Star Trek: Discovery 5x04

Star Trek: Discovery 5x04

In der Folge „Face the Strange“ der US-Serie „Star Trek: Discovery“ gibt es eine unerwartete Wendung. Denn Moll und L'ak haben einen ungewöhnlichen Weg gefunden, die Discovery aufzuhalten. Nun ist es an Burnham und Rayner, die Falle zu überwinden.

Sonequa Martin-Green; Callum Keith Rennie und Anthony Rapp in „Star Trek: Discovery“
Sonequa Martin-Green; Callum Keith Rennie und Anthony Rapp in „Star Trek: Discovery“
© Paramount+

Face the Strange

Während der Originaltitel Face the Strange wenig aussagt, verrät uns der deutsche Titel „Die Zeitspinne“ der Serie Star Trek: Discoverybereits ein wesentliches Element dieser Episode. Denn der „Bug“, den Moll (Eve Harlow) letzte Woche auf Trill heimlich bei Adira (Blu del Barrio) anbringen konnte, dient nicht (nur) dazu, der Discovery zu folgen, sondern wird von Rayner (Callum Keith Rennie) nach ein paar Zeitsprüngen korrekt als „Time Bug“ (auch bekannt als Krenim chronophage) identifiziert. Also ja, wir haben diese Woche eine Zeitreise-Episode vor uns, bei der sich lediglich Burnham (Sonequa Martin-Green) und Rayner durch einen Zufall bewusst sind, was passiert. Und Paul Stamets (Anthony Rapp) natürlich, von dem wir seit Magic to Make the Sanest Man Go Mad wissen, dass er Zeitsprünge und dergleichen aufgrund seiner veränderten DNA wahrnimmt.

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Thematisch spielen die Zeitreisen, die uns durch verschiedene Epochen der Serie beziehungsweise des titelgebenden Raumschiffs führen, aber eher eine untergeordnete Rolle. Denn die Schnitzeljagd nach der Technologie, die einst alles Lebewesen in unserer Galaxie erschaffen haben soll, pausiert zwangsweise und auch am Ende sollen sich erstmal keine neuen Hinweise auf das nächste Puzzleteil ergeben. Vielmehr setzt sich diese Bottle Episode mit Captain Burnham und ihrem neuen, ersten Offizier Rayner auseinander, die zu Beginn des Abenteuers aneinandergeraten. Charakterlich werden hier vor allem bei Rayner Fortschritte erzielt, denn durch die Zeitsprünge, die durchaus Mittel zum Zweck sind, erfährt er erst, was die Besatzung der Discovery mitunter erlebt oder vielmehr durchlebt hat. Inklusive Stamets, mit dem Rayner im Verlauf des Abenteuers eine Art Freundschaft bildet.

Diese Episode ist aber kein reines Charakter-Drama und wie bei allen anderen Zeitreise-Folgen gilt es auch hier, nicht großartig über alles nachzudenken oder gar eine logische Linie finden zu wollen, mit der sich alles erklären lässt - schließlich hat der Autor dieser Folge - Sean Cochran - bestimmt andere Ansichten darüber, wie Zeitreisen funktionieren (sollten) und wie nicht als beispielsweise unsereins. Die Auftritte von Jett Reno (Tig Notaro) oder auch Linus (David Benjamin Tomlinson) zeigen außerdem, dass dieses Abenteuer lieber mit Humor zu nehmen ist, auch wenn ein paar charakterliche Entwicklungen im Vordergrund stehen.

Sonequa Martin-Green in „Star Trek: Discovery“
Sonequa Martin-Green in „Star Trek: Discovery“ - © Paramount+

Shit, it's a time bug!

Commander Rayner hat im Umgang mit der (Brücken-)Crew echte Probleme und würgt verschiedene Besatzungsmitglieder mitten im Satz ab oder will von den Theorien nichts wissen, die sie äußern. Spekulationen sind etwas, worauf er sich nicht verlassen will, stattdessen fordert er Fakten und den Fokus auf die Mission. So ist er es von seiner ehemaligen Besatzung gewohnt und so hat er auch vor, seinen Führungsstil durchzusetzen. Er könnte dabei seine jahrelangen Erfahrungen anführen, aber wie bereits in der vorherigen Episode, kommt er nicht auf einen grünen Zweig mit der Besatzung, was Michael auch erkennt und ein Gespräch unter vier Augen fordert. Rayner erkennt (das muss man ihm lassen), dass er eine Grenze im anschließenden Dialog überschreitet, aber an dieser Stelle sehen wir als Zuschauer und auch Burnham als Captain noch nicht, dass er sich womöglich ändern könnte.

Bei einer Meldung von der Brücke wollen sich beide zurückbeamen, was ihnen den exklusiven Einblick in die anschließenden Zeitreisen gibt, während die restliche Besatzung (mit Ausnahme von Stamets) nicht weiß, was gerade passiert. Ein guter Aufhänger, um Rayner durch verschiedene Epochen der Discovery zu führen, bei der auch die Handlungen vom zweiten und dritten Staffelfinale thematisiert werden. Uns Zuschauern steht dabei eine gute Portion Nostalgie an, während Rayner erkennen muss, welche Strapazen diese Crew gemeinsam miterlebt und durchgestanden hat. Und zwar als Team, welches nicht bedingungslos der Kommandokette gefolgt ist, sondern mitunter Opfer gebracht und auf Stimmen wie die von Rhys (Patrick Kwok-Choon) gehört hat, wenn es um die weitere Vorgehensweise ging.

