingestreut. Es hat verdammt viel Spaß gemacht - besonders, eure vielfältigen und stets interessanten Kommentare zu lesen. Was mir im Countdown jetzt noch bleibt, sind eure Lieblingsepisoden, also die jeweils ersten Plätze der vier Serien (TOS, TNG, DS9 und VOY). Alle Sieger haben sich nebenbei bemerkt sehr klar durchgesetzt. Dahinter ging es deutlich knapper zu. Übrigens: Star Trek: Enterprise wurde bekanntlich nicht vergessen. Die Archer-Serie erhält ja durch das Review-Project eine komplette Besprechung, die nach dem Countdown dann auch konsequent bis zum Ende weitergehen wird - ich möchte euch aber natürlich dennoch verraten, welche drei Episoden ihr dort auf die ersten drei Plätze gewählt habt. Auf Rang 3: Der Borderland/Cold Station 12/The Augments-Dreiteiler aus der vierten Staffel. Auf Rang 2: Regeneration mit den Borg aus Staffel 2 und auf Rang 1: Der In A Mirror, Darkly-Zweiteiler aus der vierten Staffel. Womit sich ja auch der Kreis zum heutigen Review schließt.

© Paramount
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People are strange

Als Ausgangssituation bietet man uns diesmal eine beliebte Mission der Woche, diesmal diplomatischer Natur und mitten in einem Ionensturm auf einem fremden Planeten. Dabei darf Kirk auch endlich mal weise und weitsichtig an die Sache herangehen - eine willkommene Abwechslung.

Leider endet dieser kleine Abstecher schon mit dem ersten Beamvorgang der Episode. Kirk, McCoy, Scotty und Uhura materialisieren in veränderten Uniformen auf einer veränderten Enterprise - und treffen auf einen bärtigen und barbarischen Spock, der einen Crewman für einen Fehler foltert und tötet sowie zudem plant, die just friedlich besuchte Zivilisation anzugreifen. Kirk bleibt nur ungläubiges Staunen…

This is how we do it

Doch spielen die vier Recken das Theater erstmal kompetent mit. Gut, dass Kirk auch (viel zu) schnell alles durchschaut und uns und seinem Team die Sache erklärt. Hier ist er also - der erste Abstecher ins Paralleluniversum, das in DS9 häufiger und später noch einmal in Star Trek: Enterprise erneut in den Fokus rücken sollte. Hier ist es direkt wunderbar, alle verbliebenen Charaktere (Spock, Sulu, Chekov) völlig anders zu erleben - und mittendrin die sonderbar deplatziert-liebenswerten Originale, die jedoch immer mehr in ihre Rollen hineinwachsen.

Jedoch irritiert Kirk seinen ersten Offizier schnell mit dem Versuch, noch einmal mit dem fremden Volk zu verhandeln, bevor er es angreift und ausradiert. Und wie sich das gehört, wird der Captain für seine Milde direkt von Chekov aufgemischt und soll für immer verschwinden. Doch gibt es auch noch Verbündete. Eine kleine Rauferei später sitzt Chekov ein und Kirk bleibt im Amt. So regelt man das auf dieser Seite…

Klar ist: Das Drehbuch macht es sich nicht allzu schwer. Ein bisschen Revolte hier, ein wenig Gerangel da. Zwischendurch darf Kirk noch seine Thesen weiterspinnen. Hübsch ist, wie der Schiffscomputer einen Einblick in den Charakter des anderen Kirk gewährt: Tötung von Pike zur Erlangung des Kommandos und direkt mal eine Revolte brutal niedergeschlagen. Dann doch lieber den Charmebolzen von unserer Seite.

© Paramount
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Boys don't cry

Apropos Charmebolzen. Der böse Kirk hat weniger Glück auf der Enterprise unseres Universums. Mit seiner rohen Brutalität fehlt ihm jegliches Fingerspitzengefühl, um die Situation zu ergründen und erstmal eine Show zu liefern. Spock wirft ihn konsequent in die Zelle und vermutet ebenfalls sofort einen interdimensionalen Tausch. Clever sind sie eben alle. Und Shatner bringt hier eine schöne Palette zweier gegensätzlicher Charaktere in die Kulissen.

Aber auch Leonard Nimoy gelingt es, den Mirror-Spock äußerst differenziert zu spielen und von seinem Alter Ego abzuheben. Dieser zweite Spock ist zwar ebenfalls beherrscht, hochintelligent und voller Prinzipien - dazu aber auch noch mit einer Spur Unberechenbarkeit versehen, die spannend ist.

