Star Trek: Discovery 1x05

Star Trek: Discovery 1x05

In der Folge Choose Your Pain der US-Serie Star Trek: Discovery wird Captain Lorca von Klingonen entfĂŒhrt. Michael Burnham macht derweil darauf aufmerksam, dass die Benutzung des Sporenantriebs dem BĂ€rtierchen stark zusetzt.

Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Choose Your Pain“ (c) Paramount/CBS
Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Choose Your Pain“ (c) Paramount/CBS
© zenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Choose Your Pain“ (c) Paramount/CBS

Choose Your Pain

Der Titel der aktuellen Episode der Serie Star Trek: Discovery könnte kaum treffender sein, dominiert er doch alle HandlungsstrĂ€nge. Unsere Figuren mĂŒssen zahlreiche Entscheidungen fĂ€llen und die meisten sind auf die eine oder andere Art und Weise mit Schmerzen verbunden - und das nicht immer fĂŒr den eigenen Körper. Wortwörtlich wird uns die titelgebende Phrase von den Klingonen prĂ€sentiert, die damit jeweils einen ihrer Gefangenen vor die Wahl stellen, welchem Mitgefangenen sie sich als NĂ€chstes mit aller BrutalitĂ€t widmen sollen. Auf der Discovery betrifft der Schmerz hingegen in erster Linie unser BĂ€rtierchen, wobei die EntscheidungstrĂ€ger hier Michael Burnham (Sonequa Martin-Green), Paul Stamets (Anthony Rapp) und Saru (Doug Jones) sind.

Wer sich in der letzten Folge noch fragte, wie die Föderation auf den Sporenantrieb setzen kann, wenn doch der „Supercomputer“ deutlich leidet, bekommt hier eine Antwort. Schon in den Eröffnungsszenen wird uns anhand eines Alptraums von Michael gezeigt, wie sie gleichzeitig in der Kammer des Sporenantriebs hockt und von außen die Kontrollen bedient. Viel besser lĂ€sst sich wohl kaum verdeutlichen, dass ihr der Einsatz des BĂ€rtierchens schwere Gewissensbisse verursacht - schließlich war sie es, die die Funktion des Rippers entdeckte und Stamets darauf aufmerksam machte. Jetzt heißt es also, diesen Fehler in den Griff zu bekommen und eine Alternative fĂŒr das BĂ€rtierchen zu finden. Dummerweise wird der Antrieb aber sehr schnell wieder benötigt, um sich tief in feindliches Territorium vorzuwagen und Captain Lorca (Jason Isaacs) zu retten - schwere Entscheidungen.

Die zweite große AuffĂ€lligkeit ist die Anzahl der Referenzen auf alte Star-Trek-Serien, die es diese Woche verstĂ€rkt gibt. Harcourt „Harry“ Fenton Mudd (Rainn Wilson) ist nur der deutlichste Faktor, der uns in Person vor Augen gefĂŒhrt wird. Eine ganze Reihe von Namen gibt es hingegen bei Saru zu erblicken, der eine Liste der höchstdekorierten SternenflottenkapitĂ€ne anfordert. Ohne auf die ganzen Namen genauer eingehen zu wollen (die meisten dĂŒrften ohnehin bekannt sein), dĂŒrfte dem geneigten Trekkie ein gewisser Matthew Decker (William Windom) besonders ins Auge fallen, der in The Doomsday Machine (dt.: „Planeten-Killer“) seine gesamte Crew verlor (in dieser Zeitlinie ĂŒbrigens noch ein zukĂŒnftiges Ereignis). Wie uns Lorca nĂ€mlich offenbart, hat er beim „Battle at the Binary Stars“ ebenfalls seine gesamte Crew verloren - natĂŒrlich gibt es da gewaltige Unterschiede, die vor allem das „Wie“ und „Warum“ betreffen. Aber unterm Strich und mit Blick darauf, dass Lorca sich aus diesem Grund seine Augen nicht operieren lĂ€sst, erhĂ€lt der Captain der Discovery diese Woche doch einen positiveren Anstrich.

Ganz allgemein gesprochen erleben wir mit Choose Your Pain doch eine Art Wendepunkt in der Serie. Anhand der Situation um das BĂ€rtierchen rĂŒcken die uns bekannten Sternenflottenideale in den Fokus (die wurden also keineswegs ĂŒber Bord geworfen) und die Referenzen werden - durch Harry Mudd sehr offensichtlich, durch Matthew Decker eher subtil - doch ziemlich gut in die Episode eingebaut.

