Star Trek: Discovery 5x10

© Paramount+
Life, Itself
Mit Life, Itself (dt.: „Das Leben an sich“) endet die US-Serie Star Trek: Discovery. Die Absetzung kam unverhofft im März 2023, aber Cast und Crew hatten glücklicherweise noch die Möglichkeit, das Ende beziehungsweise die letzte Folge ein wenig anzupassen oder auch zu erweitern, um es ein wenig „runder“ zu gestalten. Die Laufzeit beträgt nun fast 90 Minuten und als Zuschauer merkt man deutlich, wo diese Staffel geendet hätte und der (nachträglich eingefügte) Epilog beginnt. Vielleicht ein wenig zu deutlich, aber die nachgedrehten Szenen sind sicher nicht verkehrt und im Prinzip wird auch noch ein Hintertürchen offengelassen, mit der die Reise der Discovery und Bordcomputer Zora (Annabelle Wallis) eines Tages weitergehen könnte.
Jetzt das Angebot von Paramount+ entdecken (Affiliate Link)
Aber die letzte Folge einer Staffel muss natürlich erst einmal die große Geschichte abschließen, die mit Red Directive losgetreten wurde und entsprechend muss auch der Cliffhanger von letzter Woche aufgelöst werden. Wir setzen direkt bei Michael (Sonequa Martin-Green) ein, die sich auf der anderen Seite des Portals wiederfindet. Eine merkwürdige „Welt“, die es dort zu erkunden gilt und nicht ohne Tücken ist. Erwartungsgemäß trifft sie auf mehrere Breen und wenig später auch auf Moll (Eve Harlow), mit der sie gerne zusammenarbeiten möchte. Aber diese Zusammenarbeit wird immer wieder durch Auseinandersetzungen unterbrochen, selbst später, wenn beide mehr oder weniger vor dem großen Preis der Suche stehen und Moll einen letzten Alleingang wagt. Ein Alleingang, der auch nach außen für Konsequenzen sorgt und zum Ziel hat, L'ak (Elias Toufexis) wiederzubeleben. Aber Moll kann das letzte Rätsel nicht lösen, womit Michael am Ende in den Genuss kommen könnte, wirklich weltverändernde Maßnahmen zu ergreifen. Aber möchte sie das? Und wie würde die Rückkehr von L'ak aussehen, sollte er wirklich wiederbelebt werden? Diese Folge liefert definitiv Antworten und ja, die kommen durchaus ein bisschen überraschend daher, weshalb meine Prognosen in aus den letzten beiden Reviews auch größtenteils falsch ausfallen.
Auf der Discovery hat Rayner (Callum Keith Rennie) noch immer das Kommando und animiert die Brückencrew, einmal das Portal in Sicherheit zu bringen und anschließend auch, die feindlichen Attacken der Breen abzuwehren. Denn das gigantische Schiff der Breen hat natürlich noch mehrere, unangenehme Überraschungen auf Lager, die schnell eingesetzt werden. Book (David Ajala) und Culber (Wilson Cruz) machen sich per Shuttle an den Versuch, das Portal zu erreichen und vor allem zu sichern, während Rayner und unsere Brückencrew die Breen aufhalten und deren Angriff abwehren müssen. Dass es dabei noch äußerst kritisch werden wird, steht außer Frage - sowohl für die Discovery als auch für das Zweier-Team im Shuttle.
Außerdem haben wir noch Saru (Doug Jones), der in Begleitung von Nhan (Rachael Ancheril) in einem Shuttle unterwegs ist, um Tahal (Patricia Summersett) aufzuhalten. Ein Selbstmordkommando, welches kaum Aussicht auf Erfolg hat, aber durch „Action Saru“, der hier auf eine ungewöhnliche Art von Diplomatie zurückgreift, letztlich doch zum Erfolg führt und die große Bedrohung von Tahals Flotte abwehren kann. Da steht dann am Ende auch nichts mehr der anvisierten Hochzeit mit T'Rina (Tara Rosling) im Wege.
