Star Trek: Voyager 5x24

Was passiert?
Seven wird von Captain Braxton vom Zeitschiff Relativity immer wieder rekrutiert, um die Voyager in der Vergangenheit vor der Zerstörung durch einen Saboteur zu bewahren. Dabei erlebt sie einige Abenteuer der Crew aus ihrem ganz speziellen Blickwinkel neu, ist jedoch letztlich auf die Hilfe einer besonderen Kollegin angewiesen…
Dies & das
- Schlendrian auf dem Autorensessel: Laut dieser Episode hat Janeway Paris angefordert, da sie ihn als Piloten für die Badlands benötigte. Allerdings kam Paris im Pilotfilm explizit nur als Beobachter an Bord („You be an observer“). Vielleicht ist dies aber auch der Beweis, dass Katie damals nicht mit offenen Karten gespielt hat. Dann jedoch würde es im Nachhinein keinen Sinn machen, dass er in den Badlands (noch) nicht ans Steuer durfte. Hier stimmt was nicht. Außerdem: In Projections äußert der Doktor, dass er erst aktiviert wurde, nachdem die Voyager schon im Delta-Quadranten angekommen war. Hier nun wurde er aber testweise bereits im Raumdock aktiviert.
- Braxton sagt am Ende von seinem ersten Auftritt, dass er nie auf der Erde gestrandet sei, da diese Zeitlinie für ihn niemals stattgefunden hat. Der aktuelle Braxton jedoch nimmt nun explizit Bezug auf seine harte Zeit auf der Erde - dank Janeway. Ergibt das einen Sinn?
- Die Aufnahmen, in denen die Kazon die USS Voyager angreifen, stammen aus Alliances und Basics Part 1
Zitate
„So, in a way the Federation owes its existence to the Borg. - You're welcome.“ (Ducane und Seven)
„See you in the 24th century. - I look forward to it. Or should I say backward? - Don't get started!“ (Janeway und Seven)
„Wait a minute let me get this straight, I'm going to go back in time to stop Braxton, but you already have him?“ (Janeway)
„Oh captain, Braxton was right about one thing: Voyager shows up on our sensors far too often. Try to avoid time travel.“ (Ducane)
„I'm sorry, sir. I'm taking command of this vessel, and I'm relieving you of duty for crimes you're going to commit.“ (Ducane)
Nostalgia
Immer wieder toll, wenn ein Anfang vollkommen unvermittelt und überraschend kommt. Janeway betritt (mit Dutt) zum ersten Mal die USS Voyager, als diese noch im Raumdock liegt. Ein offenbar befreundeter Admiral führt sie durch die Gänge und spricht mit ihr über den verschollenen Tuvok, den abtrünnigen Chakotay und Tom Paris, dem sie eine zweite Chance zu geben gedenkt. Toll! Es hätte alles so sehr nach einer liebeswerten Rückblickfolge ausgesehen, wäre kurz vor den Credits nicht eine gewissen blonde Borg (minus Implantate und mit Sternenflottenuniform ausgestattet) aufgetaucht. Was stimmt hier also nicht?
Bevor es jedoch um ihre Rolle in diesem Spiel geht, lernen wir noch den erstmals aktivierten Holodoc kennen und erfreuen uns an der Rückkehr von Lieutenant Carey, der in der normalen Zeitlinie seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen wurde.
Doch ist Seven bei all diesen Retromomenten nicht faul - im tiefsten Inneren des Schiffes sucht sie offenbar nach etwas: Nach einer Art von Waffe, die es offenbar zu entfernen oder zu zerstören gilt. Bevor die Borg jedoch Erfolg hat, muss der Einsatz abgebrochen werden. Im letzten Moment kann man sie zum Zeitschiff zurückholen. Was bleibt ist ein Rätsel für Captain Janeway an ihrem ersten Arbeitstag: Was hatte es mit den sonderbaren Werten in der Jeffries-Röhre auf sich?
