Star Trek: The Next Generation 2x16

Star Trek: The Next Generation 2x16

Eine Serie wird plötzlich erwachsen: Mit dem dritten Auftauchen des diabolischen Q flankiert von einem gnadenlosen, neuen Feind entblĂ¶ĂŸt die Serie mitten in einer eher unspektakulĂ€ren zweiten Staffel ihr Potential. Ein Alltime-Highlight & euer Platz 5!

Was passiert?

Q taucht auf der Enterprise auf und möchte sich als FĂŒhrer durch die Galaxie der Crew anschließen. Da sein Angebot jedoch auf strikte Ablehnung durch Captain Picard stĂ¶ĂŸt, schleudert er das Schiff in die NĂ€he eines bisher noch völlig unbekannten neuen Feindes, der nicht nur skrupellos und ĂŒbermĂ€chtig wirkt, sondern Qs Angebot nachtrĂ€glich auch in einem völlig neuen Licht erscheinen lĂ€sst


Dies & das

  • Diana Muldaur (Pulaski) spielte in dieser Episode nicht mit.
  • Die Episode gewann 1989 zwei Emmys in den Kategorien „Hervorragende Sound-Bearbeitung“ und „Hervorragende Sound-Abmischung“. Sie war zusĂ€tzlich fĂŒr einen Emmy in der Kategorie „Hervorragende Optische Spezialeffekte“ nominiert.
  • Wer sich fĂŒr die sehr komplexen KontinuitĂ€tsfragen bezĂŒglich des ersten Kontakts mit den Borg interessiert, kann sich gerne einen Blick auf mein Review zur Episode aus Star Trek: Enterprise namens Regeneration gönnen, bei der ich versucht habe, Licht ins Dunkel zu bringen.
  • Autor Maurice Hurley hatte den neuen großen Gegenspieler nach den jĂ€mmerlich gescheiterten Ferengi zuerst als Insekten geplant - letztlich wurden es jedoch die budgetfreundlicheren Cyborgs.
  • Sonya Gomez spielte noch ein zweites Mal in Samaritan Snare mit. Der Charakter schaffte es jedoch als Hauptfigur in die Romanreihe “Star Trek: Starfleet Corps of Engineers“. Schauspielerin Lycia Naff ist vielen sicher als „Frau mit drei BrĂŒsten“ aus der Originalversion von „Total Recall“ bekannt.

Qified

„The chance to study you is, frankly, provocative, but you are next of kin to chaos.“ (Picard)

„Ah, the redoubtable Commander Riker! And Microbrain! Growl for me, let me know you still care!“ (Q)

„Admit it, Picard. You're out of your league. You should have stayed where you belong!“ (Q)

„Why? Why, to give you a taste of your future, a preview of things to come. Con permiso, capitĂĄn? The hall is rented, the orchestra engaged. It's now time to see if you can dance.“ (Q)

„If you can't take a little bloody nose, maybe you ought to go back home and crawl under your bed. It's not safe out here. It's wondrous, with treasures to satiate desires both subtle and gross. But it's not for the timid.“ (Q)

Ein total gebrauchter Tag fĂŒr den Captain

Bevor die Serie mit der aktuellen Episode die großen Kanonen auspackte, durfte es erst einmal wieder ein wenig menscheln - immer eine StĂ€rke des zweiten Ablegers. Wir lernen ein neues Crewmitglied kennen, Ensign Sonya Gomez, die sich in ihrer Schicht mit LaForge besonders durch plappern und nervöses Rumhampeln auszeichnet. Wie passend, dass sie den just bestellten heißen Kakao bei der ersten Begegnung mit ihrem neuen Captain ĂŒber die Uniformjacke Picards schĂŒttet. Ja, auch sowas gibt es auf dem Flaggschiff der Sternenflotte.

Picard entschwindet Richtung seines Quartiers und einer frischen Uniform und LaForge merkt an, dass er die „Neue“ wohl nicht so schnell wird vergessen können. Arme Sonya.