Eve Harlow und Elias Toufexis in „Star Trek: Discovery“
Eve Harlow und Elias Toufexis in „Star Trek: Discovery“ - © Paramount+

Rayner fällt es zwar schwer, sich von seinen alten Sichtweisen zu lösen, aber er gibt sich im Episodenverlauf deutlich Mühe, seine Integration in die Crew voranzubringen. Am besten sehen wir das bei seiner Umgangsweise mit Stamets, die sich deutlich ändert, aber auch gegen Ende, wenn er den jüngeren Versionen von Burnham und Rhys gegenübersteht und diese davon überzeugen muss, ihre Phaser zu senken. Außerdem war er es, der die eigentliche Gefahr erkannt hat, von der Burnham keine Ahnung hatte.

Unterm Strich hat mir die Entwicklung von Rayner am besten an der Episode gefallen. Vielleicht ein bisschen erwartungsgemäß, weil absehbar, aber ich glaube nicht, dass er in Zukunft deshalb klein begeben wird, wenn er anderer Meinung als Burnham ist. Er wird weiterhin versuchen, seine Sichtweise durchzusetzen, aber er wird wesentlich offener gegenüber anderen Ideen sein und auch wesentlich sozialer mit der Crew umgehen.

Moll und L'ak

Es gibt zwar nur wenige Szenen mit unseren beiden Antagonisten, aber die haben es in sich. Allein schon der Umgang mit dem Waffenhändler (James Cade) zeigt auf, dass mit Moll nicht zu spaßen ist und sie noch immer auf Rache aus ist, was die Emerald Chain und deren Händler angeht. Insofern wäre ich sehr gespannt darauf, wie das erste Treffen zwischen ihr und Book (David Ajala) verläuft, dessen Rachegelüste ihn in Staffel vier vorübergehend auf den falschen Weg gebracht haben.

Wir erfahren außerdem, dass L'ak (Elias Toufexis) durchaus Bedenken hat und sich lieber mal zur Ruhe setzen möchte, als weiterhin riskante Missionen auszuführen. Ein Punkt, der dieses antagonistische „Dream-Team“ womöglich auseinanderbringen könnte, aber gleichzeitig beide Figuren glaubwürdiger macht, weil sie nicht unbedingt auf einer Linie laufen. Außerdem erfahren wir endlich mal ein bisschen mehr über L'ak.

Der Blick in die Zukunft, wo die Breen offenbar die Oberhand über die Föderation gewonnen haben, weil sie die Technologie von Moll und L'ak erwerben konnten, lässt mich derweil fragen, was aus den beiden in dieser (möglichen) Zukunft geworden ist. Außerdem bleibt noch offen, ob sie am Ende wirklich der Discovery voraus sind und das nächste Puzzleteil gefunden haben. Aber selbst, wenn, werden sie sicher noch die beiden Teile benötigen, die aktuell an Bord der Discovery zu finden sind.

Oh, und bevor ich es vergesse. Meine Kritik zur letzten Folge muss ich ein wenig zurücknehmen, weil Moll und L'ak offenbar nicht auf Betazed waren, sondern (wie auch immer) den Clou mit Trill ergattert haben. Wie sonst sollten sie genug Zeit gehabt haben, um die Waffe im Vorfeld zu erwerben (das benötigt sicher auch Zeit, einen solchen Deal zu machen) und anschließend bei Adira zu platzieren?

Michael Burnham

Michaels Aufgabe ist es diese Woche, Rayner irgendwie ins Gefüge der Crew zu bringen. Wie oben weiter bereits erwähnt, sind die Zeitreisen dabei sehr hilfreich, aber auch die Kenntnisse über die Besatzung selbst, die Rayner bereits hat und gegen Ende auch nutzen kann. Insofern ist Michael für die meiste Zeit lediglich als eine Art „Erklärbär“ dabei, der Rayner die jeweilige Situation schildert, auch wenn ihre Beiträge zur Eliminierung des „Time Bugs“ bedeutend sind.

Eve Harlow und Elias Toufexis in „Star Trek: Discovery“
Eve Harlow und Elias Toufexis in „Star Trek: Discovery“ - © Paramount+

Trotzdem war es natürlich toll, die Discovery in San Francisco zu sehen (offenbar werden nicht alle Raumschiffe im Orbit der Erde zusammengebaut) und einen Abriss über den Serienverlauf zu erhalten. Ich selbst habe mir vor der fünften Staffel noch einmal alle vorherigen Episoden angesehen und bin nach wie vor begeistert, was serienintern sicher auf Rayner überschwappen soll. Aber dennoch tue ich mich etwas schwer damit, die ganzen Situationen nachzuvollziehen. Und das beginnt bei den Uniformen von Burnham und Rayner, die der kleine Techniker (Minh Ly) eigentlich nicht kennen sollte, ebenso wenig wie andere, denen Burnham und Rayner im Verlauf der Folge begegnen. Linus macht daraus zwar eine lustige Bemerkung, aber an sich könnte die gesamte Episode zusammenbrechen, weil Burnham und Rayner im Gegensatz zu Stamets ihre Kleidung mitnehmen.