Bei den Klingonen

Kein guter Tag fĂŒr den Captain. Zuerst wird ihm beim Treffen mit Admiral Katrina Cornwell (Jayne Brook) verklickert, dass die Discovery im Krieg erstmal die FĂŒĂŸe stillhalten und sich auf Forschung konzentrieren soll und dann wird sein Shuttle auf dem RĂŒckweg auch noch von den Klingonen abgefangen. Knackpunkt bei der Entscheidung von Cornwell ist, dass der Sporenantrieb bislang nur der Discovery zur VerfĂŒgung steht und sich nicht auf anderen Schiffen erfolgreich in Betrieb nehmen ließ. Zwar prĂ€sentiert uns Stamets diese Woche eine mögliche Lösung fĂŒr das Fehlen weiterer BĂ€rtierchen, aber die letzte Szene am Spiegel deutet bereits an, dass sein Vorgehen nicht ohne Konsequenzen bleiben wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass andere Schiffe mit dem Antrieb ausgestattet werden, dĂŒrfte somit gegen null gehen - wie auch nicht anders zu erwarten war.

Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Choose Your Pain“
Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Choose Your Pain“ - © Paramount/CBS

Das eigentliche Abenteuer beginnt aber erst mit Lorcas EntfĂŒhrung, die direkt die Frage aufwirft, weshalb die Shuttles der Föderation so schlecht gesichert sind. Bei Gefangenentransporten ließe sich das ja noch nachvollziehen. Aber bei ranghohen Offizieren? Sehr merkwĂŒrdig, zumal die Discovery problemlos (ja gut, nicht ganz problemlos) ihren KapitĂ€n auch selber hĂ€tte abholen können.

Das soll aber nur ein kleiner Kritikpunkt sein, denn ohne diesen hÀtten wir vermutlich nicht die Bekanntschaft von Harry Mudd und Ash Tyler (Shazad Latif) gemacht. Mit letzterem ist dann auch die Riege der Hauptdarsteller vollstÀndig. Obendrein erhalten wir mit Dennas (Claire McConnell) einen weiteren Gegner im klingonischen Lager - und sie wird sich bestimmt noch blicken lassen.

Zu den „neuen“ Figuren: Harry Mudd wird treffend in Szene gesetzt. Rainn Wilson leistet gute Arbeit und seine Figur bekommt eine adĂ€quate Vorgeschichte, die sich mit zukĂŒnftigen Auftritten (Stella!) vereinbaren lĂ€sst. Harry hat von der Sternenflotte ein sehr kritisches Bild, wenngleich sich bezweifeln lĂ€sst, ob dieses - wie er meint - auch von anderen geteilt wird. Es wird wohl eher mit seinem gaunerischen Dasein zu tun haben, welches im Folgenverlauf natĂŒrlich aufgegriffen wird und zur Folge hat, dass Lorca ihn bei der Flucht zurĂŒcklĂ€sst. SpĂ€tere RĂŒckkehr (vor der Originalserie) keineswegs ausgeschlossen.

Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Choose Your Pain“
Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Choose Your Pain“ - © Paramount/CBS

Ash Tyler befindet sich seit der großen Schlacht der zweiten Episode in klingonischer Gefangenschaft. Die sieben Monate konnte er nur ĂŒberleben, weil Dennas ein „besonderes Interesse“ an ihm hat (welches uns doch sehr eindeutig erklĂ€rt wird). Er wird sicher eine gute Bereicherung unserer Crew sein (vielleicht als Ersatz fĂŒr Landry (Rekha Sharma)?), wobei sich absehen lĂ€sst, dass sein langer Aufenthalt bei den Klingonen noch psychische Folgen haben wird. Interessant dĂŒrfte außerdem sein erstes Treffen mit Michael werden - die bekanntlich fĂŒr den Kriegsausbruch verantwortlich gemacht wird (was uns Admiral Cornwell diese Woche erneut bestĂ€tigt). Da sind Konflikte vorprogrammiert.

Was unseren Captain angeht, kommt die Offenbarung, dass er seine alte Besatzung ins Jenseits schickte, um ihnen klingonische Kriegsgefangenschaft und damit einen qualvollen Tod zu ersparen, sicherlich als weiterer Schock daher. Aber nur auf den ersten Blick. Leider erfahren wir nicht, wie er ĂŒberleben konnte - was schade ist, denn das hĂ€tte uns sicher einen tieferen Einblick gegeben. Allerdings steht wohl fest, dass dieses Ereignis zu einem nicht unbedeutenden Teil seinen Charakter und seinen FĂŒhrungsstil geprĂ€gt hat. Mit aller Macht und allen Möglichkeiten gegen den Gegner, koste es, was es wolle - letzte Woche kam diese Einstellung noch als dem Wahnsinn nahe herĂŒber. Mit Blick darauf, dass er bereits eine komplette Besatzung verloren hat, wird es aber allmĂ€hlich nachvollziehbar, woher dieser Wahnsinn rĂŒhrt. Die RĂŒcksichtslosigkeit gegenĂŒber der eigenen Crew darf, nein, muss man dennoch sehr skeptisch sehen. Aber wie gesagt, sein Handeln wird verstĂ€ndlicher.

