Star Trek: Voyager 7x26

Was passiert?
Zehn Jahre sind seit der Heimkehr der USS Voyager aus dem Delta-Quadranten bereits vergangen. Zehn Jahre, in denen sich rund um die Rückkehrer im persönlichen wie beruflichen Umfeld viel ereignet hat. Doch die inzwischen zum Admiral beförderte Kathryn Janeway hegt im Geheimen düstere Pläne: Sie will mit Hilfe alter Weggefährten wie Barclay, dem Doktor und Miral, der Tochter von Paris und Torres, in der Zeit zurückreisen, ihrer Crew eine frühere Heimkehr ermöglichen und einige Schicksale damit zum Positiven verändern…
Dies & das
- In Dark Frontier und Unimatrix Zero hatte Susanna Thompson die Borg-Queen dargestellt. Alice Krige, die ihr in „Star Trek: First Contact“ so kongenial das erste Mal ein Gesicht gegeben hatte, durfte nun hier zurückkehren.
- Thompson hatte vorher bereits in drei anderen Trek-Episoden mitgespielt. Als Varel in The Next Phase, als Jaya in Frame of Mind und als Lenara Khan in der viel diskutierten Episode Rejoined.
- Krige sollte in Star Trek: Enterprise noch einmal als Borg-Queen zurückkehren. Dort hätte man dann die Geburt der Borg-Königin gesehen, als eine Starfleet-Ärztin auf die Borg aus Regeneration trifft und assimiliert wird. Dies hätte allerdings früheren Äußerungen der Queen widersprochen, dass sie als Kind assimiliert wurde. Bevor es jedoch zu dieser Episode kam, erfolgte die Absetzung der Serie.
- Tarik Ergin alias Ayala ist der einzige Schauspieler, der neben der Hauptbesetzung (minus Kes und Seven) im Pilot- und Abschlussfilm auftritt.
- Nur Janeway, Tuvok, Chakotay und Paris sind in jeder Episode der Serie zu sehen gewesen.
- Als Janeway Tuvoks Krankenzimmer verlässt, klingt eine Durchsage stark nach „Doktor Pulasky“. Vielleicht eine charmante Erkenntnis über die weitere Karriere der Kurzzeit-Ärztin auf der Enterprise-D?
- Brannon Braga, einer der Autoren der Episode, hätte Seven of Nine am liebsten sterben lassen - als eine Art ultimatives Opfer für ihre Familie. Seufz. Diese fehlgeleitete Phantasie (die auch schon Datas Schicksal im Kampf gegen Shinzon besiegelt hatte) durfte er dann später leider noch an Trip ausleben.
- Wer von den fehlenden Erkenntnissen über die Zeit nach der Rückkehr der Voyager-Crew frustriert zurückbleibt, sollte sich vielleicht einmal den beiden Büchern „Heimkehr“ und „Ferne Ufer“ von Christie Golden widmen. In diesen wird mit viel Liebe zum Detail und zur Serienkontinuität beschrieben, wie die Charaktere versuchen, wieder in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Dabei sind besonders die Charaktermomente äußerst gelungen und erhalten auch viel Raum - die Story selber entwickelt sich dann allerdings zunehmend in eine Richtung, die wieder Canon oder Non-Canon-Debatten nach sich zieht. Dennoch sind die beiden Bücher sehr gelungen - und auch die folgenden - bisher noch fünf weiteren - Bücher können jederzeit unterhalten.