Das Seven-Paradoxon
Seven materialisiert auf der USS Relativity - unter dem Kommando von Captain Braxton. Déja-vu? Braxton war für den Zwischenfall in Future's End verantwortlich und musste durch seine Einmischung Jahrzehnte als Landstreicher auf der Erde verbringen (hatte dies jedoch am Ende der genannten Episode durch den Reset eigentlich nie erlebt und somit offenkundig vergessen).
Nun ja - auch hier sorgt er trotzdem gerne wieder für Chaos: Seven stirbt durch den Transport. Nicht, dass das ein Problem für Zeitreise-Agenten wäre. Man holt sie einfach erneut aus einer anderen Zeitlinie. Doch bevor es weitere Informationen gibt, erlaubt man uns erstmal einen Blick in die uns vertraute Zeitlinie an Bord der Voyager.
Temporaler Nexus, oder was?
Dort geht es heiter und charmant zu: Geplänkel mit dem Doktor, ein Schwätzchen mit Paris über Tischtennis, Janeway leidet wie ein paar andere Crewmitglieder an leichter Raumkrankheit, Tischtennis in der Messe mit Neelix als Schiedsrichter - doch ups: Mitten im Schlag bleibt der Ball wie eingefroren stehen. Dass Neelix dann einfach weiterzählt, als er schließlich doch weiterfliegt, ist einer dieser Kalauermomente, die man so lieben muss. Nicht.
Die Crew sucht fieberhaft nach den Gründen - vor allem als auch noch Verschiebungen zwischen einzelnen Schiffsbereichen auftreten und der liebe Chakotay mehrfach in Janeways Bereitschaftsraum auftritt. Spooky!
Das Schiff steht plötzlich vor der Zerstörung, Janeway erkennt die Werte aus dem Raumdock wieder, Seven wird kurz vor knapp von den Zeitreise-Agenten entführt und alles fliegt in die Luft. Hat Brannon Braga hier eigentlich mitgeschrieben? (Antwort: Ausnahmsweise nicht.)
Der Job
Zurück auf der Relativity erfahren wir, was Braxton von Seven (zum wiederholten Male) erwartet: Sie soll eine Sabotage an der Voyager verhindern, die laut der Meinung der Zeitreisecrew durch die Kazon verursacht wurde. Bereits zweimal wurde sie geholt und scheiterte. Ein vierter Versuch ist nicht zu empfehlen, da er ihr schaden und zu einer Psychose führen könnte. Seven muss nun also endlich liefern.
Vor ihrem dritten Versuch warnt Braxton sie jedoch noch vor Janeway, die er nicht nur durch seine eigene persönliche Erfahrung als gefährlich und unberechenbar einstuft.
Sekunden später ist Seven zurück in der Vergangenheit: Mitten in einer Kazon-Attacke. Janeway hat wieder ihren Dutt, die Betonköpfe feuern sich die Finger wund und ansonsten fällt auf, wie wenig sich in den fünf Jahren innerhalb der Serie verändert hat. Erneut erkennt Janeway die Werte aus dem Raumdock, Seven findet den richtigen Ort, die Waffe ist jedoch noch nicht da. Leider kann die Borg kurz darauf Braxtons guten Rat nicht mehr befolgen: Die Crew nimmt sie fest und will Antworten. Schließlich kennt man zu dieser Zeit keine Seven of Nine und auch den Borg ist man noch gar nicht begegnet. Am Ende siegt jedoch das Vertrauen, das Janeway offenbar bereits hier spürt. Gemeinsam ertappt man den Saboteur: Captain Braxton aus einer noch weiter entfernten Zukunft. Nun wird es offenbar unübersichtlich. Der Reihe nach: Braxton will die Voyager auslöschen, um seine eigene Zeitlinie zu korrigieren, da er durch Janeways Einmischung vor den Scherben seines Lebens steht. Auf der Relativity übernimmt derweil Ducane das Kommando und inhaftiert seinen Captain Braxton vorsorglich für seine zukünftigen Verbrechen. Da jedoch der wiederum andere Braxton sofort in die Vergangenheit springt, muss Seven doch noch einmal einen eigenen Sprung wagen und gerät erneut mitten in Janeways erste Führung an Bord. Braxton springt erneut: Diesmal fünf Jahre in die Zukunft - und Seven unter Einsatz ihrer Gesundheit hinterher. Mitten im Tischtennismatch gelingt es der Borg fast, Braxton zu stoppen - geschwächt bricht sie aber zusammen. Immerhin kann sie noch ihr Alter Ego informieren und auf den Schurken ansetzen. Wir notieren: Zweimal Seven gegen zweimal Braxton.
