Star Trek: The Next Generation 1x01

Was passiert?
Captain Jean-Luc Picard übernimmt das Kommando über das neue Flaggschiff der Sternenflotte, die USS Enterprise NCC-1701 D. Doch bereits auf seiner ersten Mission taucht aus dem Nichts ein allmächtiges Wesen namens Q auf und stellt die Menschheit für ihre gewalttätig-wilde Vergangenheit und Unbelehrbarkeit kollektiv vor Gericht. Picard und seine neue Crew erhalten jedoch die Chance sich zu beweisen. Sie sollen ein Rätsel auf der abgelegenen Sternenbasis Farpoint Station aufklären und der Menschheit somit eine zweite Chance verschaffen…
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Star Trek: The Original Series
Star Trek: The Next Generation
Die Serie - Einblick und Ausblick
Nachdem der Versuch, „Star Trek“ erneut auf den Fernsehschirm zu bringen, in den frühen Siebzigern daran gescheitert war, dass man sich bei Paramount für die Kinovariante entschied, war lange unklar, ob es überhaupt irgendwann eine Neuauflage im TV geben würde.
Als 1985 dann bekanntgegeben wurde, dass Gene Roddenberry an genau dieser neuen Serie nun doch arbeitete, begannen kontroverse Diskussionen unter den langjährigen Anhängern der Crew um James T. Kirk - konnte und durfte es eine Serie ohne die bekannten Helden überhaupt geben? Wäre das dann überhaupt noch „Star Trek“?
Doch aller Unkenrufe fanatischer Kirk-Verfechter zum Trotz startete die „nächste Generation“ am 28.09.1987 in den USA in eine quotentechnisch starke (durchschnittlich sahen 10,9 Millionen Zuschauer zu), aber qualitativ verbesserungswürdige erste Staffel. So heizten die häufig zu sehr an den Sechzigern angelehnten Handlungen und Kulissen die Anti-Picard-Stimmung vorerst eher noch an.
Die zweite Staffel konnte die Einschaltquoten jedoch bestätigen - 10,2 Millionen waren dauerhaft dabei. Auch die Qualität zog definitiv an. Doch erst mit der dritten Staffel verstummten nach und nach auch die Qualitäts-Diskussionen - die Crew um den britischen Darsteller Patrick Stewart hatte auch dem letzten Kritiker die Argumente geraubt. 10,4 Millionen Menschen waren auch im dritten Jahr durchschnittlich an Bord. Mit 11,3 Millionen in Staffel 4, 12,5 Millionen in Staffel 5 und 6 und letztlich 12,3 Millionen durchschnittlich in Staffel 7 generierte die Serie sogar Rekord um Rekord.
Meistgesehene Episoden waren über die Jahre der Pilotfilm Encounter at Farpoint (15,7 Mio), die Doppelfolge Unification mit Leonard Nimoy (15,4 Mio) und der Abschlussfilm All Good Things (17,4 Mio).
Spitzenquoten, die „Star Trek“ abgesehen vom Star Trek: Voyager-Piloten Caretaker mit grandiosen 21,3 Mio nie wieder erreichen sollte… von den fantastischen Durchschnittsquoten ganz zu Schweigen.
Dass die Serie nach starken sieben Staffeln und bis heute für „Trek“-Verhältnisse ungeschlagenen 178 Episoden Kirk & Co. sogar erfolgreich im Kino beerbte und mit „Star Trek: Generations“, „Star Trek: First Contact“, „Star Trek: Insurrection“ und „Star Trek: Nemesis“ sogar insgesamt viermal dort antreten durfte, verdeutlicht die Ausnahmestellung dieser Inkarnation.
Star Trek: The Next Generation ist die letzte Serie, die federführend von Gene Roddenberry entwickelt wurde. Allein deswegen wird sie für immer unsterblich bleiben - es war sein letzter Gruß an die treue Fangemeinde, die dieses Phänomen überhaupt erst möglich gemacht hat.
Die Welt, als es begann
Ende der Achtzigerjahre entsprach das Bild einer Führungsperson nicht mehr dem eines wilden Cowboys, der jeder Schürze nachjagt. Somit - und sicherlich auch zur inhaltlichen Abgrenzung zum Vorgänger - legte man den Captain nun konsequent als älteren und weiseren Diplomaten und Schöngeist an - eine drastische Abkehr von der Rolle des Captain Kirk. In das entstandene Vakuum des Sunnyboys und Womanizers schrieb man Commander Riker (Jonathan Frakes), der somit einige der Kirk-bekannten Eigenschaften erhielt.
