Star Trek: Discovery 1x04

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„The frontal lobe is overrated. It only contains memory and emotional expression. It's completely unnecessary.“ - Paul Stamets (Anthony Rapp)
Remain Klingon!?
Nachdem es letzte Woche nichts von den Klingonen zu sehen gab, erfahren wir nun, dass T'Kuvmas (Chris Obi) Schiff sich noch immer auf dem Schlachtfeld der beiden Auftaktfolgen befindet. Der Antrieb ist hin und obwohl Voq (Javid Iqbal) und L'Rell (Mary Chieffo) die Wracks in der Umgebung geplĂŒndert haben, wird noch eine Dilithiumquelle benötigt. Die gibt es zwar an Bord der Shenzou, aber trotz knapp werdender NahrungsmittelvorrĂ€te weigert sich Voq zunĂ€chst, Föderationstechnologie aufzugreifen und seinem Schiff einzuverleiben - mit den Ăberresten von Captain Georgiou (Michelle Yeoh) hatte er unterdessen keine Probleme.
Dieser Handlungsstrang, der sich parallel zu den Geschehnissen auf der Discovery abspielt, bereitet doch arge Kopfschmerzen. Da wurden die klingonischen HĂ€user also vereint und die Tarnvorrichtung von T'Kuvmas Schiff als ein essentielles und neues Mittel vorgestellt, welches der KriegsfĂŒhrung der klingonischen Seite einen enormen Vorteil bringt. Aber Kol (Kenneth Mitchell) kommt erst sechs Monate spĂ€ter auf die Idee, mal zu schauen, was aus dem Schiff geworden ist? Und was ist mit den anderen HĂ€usern? WĂ€hrend Kol von Beginn an EinwĂ€nde hatte, sollten die doch wenigstens stĂ€rkeres Interesse am Wiedervereiniger haben. RĂ€tselhaft.
Positiv lĂ€sst sich hingegen vermerken, wie Kol vorgeht, um das Vertrauen von Voq zu erhalten und am Ende mitsamt Schiff und Besatzung von dannen zieht. Leicht vorhersehbar vielleicht und auch etwas leichtglĂ€ubig von Voq, diesen Sinneswandel nicht mit einer guten Portion Skepsis zu betrachten. Aber doch effektiv, was das Resultat angeht. Vor dem Kollegen mĂŒssen sich also auch die eigenen Reihen in Acht nehmen.
Bei Voq und L'Rell wird derweil verstĂ€rkt Charakteraufbau betrieben, was vor allem die Beziehung der beiden Figuren miteinander betrifft. Wobei man sich hier nicht ganz sicher sein kann, ob da bei dem ganzen Gerede ĂŒber T'Kuvmas Lehren und Visionen von einem vereinten Klingonischen Reich nicht auch eine gewaltige Portion gegenseitiger, persönlicher Zuneigung mitspielt. Der Romanzenalarm schlĂ€gt hier jedenfalls mehrfach aus, wird durch L'Rells scheinbaren Verrat kurz schockgefroren und am Ende wieder aufgetaut.
War die Lage von Voq schon anfangs alles andere als optimal, steht er am Schluss wieder ganz unten und wird sich - Ă€hnlich wie Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) auf der Discovery - wieder nach oben arbeiten mĂŒssen. GlĂŒcklicherweise fĂŒr ihn ist er dabei nicht alleine und kann auf L'Rell setzen. Da dĂŒrfen wir schon halbwegs gespannt sein, wie die beiden das anstellen wollen.

Captain Lorca
Captain Gabriel Lorca (Jason Isaacs) ist ganz sicher niemand, den man als Vorgesetzten haben möchte. Bereits am Anfang treibt er seine Crew in einem simulierten Kampfszenario zum ĂuĂersten und hĂ€lt anschlieĂend eine Standpauke, als die Simulation mit der Zerstörung der Discovery endet. Er verlangt 150 Prozent von seiner Mannschaft, was vor allem Stamets diese Woche zu spĂŒren bekommt. Der Notruf von der Kolonie Corvan 2 - eine wichtige Dilithiumquelle der Föderation - fordert einen funktionierenden Sporenantrieb und Lorca setzt auf Biegen und Brechen alles daran, dass dieser von Stamets fertiggestellt wird. Die verbalen Auseinandersetzungen zwischen den beiden sind mehr als heftig, steigern sich zusehends und demonstrieren uns auf fesselnde Art und Weise, woher der Wind an Bord der Discovery weht. Oder vielmehr der Sturm.
