Star Trek: The Next Generation 4x11

Was passiert?
Data fertigt für Commander Maddox einen Bericht über seine Aktivitäten während eines ganz normalen Tages an. Sein besonderes Augenmerk legt er dabei auf das Thema Freundschaft. An diesem speziellen Tag steht die Hochzeit von Chief Miles O'Brien mit Keiko Ishikawa an, bei der Data den Brautvater geben darf. Außerdem kommt die vulkanische Botschafterin T'Pel mit einem geheimen Auftrag an Bord, der sich schnell zu einer brisanten politischen Angelegenheit entwickelt…
Dies & das
- Bruce Maddox versuchte in der Episode The Measure of a Man, Data in seine Obhut versetzen zu lassen, um ihn zu demontieren und weiter erforschen zu können. Inzwischen muss er sich scheinbar mit dieser Art der Informationsgewinnung begnügen.
- Dies ist der erste Auftritt von Keiko O'Brien (Ishikawa) alias Rosalind Chao in der Serie.
- Ebenfalls Datas Katze Spot ist erstmals zu sehen.
- Die Tanzszenen wurden von Gates McFadden choreographiert.
- Arboretum und Frisörsalon sind hier zum ersten Mal zu sehen.
- Zehn Episoden später wurde auf die Ereignisse rund um T'Pel in The Drumhead erneut Bezug genommen.
Ein ganz normaler Tag
„Uh, Data, I've decided not to go through with it.“ - „You do not wish to rehearse?“ - „No, I'm calling off the wedding.“ (Keiko und Data)
„She what? Cancelled the wedding? Today, without even a word?! Of all the childish, selfish irresponsible things to do!“ (O'Brien)
„This is my first officer, Commander William Riker.“ - „Leave us, please.“ - „Charming woman.“ - „The tone of Commander Riker's voice makes me suspect that he is not serious about finding Ambassador T'Pel "charming". My experience suggests that in fact he may mean the exact opposite of what he says.“ (Picard, T'Pel, Riker, Data)
„Have you ever been an actual participant in a Human wedding?“ - „No.“ - „You would not consider it an honor?“ - „An honor perhaps, but Human bonding rituals often involve a great deal of talking, and dancing and... crying.“ (Data und Worf)
„There may be a correlation between humor and sex. The need for more research is clearly indicated.“ (Data)
„Am I dancing, doctor?“ (Data)
„They don't do a lot of tap-dancing at weddings.“ - „Why?“ - „Well, Data, because... I don't really know why, Data.“ (Crusher und Data)
„Some days you get the bear, and some days the bear gets you.“ (Riker)
„There are still many human emotions I do not comprehend; anger, hatred, revenge, but I am not mystified by the desire to be loved or the need for friendship. These are things I do understand.“ (Data)

Aufs richtige Pferd gesetzt
Wenn man bei einer Episode, die einen einzelnen Charakter in den Mittelpunkt stellt, auf den Fanliebling Data (Brent Spiner) setzt und diesen mit seinem naiven, fast kindlichen Charme seine Umwelt kommentieren lässt, kann eigentlich nichts schief gehen. Data ist der unangefochtene Star dieser Episode und seines auch titelgebenden Tages. Die Handlung setzt ein, als der rührige Commander gerade seine Nachtschicht auf der Brücke beendet und folgt ihm von diesem Moment an auf Schritt und Tritt. 45 Minuten später wird erneut das Licht auf der Brücke gedimmt und eine neue Nachtschicht beginnt - natürlich mit Data.
Doch so weit sind wir noch lange nicht…
Dear Commander Maddox
Scheinbar hat der Androide seinem Peiniger Commander Maddox dessen Handlungen in The Measure of a Man nicht zu sehr übelgenommen. Wie wir erfahren, hilft er ihm nun bei dessen Studien. Im aktuellen Fall, indem er einen typischen Tag in seinem Leben beschreibt und kommentiert.
Sein erster Weg führt ihn zu Keiko O'Brien, die wir in dieser Episode zum ersten Mal erleben dürfen. Sie bereitet sich auf ihre Hochzeit mit Chief Miles O'Brien (Colm Meaney) vor, hat aber kalte Füße und bittet Data, dem Chief die „guten Nachrichten“ von der Absage der Hochzeit zu überbringen. Gut deshalb, weil O'Brien es sicher freuen wird, dass Keiko diese Entscheidung glücklich macht. Der arme Data. In seiner Naivität eröffnet er dem Chief die neue Situation mit einem Lächeln - und ist umso irritierter über dessen heftige Reaktion. In Zukunft will dann Geordi LaForge (LeVar Burton) lieber die „guten Nachrichten“ überbringen.
Bereits im Teaser macht die Episode die Gangart deutlich: Es geht darum, wie ein Sonderling wie Data, der emotional eher auf der Stufe eines Kindes steht, mit Konzepten wie Freundschaft und anderem typisch menschlichen Verhalten umgeht.