Selbst den Zitaten fehlt die Power
„You wish to ensure the well-being of your collective. I can appreciate that.“ (Borg Queen)
„Nobody can guarantee what's going to happen tomorrow, not even an admiral from the future!“ (Chakotay)
„You can't blame a hologram for being curious.“ (Doc)
„I want this thing out of me, now!“ (Torres)
„Try to relax, Lieutenant. - Oh, if you tell me to relax one more time I'm going to rip your holographic head off! - I hope you don't intend to kiss your baby with that mouth.“ (Doc und Torres)
„Joe? - I decided I couldn't get married without a name. - It took you 33 years to come up with Joe?!“ (Tom und Doc)
„I think it's safe to say no one on this crew has been more... obsessed with getting home than I have. But when I think about everything we've been through together, maybe it's not the destination that matters. Maybe it's the journey, and if that journey takes a little longer, so we can do something we all believe in, I can't think of any place I'd rather be, or any people I'd rather be with.“ (Kim)
„To quote Ambassador Spock; the needs of the many outweigh the needs of the few.“ (Tuvok)
„I would prefer it if you not speak to me as though we are on intimate terms. - We are on intimate terms!“ (Seven und Chakotay)
„I don't know how you do it. All those voices talking at once. You must get terrible headaches.“ (Janeway)
„We did it.“ (Janeway)
„Sickbay to the bridge. Doctor to Lieutenant Paris. There's someone here who'd like to say Hello.“ (Doc)
„Set a course... for home.“ (Janeway)
Zukunftstrallala
Feuerwerk, die Golden Gate Bridge, fröhliche Menschen - ein vertrautes Raumschiff fliegt beschwingt umher - die ersten Sekunden der Episode bieten alles, was langjährige Fans sich immer gewünscht haben. Doch Vorsicht. Wir sehen zehn Jahre alte Aufnahmen der Rückkehr unserer Helden. 33 Jahre nachdem die Crew im Deltaquadranten strandete. Ein immenser Sprung, der bedeutet, dass nach den Geschehnissen der bisherigen siebten Staffel noch weitere sechszehn Jahre vergingen, bis eine Rückkehr gelang. Was ist also geschehen?
Zuerst einmal wechseln wir auf ein Bankett zu Ehren des zehnten Jahrestages der Rückkehr. Paris mit Halbglatze (gut getroffen, wenn man sich aktuelle Fotos des Schauspielers anschaut), Torres mit grauen Strähnen, Captain (!) Harry Kim, ein sichtlich gealterter Barclay, der Holodoc samt frischangetrauter Ehefrau - und mittendrin eine vollkommen ergraute Janeway. Admiral Janeway um genau zu sein.
Abgesehen davon, dass Harry nach 33 Jahren hier nun tatsächlich Captain geworden ist, obwohl er in sieben Jahren unter Janeways Kommando nicht ein einziges Mal befördert wurde, dass der Holodoc eben jene 33 Jahre brauchte, um einen Namen zu wählen, nur um dann bei „Joe“ zu landen und, dass mit Seven, Chakotay und Tuvok drei zentrale Charaktere aus bisher unklaren Gründen abwesend sind, ist diese Szene zwar durchaus charmant gelungen, wirkt aber auch auf eine seltsame Art und Weise blutarm. Vielleicht ist es das latente Gefühl eines gebrannten Kindes, hier etwas zu sehen, was am Ende keine Relevanz mehr besitzen wird. Der Reset-Button war schließlich immer eins der Lieblingsspielzeuge der Autoren der Serie gewesen.
Doch steigt man auch relativ zügig in die Kernstory ein: Die Mission von Admiral Janeway. Mit Hilfe von Barclay und dem Holodoc (der allerdings keine Ahnung vom Zweck seiner Hilfe hat), die ihr immer noch freundschaftlich und vertrauensvoll ergeben sind und ebenfalls unter Beteiligung der selbstbewusstem Miral, Tochter von Torres und Paris, bricht Janeway zu einem Treffen mit dem Klingonen Korath auf, der ihr eine spezielle Panzerung für ihr Schiff liefern soll.
Vorher bricht sie jedoch noch etwas unwirsch ihre erste Uni-Vorlesung über die Borg ab, als das Thema auf Seven of Nine kommt, besucht einen wirren und scheinbar irren Tuvok in seiner Klinik und verabschiedet sich auch am Grab von Chakotay von ihrem ehemaligen ersten Offizier. Offenbar haben weder er noch Seven überlebt.

