Star Trek: The Next Generation 3x15

Star Trek: The Next Generation 3x15

Star Trek goes Dystopia - eine düstere Stunde voller liebevoller Details, garniert mit einer erschreckenden Zukunftsvision, einer wunderbaren Rückkehr, viel Gefühl und starken Schauwerten - absolut verdient eure Nummer 4!

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: The Next Generation“-Episode „Yesterday's Enterprise“ / (c) Paramount
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: The Next Generation“-Episode „Yesterday's Enterprise“ / (c) Paramount

Was passiert?

Ein plötzlich auftretender Riss im Raum-Zeit-Kontinuum bringt nicht nur zwei Sternenflottenschiffe mit dem Namen Enterprise aus verschiedenen Zeitlinien zusammen und lockt eine Horde blutdürstender Klingonen an, sondern verändert auch die Ereignisse des 24. Jahrhunderts uns sorgt für erhebliche Komplikationen und schwerwiegende Entscheidungen…

Dies & das

  • Für Rick Berman ist dies neben The Measure Of A Man eine seiner Lieblingsepisoden.
  • Komponist Dennis McCarthy, der oft nur mit Einheitsbrei glänzte, benennt den Score zu dieser Episode ebenfalls als einen seiner liebsten und besten.
  • Tasha Yar wird während der Verteidigung des Außenpostens von den Romulanern gefangen genommen und später Sela zur Welt bringen.
  • Der Planet Archer IV, der am Ende Ziel der Crew ist, wurde offenbar nach Jonathan Archer, dem Captain der NX-01, benannt. Auch eine Art der Koninuität.
  • Der Roman „Q²“ von Peter David spielt in Teilen in der hier gezeigten, alternativen Zeitlinie. Dort geht es übrigens um ein Crossover mit den Classics und bringt Q mit Trelane zusammen. Lesenswert!

Zitate

A warrior's drink!“ (Worf)

Are you saying it is and yet it isn't there?“ (Riker)

Families. There should be children on this ship. - What? Children on the Enterprise? Guinan, we're at war! - No we're not! At least we're not... supposed to be. This is not a ship of war. This is a ship of peace.“ (Picard und Guinan)

Federation ship Enterprise, surrender and prepare to be boarded. - That will be the day.“ (Klingone und Picard)

Synchron oder weniger synchron

  • In dieser Episode bringt Guinan Worf auf den Geschmack von Pflaumensaft. In der deutschen Version machte man aus den Pflaumen aber Johannisbeeren.
  • Gen Ende gibt Picard Wesley Crusher die Anweisung, die Enterpris zu den Koordinaten 148 003 zu bringen. In der deutschen Übersetzung fehlt die 3.

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Von Pflaumensaft und Vorahnungen

Der Beginn der Episode wartet mit einer gelungenen Charakterkombination auf: Worf und Guinan sitzen zusammen in Ten Forward und tauschen sich aus. Dass die Einführung von Worfs späterem Lieblingsgetränk Pflaumensaft (in der Synchro unsinnigerweise Johannisbeerensaft) für Humor sorgt, schadet da nicht. Eine gelungene kleine Szene, mit zwei viel zu selten gepaarten Crewmitgliedern.

Doch hält sich das Drehbuch nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf. Weder Worf noch der Pflaumensaft sollen im weiteren Verlauf große Bedeutung haben - nur Guinan. Als ein Raumphänomen auftaucht und alle auf den Plan ruft, ahnt die notorische Unke aus der Schiffsbar direkt: Hier geschieht etwas Ungutes.

And now for something completely different

Einen Special-Effect später ist nichts mehr wie es war: Die Brücke der Enterprise ist dunkler, die Uniformen anders, die Kulissen wirken enger und zweckmäßiger - und als Sicherheitschef steht Tasha Yar hinter der Konsole, wo just noch Worf seinen Dienst verrichtete. Was ist hier passiert?

Immerhin ist das Raumphänomen noch dort, wo es eben schon war: Heraus kommt die USS Enterprise NCC 1701-C. Der direkte Vorgänger von Picards Schiff und seit mehr als zwanzig Jahren als zerstört geltend vermisst. Niemand scheint von der veränderten Realität Notiz zu nehmen, einzig Guinan wirkt weiterhin beunruhigt. Doch zuerst entsendet Picard nach Diskussionen über die Gefahren einer Einmischung ein Rettungsteam auf die C - neben vielen toten und verwundeten Crewmitgliedern lernt seine Crew dort auch Captain Garrett und ihren Navigator Lieutenant Castillo kennen.