Freundschaften und tanzende Doktorinnen
Und so springt die Handlung dann auch fröhlich beschwingt von einer Begegnung zur nächsten. Zuerst trifft Data erneut auf seinen besten Kumpel Geordi, der gerade beim Schiffsfrisör einen neuen Haarschnitt bekommt. Mit Geordi kann Data herumblödeln und sich auch einmal in Dingen ausprobieren, die im Schiffsalltag sonst eher nicht möglich wären: Hier zum Beispiel die freundschaftliche Beleidigung („du Knalltüte“). Solche Szenen sind immer ein wenig albern, haben das Herz aber am rechten Fleck. Besonders wenn man hier den Abstand von über 25 Jahren einbezieht, ist Data einfach ein liebenswerter Charakter, dem man so einiges nachsehen muss.
Mit Worf (Michael Dorn) verbindet Data eine ähnliche Vergangenheit. Beide wurden als Waisen von Menschen gefunden, mit deren Werten aufgezogen und kamen schließlich zur Sternenflotte. Zwar haben wir es mit zwei absolut gegensätzlichen Charakteren zu tun, die Ähnlichkeiten sind jedoch ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Dass diese Kombination so selten gewählt wurde, verblüfft angesichts der erzählerischen Möglichkeiten eigentlich. Hier dürfen sie zumindest gemeinsam über Hochzeitsgeschenke sinnieren. Charmant!
Auf seinem Weg menschlicher zu werden, hat Data auch das Konzept des Haustieres für sich entdeckt. Spot heißt seine Katze - und auch wenn Data weder Nähe sucht, noch emotionale Bindungen aufbauen kann und Verantwortungsgefühl nicht erst erlernen muss, scheint ihm dieses Tier in seiner Nähe gut zu tun.
Den größten Gegensatz zu Data bildet an Bord sicher Deanna Troi (Marina Sirtis) - die Betazoidin ist durch ihre Gabe und ihre Empathie in keiner Weise mit dem Androiden zu vergleichen. Somit sind diese beiden Charaktere sich gegenseitig vermutlich die größten Rätsel. Troi kann Data emotional nicht greifen, Data kann ihr Innenleben nicht im Entferntesten verstehen. Die Sitzung der Beiden erinnert eher an ein große Schwester/kleiner Bruder-Verhältnis und wirkt dadurch nur umso lebendiger und - ja, niedlicher.
Dann gibt es da noch die Geschichte mit dem Tanzen. Auf einer Hochzeit soll so etwas ja vorkommen. Und laut Personalakte ist Dr. Crusher da genau die richtige Ansprechpartnerin. Schnüffeln in vertraulichen Dokumenten - sehr menschlich, Data! Oder anders ausgedrückt: Androidenlogik eben. Dr. Crusher findet das Ganze natürlich wenig amüsant, da sie nicht wieder als „der tanzende Doktor“ verschrien sein möchte. Dennoch erklärt sie sich bereit, den Kollegen zu unterrichten. Auf dem Holodeck geht es wenig später los: Mit Stepptanz. Stepptanz? Richtig, zuerst ahnt Crusher die Verbindung zur Hochzeit noch nicht. Als es ihr dann jedoch dämmert, geht es doch eher Richtung Walzer. Die ganze Sequenz ist witzig, charmant und toll gespielt. Alleine für Datas Tänzer-Lächeln am Ende hat sie sich bereits mehr als gelohnt.