Nach Janeways Verschwinden dreht Tuvok durch, was den Holodoc direkt zu Barclay führt. Dessen plötzliches Stottern (was er scheinbar ansonsten überwunden hatte) verrät ihn und sofort macht sich Captain Kim mit seiner USS Rhode Island auf den Weg, seinen ehemaligen Captain zu stoppen.
Diese hat inzwischen ein belangloses Scharmützel mit den Klingonen überstanden und ist auf dem Weg, in die Vergangenheit zu reisen. Die Szenen mit Korath zeigen mir übrigens nur ein weiteres Mal, dass die Klingonen-Thematik in Star Trek definitiv ausgelutscht ist und für zukünftige Serien und Filme gerne unangetastet bleiben darf.
Doppelt Ehrensache, dass Kim Janeway zwar stoppt, ihr dann jedoch zuhört, ihre Beweggründe versteht und ihr letztlich doch zur Hand geht, die Klingonen abzuhängen. Die Familie ist eben, was im Kern zählt.
Eine Subraumspalte öffnet sich und Admiral Janeway verschwindet.
Gegenwartstrallala
In der Gegenwart, also 26 Jahre vor den geschilderten zukünftigen Ereignissen und zurück im Kontext der siebten Season der Serie, geht es derweil ebenfalls munter zur Sache.
Torres wird von Wehen geplagt, Paris liefert die klischeehaften Slapstick-Einlagen eines werdenden Vaters, Seven videofoniert charmant mit Neelix und erfährt, dass dieser plant zu heiraten, Icheb gewinnt gegen Tuvok im Kal-toh und alle haben einfach gute Laune und sind nett zueinander.
Gut, bis auf Tuvok vielleicht - seine Niederlage führt ihn direkt zum Doktor. Doch lässt er sich nicht gegen verletzten Stolz behandeln (damit würde der Schiffsarzt sich zumindest sehr gut auskennen), sondern gegen eine chronische vulkanische Krankheit, die bei ihm diagnostiziert wurde, sich offenbar weiter ausbreitet und die der Sicherheitschef bisher selbst vor Janeway geheim gehalten hat.
Geheim halten auch Chakotay und Seven etwas - nämlich ihre so unnatürlich aufgeflammten Gefühle füreinander. Kaum eine Trek-Liebesgeschichte, und ich weigere mich fast sie als solche zu bezeichnen, war jemals so fehlgeleitet, so aus dem Nichts geboren, so steril und unglaubwürdig. Dann doch lieber Picard samt Freundin mit PVC-Klavier in der Jeffriesröhre musizieren sehen.
Doch gibt es neben all diesem durchaus netten, leichten und vor allem tiefgangfreien Treiben auch noch Handlung zu bewundern: Seven findet einen Nebel samt einer Vielzahl von Wurmlöchern. Schade nur, dass dieser scheinbar von Borg-Würfeln übersäht ist…
Doch halt! Vorerst wieder genug mit Suspense - mit dem Geplänkel ist es nämlich noch lange nicht vorbei. Hier necken sich Tom und Harry (nein, nicht Toto und Harry), dort schwänzeln Chakotay und Seven weiter umeinander herum. Ganz nebenbei will Seven auch noch eine lange geplante Operation durchführen lassen, die es ihr ermöglichen wird, mehr Gefühle zuzulassen. Das Äquivalent zu Datas Emotionschip sozusagen. Gähn. Chakotay wird es aber sicher freuen.
Was fehlt noch? Ach ja - Harry wird von jedem und bei jeder noch so unsinnigen Gelegenheit auf den Arm genommen und endlich, endlich ist es schließlich auch noch soweit: Der schönste Moment der Serie, herbeigesehnt von Millionen von Fans über endlose Jahre, sexy und knisternd inszeniert: Der Kuss zwischen Chakotay und Seven. Jaul. Ein Autor der so etwas schreibt, gehört strafversetzt. Ab zu irgendeinem Scripted-Reality-Format bei RTL. Grausam.