Und ich glaube, falls die Serie weitergegangen wäre, hätte es bei der Hochzeit geendet. Das wäre der perfekte Moment gewesen, um die Zukunft unserer Crew und weitere Missionen anzuvisieren, das Mysterium um Kovich (David Cronenberg) noch ein wenig aufrechtzuerhalten und noch vieles mehr. Beispielsweise die Abwesenheit von Owosekun (Oyin Oladejo) oder Detmer (Emily Coutts) - die vermutlich ähnliche Gründe wie Doug Jones hatten und aus Termingründen fehlten. Aber die „neuen“ Charaktere an den Steuerpulten - wie beispielsweise Asha (Christina Dixon) und Gallo (Natalie Liconti) - haben ihre Aufgaben auch gut erledigt.

Der Epilog, der uns erneut ein paar Jahre in die Zukunft wirft, ist irgendwie etwas Besonderes. Klar, es musste noch eine Vorgeschichte zu „Calypso“ aus den „Short Treks“ geben und insofern freue ich mich auch, dass die hier stattfindet und auch ein Hintertürchen für mögliche Fortsetzungen offenlässt. Aber jetzt fast ausschließlich Michael und Book zu verwenden - und Sohn Leto (Sawandi Wilson), der sein erstes Schiff/Kommando als Captain erhält - fühlte sich irgendwie richtig und gleichzeitig falsch an. Es gibt zwar einen kurzen Rückblick in einer Erinnerungsszene von Michael, an der mitunter auch länger vermisste Personen wie Owo und Detmer teilnehmen, die uns in den vorherigen Staffeln begleitet haben, aber ein wenig mehr von den langjährigen Hauptfiguren hätte vielleicht trotzdem drin sein können. Mindestens Saru würde ich meinen.
Jetzt das Angebot von Paramount+ entdecken (Affiliate Link)
Auf der anderen Seite des Portals
Fangen wir mit Michael und Moll an, die letzte Woche beide durch das Portal gegangen sind, um die Technologie der Progenitoren ausfindig zu machen. Die andere Seite des Portals hat mir rein optisch durchaus gefallen, aber eine gewisse „Künstlichkeit“ fällt trotzdem auf und ich war mir nie sicher, ob das jetzt gewollt so ausgesehen hat oder nicht. Rein musikalisch werden aber die richtigen Noten getroffen und auch diverse Themen angespielt, die dem geneigten Trekkie bekannt vorkommen sollten. Insofern konnte ich mich schon gut in diesen gigantischen Raum mit zahlreichen Portalen zu anderen Welten hineinfühlen, womit sicher auch ein paar bis zahlreiche Easter Eggs zu finden waren.
Michaels erster Fehltritt ist auch den Breen passiert, was kaum verwundern dürfte. Die Spannungsschraube wird angezogen, wenn es zur ersten Auseinandersetzung kommt und Michael schließlich in „Super Mario“-Manier zurückfindet. Das erste Treffen mit Moll gestaltet sich anschließend schwierig. Im weiteren Verlauf wird zwar irgendwie ein Kompromiss geschlossen, um gemeinsam zum eigentlichen Ziel zu gelangen, aber so ganz ist Moll nie an Bord, was Michael später auch zu spüren bekommt.

Und damit kommen wir auch schon zum größten Kritikpunkt dieser Folge. Denn Moll hat sich nicht nur aus den eigenen Reihen eine Verletzung zugezogen (weshalb hat sie überhaupt mit denen gekämpft?), sondern agiert später auch dumm, wenn sie die Dreiecke zusammenlegt, obwohl das - mit Blick auf Michaels Tipp - nicht richtig sein kann. Ich habe mich jedenfalls ein wenig über Moll geärgert, die bis dato immer einen eher smarten Eindruck hinterließ und jetzt im Finale schlicht zu viel über Bord wirft, um zum eigentlichen Ziel zu gelangen.
Das Rätsel mit den Dreiecken kam mir auch zu einfach vor. Ich hätte da mindestens drei Dimensionen erwartet und nicht die relativ offensichtliche Lösung, die mit den neun Teilchen schließlich von Michael zusammengelegt wird. Etwas schade, aber vielleicht sollte es auch nicht zu schwer für die „auserwählte“ Person werden, die schließlich auf einen Progenitor (Somkele Iyamah-Idhalama) trifft. Denn die anderen Prüfungen wurden bis hier schon bestanden und waren wesentlich schwerer.