Auch das Bild der Frau hatte sich gewandelt: Hatte es in den Sechzigern gerade so für die Rolle der Assistentin und Kommunikationsoffizierin gereicht, waren nun eine Chefärztin, eine Sicherheitschefin und eine Beraterin fest mit an Bord - zwei davon sogar primär auf der Brücke. Drei starke Frauenrollen, die alle in ihren Bereichen Leitungsfunktion besetzten. Was bei der Originalserie die Einbeziehung von Minderheiten oder Feindbildern (Asiate, Russe) oder sogar eines Außerirdischen war, wurde hier nun durch einen Androiden, einen Klingonen und einen blinden Farbigen erreicht. Geordi LaForge wurde somit der erste Hauptcharakter mit einer offensichtlichen körperlichen Einschränkung - und somit zur Inspiration für viele Menschen weltweit. Vielfalt damals wie heute.
Science-Fiction, als es begann
Zu Zeiten der Classic-Serie war „Star Trek“ auf dem SF-Markt in seiner Form nahezu konkurrenzlos gewesen. Seitdem jedoch hatte sich das Bild ein wenig verändert. Eine neue Vielfalt im TV war entstanden und die Zuschauer konzentrierten sich nicht mehr nur auf wenige Sender und ein sehr überschaubares Angebot.
Auch im Bereich SF im TV hatte sich etwas getan. Kurzzeitige Phänomene wie die erste Inkarnation von Battlestar Galactica, Captain Future oder Space: 1999 erschienen auf der Bildfläche. Von 1977 bis 1983 hielt die „Star Wars“-Saga die Welt im Kino in Atem. Kurzum: es war nicht sicher, ob sich eine neue „Star Trek“-Serie so einfach würde behaupten können. Dazu die nostalgisch verklärte Sicht auf den eigenen Vorgänger. Die Messlatte lag hier bereits eine ganze Ecke höher.

Star Trek, als es begann
Nach der Absetzung der Originalserie, der nicht gänzlich erfolgreichen Zeichentrickserie, der nie realisierten zweiten Fernsehserie Ende der Siebziger und letztlich dem Start der Kinoreihe im Jahr 1979 hatte „Star Trek“ sich durchaus zu einem präsenten Medienphänomen entwickelt. Man liebte die Darsteller und ihre Rollen wurden zu Ikonen. Der große kreative wie finanzielle Erfolg von „Star Trek: The Voyage Home“ Ende 1986 war sicher einer der besten Gründe, eine neue Fernsehserie in Aussicht zu stellen.
Die Fans gierten zwar nach neuen Geschichten, waren jedoch auch besorgt, ob eine neue Gruppe Darsteller funktionieren würde. Die viel zitierte Toleranz der „Trekker“ wurde schnell auf eine harte Probe gestellt. Im Allgemeinen wurde der „Next Generation“ keine außerordentlich lange Lebenszeit prognostiziert. Sogar ein Patrick Stewart verpflichtete sich letztlich nur für die Serie, da er von seinem Agenten den Hinweis bekam, nach einem Jahr wäre eh Schluss. Dass dem nicht so war, ist heute bereits wieder Geschichte…
Ich, als es begann
Angefixt durch die Originalserie und die ersten Kinofilme freute ich mich auf die neue Serie - aufgrund meines Alters (ich wurde zu Zeiten der deutschen Ausstrahlung 1990 gerade mal 13 Jahre alt) war die „Trek“-Wiederbelebung für mich natürlich keine so große Sache wie für Fans der ersten Stunde. Ich war sozusagen in die Sache hineingeschlittert und es war seitdem immer etwas zum Schauen vorhanden gewesen. So ging ich vermutlich auch vorurteilsfreier an die neue Serie heran - und wurde letztlich sogar ein größerer Fan von Picard & Co als ich es von der Originalserie gewesen war.
Im Großen und Ganzen war es ein ziemlich unbelastetes Alter zwischen Schule, Freunden und dem Kopf voller irrelevanter Dinge. „Star Trek“ schaffte jedoch auch immer eine Erdung und leistete eine Fokussierung auf Themen außerhalb des eigenen Mikrokosmos. Gerade was die Schulung eines jungen Geistes angeht, ist „Star Trek: The Next Generation“ mit seiner positiven Sichtweise, dem meist konfliktfreien Miteinander, den hohen Werten und Grundsätzen und der Suche nach friedlicher Koexistenz und dem unbändigen Forscherdrang damals ein Segen gewesen. Etwas, das vielen späteren und heutigen Serien (in und außerhalb „Star Trek“) und damit auch Generationen von jungen Menschen im Medium TV schlicht fehlt.