Auf der D betritt inzwischen Guinan die Brücke - ein durchaus ungewöhnlicher Vorgang. Sie möchte den Captain sprechen - unter vier Augen. Und dieser traut seinen Ohren kaum. Laut seiner engen Vertrauten ist nichts auf dem Schiff so, wie es eigentlich sein sollte. Es müssten Kinder an Bord sein und der laufende Krieg gegen die Klingonen hätte nie stattfinden dürfen. Guinan richtet ihren Finger sofort auf die Enterprise-C, die ihrer Meinung nach zurück in ihre eigene Zeit muss um die Zeitlinie zu korrigieren.

Harter Tobak für einen Captain, der nichts, aber auch gar nichts von den vermeintlichen Veränderungen dieser angeblich so falschen Zeitlinie wahrnimmt.

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Lasst uns alle drüber reden

Zuerst informiert Picard seine Kollegin - diese berichtet von ihrem hoffnungslosen Kampf gegen Romulaner bei Narendra 3, einem klingonischen Außenposten. Die Beteiligung der Enterprise C ist in Picards Zeitlinie jedoch nicht verzeichnet, dort ist nur die Zerstörung und der seitdem seit über zwanzig Jahren tobende Krieg mit den Klingonen bekannt. An dieser Stelle sollten wir uns alle eine kleine Gedankennotiz machen.

Es ist erneut Zeit für ein Treffen des rationalen Anführers mit der feinfühligen Bardame. Picard möchte die Besatzung der C nicht in ein sinnloses Unterfangen schicken und ihnen so den sicheren Tod bringen. Doch Guinan beschwört ihn, genau das zu tun. Die 40 Millionen Opfer des Krieges, die Zerstörung der halben Flotte - all das hätte nie passieren dürfen. All das gilt es rückgängig zu machen. Picard wird sein Vertrauen zu Guinan auf eine harte Probe stellen müssen. Unterdessen besuchen Yar und Castillo, die sich sehr gut verstehen und an den Reparaturen der C arbeiten, Ten Forward - für Tasha ein Moment, der ihr zu denken gibt, da Guinan sich wenig feinfühlig verhält und ihr Unbehagen kaum verbergen kann.

Es kommt der Moment der Wahrheit. Picard muss entscheiden: Die C wird zurückgeschickt. Doch interessanterweise nicht zum Unbill der zeitentrückten Crew - sowohl Garrett als auch ihre Besatzung begrüßen die Rückkehr eher. Die gemeinsame Denke: So schlecht wie der aktuelle Krieg läuft, kann ein einziges Schiff mehr hier wohl nicht viel bewirken. Vor 22 Jahren aber kann dieses eine Schiff eventuell den entscheidenden Unterschied machen.

Back and Back and Back tot he Past

Leider greifen die Klingonen erneut zur Unzeit an und treffen beide Schiffe schwer - Captain Garrett stirbt bei dem Scharmützel. Doch verlässt Lt. Castillo deswegen nicht der Mut: Er möchte an ihrer Stelle die Crew in den Kampf führen.

Hier greifen wir dann auch auf unsere Gedankennotiz zurück: Riker wirft ein, dass es keine geschichtliche Aufzeichnung gibt, die besagt, dass die Enterprise C unter Castillo in die Schlacht gegen die Romulaner zog. Kunststück Herr Riker! Es gibt ja, wie wir bereits wissen, gar keine Aufzeichnungen über die Beteiligung der Enterprise C. Zumindest eben nicht in dieser veränderten Zeitlinie. Hier wuchert der erste Offizier also ganz klar mit Wissen, das er nicht besitzen dürfte, welches das Drehbuch ihm aber fälschlicherweise zugesteht.

Yar ist davon in jedem Fall völlig unbeeindruckt: Sie hält dieser Lapsus nicht von ein paar vermeintlich letzten Küsschen mit Richard Castillo ab. Die Zeitraffer-Anziehung zwischen den beiden ist dabei natürlich etwas klischeehaft aber durchaus charmant geraten und weiß zu gefallen.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: The Next Generation%26ldquo;-Episode %26bdquo;Yesterday%26#039;s Enterprise%26ldquo; © Paramount
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Danach besucht sie erneut Guinan um mehr über die andere Zeitlinie zu erfahren. Und oh Schreck: Auch Guinan hat plötzlich einen Blick in Rikers geheimes Drehbuch geworfen. Aus ihren vagen Gefühlen ist bittere Klarheit geworden. Yar ist eigentlich tot und sie weiß sogar, dass ihr Tod in der anderen Zeitlinie sinnlos war. Die Sequenz liefert zwar kompetent viel Drama und Tragik - ist aber inhaltlich eben auch eine Spur over the top. Hätte man den Riker-Satz klar streichen können, handelt es sich hier um den Kern der emotionalen Tasha-Story. Der sinnlose Tod gegen eine freie Entscheidung, etwas zu bewirken. Hier heiligte der Drehbuchzweck klar die Mittel.

