Star Trek: Deep Space Nine 1x04

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Was passiert?
Auf der Raumstation Deep Space Nine herrscht reges Treiben, nachdem man per Wurmloch einen neuen Quadranten erschlossen hat. Immer mehr Personen kommen an, darunter auch ein Mann namens Ibudan, den Sicherheitschef Odo vor vielen Jahren im Auftrag der Cardassianer ins Gefängnis gebracht hatte. Der Sicherheitsschef macht dem Besucher unmissverständlich klar, dass dieser auf Deep Space Nine unerwünscht ist. Wenig später wird der Gast jedoch ermordet aufgefunden. Alles deutet auf Odo als Täter hin …
Dies & das
Auch in der dritten Episode in Folge darf Odo seinen coolen Morphing-Effekt zeigen - die Produzenten scheinen damals wirklich sehr stolz darauf gewesen zu sein.
Eine Seltenheit: der Name vom Nog-Darsteller wird mit Aron Eisenerg falsch angegeben. Korrekt wäre gewesen: Aron Eisenberg.
Erster Auftritt für die ebenfalls aus TNG bekannte Ehefrau von Miles O´Brien - Keiko alias Rosalind Chao.
Ebenfalls mit von der Partie: Das erste Kind von Miles und Keiko: Molly (damals auf der Enterprise von Worf "mit" zur Welt gebracht).
An Bord der Station wird durch Keiko O´Brien eine Schule für alle Kinder eröffnet.
Synchro-Anomalien
In der Synchronisation nennt Odo das Holoprogramm von Ibudan einmal HALO-Programm - ob da jemand an HAL1000 gedacht hat?
Zitat
Laws change depending on who's making them, but justice is justice." (Odo)
"She doesn´t like it here." - "Who does?" (Quark und Odo)
Gedanken
Nachdem in der ersten regulären Episode der Serie der politische Hintergrund ausgeleuchtet wurde, ist diesmal ein reiner Kriminalfall an der Reihe, der sich näher mit der Figur des Formwandlers Odo beschäftigt.
Dadurch erhalten alle Figuren gleichmäßigen Anteil an der Handlung. Dr. Julian Bashir zeigt Interesse an Jadzia Dax, Commander Benjamin Sisko und Dax schwelgen in Erinnerungen, Odo und Quark definieren bereits hier eine höchst amüsante Hass-Liebe, Kira Nerys zeigt erneut ihre Loyalität gegenüber ihrem langjährigen Weggefährten Odo und sogar für eine Nebenhandlung um die Eheprobleme von Miles und Keiko O'Brien ist bei all dem Trubel noch Platz. Als Bonus gibt es noch die Eröffnung einer Schule an Bord der Station durch die Ehefrau des Chiefs.
Hier zeigt das Konzept der Serie erstmals ganz deutlich seine Stärken. Der Cast agiert als Ensemble und dank den phantastischen Kulissen der Promenade und des Quarks ist an jeder Ecke etwas los. Handlungen spielen ineinander, wirken aufeinander ein und laufen zeitweise sogar parallel. Ein Abwechslungsreichtum, den keine andere Trek-Serie jemals erreichte.
Unterstellen kann man dem bunten Treiben jedoch auch an dieser Stelle bereits einen gewissen Soap-Einschlag, der einige Fans damals mit Sicherheit irritiert hat. Die verwendeten Grauschemen bei den Figurenzeichnungen waren für Star Trek zusätzlich etwas, das man so noch nicht kannte. Fast könnte man sagen: Kaum jemand möchte wirklich an Bord von DS9 sein, geschweige denn leben. Die Gründe für die Anwesenheit der Figuren sind vielfältig, die Motive nicht alle klar. In vielen Fällen jedoch liegt ein Subtext von Zwang oder Ablehnung unter der Oberfläche.
Und das ist kein Wunder! Die Station ist rein optisch und bedingt durch ihre gewalttätige Vergangenheit zwischen Cardassianern und Bajoranern ein mehr als frustrierender Ort - kein heiteres Umfeld wie die Schiffe der Captains Kirk und Picard. Hier wurde geschuftet, gelitten, gestorben, betrogen und gefoltert. DS9 ist ein Mahnmal für eine Zeit, die sich nicht wiederholen soll.
Doch auch in den Köpfen der Beteiligten ist diese Zeit noch präsent und lebendig und die Geister der Vergangenheit sind schwieriger zu vertreiben, als mancher sich das wünschen würde. So schlagen Odo trotz seiner Stellung als Chef der Sicherheitsabteilung eine Ablehnung und ein Misstrauen entgegen, das einzig auf seiner Andersartigkeit und der vorherigen (und notwendigen) Kollaboration mit den Cardassianern beruht. Hier deutet sich schon ein langer Weg zur Heilung der Seelen an, den Odo als Außenstehender und doch Involvierter wird mitgehen müssen.
Die Dialoge erreichen erneut gutes Niveau - sowohl zwischen Odo und Quark, als auch zwischen Sisko und Dax oder Miles und Keiko. Schon hier wird der Grundstein gelegt, dass keiner - nicht mal die Nebenfiguren - in DS9 zu kurz kommt.
Zwar ist die Geschichte rund um Ibudan und sein perfides Spiel mit Odo sicherlich kein Feuerwerk der Innovation sondern reines Mittel zum Zweck, das Drehbuch schafft aber dennoch den Spagat zwischen Routine und Einbindung der Serienstärken.
Besonders hervorzuheben ist noch, dass die verschiedenen Handlungsfäden ein enormes Maß an Realismus bezüglich der Motivation der Figuren erreichen. Alle sind auf der Suche nach ihrer Nische und ecken bei jeder Gelegenheit an. Vorurteile, Eifersüchteleien, verletzte Gefühle, Streitereien - alles Zutaten des Lebens, die hier erstmals geballt in einer Trek-Serie dargestellt werden. Das widerspricht sicherlich ein wenig dem ursprünglichen Roddenberry-Gedanken von friedlichem Miteinander und konstruktiver Problemlösung, ist aber erstens nur eine Beugung von dessen Regel (die sich immer auf Konflikte innerhalb der Sternenflottencrew bezog) und zudem eine willkommene Abwechslung zum größtenteils unbelasteten Zusammenleben, das oft die Picard-Ära prägte. Die Menschen (und Außerirdischen) werden sich - wenn man DS9 glauben darf - eben leider niemals ändern.
Gib dem Kind einen Namen
Der Originaltitel "A Man Alone" beschreibt Odos ständigen Kampf - als Außenseiter, der für die Cardassianer arbeitete, als Außenseiter, der für die Föderation arbeitet. Man könnte den Titel jedoch auch als Anspielung darauf verstehen, was ein einzelner Mann anrichten kann, sofern andere ihm glauben.
Im Deutschen ging man den etwas weniger subtilen Weg und erklärte nur, was hier genau vor sich geht: "Unter Verdacht".
Fazit
Erneut ein früher Gewinner dank starker Charakterisierungen, knackiger Dialoge und einer bedrückenden Atmosphäre. Einzig geschmälert wird das interessante Treiben durch eine konventionelle Handlung und offensichtliche und zu weit hergeholte Kniffe.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 20. Januar 2018(Star Trek: Deep Space Nine 1x04)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Deep Space Nine 1x04
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