Und nochmal apropos Charmebolzen. Kirk erwartet noch eine weitere Überraschung - eine Geliebte, die in seinem Quartier wartet und eine Tötungsmaschine, mit der sich Feinde auf dem Schiff per Knopfdruck eliminieren lassen. Gar nicht so schlecht diese Seite, was? Kirk nimmt es auf jeden Fall gerne mit.

Spannend ist, wie sich zwischen ihm und Mirror-Spock ein Vertrauensverhältnis entwickelt, dass den Vulkanier sogar gegen seine Vorgesetzten vorgehen lässt und Kirk davon abhält, die dämonische Waffe zur Eliminierung von Gegnern gegen seinen ersten Offizier einzusetzen.

Im Hintergrund arbeitet Kirks Team an einer Möglichkeit der Rückkehr in das eigene Universum. Und der Evil Sulu konspiriert und droht wie ein Großer. Alle Schauspieler genießen sichtlich ihre veränderten Anforderungen - eine Freude für alle Beteiligten. Klar bleiben die bekannten Scotty, Uhura und McCoy dabei relativ blass - das Drehbuch bietet ihnen einfach zu wenig Gelegenheit zu glänzen. Da auch die andere Seite mit den bösen Varianten der vier nur einmal kurz und auf Kirk reduziert beleuchtet wird, erhalten sie doch auch keine Chance sich in den Vordergrund zu spielen. Schade. Immerhin bekommt Uhura im finalen Akt noch die Chance, Sulu um den Finger zu wickeln.

The Final Countdown

Am Ende obliegt es dann aber eben noch diesem Mirror-Sulu, den Party Crasher zu geben und auf unsere Helden loszugehen. Dass Kirks Gespielin unbürokratisch dessen Helfershelfer eliminiert ist natürlich eine große Hilfe. Und Mirror-Spock holt sich alle Infos von McCoy per Mindmeld und dazu eine Lektion von Kirk, die Zukunft aktiver zu gestalten. Als Captain mit der machtvollen Waffe in seinem Quartier. Vertauschte Rollen? Ja und nein. Selten haben die Autoren den emotionalen Kern der beiden Protagonisten so gut herausgearbeitet wie hier. Ob sich auf der anderen Seite durch Kirks Eingriff langfristig etwas ändern wird, erfahren wir nicht. Zumindest nicht hier. Dafür gibt's einen Abschlussgag - und diesmal sogar einen guten, als Kirks Gespielin aus dem anderen Universum als neues Crewmitglied unserer Enterprise präsentiert wird. Knister, knister.

© Paramount
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The Reviewer's wife

Wie so oft konnte die Frau des Rezensenten mit dieser Art des „Alle-sind-gaga“-Szenarios wenig anfangen. Lob erhielt allerdings das Verhältnis von Mirror-Spock und Kirk - in der Summe aber natürlich viel zu wenig. Diverse Episoden der Serie haben ihr in der Rückschau deutlich besser gefallen als diese - als beste der Classic-Serie würde sie diesen Ausflug somit niemals bezeichnen und empfand es als rätselhaft, dass die Fans diese Geschichte so lieben.

Gib dem Kind einen Namen

Eine absolut nachvollziehbare aber auch vorhersehbare Wahl, hier eine Reminiszenz an Schneewittchen einzubauen. Dennoch natürlich charmant und passend. Im Deutschen hakelt es mit dem sehr phantasielosen und etwas zu sehr nach technischem Handbuch klingenden „Ein Paralleluniversum“ aber doch stark.

Fazit

Mirror, Mirror bleibt offenbar der unangefochtene Fanliebling - ob es an der Andersartigkeit der Charaktere liegt, die ihre bekannt-beliebten Rollen gegen den Strich bürsten oder am Humor, den diese Situation erzeugt, ist letztlich zweitrangig. Der erste Ausflug in das Paralleluniversum ist sicher serienübergreifend nicht der beste, macht aber auch heute noch Spaß!

Nächste Woche muss die Enterprise-D ohne ihren Captain auskommen - Feuer!

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 20. August 2016
Episode
Staffel 2, Episode 4
(Star Trek 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Ein Parallel-Universum
Titel der Episode im Original
Mirror, Mirror
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 6. Oktober 1967 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 22. Februar 1988
Autoren
Cacey Riggan, Keisha Castle-Hughes, Cacey Riggan
Regisseure
Kiele Sanchez, Massimiliano Ubaldi, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Star Trek 2x04

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