Star Trek: Discovery 5x05

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Mirrors
Diese Woche spoilern sowohl Mirrors als auch der deutsche Episodentitel „Spiegel“ ein wenig, was uns bevorsteht. Schließlich sind seit Mirror, Mirror (Originaltitel der Star Trek-Folge „Ein Parallel-Universum“) das sogenannte Spiegeluniversum sowie das Terranische Imperium bekannt. Zwar finden Captain Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) und Book (David Ajala) auf der anderen Seite des gut versteckten Wurmlochs, in welches sie Moll (Eve Harlow) und L'ak (Elias Toufexis) per Shuttle folgen, nicht das Spiegeluniversum vor, aber in diesem interdimensionalen Raum versteckt sich die ISS Enterprise, auf der es den nächsten Hinweis in Sachen Schatzsuche zu finden gilt.
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Dass Michael und Book dort auf Moll und L'ak treffen, dürfte selbstverständlich sein, ebenso wie die Auseinandersetzungen der beiden (spiegelbildlichen?) Pärchen, welche mal auf Action, mal auf verbale Konfrontationen setzen. Während wir mit dem Werdegang von Michael und Book vertraut sind und abwarten müssen, ob sie bis zum Serienfinale tatsächlich wieder ein Paar werden, erfahren wir endlich mehr über die Beziehung von Moll und L'ak. Denn hier gibt es mehrere Rückblicke zu den beiden, die uns einmal aufzeigen, wie sie zusammengekommen sind und zum Zweiten endlich L'aks Identität enthüllen. Die Theorie, dass er ein Breen ist - und dazu noch ein besonderer - wird bestätigt. Außerdem versucht unser zunächst noch antagonistisches Pärchen, ein sogenanntes Erigah aufzuheben, welches auf L'ak lastet. Die geheimnisvolle Technologie der Progenitoren wollen sie nutzen, um diese „Blutprämie“ von L'aks Kopf zu entfernen. Aber vorerst gilt es natürlich für alle vier, diesen interdimensionalen Raum wieder zu verlassen. Vorzugsweise mit dem nächsten Puzzleteil und ohne Verluste, was mitunter eine Zusammenarbeit erfordert.
Auf der Discovery findet sich Rayner (Callum Keith Rennie) derweil im Captain's Chair wieder, nachdem sein Versuch, Michael davon zu überzeugen, dass sie als Captain nicht auf die vermeintlich tödliche Außenmission mit Book gehen sollte, fehlgeschlagen ist. Diese Szene mit den beiden zu Beginn der Episode soll sich später aber noch als wertvoll erweisen, wenn es um die Literatur der Kelleruner geht, mit welcher Michael offenbar vertraut ist. Paul Stamets (Anthony Rapp), Tilly (Mary Wiseman) und Adira (Blu del Barrio) werden mit technischen Lösungen gefordert, aber ebenso wie Rayner tragen sie eher zu einer Rahmenhandlung bei, die sich hauptsächlich zu Beginn und Ende der Folge abspielt. Ebenso wie die Probleme von Dr. Hugh Culber (Wilson Cruz), der von Tilly darauf angesprochen wird und später die Gelegenheit zu einem kurzen Dialog mit ihr erhält.

ISS Enterprise
Wir erhalten im Prinzip eine weitere Bottle Episode, denn die Haupthandlung involviert nur wenige Charaktere und die Sets der Auseinandersetzungen stammen recht eindeutig von Star Trek: Strange New Worlds. Das Innenleben der Enterprise wurde zwar ein wenig verändert, aber nicht so stark, dass es nicht auffallen würde. Insofern hätten sich die Macher etwas mehr Mühe geben können, um uns aufzuzeigen, dass dieses Raumschiff aus dem terranischen Imperium stammt - wie es in vorherigen Staffeln der Fall war. Ein kleiner Kritikpunkt, ähnlich wie das (weitere) Ausbleiben von Owosekun (Oyin Oladejo) und Detmer (Emily Coutts), die zwar am Ende die ISS Enterprise fliegen dürfen, aber bloß namentlich genannt werden.
Apropos namentlich nennen. Wenn ich doch schon die ISS Enterprise in eine Episode einbaue und darauf setze, dass die Fanbase mit dem Spiegeluniversum, etc. pp. (abseits von Star Trek: Discovery) vertraut ist, Spock (ob nun Leonard Nimoy oder Ethan Peck) beziehungsweise „Spiegel-Spock“ namentlich nenne oder Brutkrumen auf das Abenteuer aus den 1960ern ausstreue, warum findet man dann nicht irgendwo auf dem Schiff die entsprechenden Gesichter vor? Okay, das Logbuch des Captains wurde gelöscht, aber von den persönlichen Logbüchern ist nicht die Rede. Die Macher lassen sich hier in meinen Augen jedenfalls die große Chance entgehen, die Nostalgie zu fördern. Sei es mit Archivmaterial der alten TOS-Crew, welches aus Bildern hätte bestehen können (es muss nicht gleich eine Holo-Nachricht oder so sein) oder mit Gastauftritten der Darsteller oder Darstellerinnen aus Star Trek: Strange New Worlds. „Show, don't tell“ wäre an dieser Stelle angebracht gewesen und wenn man schon die Sets der Schwesterserie nutzt, auch gar nicht so abwegig. Echt schade, dass sich hier kein Weg gefunden hat, ähnlich wie bei Star Trek: Lower Decks vorzugehen, wo ähnliche Situationen zuweilen mit sehr großen Belohnungen für die Fans einhergehen.

