Star Trek 1x19

Star Trek 1x19

Vorsicht, Liebster: Wer sich zu vehement über die grausam unlustige Computerstimme ärgert, verpasst eine Pionierepisode aus dem Bereich Zeitreise, die durch Charme und lässigen Humor glänzt. Euer Platz 10 der klassischen Star Trek-Serie!

Countdown to the 50th Anniversary of Star Trek / (c) Fotorausch Kiel
Countdown to the 50th Anniversary of Star Trek / (c) Fotorausch Kiel

Was passiert?

Durch einen Unfall landet die USS Enterprise mit ihrer Crew im Jahr 1969 und wird sofort von einer Bodenstation und einem eilig hinaufgeschickten Air Force Piloten gesichtet. Dieser muss aufgrund eines technischen Problems an Bord der Enterprise gebeamt werden. Kirk & Co müssen nun entscheiden, wie sie mit ihrem unfreiwilligen Gast verfahren sollen und dabei noch versuchen, ihre Spuren zu beseitigen, bevor sie wieder in ihre eigene Zeitperiode zurückkehren können...

Dies & das

  • Ursprünglich war geplant, dass die Episode zusammen mit The Naked Time einen Zweiteiler hätte bilden können.
  • Prophetisch: Die Radiomeldung lautet im Original “This is the 5.30 news summary. Cape Kennedy. The first manned Moon shot is scheduled for Wednesday, 6 AM Eastern Standard Time. All three astronauts who are to make this historic...“. Und tatsächlich fand der Start von Apollo 11 dann auch an einem Mittwoch im Jahr 1969 statt, genauer dem 16. Juli 1969. In der deutschen Fassung konnte man später sogar das korrekte Datum integrieren, da die Episode erst 1972 und somit nach der Mondlandung synchronisiert wurde.
  • Tragisch: Einen Tag nach Erstausstrahlung der Episode verloren Gus Grissom, Ed White und Roger Chaffee an Bord der Apollo 1-Kapsel ihr Leben.
  • Starfleet Command wird hier noch Starfleet Control genannt.
  • Roger Perry hätte sein Uniformshirt gerne mitgenommen, traute sich letztlich aber nicht und bereute es später.
  • Dies war die erste in Deutschland ausgestrahlte Star Trek-Folge überhaupt. Am 27. Mai 1972 war es soweit.

Synchro-Anomalien

  • Captain Kirk bezeichnet sich selbst als Commander Kirk, obwohl er im Original Captain sagt. Oft verwechselte man in der Synchronisation Commander mit Kommandant.
  • Sulu nennt Pluto im Deutschen Perseus.
  • Mal wieder wird aus Warp-Antrieb der beliebte Sol-Antrieb.
  • Der „tractor beam“ wird mit „Trägerstrahler“ doch recht ungelenk übersetzt.
  • Zwei Dialoge werden völlig verdreht: Der Austausch über grüne Männchen zwischen Christopher und Spock wird mit „Ich habe immer an grüne Männchen geglaubt“ - „Welche Schattierung?“ dabei komplett verhauen. Und auch der Dialog zwischen Kirk und McCoy, in dem der Captain den Arzt mit Spock vergleicht, dreht sich durch die deutsche Entgegnung „Na, danke für die Blumen“ völlig um (siehe unten bei den Zitaten).

Quotes between tomorrow and yesterday

I never have believed in little green men.“ - „Neither have I.“ (Christopher und Spock)

Don't touch anything, but I think you'll find it interesting.“ - „Interesting is a word and a half for it, Captain.“ (Kirk und Christopher)

Maybe I can't go home, but neither can you. You're as much a prisoner in time as I am.“ (Christopher)

Now you're sounding like Spock.“ - „If you're going to get nasty, I'm going to leave.“ (Kirk und McCoy)

I made an error in my computations.“ - „Oh? This could be an historic occasion.“ (Spock und McCoy)

Wait a minute. I don't have a son.“ - „You mean yet.“ (Christopher und McCoy)