Gemeinsam mit Janeway gelingt es: Der zweite Braxton landet in der Arrestzelle der Relativity. Two down, zero to go?
Janeway to the rescue
Es wäre zu einfach gewesen: Einen letzten Akt haben wir dann doch noch: Der Captain der Voyager persönlich wird nun rekrutiert und muss zurück zum Anfang, um das Dilemma direkt zu Beginn zu verhindern und die Zeitlinie zu säubern. Im Klartext: Da keiner der Sevens mehr zur Verfügung steht, muss Janeway den dritte Braxton festnehmen, obwohl bereits zwei auf der Relativity eingesperrt sind. Selbstverständlich. Bitte nicht weiter nachfragen. So trifft Janeway also ohne Dutt fast auf Janeway mit Dutt, stoppt Braxton bevor er seine Sabotage durchführen kann und verhindert somit das Platzieren der Waffe. Laut Ducane bleibt eine Inkursion in die Zeitlinie von 0,0036 - damit kann er leben. Und wir doch auch, oder?
Janeway und Seven dürfen zurück in ihre jeweiligen Zeitlinien. Und wir zurück in unsere Leben - ohne Zeitreisen, Paradoxien und Inkursionen. Irgendwie beruhigend.
Quatsch Comedy Club
In Episoden wie diesen sind offene Fragen Ehrensache. Der Kopf raucht, die Handlungsstränge laufen in Knoten, Kreisen und irren Windungen und hinterlassen ein Schlachtfeld aus Verwirrung. Was führt warum wozu, was bedingt was, wer verändert welche Realität wozu? Die Autoren tun oft ihr Möglichstes - scheitern aber genau wie wir Zuschauer. Warum also sind diese Episoden dennoch meist erfolgreich? Sie machen einfach Spaß. Wie dereinst „Zurück in die Zukunft“ spielen sie mit dem Konzept des „was wäre geschehen, wenn?“ und lassen uns mitleiden und unsere eigenen Entscheidungen und Taten reflektieren. In Star Trek war das lange eine sichere Bank - auch wenn die Logik oft auf eine harte Probe gestellt wurde.
The Reviewer's wife
Ein wenig gaga fand die Frau des Rezensenten diese temporalen Verzerrungen und Verschiebungen schon - Zeitreiseepisoden, die die innere Logik solcher Phänomene zu explizit untersuchen, irritieren sie. Dennoch gab es eine handwarme Empfehlung für Unterhaltung, Humor und guten Flow. Muss reichen.
Gib dem Kind einen Namen
Einer dieser typischen technischen Titel, die man auf der Voyager so gerne anbrachte, wenn die Handlung ein wenig schräg oder pseudowissenschaftlich wurde. Passt natürlich wie so oft irgendwie, ergibt aber auch erstaunlich wenig Sinn. Dass das Zeitschiff zudem wie die Folge heißt, möchte ich natürlich nicht verschweigen - im Deutschen nahm man das dann auch klammheimlich direkt mit in den Titel auf. Beides okay.
Fazit
Relativity ist eine clevere Tech-SF-Episode, die uns interessante Einblicke in die Vergangenheit erlaubt und Seven in einer neue Rolle schlüpfen lässt, die ihr wie auch die Uniform ausgezeichnet steht. Letztlich zwar erneut ein wenig kopfschmerzfördernd in Sachen Paradoxon, aber jederzeit unterhaltsam und liebenswert abgedreht.
Nächste Woche dürfte es sehr interessant werden - der erste Reboot-Film steht an und spaltet vermutlich erneut die Fanbase - ob ich aus der Nummer mit heiler Haut rauskomme?
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 12. Juni 2016(Star Trek: Voyager 5x24)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Voyager 5x24
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?