Nichtsdestotrotz ist natürlich allein durch die ISS Enterprise und deren letzte Reise schon eine gute Portion Fanservice vorhanden. Selbst „Action Saru“ wird erwähnt, womit die Ereignisse, die eine gewisse Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) in der Doppelfolge „Terra Firma“ im Spiegeluniversum erlebt hat, wohl tatsächlich passiert sind und nicht nur ein Test vom Wächter waren. Schließlich endete Spiegel-Saru (Doug Jones) in der ersten Staffel noch als Mahlzeit, während seine alternative Version von Georgiou in Staffel drei auf den Weg gebracht wurde, für den wir diese Woche eine Fortsetzung erhalten. Ebenso wird fortgesetzt, was in der 60er Folge angeregt wurde. Dort erhielt Spiegel-Spock einen Einblick in unser Universum und wollte Reformen in seinem einleiten, was offenbar auf Widerstand stieß. Ob das nun alles gut miteinander verwebt wurde, wage ich nicht zu beurteilen. Aber mich freut es auf jeden Fall, dass gleich zwei Abenteuer eine Fortsetzung erhalten und am Ende auch noch aufgelöst wird, dass der Besatzung tatsächlich die Flucht in unser Universum gelungen ist.
Moll und L'ak (und die Breen)
Was ich eben mit ein wenig Kritik geäußert habe, wird mit der Beziehung von Moll und L'ak direkt wieder wettgemacht. Zum Teil jedenfalls, aber Eve Harlow und Elias Toufexis sind für mich die Highlights der Woche. Endlich erfahren wir ihre Hintergrundgeschichte, wie sie zusammengekommen sind, was ihr Ziel ist und noch so viel mehr. Die Rückblicke (leider immer das gleiche Set, auch wenn es schön aussah) haben mich da ebenso abgeholt wie diese ungewöhnliche Beziehung, die hoffentlich allem standhalten wird, was da noch kommt.
Es ist in der Tat ungewöhnlich, dass wir bei den vermeintlichen Staffel-Antagonisten Sympathien empfinden dürfen. Das gab es vorher nicht, jedenfalls nicht in dieser detailreichen Form. Oder konnte eine/r von euch mit Leland (Alan van Sprang), Osyraa (Janet Kidder) oder auch Tarka (Shawn Doyle) derart warmwerden? Ich nicht. Bei Moll und L'ak sieht das aber anders aus, erst recht mit dieser Episode, wo die beiden auch getrennt voneinander dafür Sorge tragen wollen, zusammenzubleiben. Sie mögen zwar vorerst noch Bösewichte bleiben, keine Frage, aber sie sind im Grunde genommen ebenfalls auf Freiheit und Frieden aus, was diese Woche mehrfach untermauert wird.
Entsprechend hoffe ich auch, dass es für beide ein Happy End geben wird. Die Chancen sind zwar nicht optimal, aber mit dieser Folge sicher gestiegen. L'ak war sogar kurzzeitig bereit, sich Michael zu ergeben, wenn sie ihm denn garantieren kann, dass er seine Freiheitsstrafe zusammen mit Moll antritt. Die Diskussionen zwischen Moll und Book verliefen derweil ein wenig anders, denn Books Mentor und Molls Vater werden unterschiedlich betrachtet. Erst mit dem Familienthema gelingt es Book, zu Moll durchzudringen und ihr aufzuzeigen, dass die Schatzsuche nicht auf einen Konkurrenzkampf hinauslaufen muss. Würden alle Parteien hier am Ende zusammenarbeiten, wären die Chancen bestimmt auch größer, um das gemeinsame Ziel zu finden.