Dies & das
- Q (John de Lancie) war ursprünglich nur für den Pilotfilm eingeplant - seine Performance und seine Beliebtheit führten jedoch zu unzähligen weiteren Auftritten über die Serie hinaus. Dass er überhaupt dabei war lag nur an Paramounts Wunsch, eine Doppelfolge als Pilotfilm senden zu können.
- In einer frühen Drehbuchphase gab es noch einige interessante Namensvarianten: Captain Julien Picard, Sicherheitschefin Macha Hernandez (heieiei…) und Wesley Crusher sollte erst eine Leslie werden (das hätte uns zumindest einige fiese Pullover erspart).
- Es handelt sich hier um den letzten TV-Auftritt von DeForrest Kelley vor seinem Tod 1999.
- Colm Meaney - später in der Serie und viel später in Star Trek: Deep Space Nine nicht mehr wegzudenken - hat hier bereits einen Auftritt als Offizier auf der Kampfbrücke.
- 1990 hatte die deutsche Firma Karussel die Idee, die neue Trek-Serie als Hörspielreihe auf den Markt zu bringen. Leider war dieser Versuch nicht sehr erfolgreich und wurde bereits nach der zehnten Kassette beendet. Dennoch sind die wenigen Ausgaben für Liebhaber und Sammler begehrte Raritäten.
- Der Computer wird hier noch nicht von Majel Barrett-Roddenberry gesprochen.
Die Synchronisation
Für mich ist es bei dieser Serie schwieriger eine Bewertung der Synchronisation zu finden, da ich durch das langjährige Schauen der deutschen Folgen eine Art Verbundenheit mit den Synchronstimmen entwickelt habe. Dennoch muss festgehalten werden, dass insbesondere Troi und Worf eher schlecht wegkommen. Auch sind die späteren Sprecherwechsel (Picard, Troi, Guinan, Crusher) nicht durchweg von Vorteil gewesen. Ansonsten werde ich mich aus sentimentalen Gründen mit einer zu scharfen Kritik zurückhalten - den Erinnerungen zuliebe, die ich mit der deutschen Version verbinde.
1987 gab es übrigens noch eine weitere Veröffentlichung von CIC-Video, bevor die ersten Episoden ihren Weg ins Fernsehen fanden. Das interessante daran sind im Nachhinein die anderen Synchronstimmen. So wird zum Beispiel Geordi vom Synchronsprecher des Michael Knight (Knight Rider) deutlich zynischer gesprochen, Picard hat eine viel jüngere Stimme, Worf brummelt noch viel mehr als im Original - nur Data ist ähnlich. Das Beste aber ist der Sprecher des Intros: Es handelte sich hier um Hans Paetsch, den Märchenonkel vieler Hörspiele. Er hat zum Beispiel auch bei Serien wie „Hanni und Nanni“ oder „Hui Buh“ den Erzähler gegeben... Was für eine verrückte Wahl, wenngleich durch seine Mitwirkung als Erzähler in Kampfstern Galactica vielleicht nachvollziehbar.
Synchro-Anomalien
- Nicht Captain Picard spricht korrekterweise den Introtext, sondern ein Unbekannter.
Jeder bekommt den Dialog, den er verdient
„I don't see no points on your ears, boy, but you sound like a Vulcan!“ - „No, sir. I am an android.“ - „Hmph. Almost as bad.“ (McCoy und Data)
„Well, this is a new ship, but she's got the right name. Now you remember that, you hear?“ - „I will, sir.“ - „You treat her like a lady, and she'll always bring you home.“ (McCoy und Data)
„I am superior, sir, in many ways. But I would gladly give it up, to be human.“ - „Nice to meet you, Pinocchio.“ (Data und Riker)
„He's frozen!“ (Troi in einem hellen Moment)
„Something's happening, sir!“ (Worf, auch heller Moment)

Träne im Knopfloch
Wir schreiben den 14. September 1990. ZDF. Ein Junge sitzt vor dem heimischen Fernseher. Und zu Beginn ist Staunen. Der neue Vorspann weckt sofort nostalgische Gefühle, überzeugt jedoch auch direkt mit Dramatik und militärischem Flair. Und dann schwebt sie ins Bild, die neue NCC 1701-D. Damals schier atemberaubend und auch heute noch - besonders in prächtigem HD - ein wunderschönes Design und als Gesamtpaket ein toller Einstieg in eine auch jetzt noch so ferne Welt.
Star Trek: The Next Generation war die erste „Trek“-Serie, bei der der Rezensent von Beginn an dabei war. So etwas verbindet. So etwas verklärt eventuell auch. Dennoch soll eine faire und objektiv nachvollziehbare Kritik im Bereich des Möglichen liegen. Also, weg mit den Taschentüchern - und an die Arbeit!