Doch wird Picard direkt abgelenkt - denn aus dem Turbolift geht es nicht in den gewohnten Gang zu den Offiziersquartieren, sondern auf ein Shuttle (oder wie die Synchronisation unendlich hĂ€ufig zelebriert: Shuttle-Schiff). Mit an Bord: der immer lĂ€stige Q! Besser hĂ€tte der Tag des Captains vermutlich nicht anfangen können


Kein unmoralisches Angebot

WĂ€hrend man sich fragt, was mit Q und Picard vor sich gehen wird, menschelt es auf der Enterprise erstmal weiter. Laforge nutzt das Kakao-Desaster und beschließt, mit Sonya ein wenig Zeit in 10 Forward zu verbringen - Coaching gegen ihre NervositĂ€t eingeschlossen. Dass sich die Dialoge dabei zunehmend im Kreis drehen und wĂ€hrend einer Szene, in der Guinan Böses ahnend aus dem Fenster schaut, fast schon in kaum ertrĂ€gliches Gefasel ausarten, ist dabei Nebensache. Es soll vermutlich den Kontrast zwischen drohender Gefahr und Nichtigkeiten im Schiffsalltag schĂ€rfen und ĂŒberzieht dabei schlicht ein wenig. Man möchte hoffen, dass Geordi im Normalfall zu etwas intelligenterer und weniger redundanter Konversation mit einer Frau fĂ€hig ist


Guinan ist in jedem Fall derart unwohl zumute, dass sie zum ersten Mal in ihrer Zeit auf dem Schiff die BrĂŒcke ruft - nur um abzuklopfen, ob dort alles in Ordnung ist. Das wundert nicht nur Riker und Worf


Doch noch ahnt niemand, dass Picard ungewollt aushĂ€usig ist. Dieser befindet sich irgendwo zwischen kindischem Schmollen und aggressivem Zicken. Zumindest erleben wir nicht, dass er Q auch nur einmal konkret fragen wĂŒrde, was dieser denn wolle. Erst, als auf der Enterprise dann doch noch Panik ausbricht, weil Captain und Shuttle-Schiff (jaul) verlustig gegangen sind, kommen die beiden StreithĂ€hne zu einem Kompromiss. Q darf die Enterprise betreten und endlich kommt man ins GesprĂ€ch.

Doch da ist ja noch Guinan, die in einem plötzlich völlig leeren 10 Forward (alle von Q weggezaubert?) von unterhalb ihres Tresens auftaucht (sehr skurril) und ihre offene Feindseligkeit demonstriert: Ja, die beiden kennen sich. Von ihrer belasteten Geschichte erfahren wir jedoch leider hier (und auch spÀter) nichts.

Doch was will Q eigentlich diesmal? Die simple Antwort: Helfen! Doch zuerst bekommt der hinzueilende Worf einen der besten Q-SprĂŒche der Serie ab („And Microbrain! Growl for me, let me know you still care!“). So etwas lockert die Stimmung und macht fast jeden zugĂ€nglich fĂŒr tolle Angebote. Oder doch nicht? Weder Picard noch der Rest sind begeistert von Qs Anliegen. Und obwohl er sogar bereit wĂ€re, auf seine FĂ€higkeiten zu verzichten, um ein Teil der Crew zu werden, lehnt Picard ab. Qs EinwĂ€nde, man sei nicht bereit fĂŒr das was in naher Zukunft kommen werde, wischt der Captain einfach weg und demonstriert StĂ€rke und Überzeugung. Oder wie Q es ausdrĂŒckt: Arroganz und SelbstgefĂ€lligkeit. Recht haben beide.