Aber vielleicht ist das auch der Grund, weshalb mir der Kampf Burnham vs. Burnham gefallen hat, wobei die jüngere Version hier einen Shapeshifter im Verdacht hat. Und mich hat natürlich auch der neue Auftritt von Airiam (Hannah Cheesman) erfreut, die letztlich auf Michaels Wunsch eingeht. Aber ganz ehrlich, würde nicht jedes Crewmitglied sein Leben opfern, um die weitere Reise der Discovery zu sichern? Da hätte ich in Sachen Überzeugungskunst doch etwas mehr erwartet, auch wenn dieser Ansatz durchaus funktioniert.

Ein weiterer Punkt wäre noch, dass Michael und Book aufeinandertreffen. Also zukünftige Michael und vergangener Book, der sich diese Woche auch recht aufreizend präsentiert, einen Kuss einfordert und von Michael ein „I love you“ erhält. Diese Beziehung ist sicher noch nicht am Ende, auch wenn die beiden Auftaktfolgen etwas anderes suggerieren wollen. Allein schon Michaels Blicke sprechen hier Bände und lassen ein wenig bezweifeln, dass wir das Ende dieser Beziehung erlebt haben.

Stamets und Reno

An sich ist die Rolle von Paul Stamets natürlich größer als die von Reno, weil er an der Lösung des aktuellen Problems beteiligt ist und auch Rayner beeinflussen darf. Guter Mann, mit dem Rayner auch während der Folge warm wird und seine Fähigkeiten zu schätzen lernt.

Aber die kleineren Highlights liegen tatsächlich in Pauls und Jetts Auftritten, die sich allesamt sehen lassen können. Renos bissige Bemerkungen sind gut wie eh und je, sie fragt Paul sogar direkt, ob er sich gerade in einer Zeitschleife befindet, um das im nächsten Moment als Unfug abzutun. Herrlich, aber durch ein paar Hinweise zuvor auch relevant und zielführend.

Tig Notaro und Anthony Rapp in „Star Trek: Discovery“
Tig Notaro und Anthony Rapp in „Star Trek: Discovery“ - © Paramount+

Ähnlich gute Momente gab es mit Reno und Rayner, der sich als „Gast“ an Bord ausgibt, aber auch zwischen Paul und Rayner, deren Beziehung stets direkt angesprochen wird. „Hey, Paul, let's show 'em how a couple of old dogs still know the best tricks.“ - perfekt! Ebenso hört Rayner zu, wenn Stamets seine Bedenken in Bezug auf die Technologie äußert, die es zu finden gilt. In Sachen Teamfindung wird hier jedenfalls sehr viel vorangetrieben, was ich gar nicht erwartet hätte. Und wir kennen den „alten Paul“ noch, mit dem nicht leicht Kirschen essen war. Insofern hat mir sehr gefallen, wie Stamets und Rayner gegenseitig miteinander zurechtgekommen sind.

Sonstiges

Als es in die ferne Zukunft ging und ich den Klängen von Doris Day lauschen durfte, habe ich direkt an „Calypso“ gedacht und auf einen Auftritt von Aldis Hodge gehofft. Aber joa, der Ausflug von Burnham und Rayner war natürlich nur in eine mögliche Zukunft. Dennoch frage ich mich, ob wir bis Ende der Staffel (und Serie) noch erfahren werden, was es mit diesem „Short Trek“ auf sich hat, der den Bordcomputer Zora (Annabelle Wallis) in ähnlicher Weise eingeschlossen hat.

Die Breen werden erneut erwähnt und als zukünftige Bedrohung ausgemacht. Da muss natürlich noch mehr kommen und ich vermute mal, dass es sich dabei nicht nur um einen Deal mit Moll und L'ak handeln wird. Derart häufige Nennungen deuten an, dass diese Bedrohung sich noch manifestieren wird, und darauf bin ich sehr gespannt.

Fazit

Die staffelübergreifende Handlung lag diese Woche auf Eis, womit es nicht wirklich weiterging. Aber in Sachen Charaktere weiß Face the Strange die richtigen Hebel zu bedienen und geht einen Weg, der zwischen Humor und Charakterentwicklung anzusiedeln ist. Entsprechend gut hat mir diese Episode auch gefallen, der ich vier von fünf Sternen geben würde. Und ihr?

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 20. April 2024
Episode
Staffel 5, Episode 4
(Star Trek: Discovery 5x04)
Deutscher Titel der Episode
Die Zeitspinne
Titel der Episode im Original
Face the Strange
Länge der Episode im Original
52 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 18. April 2024 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 18. April 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 18. April 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 18. April 2024

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 5x04

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