Lorca erwartet Resultate, soviel steht fest. Gleichzeitig geht er hohe Risiken ein, beispielsweise wenn er Michael und Landry (Rekha Sharma) damit beauftragt, die Kreatur von letzter Woche waffenfĂ€hig zu machen. Hier nimmt Lorca in Kauf, dass die Discovery Ă€hnlich wie die Glenn enden könnte und Landry zeigt uns durch ihren Tod eindrucksvoll, was der hohe Druck unseres Captains fĂŒr Folgen haben kann (auch wenn es dumm war, nicht erst einmal zu schauen, ob der Ripper auch wirklich betĂ€ubt wurde, bevor sie das Kraftfeld deaktiviert).
An anderer Stelle wird der unfertige Sporenantrieb in Betrieb genommen und lĂ€sst die Discovery beinahe in einem Stern verenden. Und gegen Ende, als man tatsĂ€chlich Corvan 2 erreicht hat, benutzt Lorca eine Ă€uĂerst risikoreiche Strategie, um die angreifenden klingonischen Schiffe zu zerstören. RĂŒcksichtslos oder waghalsig sind da noch untertriebene Begriffe. Wahnsinn trifft es schon eher.
In Bezug auf Lorca kommt jedenfalls die Frage auf, wie er uns jemals sympathisch werden soll. Die erfolgreiche DurchfĂŒhrung der Mission kommt bei ihm vor der Sicherheit seiner Crew. Er ist niemand, der sich mit seinen Leuten hinsetzt, um bei einem Tee erstmal gemĂŒtlich zu besprechen, wie weiter vorgegangen wird - im Gegenteil: Wir sehen ihn die ganze Folge ĂŒber nicht einmal auf seinem Sitz auf der BrĂŒcke. Und dennoch ist da etwas - Charisma oder gerade die dem Wahnsinn nahe FĂŒhrungsqualitĂ€t? -, was die Figur (im wahrsten Sinne des Wortes) unheimlich interessant macht. An Spannung wird es der Serie mit einem solchen Captain in Zukunft sicher nicht mangeln.

Michael Burnham
Unser rangloses Crewmitglied wird diese Woche genau wie der Rest der Besatzung unter Druck gesetzt und erhĂ€lt die Gelegenheit, sich ein gutes StĂŒck zu rehabilitieren. Saru (Doug Jones) ist zwar keineswegs erfreut, als er sie im Turbolift trifft - „My ganglia remain unconvinced.“ -, aber seine ehrliche Art machen die Dialoge zwischen ihm und Michael wieder zu etwas Besonderem. Es wĂ€re auch unglaubwĂŒrdig gewesen, hĂ€tte er sich direkt gefreut, sie an Bord zu haben. Das VerhĂ€ltnis zwischen den beiden ist zwar nach wie vor angeschlagen, aber doch irgendwo von gegenseitigem Respekt begleitet und das gefĂ€llt. Als Michael ihn bittet, zum Raum mit der eingesperrten Kreatur zu kommen, um ihre These bezĂŒglich des Monsters anhand von Sarus Ganglien zu ĂŒberprĂŒfen, ist das einerseits zweckdienlich, aber auch wieder von einem tollen GesprĂ€ch begleitet.
Tilly (Mary Wiseman) erhĂ€lt dieses Mal weniger Szenen mit Michael, hat aber gegen Ende einen guten Auftritt. Bei ihr ist die Skepsis gegenĂŒber ihrer Zimmerkameradin nach diesem Abenteuer verflogen und leichte Begeisterung macht sich breit. Ferner bewegt sie Michael dazu, sich die Hinterlassenschaft von Captain Georgiou doch einmal genauer anzuschauen, was uns einen abschlieĂenden emotionalen Moment unserer Hauptfigur beschert.