Wie dem auch sei: Nun ist Q beleidigt und schnippt das Schiff mir nichts dir nichts 7000 Lichtjahre von der letzten Position. Mit Maximalwarp wĂŒrde es nun 2 Jahre und 7 Monate dauern, die nĂ€chste Sternenbasis zu erreichen. Noch nie war man so weit draußen - und wenn man Guinan nach Qs Abgang Glauben schenken darf, sollte man auch schleunigste umkehren


Widerstand ist hier wohl wirklich zwecklos

Und tatsĂ€chlich: Es sieht nicht rosig aus. Ein kubusförmiges Raumschiff erscheint - und auch wenn man uns hier noch den spĂ€teren Schweden-Gag erspart, nennt man die unbekannten Fremden auch in dieser Episode schon die Borg. Guinan kennt sie und wird somit zur gefragtesten Person an Bord, was sie zu einigen Ă€ußerst dramatisch-kryptischen Aussagen verleitet. Whoopie Goldberg spielt die mysteriöse Außerirdische dabei wie immer wunderbar und bereichert den Hauptcast spielend.

Auch Geordi hat nach seinen Eskapaden mit Sonya weiter gut zu tun: Ein nicht eingeladener Besucher taucht im Maschinenraum auf und werkelt nach anfĂ€nglichem Schauen stumm an den Konsolen herum. Worfs zweiter Schuss sitzt - ein Kollege muss erscheinen, den Job beenden und seinen offenbar toten Freund mitnehmen. Die KostĂŒme der Borg kann man hier gerade im Vergleich zu spĂ€ter durchaus als rudimentĂ€r bezeichnen. Dennoch ĂŒberzeugen sie bereits durch ihre Andersartigkeit.

Die Crew ist angemessen beeindruckt und muss erstmal eine Besprechung abhalten - auch Guinan darf dabei sein und erneut mit Wissen glĂ€nzen. Doch wird man durch einen feindseligen Akt der Borg unterbrochen - ein Traktorstrahl hĂ€lt das Schiff fest und zuerst auch den Phasern stand. Die Borg schneiden gar mehrere Decks aus der HĂŒlle - 18 vermisste Crewmitglieder sind die Folge. Nun hat Worf genug, justiert seine Phaser nochmal neu und tatsĂ€chlich - der Traktorstrahl fĂ€llt aus und man wĂ€re frei fĂŒr den schnellstmöglichen Warp Richtung Heimat.

Doch nicht mit einer Starfleet-Crew. Gerade gestern machte ich mich im Review zu The Tholian Web darĂŒber lustig, dass Spock just zur Eile mahnte um direkt danach eine Besprechung abzuhalten. Hier haben wir nun einen Ă€hnlichen Fall: Man wollte dringend dem Strahl der Borg entrinnen, schafft es schließlich und bleibt trotzdem wo man war - und redet erstmal in Ruhe drĂŒber. Forscherdrang hin oder her - doch irgendwie ist das auch ziemlich gaga, oder?

Riskante Mission ins Zentrum der Macht

In jedem Fall wird ein höflicher Gegenbesuch beschlossen - Riker, Data und Worf wagen sich auf unbekanntes Terrain um mehr ĂŒber den Gegner zu erfahren. So sind sie halt.

Die Exkursion ins Innere des Kubus wurde dabei großartig umgesetzt - Kulissen, KostĂŒme, AtmosphĂ€re, Soundeffekte - alles top. Dazu ein wunderbares Matte-Painting, das in der HD-Neu-Bearbeitung sogar noch besser zur Geltung kommt. Wunderbar. Ideen wie die SĂ€uglingsstation schaffen eine befremdliche Stimmung, die dieser neuen Bedrohlichkeit der Serie wunderbar Rechnung trĂ€gt.

Als Data erkennt, dass das Schiff sich offenbar regeneriert, bricht dann aber tatsĂ€chlich echte Eile aus. ZurĂŒck zum Schiff, volle Pulle voraus und weg.

Leider sind die Borg schon wieder in ganz guter Verfassung - mit den Verfolgern im Schlepptau rast man gen Heimat - und muss noch die hĂ€mischen Kommentare Qs ertragen. BeschĂ€digen lĂ€sst sich das Schiff nicht mehr, die Schilde versagen und das Ende naht. HĂ€tte die Enterprise nicht einen Captain, der Fehler eingestehen kann. Picard sagt Q, dass er ihn braucht - und dieser schnippt das Schiff zurĂŒck an den Ausgangsort der Reise.