Anyway we do it, it's a mighty rough ride.“ (Scott)

© Paramount Television
© Paramount Television

Cold Open

Der Anfang der Episode wirft die Zuschauer direkt und ohne Vorwarnung in eine Situation, die völlig untypisch für die damals noch junge Serie war. Wir befinden uns auf einer Air Force Base auf der Erde. Ein UFO scheint sich im Luftraum zu befinden und schnell werden Maschinen gestartet um das fremde Objekt zu untersuchen - darunter Captain John Christopher. Nach einem kurzen Sichtkontakt mit dem UFO, der uns wohl bekannten USS Enterprise, erfahren wir: Die Crew hat es durch einen technischen Defekt in die Vergangenheit verschlagen. Wie eine Radiosendung verdeutlicht, befinden wir uns im Jahr 1969, kurz vor dem Start der Apollo-11-Mission, die letztlich zu den ersten Schritten eines Menschen auf dem Mond führen sollte…

Da Christopher eine potentielle Gefahr für die geschwächte Enterprise sein könnte, muss schnell eine Lösung her. Der Versuch, die Maschine mit dem Traktorstrahl unter Kontrolle zu bekommen, schlägt jedoch fehl und Christopher muss an Bord gebeamt werden.

Dieser kreative Umgang mit dem Setting verleiht den ersten Minuten einen frischen Anstrich und bietet eine gelungene Abwechslung zu den sonstigen Teasern der ersten Season.

Bleiben, Flüchten, Spuren verwischen

In der Folge entspinnt sich eine humorige Abfolge von Szenen, die zwar eine tiefere Behandlung mit dem Thema vermissen lässt, aber so locker flockig über alle Unebenheiten des Plots hinwegschwebt, dass man kaum böse sein kann. Besonders Sunnyboy Kirk begeistert mit einer fast schon traumwandlerischen Leichtigkeit.

Spock informiert Kirk, dass Christopher nicht zurück darf, da sein Wissen die Zeitlinie verändern könnte - so weit so analytisch. Auf die Bedenken, dass er vielleicht noch eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen wird, gibt es obendrauf noch die kälteste aller kalten Duschen: Christopher zeichnet sich durch ein „belangloses Persönlichkeitsbild“ aus und muss nicht zwingend wieder zurück. Herrlich - so etwas kann nur ein Vulkanier so emotionslos darbieten.

Doch ist Christopher mitnichten beleidigt - im Gegenteil. Roger Perry legt den Besucher aus den Sechzigern ebenfalls als humorvollen, schlagfertigen Sprücheklopfer an. Ein Gegenpol zu Kirk und fast schon eine ganze Spur zu selbstsicher in dieser für einen Menschen doch sicherlich äußerst verwirrenden Situation.

Doch die Episode möchte scheinbar keine schwermütigen Szenen oder sinnierenden Charaktere. Alles muss im Fluss bleiben - Christopher versucht zu fliehen (die Schiffssicherheit sieht dabei mal wieder alles andere als kompetent aus), wird wieder gefasst und erfährt schließlich, dass er doch eine wichtige Rolle zu spielen hat: Er darf noch einen Sohn zeugen, der dann später eine Mission zum Saturn leiten wird. Na also! Spock hatte schlecht recherchiert (auch kaum zu glauben), Christopher ist erfreut und Kirk sieht alles weiterhin locker. Dann muss er eben zurück, wird schon.

© Paramount Television
© Paramount Television

Doch bei all der Leichtigkeit gibt es auch noch ein wenig Arbeit - da man keine Aufnahmen des Schiffes zurücklassen will, muss ein Team auf den Stützpunkt hinunter, um alle Bänder an sich zu bringen. Auch hier vermischt Autorin D. C. Fontana wieder durchaus kompetente Ideen, wie mit einer solchen Situation umzugehen ist, mit einem lässigen Tenor: Kirk und Sulu gehen in ihren normalen Uniformen runter, ob nachher jemand die Bänder vermisst interessiert keinen und auch sonst ist alles ein wenig übers Knie gebrochen. Man macht sich schon ein paar Gedanken, aber bloß nicht zu viele. Dass während des Ausflugs direkt noch ein weiterer Offizier von der Basis hochgebeamt wird (seine Reaktion und die starre Pose auf der Transporterplattform und Spocks Kommentare dazu sind preisverdächtig) zeigt: Comedy ist Trumpf.