GĂ€nzlich anders sind die Szenen mit Landry und Michael gestaltet, wobei uns hier eine weitere Entwicklung verwehrt wird. Einerseits schade, denn bei dem angespannten VerhĂ€ltnis hĂ€tte sicher noch Potenzial fĂŒr die Zukunft geschlummert. Andererseits, nunja, gab es an der Stelle einen der gröĂeren Schockmomente zu verbuchen und der konnte sich sehen lassen. Mit dem Ableben von Landry hat sich nicht so wirklich rechnen lassen. Zwar wurde sie letzte Woche verdĂ€chtig wenig charakterisiert, aber das lĂ€sst sich auch von anderen Figuren behaupten. So wurde uns beispielsweise erst in dieser Folge Dr. Hugh Culber (Wilson Cruz) vorgestellt und Keyla (Emily Coutts) war zwar anwesend, aber in Sachen Dialoge noch weniger aktiv als der Schiffsarzt.
AbschlieĂend seien hier noch die Szenen mit Stamets genannt, der ohnehin (siehe Zitat oben) einen weiterhin kĂŒhlen Eindruck hinterlĂ€sst und nur fĂŒr seine Forschung an Bord zu sein scheint. Dass Michael den entscheidenden Kniff fĂŒr den Sporenantrieb liefert, wird ihr aber sicher eine gute Portion Respekt von Paul beschert haben.

Das âMonsterâ
Zur Handlung um den Ripper, der sich als ĂŒbergroĂes BĂ€rtierchen entpuppt, sollen auch noch ein paar Worte verloren werden. Die Idee, das Monstrum als den âSupercomputerâ zu zeigen, der den Sporenantrieb steuert, war durchaus ein guter Kniff. Zumal Michaels Herangehensweise an das Untier vielleicht wieder mehr âTrek-Feelingâ aufkommen lieĂ, als es noch in der Vorwoche der Fall war. Vom Monster zum (vollwertigen?) Crewmitglied - keine schlechte Entwicklung fĂŒr eine Episode.
Allerdings steht da noch der eine oder andere Elefant im Raum. Am meisten Stirnrunzeln verursacht der Horrortrip zur Glenn aus Context is for Kings. Der Klingone wird wohl kaum die Kreatur provoziert haben, wurde aber trotzdem angegriffen. Ăhnliches galt da fĂŒr das AuĂenteam, welches bis zuletzt verfolgt wurde. Und jetzt handelt es sich nicht um ein Raubtier? Hmm, merkwĂŒrdig.
Eine andere Sache, die direkt mit dem Sporenantrieb zu tun hat, wÀre dann noch, wie es zum Unfall auf der Glenn kommen konnte. Wie Michael richtig analysiert, ist das BÀrtierchen ausgebrochen und hat sich seinen Weg durch das Schiff gekÀmpft. Aber wie ist das möglich, wenn die Glenn doch scheinbar den Sporenantrieb schon perfektioniert hatte? Am Ende passt alles zusammen und die Vorrichtung, die Stamets anfangs noch RÀtsel aufgegeben hatte, dient dazu, das BÀrtierchen in den Antrieb einzubinden, damit es das Schiff steuern kann. Soweit war die Glenn also schon. Und dann?
Sonstige Gedanken
DafĂŒr, dass Corvan 2 so wichtig fĂŒr die Föderation ist, wird es schlecht bewacht.
Die visuellen Effekte sind noch immer awesome.
Klingonen als Menschenfresser. Nahrungsnot oder doch (widerliches und unpassendes) Siegesritual?
Red Shirts sind nicht als solche wahrnehmbar.
NĂ€chste Woche: Harry Mudd (Rainn Wilson)!
Fazit
Eine gute Episode, die allerdings auch einige Ungereimtheiten an Bord hat. Besonders beim Handlungsstrang der Klingonen ergeben sich gröĂere RĂ€tsel, aber auch die Lösung der Probleme mit dem Sporenantrieb will nicht so ganz schmecken. DafĂŒr gefĂ€llt aber die Figurenarbeit, das Spannungslevel sowie die weiterhin im Kinoformat daherkommenden Effekte. Von mir gibt es diese Woche 4 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian SchÀfer am Montag, 9. Oktober 2017(Star Trek: Discovery 1x04)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 1x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?