Im Schweinsgalopp ins Abenteuer
Es blieb auch keine Zeit, in Bewunderung für das neue Schiff zu schwelgen. Der Pilotfilm führt zwar wunderschön mit einem Monolog des neuen Captain Jean-Luc Picard in die Handlung ein und lässt uns gemeinsam mit ihm die neue, imposante Brücke betreten, legt aber dennoch schon nach wenigen Minuten ein äußerst rasantes Tempo vor. Kaum ist man auf dem Weg, die restliche Crew auf Farpoint Station einzusammeln, wird das Schiff von einem Energiefeld festgehalten.
Auftritt Q. John de Lancie reißt mit seiner Performance sofort das Geschehen an sich. Zwischen ihm und Patrick Stewart entsteht aus dem Nichts ein Spannungsfeld aus scharfen Dialogen und offener Antipathie. Wobei Q auch hier schon der Part des ironisch konternden und unantastbaren Überwesens zufällt und Picard versucht, ihn mit Werten, Moralvorstellungen und deutlichen Worten in Schach zu halten.
Und auch inhaltlich geht es direkt ans Eingemachte. Qs Vorwürfe: Die Menschheit sei zu weit ins All vorgedrungen, Menschen wären nicht in der Lage, ihre wilden und primitiven Instinkte abzulegen und immer wieder wiederhole sich in der Geschichte der Menschheit das gleiche Muster: Unterdrückung, Gewalt und Dummheit. Harte Worte - und sicher nicht komplett aus der Luft gegriffen. Picard wird somit direkt zum Anwalt der Menschheit - und der Zuschauer. Eine gute Entscheidung, die ihn in ein moralisches Dilemma bringt, welches jeden sofort eindeutig Partei ergreifen lässt - so sehr man Q vielleicht auch teilweise zustimmen müsste. Ein kurzes und sehr unterhaltsames Scharmützel später hat Picard Q auf eine Idee gebracht - der ungebetene Gast verschwindet vorerst.
Doch auch jetzt verliert die Episode keine Zeit - dabei wäre eine kurze Analyse der Situation mit den vorhandenen Offizieren vielleicht logisch und sinnvoll gewesen. Gerade weil der Captain eben noch gar nicht vertraut mit Schiff und Besatzung ist. Aber nein. Picard ergreift die Initiative und lässt den neuen Antrieb Schwerstarbeit leisten. Nach nur 15 Minuten wird bereits die Crew in die Untertassensektion evakuiert und die Separation des Schiffes bei hohem Warp durchgeführt.
Und hier spürt man den Stolz der Produzenten auf ihr Schiff und diese neue Spielerei. Unterlegt mit der Titelmusik (sehr ungewöhnlich) fließt hier der Pathos eimerweise aus den Lautsprechern. Und das ist gar nicht ketzerisch zu verstehen - ich kann diesen Stolz nachvollziehen und war damals auch beeindruckt. Heute birgt es jedoch auch einen etwas entrückten Charme, der zum Schmunzeln einlädt.
Unaufgeregt durch die Krise
Doch Separation und Vollgas hin oder her - so leicht gibt es kein Entkommen vor Q. Nur Minuten später finden sich Picard, Yar, Troi und Data vor einem Gericht wieder, das der post-atomaren Schreckenszeit auf der Erde nachempfunden ist.
O'Brien (der hier noch keinen Namen hat) verbleibt auf der Kampfbrücke. Auch stutzig? Zwei Menschen (davon eine Frau, die nicht auf der Erde geboren und aufgewachsen ist), eine Betazoidin und ein Android müssen sich für die Taten der Menschheit vor Gericht verantworten und der einzige, der auf der Kampfbrücke zurückgelassen wird ist ein weiterer Mensch? Hmm. Zumindest eine sonderbare Wahl des lieben Q und wieder einer dieser Momente, wo die Notwendigkeit, die relevanten Charaktere in eine Szene zu integrieren höher gewichtet wird als die Logik der Handlung. Nicht schlimm, aber zumindest erwähnenswert.
Inhaltlich und in seiner Funktion als Richter wählt Q hier den Weg, die Menschheit mit ihren eigenen Waffen zu schlagen - ihr einen Spiegel vorzuhalten. Natürlich wühlt er ganz plakativ eine Zeit heraus, die sich perfekt eignet die Schwächen der Spezies vorzuführen. Und natürlich handelt es sich hier nur um eine sehr eingeschränkte Sichtweise - ein reines Mittel zum Zweck also.
Was Dialoge und Unterhaltungswert der Szene angeht gibt es hier aber keine Einwände. Die Diskussionen zwischen Picard und Q sind definitiv Highlights des Pilotfilms und qualitativ einen ganzen Schritt höher anzusiedeln als viele andere Wortbeiträge. Am Ende der Verhandlung steht eine Probezeit - die Crew darf auf Farpoint Station beweisen, dass Q sich irrt. Jahrmillionen durch das Lösen eines Rätsels wettmachen - das ist zumindest ambitioniert.