Aber okay, die Antagonisten müssen vorerst Antagonisten bleiben, auch wenn sowohl Book als auch Michael ein paar Fortschritte erzielen konnten. Passt für mich erstmal. Dennoch hoffe ich, dass die weitere Reise nach dieser Halbzeit-Folge noch einen neuen Antagonisten hervorbringt, der meinetwegen auch sehr simpel gestrickt sein darf. Vielleicht der böse Onkel Ruhn (Tony Nappo) von L'ak? Abwarten.
Breen
In Sachen Breen gibt es diese Woche viel Neues zu entdecken. Vielleicht reibt sich das mitunter auch mit dem bisherigen Kanon, aber die Lösung mit den „zwei Gesichtern“ hat mir durchaus gefallen und erklärt ein paar abweichende Details zu dieser Spezies. Auf jeden Fall werden die Breen aber noch eine große Rolle im weiteren Verlauf der Staffel spielen, was mich optimistisch stimmt.

Die Einblicke dieser Woche sind vielleicht ein bisschen kontrovers, aber immerhin erfahren wir, dass dieser Gegner auch gut 1000 Jahre später noch nicht vom Tisch der Föderation ist und eine Bedrohung darstellt. Okay, das war letzte Woche bereits klar, aber ich gehe einfach mal davon aus, dass die Breen am Ende der Staffel nicht die Oberhand gewinnen werden, wie es in der möglichen Zukunft dargestellt wurde. Hinzu kommen noch die internen Konflikte dieser Spezies, welche ebenfalls angesprochen werden. Unsereins ist jedenfalls gespannt auf den weiteren Verlauf mit den Breen und hofft irgendwie, dass es zwischen ihnen und der Föderation zu einer einvernehmlichen Lösung kommen wird. Denn, hey, wenn schon der royale L'ak einen besseren Weg finden kann, dann kann sein Volk das doch bestimmt auch, oder?
Michael und Book
Es wird erstmal gut geteasert, was das weitere Verhältnis zwischen Michael und Book angeht. Fraglos empfindet Michael noch immer mehr für Book, als sie zu Beginn durchscheinen lässt. Aber die Vergangenheit aus der vierten Staffel drückt halt einfach noch auf den Schuh und lässt sich nicht wegdichten. Für diese beiden Figuren war das Treffen mit Moll und L'ak, die ebenfalls Kuriere sind und zusammengefunden haben, obwohl die Chancen dagegenstanden, aber sicher prägend.
Und das ist auch genau der Punkt, der diese Episode so großartig macht. Es wird über die jeweiligen Beziehungen reflektiert (Spiegel!) und nachgedacht. Nicht immer wird ein Kompromiss gefunden oder auf die neue Erkenntnis gesetzt, aber es tut sich etwas. Und dieses Etwas macht mitunter ein großes Spannungsmoment aus. Jedenfalls für die Zuschauer, die Michael und Book wieder als Paar sehen möchten.

