Star Trek 1x28

Star Trek 1x28

Zeitlos: Die für mich beste Episode der klassischen Star Trek-Serie ist auch ein All-Time-Highlight des ganzen Franchise. Brillant und clever geschrieben, stark gespielt und dicht inszeniert. Die Serie war vorher und nachher nie besser. Euer Platz 3!

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek“-Episode „The City on the Edge of Forever“ / (c) Paramount
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek“-Episode „The City on the Edge of Forever“ / (c) Paramount

Was passiert?

Auf einem verlassenen Planeten findet die Crew ein Zeitportal, das die Möglichkeit bietet, in verschiedene Zeitepochen zu reisen. Durch einen Unfall dreht McCoy jedoch durch und gerät in die Vergangenheit, was sofort zu einer Auslöschung der Zeitlinie führt. Kirk und Spock müssen ihrem Freund und Kollegen folgen, um alles wieder in Ordnung zu bringen…

Dies & das

  • Autor Harlan Ellison schrieb ein Drehbuch, das man für untauglich hielt. Nach einem eigenen Rewrite wurde D. C. Fontana damit beauftragt, das Drehbuch in Form zu bringen. Roddenberry selbst legte am Ende Hand an, bevor man mit dem Dreh begann. Harlan Ellison war am Ende überhaupt überhaupt nicht mehr mit den ganzen Änderungen zufrieden und wollte sein berüchtigtes Pseudonym „Cordwainer Bird“ benutzen, was Roddenberry aber ablehnte. Damit hätte Ellison als eine Art Insider sein klares Missfallen ausgedrückt. Somit schrieb Ellison zwar letztlich einen Klassiker, konnte diesen aber letztlich nie wirklich genießen.
  • Ellison, der heute 81 Jahre alt ist, war als Conceptual Consultant an allen fünf Staffeln und den vier TV-Filmen von Babylon 5 beteiligt.
  • Das Boxposter, das auf einen Kampf im Madison Square Garden hinweist, wurde für die DS9-Episode Past Tense neu erstellt - dort weist man auf den ersten Kampf der gleichen Kämpfer seit dem im Madison Square Garden hin.
  • Joan Collins brachte in ihrer 1985 erschienen Biographie einiges über diese Episode durcheinander - wer diese also liest, sollte sich nicht wundern…

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek%26ldquo;-Episode %26bdquo;The City on the Edge of Forever%26ldquo; © Paramount
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Zitate

Are you machine or being? - I am both and neither. I am my own beginning. My own ending.“ (Kirk fragt & der Guardian argumentiert wie die Borg-Queen)

My friend is obviously Chinese. I see you've noticed the ears. They're actually easy to explain... He caught his head in a mechanical... rice picker.“ (Kirk)

One day soon, man is going to be able to harness incredible energies - maybe even the atom; energies that could ultimately hurl us to other worlds in some sort of spaceship. And the men that reach out into space will be able to find ways to feed the hungry millions of the world and to cure their diseases. They will be able to find a way to give each man hope and a common future... and those are the days worth living for.“ (Keeler)

Captain. Even when he doesn't say it, he does.“ (Keeler)

Peace s the way. - She was right. But at the wrong time“ (x)

Vorwort

Es sind Geschichten wie diese, an denen man die hohe Qualität besonders der ersten Staffel von Star Trek festmachen kann. Die Crew findet ein faszinierendes Deus-Ex-Machina, ein Zeitportal, bewacht vom sogenannten Guardian of Forever. Durch einen Zwischenfall sind Kirk und Spock gezwungen, durch die Zeit zu reisen und dabei nicht nur eine faszinierende Frau kennenzulernen, sondern Zeitzeugen gelebter Geschichte zu werden und diese bewahren zu müssen...

Ruckel, ruckel

Dabei fing alles mit dem üblichen Brückengeruckel und austretendem Rauch an. Dieses Setup diente jedoch ausschließlich dazu, McCoy in einem solchen Ruckelmoment mit einer Überdosis Cordrazine auszustatten, damit er im Wahn das Schiff verlassen und unten auf dem Planeten so richtig für Ärger sorgen konnte.