Ambitioniert ist auch das Setdesign - Kulissen und Kostüme im Gerichtssaal sind äußerst stimmungsvoll, die Masse an Statisten trägt ebenfalls enorm zur Atmosphäre bei.
Zurück an Bord
Ein Drittel der Episode ist vorbei - und endlich wechselt die Handlung zur titelgebenden Farpoint Station, wo wir ebenso flüssig wie zu Beginn nun auch die weiteren Crewmitglieder kennenlernen. Alle erhalten dabei kurze Szenen, die helfen, sie im Gedächtnis zu behalten. Besonders Jonathan Frakes alias Commander Riker steht im Fokus - als Gegenpol zum eher introvertierten und ruhigen Picard etabliert er sich direkt als angenehmer Lebemann, der jedoch auch fachlich zu überzeugen weiß.
Die Geschichte rund um die Bandi, ihre Station und den gewünschten Anschluss an die Föderation macht keinen großen Eindruck. Durch die nicht erklärbaren Vorkommnisse (Äpfel, Stoffballen) wird der Fokus sofort auf das Rätsel gelegt, welches es zu untersuchen gilt. Auch der Verwalter der Bandi, Verwalter Zorn, erhält nicht genügend Screentime um diesen Handlungsstrang hervorzuheben.
Hier zeigt sich insgesamt auch ein wenig die Schwäche des Drehbuchs. Neben Einführung der Charaktere (die ausgesprochen gut gelingt), Rahmenhandlung um Q und die Gerichtsverhandlung (die durchgehend überzeugt aber zum Ende ein wenig zu schnell verpufft) und der Kernstory um Farpoint (die wenig Gehalt besitzt) entsteht keine wirkliche Balance. Der Fokus der Charaktere liegt nie wirklich auf der Erforschung des Rätsels - dafür nimmt man sich zu viel Zeit für akut irrelevante Dinge (Gespräche zwischen Picard und Riker über Kinder, Picard und Crusher über ihre Vergangenheit, Riker und Data auf dem Holodeck, Geordis chronische Probleme mit seinen Augen). Es entsteht hier nie ein Gefühl von Dringlichkeit oder Gefahr. Ein Fauxpas, der erst auf den zweiten Blick wirklich auffällig ist.
Dabei ist die Geschichte rund um die Bandi und das Wesen, welches sie zu ihren Zwecken gefangen hielten durchaus nicht dumm - wenn auch stereotyp. Abgesehen von der Erkenntnis, der Flucht der Wesen und einem erhobenen Zeigefinger destillieren die Autoren nichts aus dieser Idee, was von dauerhafter Relevanz wäre. Ein paar Fragen hier, ein wenig durch unterirdische Gänge huschen - fertig. Das Rätsel an sich ist schnell gelöst, Q muss eingestehen, dass es vielleicht doch zu leicht war (eindeutig!) und die Crew darf endlich in ihre neuen Abenteuer starten.
Wenn man bedenkt, was auf dem Spiel stand, kann man hier doch eher nur staunen - Qs Vorwürfe sind ja durch diese kleine Intelligenzleistung (so man es denn so nennen möchte) nicht vom Tisch. Mit der gleichen Logik könnte man einem Verbrecher anbieten, mit einer Minute Springseilspringen Bewährung zu erhalten. Verbleiben wir an dieser Stelle bei einer hochgezogenen Augenbraue.

Die Schuldfrage
Der interessanteste Aspekt bezüglich der Rahmenhandlung ist jedoch auch eigentlich eine ganz andere Frage: Darf man eine Gruppe von Individuen, ein Volk oder wie hier eine ganze Spezies für die Sünden ihrer Vorgänger verantwortlich machen? Mit welchem Recht stellt Q die Menschen dieser Zeit vor ein Gericht und hält ihnen Dinge vor, die Jahrzehnte bis Jahrhunderte lang her sind? Mit welchem Recht leitet er Automatismen aus diesen früheren Verhaltensweisen ab und spricht der Menschheit ab, lernfähig zu sein? Wo beginnt überhaupt Lernfähigkeit? Oder Lernresistenz? Und noch viel wichtiger: darf nicht jedes Individuum oder jede Generation eigene Fehler machen? Muss man aus globalen Erkenntnissen Anderer lernen? Nach dieser Logik müssten Kinder nur bei jeder Gelegenheit den Weisungen und Vorgaben ihrer Eltern folgen - und würden keine eigenen Erfahrungen machen. Und keine Fehler. Doch genau aus diesen entsteht bekanntlich oft erst ein Lerneffekt.
