Star Trek: Discovery 4x02

© avid Ajala und Sonequa Martin-Green in Star Trek: Discovery, (c) Paramount+
Anomaly
Die Zukunft bleibt ungewiss und lässt sich weder mit wissenschaftlichen Mitteln noch mit einer Glaskugel vorhersehen. Okay, ein bisschen natürlich schon und selbst in der größten Krise bleibt stets der Faktor Hoffnung bestehen, auch wenn es mitunter sehr, sehr düster aussehen mag. Nein, ich spreche jetzt nicht von der Corona-Pandemie, die uns (hierzulande) seit ungefähr März 2020 in Schach hält, seit letztem Mittwoch aufgrund der vierten Welle mit den höchsten Inzidenzwerten ever nun die 3G-Regel an den Arbeitsstätten erfordert, die Intensivstationen (mal wieder) überlastet und eben längst nicht überwunden ist. Aber diverse Parallelen finden sich in Anomaly schon, wo die Gravitationsanomalie um sich greift, zahlreiche Opfer fordert(e) und erforscht werden muss, um ein Mittel zu finden, welches betroffene Regionen warnt und letztlich der Bedrohung Einhalt gebieten kann. Der Vergleich mag etwas schwammig sein, aber ich glaube schon, dass die Autorinnen Anne Cofell Saunders und Glenise Mullins hier (auch) die Pandemie im Hinterkopf hatten, als sie diese Folge schrieben.
Das gesagt, sieht es nach dem Auftakt Kobayashi Maru ebenfalls recht düster für unsere Figuren aus, die sich in Gefahr begeben müssen, um die Anomalie zu erforschen. Allerdings tragen viele, insbesondere Cleveland Booker (David Ajala), der seine Heimatwelt Kwejian verloren hat, Schuldgefühle mit sich rum. Manche größer, manche kleiner, womit aber der „menschliche Faktor“ dominiert, der uns einzelne Figuren näherbringt und deren Sorgen und Nöte gekonnt in die Episode einbaut. Teilweise mag das mit einem Augenzwinkern versehen sein und sich der humoristischen Schiene bedienen, aber dominant ist tatsächlich die Auseinandersetzung mit den (jüngsten) Ereignissen, die unseren Charakteren eine Menge abfordern, Entscheidungen überdenken lassen oder gar von Unsicherheit geprägt sind.
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Letzte Woche hatte ich kritisiert, dass Saru (Doug Jones) womöglich zu schnell zurück zur Föderation und der Discovery findet, was sich nun bestätigt. Den von Admiral Vance (Oded Fehr) vorgeschlagenen Captain's Chair schlägt er aus und nimmt stattdessen den Platz des ersten Offiziers an der Seite von Captain Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) ein. Hauptsächlich, um sie zu beraten, womit die Rollen nun leicht umgekehrt (naja, nicht ganz) gegenüber der dritten Staffel sind. Aber Saru darf wieder glänzen, findet jederzeit die passenden Tipps und Ratschläge, womit seine Entscheidung sicher die richtige war.
Captain Michael Burnham
Wie uns zu Beginn der Folge aufgezeigt wird, sind nicht nur die Föderation und deren Mitglieder daran interessiert, die Gravitationsanomalie genauer zu untersuchen. Ni'Var ist (noch) kein Teil dieses Bündnisses, aber die Anwesenheit von T'Rina (Tara Rosling) ist ein gutes Beispiel dafür, dass in Anbetracht der katastrophalen Folgen der Anomalie gerne Differenzen beiseitegelegt werden, um gemeinsam eine Lösung zu finden und einander zu helfen. So wird der Stand der Dinge mitsamt aktuellen Theorien vorgestellt, ehe die Discovery aufbricht, um weitere, dringend benötigte Daten zu sammeln - und dafür unter dem Kommando von Captain Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) versucht, der titelgebenden Anomalie zu Leibe zu rücken.