Kaum ist er nämlich dort durch besagtes Zeitportal gesprungen, verschwindet die Enterprise samt restlicher Crew. Irgendetwas hat der Doktor in der Vergangenheit geändert - etwas, das Kirk und Spock nun durch eine Reise in die gleiche Zeit ausmerzen müssen.

Das Drehbuch nimmt sich erstaunlich viel Zeit, diesen Setup samt Sorgen und Nöten der anderen Außenteammitglieder („Captain, ich habe Angst!“) anzusetzen. Fast eine Viertelstunde vergeht, bis unsere beiden Helden auf dem berüchtigten Außengelände der Paramount-Studios - Verzeihung - in New York landen.

New York, New York

Ein wenig Ohren verstecken, Klamotten klauen, Polizisten ärgern, Weglaufen und Schwindeln später landen die beiden bereits in einem Keller - und machen eine wichtige Bekanntschaft: Edith Keeler, überzeugte Sozialarbeiterin und ausgestattet mit dem wohl stärksten Weichzeichner der Trek-Geschichte. Hier tat man wirklich alles, Joan Collins so glatt und wunderschön wie möglich wirken zu lassen. Herrlich.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek%26ldquo;-Episode %26bdquo;The City on the Edge of Forever%26ldquo; © Paramount
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Wie sich herausstellt ist Edith Keeler aber auch eine außergewöhnliche Frau, die nicht nur den beiden in ihrem Keller herumlungernden Männer einen Job gibt und Kirk den Kopf verdreht, sondern auch in erstaunlicher Art über die Zukunft der Menschheit spricht. Ein erleuchteter Geist? Nach Job fehlt noch ein Zimmer und ein paar Bauteile, damit Spock ein wenig basteln kann - die beiden machen es sich in dieser fremden Zeit bequem, von McCoy fehlt jedoch jede Spur.

Doch Keeler durchschaut noch mehr: Sie erkennt, dass Spock fast schon organisch an Kirks Seite gehört und dass die beiden nicht in diese Zeit und an diesen Ort gehören. Aus diesem Grund verzeiht sie dem Vulkanier sogar einen kleinen Diebstahl. Oder liegt es an der Anziehung zum Captain? Kann auf jeden Fall nicht schaden. Witzig ist übrigens, dass in allen Unterhaltungen mit Keller der Humor von „Star Trek IV: The Voyage Home“ durchscheint. Liegt aber auch vielleicht einfach daran, dass Synchronsprecherin Viktoria Brams nicht nur Joan Collins, sondern auch Catherine Hicks in besagtem Film ihre Stimme lieh.

Things turn dark

Als Spock seine Basteleien zum Erfolg führt und den Enterprise-Computer in der Zukunft anzapft (man möge an dieser Stelle betreten schmunzeln), zeigt sich ein Problem: Es gibt zwei mögliche zukünftige Ereignisse. Entweder stirbt Keeler in Kürze oder wird in einigen Jahren sogar an der Seite des Präsidenten der Vereinigten Staaten stehen. Beides kann nicht stimmen - was zu dem Schluss führt, dass sie der Fokuspunkt in der Zeitlinie ist, das instabile Element. McCoy wird nach seinem Eintreffen entweder zum Retter von Keeler bei dem drohenden Unfall werden, oder sie vielleicht erst in die Situation bringen. Die wichtigste Frage stellt Spock jedoch: Was wird Kirk tun, wenn Keeler sterben muss?

In der Zwischenzeit taucht ein alter Bekannter in schlechter Verfassung auf: Der verlorene Doktor ist da und macht erst einmal einem Landstreicher Angst. Dass er kurz danach auch bei Edith Keeler landet - naja: Tempus Fugit. So einfach ist das. Der arme Landstreicher stiehlt ihm leider vorher noch den Phaser und vaporisiert sich damit selbst: Eine für die Serie ungewohnt zynische und grausame Szene. Keeler serviert McCoy am nächsten Morgen erst einmal einen Kaffee, stellt aber noch keine Verbindung zu den anderen beiden sonderbaren Neuankömmlingen dar.

