Star Trek: Discovery 4x07

© zenenfoto aus der Serie Star Trek: Discovery, (c) Paramount+
...But to Connect
Mit der Episode But to Connect verabschiedet sich die Serie Star Trek: Discovery in eine kleine Winterpause. Nächste Woche übernimmt (in den Staaten) Star Trek: Prodigy mit wöchentlich neuen Episoden, ehe die Discovery sich ab dem 10. Februar wieder auf die Reise macht. Die Wartezeit dürfte sich lang anfühlen, denn die bislang vielleicht beste Folge der vierten Staffel macht sehr neugierig auf den weiteren Verlauf und die Spezies 10C, die hinter der Gravitationsanomalie steckt und bald Besuch von der Föderation erhalten wird. Jedenfalls, sofern Book (David Ajala) und Tarka (Shawn Doyle) nicht vorher großen Schaden anrichten, wie es der Cliffhanger verspricht.
Aber zurück zu dieser Woche. Es gibt kein großes Actionspektakel, keine Zweikämpfe oder Weltraumschlachten. Die „Gefechte“ sind vielmehr verbal gestaltet und finden in zwei größeren Handlungssträngen statt. Der eine betrifft die weitere Vorgehensweise, mit der der Anomalie und der unbekannten Spezies zu Leibe gerückt werden soll. Versucht man es diplomatisch mit ausgestreckter Hand oder ist es dafür bereits zu spät und der angerichtete Schaden durch die DMA bereits zu groß für eine friedliche Lösung? Book und Michael (Sonequa Martin-Green) finden sich hier auf unterschiedlichen Seiten wieder, während die Stimmung bei den Föderationsmitgliedern und anderen Teilnehmern der Versammlung, die Präsidentin Rillak (Chelah Horsdal) einberufen hat, ähnlich gespalten ausfällt.
Im zweiten Handlungsstrang bereitet Zora (Annabelle Wallis) Probleme, denn der Schiffscomputer weigert sich, die ermittelten Koordinaten der unbekannten Spezies herauszurücken. Paul Stamets (Anthony Rapp) darf die Rolle des Kritikers übernehmen und zeigt die Gefahren der künstlichen Intelligenz auf, die seit geraumer Zeit Emotionen hat. Unter der Aufsicht von Kovich (David Cronenberg) findet ein Dialog statt, der über die weitere Vorgehensweise mit dem Schiffscomputer entscheiden soll. Dabei werden mehrere interessante Entdeckungen gemacht.
Hier kannst Du „Star Trek - Discovery: Staffel 4 im Stream“ bei Amazon.de kaufen
Du kannst Star Trek - Discovery: Staffel 4 im Stream jetzt sofort bei Amazon Prime Video streamen
Tarka
Wenn es einen Schwachpunkt in der Episode gibt, dann finden wir diesen bei Ruon Tarka. Wir erhalten zwar ein paar Hintergründe zu seiner Vergangenheit und eine Motivation, die ihn vorantreibt, aber mit Blick auf die Waffe, die er einzusetzen gedenkt, um die DMA (und noch viel mehr) zu zerstören, ergeben sich diverse Widersprüche. Widersprüche, die Book leider nicht auffallen, wenn er sich von Tarkas Vorhaben um den Finger wickeln lässt, auch wenn Book jederzeit nachvollziehbar mit Blick auf den Verlust von Kwejian agiert.
Führen wir uns die etwas spärlichen Informationen über Tarka einmal vor Augen und behalten im Hinterkopf, dass er die einzige Quelle ist, die uns (und Book) zur Verfügung steht. Er möchte „nach Hause“, womit ein Paralleluniversum gemeint ist, welches geradezu paradiesisch sein soll. Für die Reise benötigt Tarka eine große Energiequelle, ähnlich wie sie von der DMA genutzt wird, die er angeblich zu zerstören gedenkt. Das Paralleluniversum soll übrigens nicht das Spiegeluniversum sein, mit welchem wir bereits recht vertraut sind - aber wie gesagt, ist Tarka die einzige Quelle dafür, weshalb diese Information auch falsch sein könnte. Und wir wissen seit der ersten Staffel, wo ein gewisser Lorca (Jason Isaacs) den Sporenantrieb genutzt hat, um die Discovery ins Spiegeluniversum zu führen, dass der Sporenantrieb ausreicht, um die Schwelle vom einen ins andere Universum zu überschreiten. Wenn Tarka also einen funktionsfähigen Sporenantrieb hat, wie uns in den letzten Szenen der Folge aufgezeigt wird, könnte er damit sicher auch in ein anderes Universum gelangen und bräuchte gar nicht erst eine größere Energiequelle finden. Ganz zu schweigen davon, dass Tarka und sein namenloser „Freund“ bereits an einem Weg gearbeitet haben, um die Schwelle zu überschreiten.
Andererseits und mit Blick darauf, dass Tarka die einzige Informationsquelle ist, die uns aktuell zur Verfügung steht, könnte seine Motivation gänzlich anders aussehen. Ich wittere hier einen Bösewicht, der vielleicht sehr viel mehr über die uns noch unbekannte Spezies 10C weiß. Denn sein Modell über die Funktionsweise der DMA, wie in The Examples präsentiert, deutet darauf hin, dass er bereits besser im Bilde darüber ist, wie diese Spezies agiert und wie die DMA funktioniert. Dass er jetzt den Vorschlag bringt, eine Waffe einzusetzen, die eigentlich seit dem Khitomer-Abkommen (schöne Referenz) verboten ist, trägt dazu bei, dass sein Charakter immer weiter in die zwielichtige Ecke abdriftet. Oder wie seht ihr das?
Versammlung und Abstimmung
Präsidentin Rillak bringt eine große Anzahl von Spezies an einen Tisch, um über das weitere Vorgehen abzustimmen. Unsereins hätte sicher gerne mehr Stimmen gehört und noch mehr (bekannte) Spezies gesehen, als hier präsentiert. Aber diejenigen, die kurz mal in kleinere Dialoge eingebunden werden, sind allesamt sehenswert und nachvollziehbar gestaltet. Die Bedeutung dieser Zusammenkunft merkt man jedenfalls immer und wenn man kurz darauf blickt, wie die Meinung von Ndoye (Phumzile Sitole) aussieht, die wir in People of Earth kennengelernt haben, schwingt dort sicher auch ein gutes Maß Kritik an unseren aktuellen, realen und rein irdischen Problemen mit. Im seriellen Sinne durchdacht wirken die Auftritte von Lee'U (Alex McCooeye), den wir zuletzt im Staffelauftakt gesehen haben.

