Star Trek: Deep Space Nine 1x03

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Eine kurze Info: Wir haben hier bei Serienjunkies mit Euch bereits den „Star Trek“-Countdown mit rund 100 Rezensionen quer durch alle Serien gefeiert. Zuletzt gab es zu allen Serien (bis auf die noch ausstehenden Classics) auch noch Artikel über „Vergessene Perlen“. Dennoch: Aus den vielen Kommentaren konnte man eindeutig ersehen, dass auch danach noch eine ganze Menge Episoden eine Besprechung verdient hätten. Und genau so soll es nun sein. In loser Folge werde ich auch weiterhin „Trek“-Retro-Reviews für Euch schreiben und hoffentlich noch viele angeregte Diskussionen führen können. In der Regel wird dann auch der Samstag der „Trek“-Tag bleiben - wenn auch definitiv nicht wöchentlich. Für Euch gilt: Wünsche für Rezensionen in den Kommentaren werden ernst genommen und gerne berücksichtigt.
Was passiert?
Im letzten Moment kann der Bajoraner Tahna Los von Commander Sisko und der Besatzung von Deep Space Nine vor den Cardassianern gerettet werden. Major Kira, selbst Bajoranerin, setzt sich für ihn ein, und Tahna erhält trotz seiner Zugehörigkeit zu der terroristischen Kohn-Ma-Bewegung politisches Asyl. Gul Danar warnt Commander Sisko jedoch, dass man ihm nicht trauen könne und fordert von ihm, den mutmaßlichen Terroristen unverzüglich den cardassianischen Behörden auszuliefern. Tatsächlich stellt sich aber schon bald heraus, dass der Bajoraner seine ganz eigenen Vorstellungen hat...
Dies & das
Erster Auftritt von Andrew J. Robinson alias Garak. Der einfache Schneider ist bis heute meine absolute Lieblingsfigur in ganz „Star Trek“.
B'Etor und Lursa, die Schwestern von Duras, kennen wir bereits aus TNG. In „Star Trek: Generations“ fanden sie später den Tod.
Vaughn Armstrong, der hier einen Cardassianer geben darf, war später als Admiral Forrest in Star Trek: Enterprise aktiv. Nebenbei ist er der wohl am besten beschäftigte „Trek“-Nebendarsteller aller Zeiten.
Quark alias Armin Shimerman kommt in der ersten regulären Episode gar nicht vor.
Kira zeigt nun eine schicke Kurzhaarfrisur. Außerdem hatte sie ganz nebenbei offenbar eine Nasen-OP - das Stück auf ihrem Nasenrücken wurde definitiv neu bearbeitet.
Synchro-Anomalien
Klasse: Da gelangt die Terrororganisation Kohn-Ma schon in den deutschen Titel und wird auch sogleich falsch (Khon-Ma) geschrieben...
Garak bezeichnet sich im Deutschen als Modist, das ist jedoch heutzutage eher jemand, der Kopfbedeckungen herstellt - kein Schneider.
Zitat
„Cardassian rule may have been oppressive, but at least it was simple.“ (Odo)
„Go over my head again and I'll have yours on a platter.“ (Sisko)
„We're talking about terrorists and you want me to buy a new suit?“ (Bashir)
Gedanken
Nach dem Pilotfilm kehrt mit „Past Prologue“ keineswegs Ruhe ein auf DS9. Zwar bekommen wir es mit keiner actionreichen Bedrohung für die Station zu tun, dafür bewegt sich der Konflikt zwischen den Figuren jedoch bereits auf einem erstaunlich hohen Level. Die Spannungen zwischen Kira und Sisko sprengen fast den messbaren Bereich, als die aggressive Bajoranerin in völlig unsympathischer Art und Weise einem Admiral der Sternenflotte ihr Leid über den Commander klagt. Und genau wie im Pilotfilm (Sisko vs Picard) handelt es sich hier um eine sehr mutige Darstellung der Kira Nerys, die ihre Sympathiewerte ungebremst in den Keller schickt.
Dazu gesellt sich erstmals das schwelende Konfliktpotential zwischen Bajor und Cardassia. Wie soll sich die Sternenflotte an dieser Front verhalten? Dass es dabei um den nicht besonders glaubwürdigen Tahna geht, ändert nichts an der gelungenen Darstellung, sondern macht die gegensätzlichen Standpunkte umso deutlicher. Kira ist gefangen in ihren Erinnerungen aus der Besatzungszeit. Sie erkennt die Gefahr, die ein ehemaliger Freiheitskämpfer heute für die Gesellschaft darstellt, erst viel zu spät und muss nun ihre eigenen Interessen überdenken.