Aber noch einmal kurz zurück zur Auseinandersetzung zwischen Michael und Moll, die mehrere Minuten einnimmt und uns durch verschiedene Welten führt. In meinen Augen war das zu lang und zu viel Effekthascherei. Das hätte sich bestimmt kürzer gestalten lassen, ohne etwas von der Story zu verlieren. Andererseits auch kaum ein Kritikpunkt, weil ursprünglich „nur“ ein Staffelfinale geplant war und die Szenen an sich schon recht cool waren.
Der große Preis
Aber was ist jetzt mit dieser Technologie? Michael erhält da aus erster Hand Informationen und auch wenn die Zeit im Portal anders vergeht, habe ich nicht wirklich damit gerechnet, dass wir auf einen der Progenitoren treffen. Eine nette Überraschung und vermutlich auch einfacher, als wenn Michael irgendwelche Handbücher (oder Steintafeln) hätte lesen müssen.
Es gibt zahlreiche Erklärungen und mit Blick darauf, wie mächtig diese Technologie sein kann, mutet es schon fast merkwürdig an, dass die Rückkehr von L'ak zwar möglich wäre, aber nicht in der Art und Weise, wie Moll sich das wünscht. Finde ich schade, denn ich hätte ihr dieses Happy End gegönnt. Ein bisschen Hoffnung bleibt ihr vielleicht trotzdem, denn seinen Körper nimmt sie am Ende wieder mit. Und wenn Kovich später Interesse an ihr zeigt, wer weiß, ist vielleicht doch noch eine schöne Zukunft für sie drin - was wir wohl nie erfahren werden.
Bei Michael sehen wir, wie die Begeisterung über den Preis von Sekunde zu Sekunde weicht. Sie könnte die mächtigste Person werden und über Leben und Tod in der gesamten Galaxie entscheiden. Als Hüterin der Technologie wäre sie in der Lage, jede mögliche Welt anzusteuern und zu beeinflussen und bräuchte sich mit Blick auf das Alter ihrer neuen Mentorin kaum Sorgen um das eigene Leben machen. Für manche vielleicht ein Wunschtraum, denn derart viel Macht kann durchaus verlockend sein. Aber was bleibt von den eigenen Wünschen und Zielen übrig, wenn man sich auf eine solche Position einlässt?
Interessanterweise gibt es einen Twist, denn wer auch immer diese Technologie erschaffen hat, war kein Progenitor. Die haben auch nur gefunden, was zuvor jemand zurückließ und nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Sie haben sich dafür entschieden, lediglich alles (humanoide) Leben - nach ihrem damals einsamen Vorbild - zu kreieren. Dieses Ziel wurde erreicht und somit besteht auch kein Bedarf mehr an neuen Kreationen, wie Michael schnell feststellt. Der einzige Einsatz wäre somit, mit Hilfe dieser Technologie Zerstörung von Gegnern zu betreiben, die unerwünscht sind. Aber das ist sicher nicht der „richtige“ Weg.
Insofern finde ich Michaels Entschluss, auf den Preis zu verzichten und ihn im Ereignishorizont des schwarzen Loches zu „verstecken“ die korrekte Wahl und auch die beste Auflösung für das Staffelabenteuer. Michael muss etwas später zwar ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, wenn sie ihre Entscheidung den anderen mitteilt, was nicht unbedingt bei allen auf Verständnis stößt. Aber in meinen Augen war es richtig, diese Technologie vorerst unerreichbar zu machen.

Rayner & Crew
Commander Rayner und seine Zusammenarbeit mit der Brückencrew sind erneut ein Highlight. Die Krise von letzter Woche ist noch nicht verarbeitet, da erfolgt schon die nächste und der Druck auf den „Acting Captain“ wächst stetig. Denn einmal muss er die Sicherheit seiner Besatzung gewährleisten und andererseits auch versuchen, Michael und das Portal vor einem schlimmeren Schicksal zu bewahren. Entsprechend kommt die Shuttle-Mission von Book (und Culber) ins Spiel, die ich gleich noch behandeln werde.