Gut, dass wenigstens auf der Brücke Spannendes vor sich geht und mehr Schmonzette im All für den Moment verhindert - die Subraumspalte öffnet sich und ein Schiff kommt hindurch. Es meldet sich: Admiral Kathryn Janeway die erklärt, sie werde die Voyager nach Hause bringen.
Und irgendwo in einem nicht so fernen Nebel hört diesen Worten eine alte Bekannte zu: Die Borg-Königin. Genug des Setups, lasst das Endspiel beginnen.
When Katie met Katie
An dieser Stelle wird überdeutlich, was die Episode eigentlich ist. Ein unnachahmliches Solo für Kate Mulgrew. Nicht, dass es ihr nicht zu gönnen wäre. Da es auch in jeder Hinsicht toll umgesetzt und gespielt ist, gibt es dagegen - wie auch schon bei Picards Dreifachrolle zum Ende seiner Serie - keinen Einspruch.
Nachdem die Identität des Besuchers aus der Zukunft schnell verifiziert ist und der Captain klargemacht hat, dass sie nichts über die Zukunft wissen möchte, macht man sich schnell daran, die Technik der Zukunft für die Voyager zu adaptieren, um in den Borg-Nebel zurückkehren zu können.
Mir aktiver Panzerung wagt man sich in die Höhle der Löwen, zerstört auf dem Weg ohne große Mühe ein paar Kuben und findet zur Überraschung aller ein riesiges Borg-Netzwerk aus Transwarp-Knoten. Kein Wunder, dass dieser Nebel derart gut geschützt ist.
Doch ist Captain Janeway natürlich zu Recht sauer - ihr Pendant hätte diese Information gerne direkt weitergeben dürfen. Man verlässt den Nebel vorerst. Die Janeway von Heute möchte die Einrichtung am liebsten zerstören - es wäre ein ungeheuerlicher taktischer Erfolg gegen das Kollektiv. Etwas, das die Janeway von Morgen nicht interessiert. Ein Konflikt zwischen den so identischen und doch so ungleichen Frauen entbrennt. Letztere entschließt sich, aus allen Rohren zu feuern und berichtet vom Tod Sevens, vom Niedergang Chakotays, dem Tod weiterer 22 Crewmitglieder über die Jahre und vom Wahnsinn, der Tuvok befällt.
Nach Rücksprache mit ihrem klingonischen Vertrauten, bei dem er seinen Zustand zugibt und eines der berühmtesten Spock-Mantras zitieren darf, entscheidet der Captain: Sie möchte die Meinung ihrer Führungsoffiziere hören.
Diese Sequenz hätte zu tiefen Gefühlen, Wahrheiten und Einblicken in das Seelenleben der Crew führen können. Doch leider erhält nur Harry das Wort. Wie ein Politiker bei einer Wahlveranstaltung schaltet er in den BlaBla-Pathos-Modus samt Handshake und auf die Schulter klopfen bei Chakotay und stellt seinem Captain einen Freifahrtschein aus. Ein Auftritt ohne Herz und Seele und eine vollkommen verschenkte Szene. Ein wenig fühlte ich mich hier an das Beisammensein der Crew nach Datas Tod in „Star Trek: Nemesis“ erinnert. Dieses erweckte ebenfalls keinerlei emotionale Resonanz und zerfiel unter der Last seiner Beliebigkeit.
Vom Essen und Behalten eines Kuchens
Doch wenn sie ehrlich ist, will Mama Janeway wie immer alles. Sie möchte den Kuchen essen und gleichzeitig behalten: Ergo die Borg-Transwarp-Knoten zerstören und nach Hause gelangen. Zu diesem Zweck müssen jedoch sowohl eine schnelle Versöhnung mit ihrem älteren Alter Ego und der geheime Plan B her. Zu diesem Zeitpunkt bleibt dieser jedoch noch unartikuliert und für den Zuschauer nicht voll ersichtlich.
Währenddessen gibt es Streit im Land der Liebenden. Seven weist Chakotay ab, um ihn vor späterem Seelenschmerz zu schützen. Niedlich. Doch Chakotay wäre nicht Borgbabes Darling, wenn er sich davon würde aufhalten lassen. Während die beiden kuscheln, leidet der arme Zuschauer weiter vor sich hin.