Mr. Spock, äh, Mr. Saru zeigt sich von Beginn an wertvoll, als es für Michael darum geht zu entscheiden, ob Booker sich mit seinem Schiff in die Höhle des Löwen begeben soll. Denn Bookers Schiff erfüllt alle Voraussetzungen, um an die nötigen Daten heranzukommen und Cleveland ist natürlich derjenige, der sein Schiff am besten bedienen kann. Allerdings hat „Book“ den Verlust von Kwejian und somit von Kyheem (Ache Hernandez) und Leto (Luca Doulgeris) längst nicht verkraftet (wie auch?), sieht sich wieder und wieder die Aufzeichnungen dazu an und versucht, sich (nicht nur) emotional zu isolieren. Da wäre Detmer (Emily Coutts) eventuell die bessere Option gewesen.
Aber es ist nicht nur das Ziel diese Episode, mehr über die Bedrohung zu erfahren. Wir sollen uns vielmehr in jede Figur hineinfühlen, was nicht nur die Hauptfiguren betrifft. Michael steht vor der Situation, hier Persönliches und Dienstliches voneinander trennen zu müssen, was sichtlich schwerfällt. Sie weiß um Books labilen Zustand, von dem er sich nichts anmerken lassen will (vorerst jedenfalls), gleichzeitig weiß sie aber auch, dass er die beste Option für das Gelingen der Mission ist. Sarus Rat ist da tatsächlich sehr gut, denn mit ein paar Sicherheitsvorkehrungen in Form von Hologramm-Stamets (Anthony Rapp) und einer Art Anker gibt es zunächst jederzeit die Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen.
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Sinn und Zweck dieses Abschnitts soll aber sein, Sonequa Martin-Green für ihre Darstellung zu loben. Von der Motivationsrede (okay, die kann vermutlich jede/r) über Michaels Versuch, Book ein wenig Trost zu spenden bis hin zur (rettenden) privaten Kommunikation mit Cleveland und darüber hinaus, erhalten wir sehr tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt und Motivationen. Zudem hat Michael ein offenes Ohr für Ratschläge und scheint weniger darauf bedacht, den sonst üblichen Alleingang zu wählen. Eine Entwicklung, die mit Blick auf ihr Privatleben und ihre Position als Captain gleichermaßen punkten kann.
Paul Stamets & Cleveland Booker auf Mission
Weder Paul noch Book sind wirklich begeistert, dass sie gemeinsam auf die Datensuche gehen müssen, was wir beiden Figuren direkt anmerken. Während Paul versucht ist, das Eis durch Plapperei zu brechen, will Book davon nichts wissen. Es mag ein Klischee sein, wenn beide Figuren am Ende zu einem freundschaftlichen Verhältnis kommen und sich gegenseitig respektieren, aber wenn es so umgesetzt wird wie hier, habe ich überhaupt kein Problem damit. Im Gegenteil, mich freut es immer, wenn unterschiedliche Persönlichkeiten doch irgendwie zusammenfinden und erkennen, dass der gegenüber trotz unterschiedlicher Ansichten nicht unbedingt verkehrt ist.

Ein Großteil der Folge beschäftigt sich ausgiebig mit Paul und Cleveland, wobei nicht nur Grudge ersteren nicht riechen kann. Das von Kälte dominierte Verhältnis zwischen den beiden soll sich aber legen, je weiter die Episode voranschreitet. Es wird offenbart, weshalb sich beide eigentlich nicht ausstehen können, nur selten ein Wort miteinander verloren haben. Aber wenn Paul sich für die Rettung seiner Familie (in der letzten Staffel) bedankt und Cleveland verspricht, sich umgehend an die Datenanalyse zu machen, können wir direkt begeistert sein. Schließlich wissen wir, dass Paul als Persönlichkeit oft schwierig ist. Auf der anderen Seite haben wir Cleveland, das Paradebeispiel eines Einzelgängers, der sich diese Woche wieder schwertut, selbst Michael gegenüber einzugestehen, dass er nicht auf der Höhe ist.
Mir hat die gemeinsame Entwicklung dieser beiden Figuren jedenfalls hervorragend gefallen. Klischee oder nicht, hier wird abgeliefert und sich auf zwei unterschiedliche Figuren konzentriert, die am Ende des Tages den Beitrag dazu liefern, die größere Geschichte weiterzubringen und obendrein noch zueinander finden, obwohl die grundsätzliche Einstellung etwas anderes prognostiziert.