Vorerst konzentrieren wir uns aber auf die Geschehnisse auf der Discovery. Denn das gigantische Schiff der Breen mag zwar angeschlagen sein, stellt aber trotzdem die größte Bedrohung dar, mit der aktuell umgegangen werden muss. Feindliche Schiffe greifen in hoher Überzahl die Discovery an und setzen ihr zu. Die Schilde gehen stetig runter und steigern die Spannung auf eine Lösung, die schließlich in einer Art Riker-Manöver folgen soll. Hat mir sehr gefallen, weil das Timing und somit die Zusammenarbeit der Brückencrew eine sehr große Rolle spielte. Okay, man könnte vielleicht monieren, dass die Breen den Plan nicht erkennen und die Lösung ein bisschen einfach wirkt. Aber dieser Schachzug erzielte bei mir trotzdem seine Wirkung.
Später ist das gigantische Schiff der Breen wieder einsatzbereit und obendrein soll noch ein Erkundungsschiff von Tahal eintreffen. Erneut wird an der Spannungsschraube gedreht, wenn Rayner sich mit einer Frage bezüglich des Sporenantriebs an Tilly (Mary Wiseman) wendet. Auch Paul (Anthony Rapp) weiß nicht so recht, ob dieser Plan funktionieren wird. Aber „Technobabbel“ hin oder her, könnte dieses Manöver durchaus als „Rayner-Manöver“ in die Geschichte von Star Trek eingehen. Mich hat Rayner mit seiner Idee, die uns mehrere spektakuläre Szenen beschert, jedenfalls überzeugt.
Seine Idee war nicht nur deshalb ein Highlight, weil sie funktioniert, sondern weil sein Charakter damit erneut bestärkt wird. Er ist eben trotz seiner Vorgeschichte nicht auf Vernichtung der Breen aus, sondern schickt sie lediglich an den Rand der Galaxie. Eine überraschende wie ungewöhnliche Lösung, die mir sehr gefallen hat, erneut die Brückencrew fordert und obendrein noch optisch einiges hergibt. Damit hat sich Rayner sicher auch ein neues Kommando/eine Beförderung verdient…
Book und Culber
Der Shuttle-Einsatz von Book kommt nicht von ungefähr, aber Culbers Anwesenheit löst sicher nicht nur bei Paul ein wenig Skepsis aus. Weshalb sollte der Schiffsarzt mitreisen, wenn er an Bord der Discovery doch vermutlich eher benötigt werden wird? Die Antworten dazu erhalten wir später, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob Culbers Reise mit Book für dieses Finale so geplant war.
Aber zuerst zu Book. Natürlich möchte er Michael retten und natürlich finden die beiden wieder zusammen. Alles andere hätte nicht gepasst und mir haben die Szenen mit Michael und Book am Rande der Hochzeit sehr gefallen. Das fühlte sich einfach richtig an, weshalb Book auch derjenige sein sollte, der per Shuttle versucht, das ominöse Portal vor einem schlimmeren Schicksal zu retten.
Der große Fokus bleibt hier allerdings auf Culber, der seinen Gefühlen vertraut, wenn er darauf besteht, Book zu begleiten. Hugh weiß dabei nicht wirklich, weshalb er dabei sein muss, kommt später aber mit einer Lösung für die Frequenz des Traktorstrahls daher, die er von Jinaal hat. Offenbar schlummern da doch ein paar Erinnerungen in ihm, die zum passenden Zeitpunkt hervorkommen.
Mir hat der Einsatz der beiden gefallen und der passte auch zu beiden Figuren. Ich frage mich allerdings, ob wir zu Culber in zukünftigen Staffeln nicht noch mehr erfahren hätten. Schließlich wurde über diese Staffel hinweg eine Geschichte aufgebaut und mitunter auch fortgesetzt, die Hugh seit seiner ersten Rückkehr ins Reich der Lebenden beschäftigt. Da dürfte der ganz große „Witz“ halt sein, dass er ungleich L'ak sein Bewusstsein, seine Erinnerungen und so weiter mitnehmen konnte. Mir schwant an dieser Stelle jedenfalls, dass wir in weiteren Staffeln dazu noch mehr erfahren hätten. Insofern erneut etwas schade, dass diese Geschichte als Lösung für Hugh relativ einfach abgeschlossen wird und er keine weiteren Fragen hat.