Eine weitere Ausarbeitung des Charakters hätte der Figur des Tahna Loss sicherlich geholfen, einen bleibenden Eindruck auf den Zuschauer zu machen. So füllt er lediglich eine Rolle als Aufhänger der Story aus und gerät später problemlos in Vergessenheit.
Etwas unpassend in dieser Situation ist auch das allzu auffällig forcierte Auftreten der Duras-Schwestern. Waren sie schon in „TNG“ nie wirklich überzeugend, geben sie auch hier wieder nur eine Randnotiz ab. Gut, dass es bei diesem einen Auftritt geblieben ist.
Herausragend gestaltet sich jedoch die erste Begegnung mit dem ansässigen Schneider Garak. Als letzter verbliebener Cardassianer fällt dem undurchschaubaren Mann natürlich eine ganz besondere (Außenseiter-)Rolle zu. Ihn mit der im Pilotfilm noch belanglos wirkenden Figur des Dr. Bashir zu paaren, erweist sich schnell als Glücksgriff, da dieser mit seiner naiven Art den perfekten Gegenpol zum in Rätseln sprechenden Garak bildet. Hier fand man früh eine wunderbare Kombination, die besonders dem Arzt schnell auf die Sprünge half und ihm erste erinnerungswürdige Szenen bescherte.
Sisko wird - wie auch schon im Pilotfilm - als verbissener Leader gezeichnet, der sich nicht scheut, seine Untergebenen auf barsche Art und Weise zurechtzustutzen. Dazu zeigt er jedoch auch diplomatisches Fingerspitzengefühl und eine herrlich herb-zynische Ader (besonders im Umgang mit Gul Danar).
Überhaupt ist das Verhalten der Figuren untereinander eine erfrischende Abkehr zur Harmonie an Bord der Enterprise D. Die in nun zwei Episoden geführten Streit- beziehungsweise Problemgespräche kann man selbst mit viel Wohlwollen in sieben Staffeln „TNG“ kaum finden.
Keine große Beachtung in der Handlung finden diesmal Jadzia Dax, die nur im Hintergrund agiert, und Quark, der gar nicht mit von der Partie ist. Insgesamt bleibt zu sagen, dass sich die Handlungsstränge um Tahna und Kira, Garak und Bashir, die Duras-Schwestern sowie Odo und Kira durchaus organisch ergänzen und die Episode zu einer sehr unterhaltsamen, spannenden und dazu noch äußerst humorvollen Episode werden lassen, die erstmals auch den speziellen Space-Soap-Charakter zeigt, der die Serie immer so sehr prägen sollte...
Gib dem Kind einen Namen
„Past Prologue“: Ein wundervoll metaphorischer Titel, der nicht nur charmant William Shakespeares „The Tempest“ zitiert („what's past is prologue.“), sondern damit auch die Kernproblematik der Bajor/Cardassia-Beziehung definiert. Die Vergangenheit ist das, was die Gegenwart und Zukunft prägt. Hier ist noch viel Arbeit vonnöten, die Wunden zu heilen und Risse zu kitten. Später - und hier gehe ich wirklich ausnahmsweise weit in die Zukunft - wurde „Past Prologue“ zum Titel einer Kurzgeschichte von Jake Sisko.
Im Deutschen war man erstens wenig kreativ und zweitens wie oben erwähnt auch noch auf dem falschen Weg - „Die Kohn-Ma“ wäre korrekt gewesen. Witzig ist, dass bis heute viele Medien den falschen Titel beibehalten haben, obwohl der korrekte aus den damaligen Drehbüchern und auch aus Romanen wie „Ein Stich zur rechten Zeit“ eindeutig hervorgeht.
Fazit
Mit „Past Prologue“ hält bereits früh die politische Intrige Einzug in „DS9“. Angereichert mit tollen Dialogen, knisternden Spannungen zwischen den Charakteren und einer flüssigen (wenn auch vorhersehbaren) Handlung erreicht die Serie eine starke Frühform.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 16. Dezember 2017(Star Trek: Deep Space Nine 1x03)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Deep Space Nine 1x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?