Wie auch Torres, die endgültig und wahrhaftig in den Wehen liegt. Nur, dass ihr Ehemann diesmal andere Verpflichtungen hat und auf der Brücke gebraucht wird.
Admiral Janeway hat nämlich in der Zwischenzeit das Schiff verlassen und den finsteren Plan der beiden Janewys in Gang gesetzt. Als Hologramm erscheint sie der Borg-Königin und bietet ihr einen Deal an - die Voyager soll angeblich gegen den Willen der Crew nach Hause gelangen. Dafür gibt sie ihre Zukunftstechnik für die Borg frei. Ein doppeltes Spiel? Eher nicht. Doch spürt die Queen das getarnte Schiff des Admirals auf, beamt sie zu sich, assimiliert sie und wähnt sich bereits auf der Siegerseite.
Doch zu früh gefreut - die Assimilation war geplant und hat das Kollektiv infiziert. Diabolisch und nicht halb so konservativ wie zu Picards Zeiten. Die Queen fällt auseinander, im Kollektiv herrscht Chaos, die Voyager sprengt die Knoten und Admiral Janeway fliegt samt Queen und Borg-Komplex in die Luft.
So much for their happy ending
Im Alphaquadranten erwartet man inzwischen das Schlimmste. Irgendwas droht im Alphaquadranten aufzutauchen. Eine komplette Flotte hat Station bezogen, um potentielle Angreifer in Empfang zu nehmen - wie gut, dass wenigstens ein einziges Mal in der Geschichte der Sternenflotte nicht nur EIN Schiff in Reichweite ist.
Doch erscheint nur eine einzelne Borg-Sphäre. Diese explodiert fast sofort - und heraus kommt (an dieser Stelle fehlte mir eigentlich nur der berühmte Indiana-Jones-Jingle) die Voyager, die im Innern der Sphäre gereist war.
Doch nicht nur die Sphäre gebiert ein Raumschiff, auch Torres schenkt ihrem Baby das Leben. Was für eine schräg-tolle Analogie - die aber sicher keiner so beabsichtigt hat.

Die nun mögliche und nötige inhaltliche wie emotionale Auseinandersetzung mit der Rückkehr der Crew und den Gefühlen der Charaktere fällt dann leider flach. Die Serie endet nur Sekunden später schlicht mit denselben Worten wie der Pilotfilm - erneut gesprochen von Captain Janeway: „Set a course for home.“ Ende. Aus. Abspann.
Seen that, been there, done that
So nett und unterhaltsam Endgame (2) in der Summe auch sein mag, haben wir es abseits der mir fehlenden Weiterführung loser Enden leider vor allem mit einem schier dreisten und ausufernden Puzzle aus allseits bekannten, oft variierten und teils zu Tode geprügelten Versatzstücken zu tun. Beispiele gefällig?
Die Borg: In Star Trek: The Next Generation wohl dosiert eingesetzt und mit „Star Trek: First Contact“ zum Höhepunkt gebracht, in Star Trek: Deep Space Nine wohlweislich ignoriert, dann aber leider in Star Trek: Voyager gemolken, bis es kein Morgen mehr gab. Es war zu diesem Zeitpunkt kein weiterer Auftritt nötig.
Die Zeitreise-Story mit einem Captain im Mittelpunkt: Nun gut - All Good Things ist hier das relevante Beispiel, auch wenn es andere gäbe. Doch war es schlicht nicht nötig, zwei Serien zum Ende mit einer spekulativen Zukunft spielen zu lassen und die Story um den Captain zwischen den Welten zu spinnen. Nebenbei war dies bei genannter TNG-Episode um Längen cleverer und emotionaler gelungen.