Aber der Elefant im Raum ist natürlich die DMA und wie man nun agiert, um weitere Katastrophen zu verhindern. Ich kann Books Standpunkt nachvollziehen und nachdem Tarka eine mögliche Lösung (mit potenziell großen Konsequenzen) aufgezeigt hat, ist es nur verständlich, wenn diese in Betracht gezogen wird, um weitere Verluste zu vermeiden. Aber es passt halt weder zu „Star Trek“ noch zur Föderation, hier einen konsequent aggressiven Weg zu beschreiten, um das aktuelle Problem in den Griff zu bekommen. Eine ausgestreckte Hand mit dem Willen zum gegenseitigen Verständnis wird sicher fruchtbarer sein, als mit einer ausgestreckten Waffe auf die vermeintlichen Aggressoren zu reagieren, die vielleicht gar nicht wissen, welchen Schaden sie bislang angerichtet haben.
Mit Blick auf unsere bekannten Figuren ist es nicht verwunderlich, dass die Wege von Michael und Book sich vorerst trennen werden. Das Beziehungsdrama wird zwar dadurch entschärft, dass Grudge in die Obhut von Michael gegeben wird (die „Königin“ faucht nicht mehr), aber die Trennung hinterlässt doch tiefe Kerben und lässt die weitere Beziehung zwischen beiden Figuren fragwürdig erscheinen. Hoffen wir mal, dass Book noch erkennt, mit wem er sich da eingelassen hat.
Hier kannst Du „Star Trek: Discovery: Staffel 3“ bei Amazon.de kaufen
Du kannst Star Trek: Discovery: Staffel 3 jetzt sofort bei Amazon Prime Video streamen
Zora
Ich habe mir zwar vor die Stirn geklatscht, als Zora die Koordinaten nicht herausgeben wollte und somit einen Befehl verweigert, aber der weitere Verlauf dieses Handlungsstrangs macht alles mehr als wett. Im Gegenteil, Paul darf alle Befürchtungen äußern, die mit dieser emotional angelegten künstlichen Intelligenz einhergehen und bringt tatsächlich Control als ein Beispiel dafür, wie schief es bei diesem Thema laufen kann. Aber ungleich aller Befürchtungen bietet Zora direkt einen Twist, wenn sie ein Gerät präsentiert, welches sie dauerhaft auslöschen könnte. Also nichts in Richtung Skynet und Konsorten, vielmehr möchte Zora die Koordinaten deshalb nicht preisgeben, weil sie sich um unsere Crew sorgt.
Die Herangehensweise wirkt somit frisch, wobei sich auch Gray (Ian Alexander) und Adira (Blu del Barrio) in die Diskussion einbringen, Dr. Culber (Wilson Cruz) Ratschläge geben darf und Saru (Doug Jones) ebenfalls an dieser Entdeckungsreise teilnimmt. „Not to destroy, but to connect“ lautet das Motto auch hier, wenn Zoras Motive zum Vorschein kommen, ihr Unterbewusstsein entdeckt wird und sie schließlich den Status einer neuen Lebensform erhält. Die Lösung, die letztlich auf gegenseitiges Vertrauen basiert, hat mir ebenfalls sehr gefallen.
Sonstiges
Gray Tal verlässt am Ende die Discovery, um sich in die Obhut von Guardian Xi (Andreas Apergis) zu begeben. Saru hat ein Geschenk für T'Rina (Tara Rosling) und Adira nimmt sich etwas Urlaub, um Gray zu seinem neuen Zuhause zu begleiten. Während Sarus kleine „Romanze“ fortgesetzt wird, heißt es offenbar vorerst Abschied nehmen von Gray Tal. Schon ein bisschen schade, zumal es diese und letzte Woche so schien, als wenn man Gray nun stärker in die Abenteuer integrieren würde.

Fazit
Abermals eine Episode, die sich in klassischen Gefilden bewegt, ohne die aktuelle Krise aus den Augen zu verlieren. Beide Handlungsstränge wissen zu überzeugen, wobei mir insbesondere der Verlauf um Zora gefallen hat. Tarka würde ich allerdings nicht über den Weg trauen. Von mir gibt es diese Woche viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Trailer zur nächsten Folge:
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode (4x08) der Serie Star Trek: Discovery:
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 1. Januar 2022(Star Trek: Discovery 4x07)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 4x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?