Saru und Nhan
Admiral Vance (Oded Fehr) darf im Finale nicht fehlen und äußert sich skeptisch gegenüber Saru und Nhan, die per „Pathway-Drive“ Tahal aufhalten wollen. Schöner Gastauftritt von Vance, aber an sich war ich der Meinung, dass die Mission bereits abgesegnet wurde. Nhan ist eine nette Überraschung als Begleitung für Saru, aber so wirklich viel bekommt sie leider nicht zu tun.
Denn „Action-Saru“ soll mehr oder weniger im Alleingang den Tag retten. Ohne Waffen tritt er Tahal gegenüber und fordert einfach, dass sie umgekehrt. Seine Argumente haben sicher Hand und Fuß und führen letztlich auch zum Erfolg dieses Selbstmordkommandos. Von daher ist Nhans Auftritt bloß nett, während Saru sehr hoch pokert und damit am Ende Erfolg hat.

Dennoch ist Sarus Einsatz ein Highlight dieser Folge. So entschlossen haben wir ihn nur selten gesehen und seine kleine Ansprache, in der er betont, ein „Raubtier“ zu sein und Tahal anschließend auffordert, ihm in die Augen zu blicken - da lief selbst mir ein Schauer den Rücken runter. Hervorragend getroffen und ausgeführt. Das Wiedersehen auf der Discovery mit den anderen fühlt sich dagegen im Vergleich wie ein Pflichtauftritt statt, der ohnehin ins Skript gehörte, aber ebenfalls zielsicher den entsprechenden Effekt beim Zuschauer hat.

Hochzeit
Von der Hochzeit hätte ich etwas mehr erwartet, als letztlich abgeliefert wurde. Beispielsweise habe ich dort Owosekun und Detmer vermisst und empfand die Szenen mit den anderen Gästen als relativ kurz. Dieses Ereignis hätte jedenfalls größer inszeniert werden können, auch wenn ich mir irgendwie sicher bin, dass T'Rina (und auch Saru) vielleicht darauf aus waren, einen eher kleineren Rahmen anzugehen.
Auf mich wirkte die Hochzeit der beiden jedenfalls wie ein Sprungbrett für die Szenen mit Michael und Book, die auch notwendig waren, um hier ein Happy End herbeizuführen, aber damit eben die Vereinigung von Saru und T'Rina zumindest ein wenig unterminieren. Wenn ich an die letzte Hochzeit denke, der ich beigewohnt habe, hätte sich vielleicht sowas wie der Brautstrauß-Wurf angeboten, um Michael und Book vor versammelter Mannschaft zum Liebesbekenntnis zu bringen. Das wäre dann halt im Rahmen der Feier gewesen, hätte den gleichen Effekt gehabt, aber mit dem Unterschied, dass sich nicht nur der Zuschauer darüber freuen darf.
Kovich
Ich bin mir relativ sicher, dass die Identität von Kovich nicht mit dem Ende der fünften Staffel enthüllt worden wäre, wenn die Serie noch 1-2 Staffeln mehr erhalten hätte. Vielleicht hätten wir noch zu sehen bekommen, welche Aufgabe Moll absolvieren muss, hätten ein sechstes Staffelthema erhalten, bei dem er Michael in den Infinity Room holt und so weiter. Das Mysterium um Kovich war aber schon seit seinem ersten Auftritt vorhanden, speziell bei der Befragung von Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) innerhalb der dritten Staffel - und eine Auflösung hat seitdem auf sich warten lassen.
Die Macher waren sich dessen offenbar auch bewusst, denn Michael und wir erfahren, dass er Agent Daniels (Matt Winston) aus Star Trek: Enterprise verkörpert. Diese Auflösung wirft natürlich auch Fragen auf, aber die sind weniger drückend als die Identität von Kovich an sich. Da sage ich nur kurz Danke für die Erklärung.
Epilog
Ohne Frage hat mir der Epilog zu Michael und Book gefallen. Der gemeinsame Sohn, die „letzte Mission“ der Discovery, die Wurzeln des Kwejian-Baumes haben einen neuen Baum hervorgebracht - alles nett anzublicken. Und klar, die Einblicke ins Happy End von Michael und Book sind diesen Epilog auch wert, keine Frage.
Dennoch hätte ich mindestens noch sehen wollen, was aus Saru und T'Rina geworden ist. Also, wo die gerade stehen, ob sie Kinder haben und was mit ihnen in der Zwischenzeit passiert ist. Ein Nebensatz hätte da ähnlich wie bei Tilly ausgereicht, die wir mit recht hoher Wahrscheinlichkeit wohl in Star Trek: Starfleet Academy wiedersehen werden. Abwarten.