Die Menschen sind in ihrer Entwicklung selbst heute schon weit gekommen - keine Frage. Ähnliche, auch negative Tendenzen sind dabei aber natürlich immer wieder auszumachen - ebenfalls keine Frage. Doch ist dies kein Kollektivversagen. Es ist individuell. Die Vielfalt macht uns nicht nur im Guten zu dem was wir sind - auch im Schlechten. Anders ist die Existenz der Menschheit weder vorstellbar noch erklärbar. Jeder Mensch und jede Generation hat das Recht und die Chance verdient, über das hinauszuwachsen was vor ihm oder ihr kam. Oder eben nicht. Hier jedoch eine Vorverurteilung aufgrund der Vergangenheit anderer zu treffen ist sicherlich nicht der richtige Weg.
In der Essenz stellt die Episode hier die Frage, wer wir sind und was uns zu dem macht, was wir sind. Der Weg ist das Ziel - und dieser Weg ist nie zu Ende. Wenn Q das als Fazit seines eventuell nicht gänzlich fairen Prozesses mitgenommen hat, ist vermutlich sogar beim ihm etwas eingetreten, was niemand in seinem Leben missen sollte: eben Lerneffekt.
Ein Captain und sein Gefolge
Kern einer Serie sind jedoch immer die Charaktere. Ohne emotionale Grundierung und Bindung funktionieren die wenigsten Serien auf Dauer. Die wundervolle Chemie der Classic-Serie hat hier über die Jahre kein leichtes Erbe vorgelegt. Gerade „Star Trek: The Voyage Home“ zeigte kurz vor Serienstart eine Leichtigkeit in Sachen Zusammenhalt, Humor und Tiefe, dass die Aufgabe für die neue Serie fast unmenschlich schien.
Einfach gemacht haben es sich die Produzenten aber auch nicht - Captain Picard vollkommen gegen den Kirk-Strich zu bürsten war zumindest mutig. Patrick Stewart gibt einen Mann, der im Minenfeld zwischen besonnen, abgeklärt, weise, diplomatisch, intelligent aber auch unsympathisch, arrogant und muffelig nicht jeden Geschmack treffen dürfte. Sein erster Kontakt mit Riker (Begrüßung ohne Blickkontakt, Schiff bitte mal schnell manuell wieder zusammenfügen) lässt ihn beim Zuschauer an Sympathiepunkten klar verlieren - dafür wirkt sein späteres Eingeständnis, mit Kindern nicht gut klarzukommen und Rikers Hilfe zu benötigen zumindest sehr menschlich.
Menschlich sind auch seine etwas hektische Reaktion, als Wesley anfängt Knöpfe an seinem Stuhl zu drücken oder die steife Unterhaltung mit Dr. Crusher über deren Wunsch, an Bord zu dienen. Insgesamt aber ein sehr reichhaltiger und durchaus widersprüchlicher Charakter. Einen klaren Punktgewinn zieht jedoch Stewart aus diesem Dilemma - seine Darstellung ist von Sekunde 1 an absolut selbstbewusst, überzeugend, kohärent und stimmig. Wie einst William Shatner übernimmt Stewart die Rolle ohne Anlaufschwierigkeiten. Er ist Picard.

Aber auch Jonathan Frakes trifft alle richtigen Töne. Sein Riker ist sofort sympathisch. Sein Umgang mit den Crushers und besonders mit Data ist von einer positiven Grundhaltung geprägt, die Spaß macht. Einzig die Szene mit LaForge wirkt ein wenig befremdlich - hier setzt Riker ohne Not eine militärische Ernsthaftigkeit auf, die aus dem Nichts zu kommen scheint - und auch wieder dorthin verschwindet. Dennoch: auch hier insgesamt eine absolut überzeugende Symbiose aus Charakter und Darstellung.
Der wohl kreativste Charakter ist ohne Frage der Androide Data - bereits hier schon toll gespielt von Brent Spiner. Data ist der lebende Widerspruch: eine Maschine, die menschlich sein möchte. Eine perfekte Kreation, die mit weniger Perfektion glücklicher wäre. Ein Wesen, das ungeachtet seiner Fähigkeiten den Wunsch hegt, das Pfeifen zu erlernen. Nicht nur Riker erinnert sein neuer Crewkollege direkt an Pinocchio. Szenen wie seine Nachfrage zum Wort „herumschnüffeln“ („to snoop around“) bergen für jemanden, der seine spätere Entwicklung im Kopf hat jedoch bereits hier hohes Nervpotential. Unfair ist diese Betrachtung in jedem Fall. Zugestanden. Aber auch ohne die Zukunft einzubeziehen ist es wenig glaubwürdig, dass Data diesen simplen Ausdruck nicht kennt.