An Bord der Discovery

Michael hat festgestellt, dass der Zustand des BĂ€rtierchens sich stark verschlechtert hat. Diese Diagnose wird auch von Dr. Hugh Colber (Wilson Cruz) bestĂ€tigt und die beiden machen schließlich Paul Stamets darauf aufmerksam. Der reagiert zwar wie ĂŒblich sehr kĂŒhl, aber lĂ€sst sich dennoch vom Problem ĂŒberzeugen und macht sich daran, eine Alternative zu finden.

Stamets ist in diesem Handlungsstrang auch die Figur, die die grĂ¶ĂŸte Aufmerksamkeit verdient. Nachdem Saru den Weg von Lorca eingeschlagen hat und das Leben des BĂ€rtierchens erneut riskiert, wagt Paul beim nĂ€chsten Einsatz des Sporenantriebs ein Experiment und setzt sein eigenes Leben aufs Spiel. Diesen Zug hĂ€tten wir ihm wohl kaum zugetraut, wenngleich er letzte Woche etwas neidisch auf das BĂ€rtierchen war („I always wanted to converse with my mushrooms“). Somit eine gelungene Überraschung, schließlich wirkt Paul jetzt deutlich sympathischer. Ferner bekommen wir gegen Ende einen Blick auf seine Beziehung zu Hugh. Die beiden sind ein Paar, was die Dialoge der beiden ebenfalls unter einem anderen Blickwinkel prĂ€sentiert. Das berĂŒhmte, sich streitende alte Ehepaar kommt hier in den Sinn und funktioniert prĂ€chtig. Bleibt nur zu hoffen, dass Pauls Einsatz keine bleibenden SchĂ€den hinterlĂ€sst.

Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Choose Your Pain“
Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Choose Your Pain“ - © Paramount/CBS

Die verbalen Auseinandersetzungen zwischen Saru und Michael gehen derweil vorerst in eine andere Richtung. Denn es wird noch lange dauern, bis die beiden endgĂŒltig miteinander auf einem grĂŒnen Zweig landen. „You're not an enemy, Burnham, you are a proven predator.“ - das ist bitter. Allerdings werden die Dialoge hier gegen Ende wieder ausbalanciert und gehen in eine deutlich positivere Richtung. Die Teleskopszene zeigt das bereits wunderbar. Aber schließlich ist es Sarus Entscheidung, Michael mit der Heilung des BĂ€rtierchens zu beauftragen, was ihm die meisten Sympathiepunkte einbringt (und dem Tierchen die wohlverdiente Freiheit beschert).

Zuletzt noch ein paar Worte zu Tilly (Mary Wiseman). Das F-Wort („This is so fucking cool.“) mag vielleicht ein wenig zuviel des Guten gewesen sein. Aber ihre Figur bringt eine tolle Leichtigkeit ins Geschehen und lockert jede Szene, in der sie prĂ€sent ist, unverschĂ€mt gut auf. Als charakterlicher Gegenpol zu Michael funktioniert sie weiterhin - und dafĂŒr muss sie nicht einmal wach sein.

Fazit

Eine tolle Folge, die doch einige Wendungen mit sich bringt. Die DĂŒsternis der Serie wird mehr als einmal mit grellem Licht durchbrochen und lĂ€sst viele der Figuren am Ende deutlich positiver dastehen - und das bei einem Thema, welches von schmerzhaften Entscheidungen geprĂ€gt ist. Die NeuzugĂ€nge machen derweil einen ebenfalls guten Eindruck und haben Potenzial fĂŒr die Zukunft, ob sie nun mit Referenzen oder ohne dazustoßen. Kleinere MĂ€ngel finden sich zwar auch, können aber nur an der OberflĂ€che kratzen. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen.

Verfasser: Christian SchÀfer am Montag, 16. Oktober 2017

Star Trek: Discovery 1x05 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 5
(Star Trek: Discovery 1x05)
Deutscher Titel der Episode
WĂ€hle deinen Schmerz
Titel der Episode im Original
Choose Your Pain
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 15. Oktober 2017 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 16. Oktober 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 16. Oktober 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 16. Oktober 2017
Regisseur
Lee Rose

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 1x05

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