Was bleibt ist eine Lektion - teuer erkauft mit dem Leben von 18 Crewmitgliedern. Doch wie der allmÀchtige Nervtöter richtig sagt: Das All ist gefÀhrlich und man darf keine Angst haben, sich eine blutige Nase zu holen.

Musings of a diplomat and his alien friend

Als man just schon dachte, das Schiff wĂŒrde in oft praktizierter Manier nun einfach gen Abspann schweben, erhalten wir noch einen schönen Nachklapp, der die Geschehnisse einrahmt. Picard und Guinan spielen Schach und philosophieren ĂŒber die drohende und nun zumindest bekannte Gefahr. Vielleicht hat Q der Menschheit ja letztlich einen Dienst erwiesen - man hat nun immerhin die Chance, sich vorzubereiten. Ob das reichen wird? Wir sprechen uns bei Wolf 359.

The Reviewer's wife

FĂŒr die Frau des Rezensenten, die natĂŒrlich Anfang der 90er, als die Folge erstmals im deutschen TV lief, nicht denselben Aha-Effekt wie ihr Mann hatte, war es nur eine gute Okay-Episode. Klar: Sie mag Q nicht, Picard ist auch nicht ihr grĂ¶ĂŸter Held und die Borg sind hier natĂŒrlich noch besonders in Sachen Make-up und Inszenierung im Anfangsstadium - heutzutage mag man es hölzern nennen. Dennoch gefiel sie ihr, nur ein Highlight wĂŒrde sie sie wohl nicht nennen. Herrlich am Rande: Q erinnert sie immer daran, wie unsere Tochter mit zwei Jahren war. Will alles haben, will nichts einsehen und ist stĂ€ndig beleidigt. Aber nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Die Kleine ist inzwischen 5 und ganz wunderbar...

Gib dem Kind einen Namen

Interessanterweise spielt der Titel nur mit dem Namen Q - ein spĂ€ter immer wieder genutzter Kniff. Dabei geht es hier eigentlich gar nicht um die Frage, um wen oder was es sich bei dem unliebsamen Dauergast handelt. Sinn ergibt der Titel abseits der Coolness also kaum. Durch ein durchaus verbreitetes MissverstĂ€ndnis kam es zudem wohl zur sinnfreien deutschen Übersetzung mit dem Zeitsprung. Offenbar verwechselte man hier Entfernung und Zeitraum. Auch kein MeisterstĂŒck.

Fazit

Auf einmal war die Serie mitten in ihrer zweiten Staffel zu etwas GrĂ¶ĂŸerem geworden. Auf einmal kam eine Dringlichkeit ins Spiel und vermischte sich mit der latenten und unerwarteten Gefahr aus der Ferne zu einer spannenden Basis fĂŒr die weitere Serie. Dazu gab es einen erneut bestens aufgelegten John de Lancie, eine starke Whoopi Goldberg und auch heute noch starkes Set-Design - fertig war der erste Klassiker der zweiten Trek-Inkarnation.

NĂ€chste Woche wechseln wir nach DS9 und auf die Voyager - auf der Station geht es um ein Duett der besonderen Art, auf dem fliegenden Wal im weitesten Sinne um Pfadfinder.

Verfasser: Björn SĂŒlter am Sonntag, 28. Februar 2016
Episode
Staffel 2, Episode 16
(Star Trek: The Next Generation 2x16)
Deutscher Titel der Episode
Zeitsprung mit Q
Titel der Episode im Original
Q Who?
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 8. Mai 1989
Autoren
Cacey Riggan, Ashley Williams, Cacey Riggan
Regisseure
Kiele Sanchez, Adam Clark, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode Star Trek: The Next Generation 2x16

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?