Das manifestiert sich auch in einer weiteren Szene an Bord der Enterprise, als ein Techniker bereitwillig Hühnersuppe für den verdutzten Offizier am Replikator bestellt. Wen juckts, dass dieser unnötigerweise noch mehr Technik der Zukunft zu sehen bekommt - die Crew folgt hier dem Beispiel des Captains: Passt schon!

Währenddessen auf der Erde: Die Aufnahmen der Enterprise wurden inzwischen gefunden und eigentlich könnte man nun zum Schiff zurückkehren und sich endlich um die ungebetenen Gäste kümmern.

Terence Hill und Bud Spencer wären stolz

Jedoch kann nicht nur Captain Archer sich gut gefangen nehmen lassen, Kirk schaffte das weit vor ihm auch schon. Zwar liefert er seinen Angreifern vorher ein deftiges Handgemenge, das jeder Kneipenschlägerei in Spencer/Hill-Filmen zu Ehre gereicht - doch schließlich muss er sich der Überzahl ergeben und wird zu einem Verhör gebeten.

Nicht, dass Kirk das in irgendeiner Form belasten würde. Entspannt weicht er den Fragen aus, gibt launige Antworten und bleibt absolut unbeeindruckt von allen Drohungen. Zu Recht - das Rettungskommando naht und kurz darauf ist man nun wirklich bereit, aufs Schiff zurückzukehren. Doch Moment: Captain Christopher, der das Team begleitet hatte, unternimmt einen weiteren Versuch, sich von seinen Entführern zu lösen. Dass Spock ihn schnell überwältigt, bleibt eine Randnotiz. Sinn gemacht hat die Aktion ohnehin nicht - Kirk hatte ja klar gesagt, dass Christopher zurück muss und soll. Wobei: So wie dieser seine Meinung anpasste, hätte ich es an Stelle des armen Mannes wohl auch versucht. Hier wurde aber ohnehin eher eine weitere Action-Sequenz benötigt, um an der Spannungsschraube zu drehen.

© Paramount Television
© Paramount Television

Ab nach Hause!

Apropos Spannungsschraube: Viel bleibt nicht mehr zu tun. Aus heiterem Himmel kommt die Lösung aller Probleme daher: Man fliegt einfach um die Sonne (mit hohem Warp, was rechnerisch bei den Abständen zwischen Erde und Sonne mal so richtig gar keinen Sinn macht…) und setzt die beiden Gäste im richtigen Moment ab (merke: Kirks Zeitgefühl ist besser als jeder computergesteuerte Beamvorgang…). Dadurch ersetzen diese ihre Alter Egos auf der Erde (von vorher), können sich an nichts mehr erinnern (warum eigentlich?) und die Crew der Enterprise darf - wenn alles klappt - zurück in ihre Zeit. Spock ist schon brillant! Die Sache klappt, das UFO ist weg und alles ist in Butter. Siehste, Liebster!

Die bösen Frauen vom Frauenplaneten

Ja, richtig. Da war doch noch was… Genauer die Sache mit dem Schiffscomputer. Wir erfahren, dass dieser bei einem Stopp auf Cygnet XIV (ein von Frauen dominierter Planet) generalüberholt und mit einer Persönlichkeit ausgestattet wurde. Nun klingt er wie eine Telefonsexstimme (nicht, dass der Rezensent das aus erster Hand beurteilen könnte) und beendet seine Sätze mit „Liebster“ (bzw. „dear“ im Original). Manchmal ist etwas ja gerade witzig, weil es so schlecht ist. Hier jedoch ist es leider nur schlecht, weil es eben gar nicht witzig ist. Eine völlig überflüssige Idee, die schnell nervt und zum Fremdschämen einlädt. Dabei ist die Idee an sich ja durchaus charmant (wenn auch eher in Futurama zu erwarten) - nur ist die Ausführung (gerade im Deutschen) eben leider grausam trashig.