Diese können inzwischen wieder den Computer anzapfen. Und was sie sehen, gefällt ihnen gar nicht. Edith Keeler überlebte durch McCoys Eingriff und sorgte mit ihren gut gemeinten Visionen leider dafür, dass das Dritte Reich den zweiten Weltkrieg gewann. Sie hat durchaus die richtigen Ideen für die Welt, der Zeitpunkt war nur leider der falsche. Spock erkennt, was zu tun ist - doch muss er mit ansehen, wie sein Captain ihm erst einmal seine Liebe zu Keeler beichtet. Wird Kirk dennoch die richtige Entscheidung treffen können, wenn die Zeit reif ist?

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek%26ldquo;-Episode %26bdquo;The City on the Edge of Forever%26ldquo; © Paramount
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Von Treppen und Autos

Als seine Angebetete am nächsten Morgen die Treppe hinunter zu stürzen droht, handelt er instinktiv und rettet sie. Hat Kirk sich hier schon falsch entschieden? Spock redet seinem Captain hier noch einmal sehr eindringlich und sensibel ins Gewissen. Ein Tribut an ein durchgehend starkes Drehbuch. Die Treppenszene könnte übrigens fast Gedanken an Final Destination aufkommen lassen.

Als Keeler erst bei McCoy und später bei Kirk hoffnungslos Clark Gable-Filme erwähnt, macht es endlich Klick. Kirk stellt Keeler kurzerhand auf der Straße ab und sucht den Doktor. Das herannahende Auto sieht der Captain zwar gerade noch rechtzeitig, fällt aber dem ebenfalls um Rettung bemühten McCoy in die Arme und lässt Edith sterben. Eine tragische und äußerst traurige Szene, die Kirk mehr Tiefe gibt, als je zuvor.

Zum Schluss

Verdammt viel Story passte in diese kurzweiligen 48 Minuten - dass dabei das Ende ein wenig hektisch und abgehackt wirkt, ist verzeihbar. Eine abschließende Szene auf der Enterprise mit Kirk und Spock oder McCoy wäre schön gewesen, ist aber letztlich verzichtbar. Eine solche Szene kam übrigens im Originaldrehbuch von Harlan Ellison sogar vor. Die Episode macht aber sonst alles richtig - mehr kann man nicht erwarten.

The Reviewer's wife

Das Süßholzgeraspel von Kirk und seine erneut relativ schnelle Verliebtheit kann die Frau des Rezensenten immer wieder - und so auch hier - nur mit einem Jaulen kommentieren. Auch McCoys Wahn entlockte ihr eher ein Lachen. Ansonsten aber ihrer Meinung nach eine erschreckend starke Episode, die ihr zeigte, wie schwach die Serie sonst in vielen Momenten retrospektiv eigentlich war.

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Gib dem Kind einen Namen

Wunderbarer Titel - einer der schönsten aller Trek-Serien. Die zerstörte Stadt auf dem verlassenen Planeten steht ohnehin schon mit mehr als einem Bein auf der Schwelle zur Ewigkeit - zur ewigen Einsamkeit. New York hingegen ist die Stadt, die durch die aktuelle Situation am Rand der Zerstörung und somit der Ewigkeit steht. Außerdem steht der verlassene Planet natürlich auch durch das Portal an einem Übergang zur Ewigkeit. Klasse gewählt und mit einem wundervollen Klang versehen. Der deutsche Titel „Griff in die Geschichte“ kam da ein wenig blass daher, geht aber dennoch als angemessen durch.

Fazit

The City on the Edge of Forever ist ein Homerun, ein wunderbares SF-Konzept eingebettet in eine relevante, zeithistorisch interessante Geschichte, gespielt von starken Darstellern in glaubwürdigen Rollen. Die Serie war nie besser, nie dichter inszeniert, nie aussagekräftiger und nie emotional berührender. Für mich die beste Episode der Classic-Serie.

Morgen gibt's eine sehr kurze TNG-Folge - diese dafür aber immer wieder und wieder.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 14. Mai 2016
Episode
Staffel 1, Episode 28
(Star Trek 1x28)
Deutscher Titel der Episode
Griff in die Geschichte
Titel der Episode im Original
The City on the Edge of Forever
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 6. April 1967 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 18. Januar 1988
Autoren
Cacey Riggan, Marek Larwood, Cacey Riggan
Regisseure
Kiele Sanchez, Munda Razooki, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Star Trek 1x28

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