Und Yar trifft diese freie Entscheidung: Sie möchte mit der Enterprise C zurückgehen und helfen. Picard versteht ihre Beweggründe, erlaubt es und macht somit den Weg frei für einen wunderbaren Character-Arc, der hier scheinbar zu einem Ende kommt, viel später aber noch einmal wichtig werden sollte…

Im Kampf gegen die erneut angreifenden Klingonen kann die Enterprise D dann nur noch das Feuer auf sich ziehen, bis die C endlich durch das Raumphänomen entkommen ist. Als sie verschwindet, verändert sich die Zeitlinie erneut. Alles ist wieder so wie es sein soll, selbst das Raumphänomen hat sich aufgelöst. Für die Crew sind die Geschehnisse ausradiert - im Normalfall kein schöner Vorgang für den Zuschauer. Durch Tashas Geschichte und der Einblick in das Leben an Bord der Enterprise C jedoch sind ein wertvoller Beitrag innerhalb der Trek-Geschichte.

Am Ende bleibt der Ball erneut bei Guinan. Zur Verwirrung der Crew kontaktiert sie die Brücke und fragt nach, ob alles in Ordnung sei. Danach setzt sie sich zu Geordi an einen Tisch und möchte alles über Tasha Yar erfahren… Ein weiterer Drehbuchlapsus? Vielleicht. Oder einfach ein starkes Gefühl. Davon hat diese Episode in jedem Fall mehr als genug.

Das Drumherum rockt

Technisch gesehen war die Serie selten besser: Die düsteren, aufwändig umgebauten Sets erschaffen eine völlig andere Atmosphäre, kleine Kniffe sorgen für unterschwellige Dramatik und die Darsteller gehen voll in ihren herberen Rollen auf. Dazu eine grandiose Whoopi Goldberg, ein Blick auf die bisher nicht gezeigte Enterprise-C und ihre Crew und eine hier wunderbare Denise Crosby, die somit Jahre nach ihren Ausstieg doch noch eine tolle Episode erhält. Nebenbei gelingt Dennis McCarthy ein guter Score und Regisseur David Carson qualifizierte sich nicht erst hier für seinen späteren Kinoeinsatz bei „Star Trek: Generations“.

The Reviewer's wife

Die Frau des Rezensenten teilte zu dessen großer Überraschung die Euphorie nicht - für sie eine zwar durchaus gute, unterhaltsame Standart-Episode, jedoch ohne großen Mehrwert gegenüber vielen anderen. Vielleicht lag es an zu viel Picard? Oder an der bei ihr wenig beliebten Tasha? Rätselhaft.

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Gib dem Kind einen Namen

Der englische Titel ist schlicht aber nostalgisch und schön. Er macht auch deutlich, dass es sich um irgendeine vergangene, nicht um eine bestimmte Enterprise handelt. Im Deutschen kommt das weniger heraus - hier vermutet man direkt stärker, es würde um die durch Kirk & Co bekannte Enterprise gehen. Das ist jedoch Klagen auf hohem Niveau. Beide Titel sind vollkommen in Ordnung.

Fazit

Die Serie zelebriert eine alternative Zeitlinie, die jede Sekunde fesselt und mit einem der besten Charaktercomebacks aufwartet, die die Serie hervorgebracht hat. Ein würdiger verspäteter Abschied von Tasha Yar und eine insgesamt erstaunlich fokussierte Episode, die sich war kleine Schnitzer im Drehbuch erlaubt, diese aber derart unterhaltsam und spannend überspielt, dass die Höchstwertung angebracht ist.

Morgen geht es an Bord der NX-01 mit viel Stunk weiter Richtung Finale. Nächste Woche geht es dann um die wohl deutlichste Richtungsänderung einer Trek-Serie in einem packenden Zweiteiler.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 2. April 2016
Episode
Staffel 3, Episode 15
(Star Trek: The Next Generation 3x15)
Deutscher Titel der Episode
Die alte Enterprise
Titel der Episode im Original
Yesterday's Enterprise
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 19. Februar 1990
Autoren
Cacey Riggan, Sonja Sohn, Manao Demuth, Robb Cullen, Brian Haley
Regisseure
Kiele Sanchez, Jennifer Irwin, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Star Trek: The Next Generation 3x15

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