Die Doppelgänger-Thematik: Würde ich noch recherchieren und mich nicht nur auf mein Gedächtnis verlassen, diese Liste wäre bereit, jeden Rahmen zu sprengen. So belassen wir es bei dem Statement, dass auch dieses Thema bereits so oft in dieser oder anderer Form behandelt wurde, dass für ein Serienfinale kein Aufwärmen mehr erforderlich war.
Love is in the air: Irgendwie verspüren Autoren den Drang, ein Serienfinale mit Zwischenmenschlichkeit aufzupeppen. So ging es Worf und Troi (und sogar Picard und Crusher die über ihre gescheiterte Ehe ), Ezri und Bashir auf DS9, auf der NX-01 waren es Trip und T'Pol - und hier nun mein Platz 1 unter den schlechtesten Liebespaaren der Trek-Historie: Chakotay und Seven. Unsinnig und unnötig.
Reicht eigentlich, oder? Wenn man dann noch bedenkt, was diese Versatzstücke am Ende für einen geringen Mehrwert für die Handlung hatten, wird es richtig bitter. Die Szenen in der fernen Zukunft sind durch den Eingriff von Admiral Janeway verpufft, die Borg waren wie immer böse und wurde ein weiteres Mal besiegt, die Queen stirbt ein zweites Mal on Screen, Janeways Doppelgängerin ist schlicht die konsequente Weiterführung ihres Charakters und was aus Seven und Chakotay wird, weiß kein Mensch.
Viel Lärm um gar nichts also?
Ach doch - die Crew ist Zuhause. Das war's!
Lost in richtig schlimm
Irgendjemand anwesend, der glaubt, Lost hätte zu viele offene Fragen unbeantwortet gelassen? Nun ja - einige waren es sicher. Doch zumindest hatte man dort die Charaktere emotional zu ihrem Recht kommen lassen. Interesse an einer Liste der offenen Fragen der Reise der USS Voyager?
Wie wurden die ehemaligen Mitglieder des Maquis auf der Erde aufgenommen? Was für eine Karriere steht ihnen bevor? Oder droht gar ein Kriegsgericht? Was sagt die Gesellschaft? Was denken die Ex-Maquis über die aktuelle politische Lage? Wie wird insbesondere mit Chakotay verfahren?
Welche Rechte erhält der Holodoc? Wie wird er aufgenommen? Wo und wie wird er leben? Trifft er seinen Erbauer wieder?
Was ist mit Seven? Wird sie sich einleben können? Wird sie Verwandte treffen? Was wird sie aus ihrem Leben machen? Wird sie sich weiter um Icheb kümmern? Wie wird dieser sein Leben planen?
Wie geht es mit der Ehe von Tom und B'Elanna weiter? Wo werden sie leben? Was wird aus Miral?
Wird man den Kontakt zu Neelix halten können? Besucht er gar irgendwann noch einmal die Erde?

Wird Janeway ihren Ex-Verlobten Marc wiedertreffen? Wie wird sie schließlich zum Admiral (bekannt aus einer Szene in „Star Trek: Nemesis“ und was sind ihre neuen Aufgaben?
Wer übernimmt die Voyager? Was passiert mit dem Schiff?
Und generell: Was bedeutet die Rückkehr für die Crew, die durch ihre gemeinsame Erfahrung zu einer Art Familie wurde? Wird dieses Band halten?
Und das sind nur die offensichtlichen Fragen. Bei so viel verschenktem Potential fällt es mir schwer, an wahres Interesse seitens der Autoren und Produzenten an ihren Figuren zu glauben. Nicht, dass das eine grundlegend neue Erkenntnis innerhalb der Serie wäre.
Man muss es realistisch sehen: Die Serie war über sieben Jahre nie uneingeschränkt hervorragend, aber auch nie schlecht. Grandiose Charakterstudien wechselten mit Belanglosigkeiten, wirre SciFi-Konzepte mit cleveren, Bombast mit Kammerspiel und Tiefgang mit Leere. Gute Ideen wurden fallengelassen oder halbherzig verwurste, Entwicklungen vergessen oder ignoriert. Star Trek: Voyager hat Popcorn-Trek in Serienform definiert und im Genre zwar eine hochwertige und immer unterhaltsame Serie zurückgelassen, im Trek-Bereich jedoch nie ihre volle Stärke entfaltet. Nach der nachdenklichen Next Generation und der düsteren Niners-Version des Universums war die Serie schlicht und ergreifend im Mittel der Inbegriff der seichten Berieselung. Und konsequenterweise ist sie das auch bis zur letzten Sekunde geblieben.