LeVar Burton alias Geordi LaForge bleibt verhältnismäßig blass - seine Einführung mit Dr. Crusher zeigt ihn als einen ruhigen und sympathischen Mann, der sich durch seine Behinderung nicht stoppen ließ. Darüber hinaus geht es hier jedoch noch nicht.
Auch Dr. Crusher, gespielt von Gates McFadden, wird einzig durch ihre Vorgeschichte mit Picard (den Tod ihres Ehemanns unter dessen Kommando) und ihr Verhältnis zu ihrem Sohn Wesley definiert. Auch hier: Luft nach oben.
Apropos Wesley: Wil Wheaton gibt den neugierigen und unbedarften Jungen mit einer angenehmen Natürlichkeit. Der später in der Serie oft nervende Wunderkind-Faktor ist hier noch vollkommen unbedeutend. Hier ist er noch der typische Junge - und das ist gut so.
Die Troika des Grauens (Schmerz! Schmerz!)
So viel zu den positiven Aspekten im Ensemble. Leider gibt es da aber auch noch drei weitere Charaktere die - wie soll man es ausdrücken - mehr als nur ein wenig abfallen. Die Überschrift gibt sicher bereits einen dezenten Hinweis…
Da wäre zum Ersten der Klingone Worf alias Michael Dorn. Generell eine tolle Idee, einen eigentlichen Gegenspieler zum Verbündeten zu machen um in Zukunft Unterschiede wie Gemeinsamkeiten ausloten zu können. Michael Dorn macht seine Sache unter überzeugendem Makeup auch gut - zumindest soweit das Material es zulässt. Leider ist der Schiffsklingone nämlich hier noch arg stereotyp geraten. Außer eines starken Wunsches nach Kampf und Beteiligung an gefährlichen Aktivitäten gibt es über ihn nichts zu berichten. Die Tatsache, dass Picard ihn zudem noch erinnern muss, ein Offizier der Sternenflotte zu sein ist zwar hilfreicher Dialog fürs Publikum, inhaltlich gesehen aber überhaupt nicht glaubwürdig. Man müsste sich fragen, wie er mit dieser dumm-aggressiven Haltung überhaupt so weit gekommen, geschweige denn auf das Flaggschiff der Föderation geraten ist.
Gleiches gilt für die äußerst forsche Sicherheitschefin Natasha Yar alias Denise Crosby. Schön, dass sie weiß, was sie will und deutlich ihren Standpunkt vertritt. Nicht so schön, dass sie auf Befehle und Anordnungen ihres Captains kaum bis gar nicht reagiert und einfach redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Man hat das Gefühl, die gute Frau fliegt teilweise mit doppelter Geschwindigkeit durch ihren Job - übersteigerte Impulsivität durch zu viel Kaffee am Morgen? Davon kann auch Captain Janeway ein Lied singen. Überzeugend oder glaubwürdig ist natürlich auch diese Darstellung in einer militärisch geprägten Serie nicht. Albern ist eher das richtige Wort in diesem Zusammenhang. Denn auch hier muss die Frage gestattet sein, wie Yar zu diesem Rang und Posten überhaupt kommen konnte.

Zu guter Letzt fehlt noch die Schiffspsychologin Deanna Troi alias Marina Sirtis. Hier sollte man natürlich eine in sich ruhende, abgeklärte Person erwarten, die mit jedweden emotionalen Ausnahmezuständen bestens umzugehen weiß. Sollte man vielleicht. Leider sieht die Realität hier doch etwas anders aus. Die junge Betazoidin nutzt jede Gelegenheit, um die eine oder andere Träne zu verdrücken - oder sagen wir es etwas ehrlicher: Sturzbäche zu produzieren. Jede Gefühlsregung um sie herum ist aufs extrovertierteste in ihrer eigenen Mimik zu finden. Zwischen Schmeeeerz, Eiiiinsamkeit, Wuuut, jault sich Troi durch die 90 Minuten, dass es nicht zu ertragen ist.
Dazu glänzt sie mit beinharten Erkenntnissen wie „He is frozen!“ als Q einen Wachmann auf der Brücke schockgefriert. Und fühlt sie sich mal unbeobachtet oder hat schlicht keinen Text, beglückt Sirtis uns mit tränenreichen Blicken wie auf Valium. Die angedeutete Romanze mit Riker reißt da natürlich auch nichts mehr raus sondern unterstreicht nur noch den kitschigen Soap-Eindruck. Stand hier ist Deanna Troi in der Konzeption und Ausführung schlichtweg ein grottenschlechter Charakter und absolut undankbar zu spielen - dass sie ihre unglaubwürdig geschriebenen Kollegen Worf & Yar noch um Längen toppt ist da nur eine Randnotiz. Es ist zum Heulen. Los, Deanna - Schleusen auf!