Tja - und zum Schluss hätten wir dann noch die O'Brien-Krise im Angebot. Hier hatte Data ja bereits vor dem Vorspann ein wenig Porzellan zerschlagen. Nun jedoch bittet ihn ausgerechnet Chief O'Brien um Hilfe. Data soll Keiko dazu bringen, die Hochzeit doch durchzuziehen. Und trotz anfänglichen Problemen und Zickereien der Auserwählten gelingt es ihm. Die Hochzeit soll stattfinden…
Nicht nur heile Welt
Zu all diesen seichten Verstrickungen entwickelt sich noch eine Nebenhandlung um die vulkanische Botschafterin T'Pel, die die Enterprise zu Verhandlungen mit den Romulanern eskortieren soll. Auch hier bietet Data interessante Einsichten in seine Denkweise über die Logik der Vulkanier, Rikers (Jonathan Frakes) Hang zu Ironie, die Data nicht zu meistern versteht, oder die Tatsache, dass ihn unvorhersehbare Entwicklungen zum Glück nicht emotional belasten, wie eine Kurskorrektur Richtung Neutrale Zone. Dass er dabei nervös mit dem Finger auf der Konsole tippt, irritiert den Androiden dann aber wieder selber…
Data bleibt lange im Dunkeln über den Grund des Besuchs der vermeintlichen Vulkanierin. Er bemerkt sogar, dass er sich in Bezug auf sie ein „Bauchgefühl“ wünschen würde, da ihn ihre Anfragen und Handlungen verwirren.
Und vermutlich wäre dieses Bauchgefühl sinnvoll gewesen, denn T'Pel stirbt beim Versuch, auf ein romulanisches Schiff gebeamt zu werden. Vermeintlich.
Hier zeigt sich, dass Data so etwas wie ein Bauchgefühl gar nicht wirklich benötigt, wenn er schlicht das einsetzt, was ihm gegeben ist: Genauigkeit und Logik. Der Androide setzt wie Sherlock Holmes die Puzzleteile zusammen und kommt zu einer verblüffenden Theorie: T'Pel ist nicht tot. Die Enterprise fliegt zurück und stellt die Romulaner zur Rede. Doch stellt sich die Situation nochmals anders als gedacht dar: T'Pel ist in Wirklichkeit eine romulanische Spionin, die Picard und seine Crew mit ihrer Mission zurück in die Heimat gebracht haben. Ärgerlich.
Und obwohl dieser Handlungsstrang mit den seichteren Geschehnissen rund um Data nur wenig zu tun hat, gibt er doch einige interessante Einblicke in die Wahrnehmungen und Denkmuster des Androiden.
Love, Life, Humanity
Zum Schluss konzentriert sich die Handlung dann wieder auf die emotionalen Anteile der Story. Feierlich wird die Hochzeit begangen, Lt. Juarez' Baby wird geboren und von Picard (Patrick Stewart) willkommen geheißen und Data beginnt eine weitere Nachtschicht auf der Brücke. Für die Crew der Enterprise war es ein durchaus normaler Tag in einer nicht ganz normalen Welt. Für Bruce Maddox werden Datas Anmerkungen definitiv Basis für hochinteressante neue Einblicke in die Funktionsweise des Androiden sein. Und sollte Data Recht behalten, wird er irgendwann seine eigene Form der Menschlichkeit entwickeln - wenn er das nicht schon längst hat.

The Reviewer's wife
Auch der Frau des Rezensenten gefiel der leichte Ton der Episode und die vielen charmanten Anmerkungen Datas. Auch das familiäre Element innerhalb der Crew erntete Lob. Die Nebenhandlung um T'Pel gab der Episode in ihren Augen zudem einen interessanten Anstrich. Auch für sie ganz klar ein Highlight!
Gib dem Kind einen Namen
Ein simpler aber absolut perfekter Titel. Data ist der Star der Episode, alles kreist um ihn. Er beobachtet, er agiert und reagiert. Er ist Bindeglied zwischen den laufenden Operationen sowie zwischen Miles und Keiko und deren Freunden. Im Deutschen übersetzte man wörtlich: Keine Einwände.
Fazit
Im Bereich der humorvoll-leichten Episoden ist Data's Day ganz klar ein All-time-Highlight und zu Recht in dieser TOP10-Liste vertreten. Brent Spiner spielt die Naivität des Androiden mit perfekter Mimik und das potente Script glänzt mit viel Charme und Pointen. Zudem repräsentiert die politische Nebenhandlung das sonst eher ernsthafte Setting der Serie ohne den Fluss der aktuellen Handlung zu stören. Eine Ensembleshow der besten Art, die mir auch heute noch zeigt, warum die Serie mir vor so vielen Jahren dermaßen ans Herz gewachsen war…
Morgen geht es im Review-Countdown weiter mit Platz 10 von Star Trek: Deep Space Nine. Dann am Start: Bashir und „plain, simple Garak“ mit einem Kammerspiel über Einsamkeit und Angst.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 5. September 2015(Star Trek: The Next Generation 4x11)
Schauspieler in der Episode Star Trek: The Next Generation 4x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?