Nebenhandlungen
In den Nebenhandlungen ist Adira (Blu del Barrio) stets präsent, welche sich mit dem neuen Körper von Gray Tal (Ian Alexander) beschäftigt, gleichzeitig aber auch Tilly (Mary Wiseman) beeindrucken möchte, den Einsatz der letzten Episode noch in den Gliedern hat und weiterhin nach dem Weg sucht, der Erfüllung verspricht. Mich erinnert Adira zurzeit sehr stark an Tilly in den ersten Staffeln der Serie. Über-ambitioniert, wobei sich die Fähigkeiten nicht absprechen lassen und auch irgendwie immer nach Lob suchend, weil in einer Art Außenseiter-Position. „Ein wenig kindlich“ wäre vermutlich die beste Beschreibung dieser Figur, wenngleich in Bezug auf Gray wesentlich erwachsenere Ansichten durchschwingen.
Apropos Gray, da bin ich mir nicht sicher, ob es den Wink auf Star Trek: Picard benötigt hätte, den Culber (Wilson Cruz) bei der Vorstellung von Grays zukünftigen Körper bringt. Klar, kann man machen und wenn sich diese Technologie in den letzten 800 Jahren nicht weiterentwickelt hat (warum nur?), ist das natürlich die beste Option. Culber selbst kommt derweil in seinen Szenen stets sympathisch rüber, sei es vor Pauls Einsatz oder in Gesprächen mit einzelnen Crewmitgliedern wie Tilly, die auch mit diversen Geschehnissen zu kämpfen hat und am Ende in Aussicht stellt, seine Hilfe wahrzunehmen.
Es ist tatsächlich beeindruckend, wie viele Charaktere hier ein paar Szenen bekommen, die zum Großen Ganzen beisteuern und das Drama unterstützen. Das steigert den Eindruck davon, wie ernst die Lage ist und dass nicht nur Michael versucht, sich emotional zu finden und gleichzeitig die Situation meistern möchte. Mögen die gefundenen Daten Hinweise auf eine Lösung liefern, wenngleich Tilly da am Ende eine Veränderung bemerkt, die auf Unberechenbarkeit hindeutet. Aktuell scheinen wir damit storytechnisch nicht viel weitergekommen zu sein, aber dafür kommen wir bei unseren Figuren weiter und das ist in meinen Augen das wichtigste. Und wenn selbst ein Bryce (Ronnie Rowe) mit nützlichen Tipps aufwarten kann, zeigt das nur abermals auf, dass die Crew trotz möglicher Differenzen ebenso zusammenhält wie alle Spezies, die sich mit der neuen Bedrohung auseinandersetzen müssen.
Effekte & Co.
Das (menschliche) Drama mag dominieren, aber die actionreichen Szenen gibt es natürlich trotzdem und Olatunde Osunsanmi weiß, wie man das Ganze gekonnt inszeniert. Allerdings war ich mir nicht immer sicher, ob da konsequent vorgegangen wird. Warum liegen nach dem überraschenden Auftritt der Anomalie auf der Discovery Steine auf der Brücke? Eingangs wird außerdem ein Filter von der Crew benutzt, um diverse Aspekte der Anomalie sichtbar zu machen, später scheint sie auch ohne diese sichtbar zu sein. Und sollte durch den Anker nicht auch die Kommunikation gewahrt werden, die plötzlich ohne möglich ist? Nicht falsch verstehen, ich finde die Effekte nach wie vor kinoreif und überzeugend, hätte mir aber an manchen Stellen etwas leicht anderes erwartet.

Gefreut hat mich allerdings, dass Zora (Annabelle Wallis) jetzt offiziell der Schiffscomputer ist und sich obendrein selbst benannt hat. Damit kommen wir sicher Calypso etwas näher, können uns gleichzeitig aber auch fragen, was passiert, wenn die AI namens Zora sich nicht einverstanden mit der Vorgehensweise der Crew erklärt. Vielleicht ein Problem von morgen, aber eben eines, welches wir im Hinterkopf behalten sollten.
Fazit
Unsereins ist durchweg beeindruckt von dieser Folge und hat nur wenige, eher marginale Kritikpunkte zu äußern. Die mögen zwar an der Bestwertung kratzen, ändern aber nichts daran, dass unser Ensemble hier eine dramatische Glanzleistung abliefert und die Situation weiterhin äußerst spannend bleibt. Von mir gibt es diese Woche viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
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Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 26. November 2021(Star Trek: Discovery 4x02)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 4x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?