Die Frage muss einfach erlaubt sein: wenn die Zeit schon reif war für die hohe Sensibilität eines Charakters wie Jean-Luc Picard, warum mussten dann diese Nebencharaktere als derart auffällige Stereotypen umgesetzt werden? Zu wenig Mühe gegeben vermutlich.
Ergänzend lässt sich noch sagen: einzig Marina Sirtis scheint neben den Schwächen im Drehbuch zu diesem Zeitpunkt auch schauspielerisch stark limitiert zu sein. Bei Crosby und Dorn liegt die Problematik doch eher nur im geschriebenen Wort der Autoren.
Save the best for last
Der unangefochtene Showstehler ist jedoch Gaststar John de Lancie - von den Produzenten eigentlich nur als Notnagel in die Handlung integriert, spielt der in Interviews und auf Conventions ungemein sympathische Mime direkt groß auf. Kein Wunder, dass man ihn immer wieder in „Star Trek“ erleben durfte.
Das schönste Geschenk jedoch ist eindeutig die fast magische Cameo-Szene von DeForrest Kelley als Admiral McCoy. Zwischen ihm und Data entsteht hier in nur gut einer Minute eine solch herzerwärmende Chemie, dass es fast zu Tränen rührt. Ein wunderschönes Geschenk für Fans der Classic-Serie und auch heute noch schlicht und ergreifend wunderschön anzusehen. Gänsehautgarantie!
The Reviewer's wife
Encounter at Farpoint ist im Vergleich zu Where no man has gone before immerhin rund zwanzig Jahre aktueller. Das machte bei der Frau des Rezensenten in der Bewertung jedoch erstaunlich wenig aus. Die viel ausführlichere Einführung der Charaktere, der Situation und des Schiffes erhielt ein eindeutiges Lob. Picard wurde als eher unsympathisch wahrgenommen, Q als nervig.
Hinterfragt wurde frauentypisch sofort das Prinzip des Holodecks („Wie soll das denn gehen?“) und das viel zu kitschtig-verträumte Klischeedesign der Space-Quallen am Ende (hier musste ich dann doch mal an Mario Barth und seine Bühnenshows über Filmvergnügen mit seiner Freundin denken). Dennoch fiel der Pilotfilm nicht durch - in dem positiven Gefühl, dass man dem Publikum mehr zugetraut habe als 1966, blieb als Fazit ein „erstaunlich gut“.
Gib dem Kind einen Namen
Der Titel „Encounter at Farpoint“ klingt fast schon wie ein Understatement. Man trifft sich eben mal kurz auf Farpoint. Da ist doch nichts dabei. Irgendwie aber auch eine sehr charmante Wahl - das Zusammentreffen der Crew, das erneute Zusammentreffen von alten Bekannten (Picard/Crusher, Riker/Troi), das erste Zusammentreffen mit Q, das Treffen auf die neue, unbekannte Spezies. Ich mag den Titel mehr, als er es vermutlich verdient.
Auf Deutsch wurde die Episode zumeist geteilt - man entschied sich für „Der Mächtige“ in Anspielung auf Q und „Mission Farpoint“ für den zweiten Teil. Beides in Ordnung, aber auch wenig pilotfilmgeeignet oder tiefsinnig.
Fazit
Encounter at Farpoint macht durchaus vieles richtig - gelungene Charaktereinführungen wechseln ab mit spannenden Action-Sequenzen, in Q bietet die Serie einen potenten Gegenspieler. Auf der anderen Seite kommt die Story zuweilen schwachbrüstig und redundant daher und einige Charaktere sind wandelnde Nervfaktoren. Dennoch: für einen Pilotfilm eine zufriedenstellende Leistung.
Morgen geht es im Review-Countdown weiter mit den Pilotfilmen: Ein gewisser Commander Sisko übernimmt das Kommando über die abgelegene Raumstation Deep Space Nine - und wird in „Emissar“ gleich mit elementaren Fragen der Existenz konfrontiert.
Hier geht es zu den Abstimmungen
Star Trek: The Original Series
Star Trek: The Next Generation
Übersicht zum Review-Countdown
Hier findet ihr die bisher erschienenen Reviews nach Serien sortiert:
Star Trek:
Review zu „Where no man has gone before“, die Pilotepisode von „Star Trek“
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 11. Juli 2015(Star Trek: The Next Generation 1x01)
Schauspieler in der Episode Star Trek: The Next Generation 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?