Michaels Flashback macht aber vieles wieder wett und ist das eigentliche Highlight des Epilogs. Da sehen wir die Crew, darunter auch die lang vermissten Owo und Detmer, wie sie sich in die Arme schließen. Selbst Reno (Tig Notaro) ist dabei und dieser Moment, der vermutlich im Anschluss an die eigentlich letzte Mission der Discovery aufgenommen wurde, trifft genau ins Schwarze. Danke dafür, womit ich auch „schon“ zum letzten Absatz meines Reviews komme.
In eigener Sache
Mich hat Star Trek: Discovery bereits von der ersten Episode an abgeholt und ich bin ihr bis zum Ende treu geblieben. Nicht alles war großartig, aber ich hatte nie das Gefühl, abschalten zu müssen und diese Serie links liegen zu lassen. Im Gegenteil, dadurch, dass Star Trek endlich wieder in Serienform aktiv wurde, hat mich alles gefesselt, was seitdem um das Franchise entwickelt wurde. Insofern hoffe ich auch, dass die neuen, angekündigten Serien und Filme die Lücke schließen werden, die die Absetzung von Star Trek: Discovery oder auch Star Trek: Picard oder auch Star Trek: Lower Decks mit sich bringen werden. Zuversichtlich stimmt mich, dass Neues in der Entwicklung ist und das Disco-Ende somit kein Franchise-Ende (in Serienform) bedeutet.
Und irgendwie wittere ich auch, dass wir noch nicht alles von der Discovery mit ihrem einzigartigen Antrieb gesehen haben. Schließlich wird von einer neuen „Red Directive“ gesprochen, wenn Michael das Schiff und Zora allein lässt. Da halten sich die Macher sicher noch Optionen offen, um eines Tages auf die Discovery zurückzukommen.
Von meiner Seite sage ich an dieser Stelle jedenfalls Dankeschön! Danke fürs Lesen, Mitschauen, Mitkommentieren und Mitfiebern. Diese Reise, die gut sieben Jahre einschließt, hat mir mit Sicherheit gefallen, war sehr einzigartig, aber auch immer wieder herausfordernd. Ich habe auch keine Ahnung, wie ich das bis zum Serienende durchziehen konnte, denn in den ersten Staffeln waren die Kommentare durchaus mal mehr als feindselig. Aber Schwamm drüber, denn was gibt es Schöneres, als eine Serie zu verfolgen, die einem so viel Spaß und Freude bereitet wie diese hier? (Okay, ja, da gibt es vielleicht etwas, aber als Serienjunkie bin und bleibe ich genau das - ein Serienjunkie!)
Sonstiges
Die Flammen auf der Brücke der Discovery sind einfach zu viel. Ich kann ja verstehen, wenn mal eine Leitung durchschmort, etc. - aber woher sollen die Flammen kommen? Bitte weniger davon, Dankeschön.
Der Vorspann war genial, weil jede Staffel miteingeschlossen wurde. Habt ihr das bemerkt?
Das Familienthema wird ein bisschen zu oft zitiert. Wir sind hier weder bei „Star Wars“ noch bei „Fast & Furious“ - das können sich die Macher auch gerne mal hinter die Ohren schreiben.
Fazit
Sicher nicht das beste Serienfinale, aber im Anblick der Umstände schon relativ gut gelöst. Da kann ich über vieles hinwegblicken, was die im Nachhinein eingefügten Szenen angeht. Aber ganz sicher nicht über den großen Kritikpunkt an Moll, den ich so nicht erwartet hätte. Während fast alle Figuren über sich hinauswachsen (müssen), wird Moll einfach zum Bösewicht dezimiert und das ist nicht okay. Es gab auch noch andere Kritikpunkte, aber die wiegen weit weniger schwer. Insofern würde ich mit einem zugedrückten Auge viereinhalb von fünf Sternen vergeben, weil sich das Ende eben auch als solches anfühlte und einen verdammt guten Abschluss zur Serie gegeben hat. Und ihr?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 1. Juni 2024(Star Trek: Discovery 5x10)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 5x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?