Rayner
Zu Beginn sind es Stamets und Tilly, die das Wurmloch enthüllen und das weitere Abenteuer gestalten. Später stößt Adira hinzu - Schuldgefühle wegen letzter Woche eindeutig vorhanden, aber auch unnötig. Schließlich hätte der „Time Bug“ auch bei anderen Figuren gesetzt werden können, ohne dass sie es bemerken.
Aber in diesem Absatz geht es um Rayner, der unsere wissenschaftliche Abteilung unter Druck stellt, nachdem der Kontakt zu Michael und Book abgebrochen ist. Und vor der Mission stellt er auch den Captain zur Rede und führt an, weshalb Michael sich nicht auf diese gefährliche Mission begeben sollte. Dass dieser Aspekt angeführt wird, ist sicher ein Pluspunkt, ebenso wie der Konter von Michael, dass es sich dabei um eine taktische Entscheidung handelt. Sie behält auch irgendwie Recht, weil der weitere Verlauf der Episode mit Rayner und Book an Bord des Shuttles sicher anders verlaufen wäre. Außerdem trifft sie die Achilles-Ferse von Rayner, wenn sie ihn nach dem Captain's Chair fragt. Denn selbst nach allem, was wir über Rayner wissen, können wir nicht vorhersehen, wie er sich als Kommandant der Discovery schlagen wird - und er offenbar auch nicht.
Insofern fand ich Pauls Kommentar auch ziemlich gelungen, dass alle im gleichen Boot sitzen. Daraufhin lässt Rayner ihn und Adira in Ruhe und erkennt, dass man Ideen beziehungsweise Lösungen (in diesem Fall noch in Sachen Kommunikation) nicht befehlen kann. Es braucht halt Zeit, um einen sicheren Weg zu finden, den Funkkontakt mit Michael und Book wiederherzustellen. Andererseits kann ich Rayner verstehen, wenn er möglichst schnell Lösungen haben will. Er möchte sich schließlich beweisen und kann seine alte Vorgehensweise nicht von jetzt auf gleich ablegen.
Am Ende erhalten wir aber das Gefühl, dass er sich gut in die Mannschaft integriert hat. Hilfreich ist dabei sicher, dass er der Einzige ist, der Michaels versteckte Nachricht im Traktorstrahl entschlüsseln kann - die Ballad of Krul erfüllt somit einen weiteren Zweck und wird eingangs nicht nur nebenbei erwähnt. Mit dem Wissen, was getan werden muss, stellt Rayner anschließend der Brückencrew und dem Wissenschaftsteam die Aufgabe, eine Lösung zu finden. Dieses Mal mit weniger Druck, aber mit einer Belohnung für den Lösungsfinder - was sicher ein besserer, motivierender Ansatz ist. Und siehe da, die Besatzung sprudelt plötzlich über mit Ideen, ergänzt sich gegenseitig mit lauten Gedankengängen und kann schließlich gemeinsam die ISS Enterprise aus dem interdimensionalen Raum befreien. Derartige Szenen finde ich stets großartig, wenngleich sich trotzdem noch mitfiebern ließ, ob die Aktion gelingt.
Culber und Tilly
In einer Mini-Nebenhandlung ist Tilly auf der Krankenstation unterwegs, um mehr Energie für die Kommunikation freizuschalten. Dabei bemerkt sie Culbers Sorgen und spricht ihn direkt darauf an. Sein „I'm fine“ kauft sie ihm nicht ab und bietet ihm ein Gespräch an. Schließlich sollte auch der Schiffsarzt jemanden haben, an den er sich mit den Problemen, die ihn bedrücken, wenden kann.

Erst nach dem Abenteuer kommt dieses Gespräch zustande und es mag nur eine kleine Szene sein, aber die hat mir sehr gefallen. Hughs Erfahrungen sind natürlich einzigartig und lassen sich vermutlich nur von denjenigen nachvollziehen, die ähnliche Erfahrungen hatten - Personen, die es an Bord der Discovery nicht gibt. Trotzdem bringt ihm sein Austausch mit Tilly eine wichtige Erkenntnis, die er zuvor nicht auf dem Schirm hatte. Spiritualität soll das Zauberwort sein und sich gar nicht mal so sehr von Pauls wissenschaftlichem „Glauben“ unterscheiden. Schließlich basiert das, was Hugh erlebt hat, ebenso auf Fakten wie jede noch so fortgeschrittene Technologie. Ein Gedankengang, der den Zuschauer auch nach der Episode noch beschäftigen kann.
Sonstiges
Ich will diese Staffel noch sehen, wie Rayner einen Kuchen für alle kocht. Außerdem hätte ich anschließend gerne das Rezept dazu.
Der Ausdruck auf dem Gesicht von Rhys (Patrick Kwok-Choon), als die ISS Enterprise aus dem Wurmloch kommt, ist unbezahlbar. Eigentlich hätte Rayner ihn direkt darauf ansprechen müssen, weil er von der Vorliebe von Rhys für diese Schiffsart Bescheid weiß.
Woher kennt Book den Befehl „Hit it!“ von Pike (Anson Mount)? Aber gut, vielleicht nur Zufall und/oder ein Gag von den Drehbuchautoren.
Zwei Wochen ohne Saru (und T'Rina (Tara Rosling))? Ich habe Entzugserscheinungen, also bitte, nächste Woche wieder kleine Ausflüge zu den beiden. Wobei, die Hochzeit darf gerne im Finale stattfinden.
Fazit
Die verschenkten Möglichkeiten von potenziellen Gastauftritten nagen an mir, außerdem gab es erneut eine in Sachen Sets kleiner angesiedelte Folge mit fast nur vier Figuren im Fokus. Allerdings haben die Geschichten dieser vier Figuren es durchaus in sich und sind gekonnt umgesetzt, was den größten Teil der Unterhaltung ausmacht. An Bord der Discovery hätte gerne mehr passieren dürfen, aber Rayner erfüllt letztlich seinen Job, das Teamwork funktioniert irgendwie und insgesamt hat mir diese Episode doch sehr gefallen. Vier von fünf Sternen würde ich geben. Und ihr?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 28. April 2024(Star Trek: Discovery 5x05)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 5x05
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