Mal nebenbei
Neben all den qualitativen und inhaltlichen Erwägungen zum Schluss noch eine Bemerkung zu Admiral Janeway. Wie arrogant und fehlgeleitet ist bitte die Entscheidung, das Leben so vieler Individuen einfach auszuradieren, um - wenn man es mal zynisch formuliert - eine Frau zu retten, einen Mann vor Liebeskummer und einen Freund vor einer Krankheit zu bewahren? Erinnert sich noch irgendjemand an Annorax und seine verzweifelten Versuche, das Leben seiner Frau wieder herzustellen, indem er ganze Zivilisationen auslöschte? Janeway ist kein Deut besser. Nur weil wir mit den Charakteren sympathisieren, um die es ihr geht, macht das ihre Sache nicht im Ansatz richtig oder nachvollziehbar.
Paris, Torres, Kim, der Doktor - sie alle haben sich neue Leben aufgebaut. Sie alle haben das Recht, diese Leben zu behalten. Von allen anderen Menschen und Außerirdischen im Universum gar nicht zu sprechen. Der Eingriff von Janeway (genauer natürlich von beiden Janeways) ist schlicht und ergreifend unerhört - und fast noch schlimmer: Niemand in ihrer Crew stoppt sie.
Somit endet der Charakter-Arc von Janeway in gewisser Weise wie er begann: Mit einer eigentlich kaum nachvollziehbaren Fehlentscheidung. Damals stellte sie übereilt das Wohl Fremder über das ihrer Crew. Eigenmächtig und selbstherrlich. Diesmal nun dreht sie es um und stellt das Wohl einer Handvoll Individuen über das des ganzen Universums und Raum-Zeit-Kontinuums. Soll man das Lerneffekt nennen? Diese Frau ist wirklich kaum in Worte zu fassen.
Erase/Rewind
Doch stoppen wir an dieser Stelle noch einmal kurz und spulen wir ein paar Sekunden zurück. Tun wir so, als wäre dies nur eine bombastische Event-Folge mitten in der Staffel gewesen. Denken wir uns, die Episode wäre mit nur minimalen Änderungen exakt so abgelaufen und hätte am Ende aber eben nicht direkt zur Erde, aber doch immerhin ein paar Jahre näher dem Ziel (oder ganz zynisch: weiter weg davon!) geführt. Wir hätten es mit einer äußerst delikaten Aussage über Eingriffe in die Zeitlinie und einem sehr deprimierenden Ausgang der Mission Admiral Janeways zu tun gehabt. Keine Frage: Mir persönlich hätte diese Variante deutlich besser gefallen - die Episode hätte in jedem Fall eine höhere Wertung von mir bekommen. Doch bevor es nun gleich an mein Fazit geht, muss ich mich eben leider erneut daran erinnern, was ich gerade gesehen habe. Das Ende der Serie, die letzten Momente mit den Charakteren. Nun denn.
The Reviewer's wife
Die Frau des Rezensenten teilt zwar einige Punkte ihres Gatten, doch fühlte sie sich im Großen und Ganzen durchweg gut unterhalten und würde der Episode eine etwas höhere Wertung zukommen lassen. Die Borg störten sie nicht so sehr, sogar für Chakotay und Seven konnte sie sich dezent erwärmen (Frauen…). Herrlich auch, wie ihr gleich zu Beginn auffiel, dass die 26 Jahre ältere Janeway „viel zu glatte Haut“ für ihr Alter habe. Ihre finale Kernaussage jedoch, mit der sie vermutlich auch gar nicht so Unrecht hat, „der Weg sei für die Serie eben das Ziel gewesen und deshalb bräuchte es keine Fortführung nach der Rückkehr“ könnte man definitiv stehen lassen. Die Vielfalt der Wahrnehmung eben - das macht es doch so spannend!