The Reviewer´s wife

Die Frau des Rezensenten zeigte durchaus Verständnis, dass gerade diese Episode als erste überhaupt in Deutschland ausgestrahlt wurde. Durch die Szenen auf der Erde war es für die Zuschauer eventuell leichter, sich mit der ungewohnten Situation auf einem Raumschiff und im Weltall anzufreunden. Die Episode an sich erhielt zudem ein klares Lob für die unterhaltsame - wenn auch dünne - Story und den lässigen Umgang von Kirk mit der Situation. Fassungsloses Kopfschütteln erntete wie auch vom Rezensenten selber der Subplot um die nervtötende und völlig unlustige Computerstimme.

Gib dem Kind einen Namen

„Tomorrow is Yesterday“ ist ein eher kryptischer Titel, der sehr gut die Gefühle von Captain Janeway bezüglich Zeitreisen beschreiben dürfte. Inhaltliche Relevanz für diese Episode besitzt er eigentlich keine. Dennoch eine nette, weil kreative Wahl. Die 1:1-Übersetzung im Deutschen geht somit ebenfalls kritiklos durch.

Fazit

Tomorrow is Yesterday begründete das Trek-Subgenre der Zeitreise-Episoden und spielt die später oft gehirnverdrehend komplizierte Thematik hier noch ausschließlich mit Witz und Ironie durch. Logiklöcher werden kernig weggewischt und Gevatter Zufall hat ständig seine Finger im Spiel. Dennoch ein großer Spaß und ein wichtiger und besonderer Moment der Trek-Historie, der auch heute noch Spaß macht.

Nächste Woche geht es im Review-Countdown weiter mit den zehnten Plätzen aus Star Trek: The Next Generation und Star Trek: Deep Space Nine. Dann am Start: Ein ganz normaler Tag an Bord der Enterprise zwischen politischen Ränkespielen, kalten Füßen und Einblicken in die Gefühlswelt einer Maschine sowie ein Kammerspiel über den Umgang mit einer eigentlich nicht tolerablen Situation unter der ein uns wohlbekannter Schneider zu zerbrechen droht…

Übersicht zum Review-Countdown

Hier findet ihr die bisher erschienenen Reviews nach Serien sortiert zum Nachlesen:

Star Trek

Where no man has gone before (Pilot)

The Conscience of the King (Klein aber fein)

Star Trek: The Next Generation

Encounter at Farpoint (Pilot)

Lower Decks (Klein aber fein)

Star Trek: Deep Space Nine

Emissary (Pilot)

Nor the battle to the strong (Klein aber fein)

Star Trek: Voyager

Caretaker (Pilot)

11:59 (klein aber fein)

Star Trek: Enterprise

Broken Bow (Pilot)

Alle restlichen Reviews zur Serie (aktuell bis Anfang Season 3) findet ihr auf der Serienseite.

Star Trek: Die Kinofilme

Star Trek: The Motion Picture

Star Trek: The Wrath of Khan

Habt Ihr schon über Eure Lieblingsepisoden abgestimmt?

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 30. August 2015
Episode
Staffel 1, Episode 19
(Star Trek 1x19)
Deutscher Titel der Episode
Morgen ist gestern
Titel der Episode im Original
Tomorrow is Yesterday
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 26. Januar 1967 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 27. Mai 1972
Autoren
Cacey Riggan, Ken Cheeseman, Cacey Riggan
Regisseure
Kiele Sanchez, Sheilynn Wactor, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Star Trek 1x19

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?