Gib dem Kind einen Namen
Es ist, als würden die Produzenten hier ein letztes Mal aus ihrem persönlichen Fegefeuer der Crash-Boom-Bang-Titel auferstehen. Nein, die Odyssee der Voyager war sicher kein Spiel. Die Entbehrungen, die vielen Ängste - nein, an ein Spiel denke ich dabei als letztes. Auch für die alte Janeway ist die hier gezeigte Aktion keinesfalls ein Spiel, vielmehr eine Herzensangelegenheit. Aber wie klingt das? Nach Gefühlen, nach Ehrlichkeit. Fast bodenständig. Sowas taugt nicht für die Masse. Da schaltet keiner ein. Es ist zum Heulen. Star Trek: Voyager ist somit die einzige der jüngeren Trek-Familie, der ein stimmiger Titel für die Abschlussepisode verwehrt wurde. Sogar Archer und Co hatten in dieser Disziplin mehr Glück.

Fazit
Endgame (2) ist eine richtig runde und sehenswerte Event-Episode, ein Spektakel mit Humor, Action, Rasanz und großen Schauwerten. Als Stand-alone absolut en par mit den besten Bombast-Momenten der Serie. Als Finale, als Abgesang auf die Crew und sieben Jahren des Mitfieberns ist die Episode jedoch auch eine mindestens ebenso große Frechheit. Zugestanden: Die Serie war in Sachen Struktur und Kohärenz nie perfekt: Doch weder Publikum noch Charaktere haben eine derartige Ignoranz verdient. Zurück bleibt ein absoluter Mischmasch aus mal stimmigen und dann wieder lieblosen Details, der in der Summe für das was er darstellen soll, einfach keine höhere Wertung rausschinden kann. Nur eines kann man am Ende festhalten: Die Serie erhält in gewisser Weise das einzige Finale, das sie verdient hat.
Morgen macht der Review-Countdown Pause. Nächste Woche gibt es zwei neue Episoden des Enterprise-Review-Projects: Dann am Start: Archer holt das Lasso raus und Trip wird geklont. Action und philosophische Debatten sind also vorprogrammiert.
Übersicht zum Review-Countdown
Hier findet ihr die bisher erschienenen Reviews nach Serien sortiert zum Nachlesen:
Star Trek
Where no man has gone before (Pilot)
The Conscience of the King (Klein aber fein)
Tomorrow is Yesterday (Platz 10)
A Piece of the Action (Platz 9)
Spock's Brain (Trash oder Fun?)
The Naked Time (Platz 8)
Star Trek: The Next Generation
Encounter at Farpoint (Pilot)
Lower Decks (Klein aber fein)
Data's Day (Platz 10)
First Contact (Platz 9)
Phantasms (Trash oder Fun?)
I Borg (Platz 8)
Star Trek: Deep Space Nine
Emissary (Pilot)
Nor the battle to the strong (Klein aber fein)
The Wire (Platz 10)
Hard Time (Platz 9)
Our Man Bashir (Trash oder Fun?)
The Siege of AR-588 (Platz 8)
Star Trek: Voyager
Caretaker (Pilot)
11:59 (klein aber fein)
Drone (Platz 10)
Blink of an Eye (Platz 9)
Bride of Chaotica! (Trash oder Fun?)
Star Trek: Enterprise
Broken Bow (Pilot)
Alle restlichen Reviews zur Serie (aktuell bis Anfang Season 3) findet ihr auf der Serienseite.
Star Trek: Die Kinofilme
„Star Trek: The Motion Picture“
„Star Trek: The Wrath of Khan“
„Star Trek: The Search for Spock“
„Star Trek: The Voyage Home“
Diverses
„Star Trek-Renegades“
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 21. November 2015(Star Trek: Voyager 7x26)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?