Spinning Out: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

Spinning Out: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

In dem neuen Netflix-Drama Spinning Out spielt sich das große Drama auf und neben dem Eis ab. Die talentierte Kat tut sich schwer, nach einem schweren Sturz zu alter Form zurückzufinden. Zwischen seifenoperartigen Wendungen stricken die Autoren große Konflikte wie seelische Gesundheit und Rassismus geschickt ins Drehbuch.

Spinning Out (c) Netflix
Spinning Out (c) Netflix
© pinning Out (c) Netflix

Was elegant aussieht, erfordert harte Arbeit und hat auch keinen besonders guten Ruf: Hinter den Kulissen scheint durch die glitzernde Welt des Eiskunstlaufes ein rauher Wind zu wehen. In diese Kerbe schlägt auch das neue Netflix-Drama Spinning Out. In der verschneiten Kleinstadt in Idaho spielen sich zwischen der Eisbahn und der luxuriösen Ski-Lounge die großen und kleinen Tragödien ab. Ist der Suchtfaktor so hoch, dass man dranbleiben möchte?

Worum geht es?

Die 21-jährige Kat (Kaya Scodelario) hat eine große Karriere auf der Eisbahn vor sich. Zumindest, bis sie in einem wichtigen Wettbewerb einen schweren Sturz erleidet. Seitdem hat sie Ängste und bekommt kaum einen Sprung mehr hin. Außerdem erschwert wird ihr das Training durch ihre Sorge um die psychisch kranke Mutter Carol (January Jones) und die kleine Schwester Serena (Willow Shields), die neueste Eiskunstlauf-Hoffnung des Örtchens. Nachdem sie ihre Senior-Prüfung nicht schafft, entscheidet sich Kat dazu, hinzuschmeißen und mit ihrem Freund nach London zu gehen. Doch die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen, ist komplizierter als gedacht. Nicht nur ihre beste Freundin aus Eislaufcamp-Tagen, Jenn (Amanda Zhou), versucht, sie zu Hause zu behalten. Auch die strenge Trainerin Dasha (Svetlana Efremova) erinnert sie an ihr vielversprechendes Talent. Außerdem braucht sie eine neue Partnerin auf dem Eis für Justin (Evan Roderick). Er ist der Sohn des Skihotelbesitzers, des reichsten Mannes im Ort, und er will olympisches Gold gewinnen.

Statt Gold will ihr Arbeitskollege Marcus (Mitchell Edwards) in der Sky-Lodge lieber Kats Herz gewinnen. Er selbst steckt seinen sportlichen Ehrgeiz ins Skifahren, bei welchem er ziemlich erfolgreich abschneidet.

So viel zu den mehr oder weniger verworrenen Konstellationen, die sich jeden Morgen um Punkt fünf Uhr auf der Eisbahn treffen, um zu trainieren.

Schon in der Pilotepisode erleben wir, dass auch Kat genetisch nicht das einfachste Los gezogen hat. Wie ihre Mutter lebt sie mit der Diagnose bipolare Störung. Doch anders als Carol ist sie stolz darauf, ihren Zustand dank Medikamenten angeblich gut im Griff zu haben. Während sie ihre kleine Schwester vor den Episoden der Mutter schützt, wenden sich ihre Emotionen jedoch gegen sie selbst. So manches Training endet mit Selbstverletzungen. Trotzdem entscheidet sie sich dagegen, nach London zu gehen und fängt eine neue Karriere als Partnerläuferin mit Justin an. Zumindest ist das ihr Plan, bis sie feststellt, dass Justin bereits eine neue Partnerin gefunden hat: die anspruchsvolle Leah (Kaitlyn Leeb).

Wie kommt es rüber?

Wo Gossip Girl eine Lücke hinterlassen hat, versucht Spinning Out anzuknüpfen. In der luxuriösen Ski-Lodge prallen Geld, Ehrgeiz, Intrigen und große Gefühle aufeinander und treiben die Charaktere immer wieder in akute Seifenopernnähe. Doch dazwischen bringen die Autoren geschickt Themen ins Rennen, die man andernorts durchaus vermisst. Da wäre zum Beispiel die sexuelle Orientierung der zunächst mysteriösen Trainerin und die Tatsache, dass Marcus der einzige afroamerikanische Skiläufer im Team ist. Dabei ist es schön zu sehen, dass die Figuren auch abseits dieser Themen am Geschehen teilnehmen dürfen.

Im Hauptplot dürfen wir einem verhinderten Traumpaar zuschauen, aber viel interessanter als die Frage, ob denn nun Justin oder Marcus Kats Seelenverwandter ist, sind die innerfamiliären Konflikte. Zwischen den drei Frauen, alle eng mit dem Eis und der Kleinstadt verbunden, kriselt und knirscht es. Carol und Kat leben mit der Diagnose bipolare Störung, die junge Serena versucht, zwischen Naivität und Abgebrühtheit ihr eigenes Leben aufzubauen. Ob die Darstellung der psychischen Erkrankung dabei realistisch ist, ist schwer zu beurteilen. Die instabilen Launen, die irrationalen Entscheidungen und vor allem die Hilflosigkeit von Kat kommen intensiv rüber. Von der Klischeedarstellung früherer Zeiten ist das Spinning Out-Drehbuch zum Glück ein Stück weit entfernt. Im Verlauf der Episoden kristallisiert sich ein zweiter Konflikt innerhalb des Problems heraus: die gefühlte Notwendigkeit, die eigene psychische Krankheit und die der Angehörigen vor der Außenwelt geheim zu halten.

Zwischen Glanzlichter solcher beobachtender Szenen mischen sich immer wieder seifenopernartige Wendungen und Plots, die zu einem moderaten Suchtpotential beitragen. An anderen Stellen fördern sie vor allem das Augenrollpotential, wenn Charaktere absichtlich Arztwarnungen ignorieren und sich damit selbst zum Scheitern verurteilen.

Fazit

Die Serie Spinning Out hat eine dramatische Geschichte zu erzählen, die manchmal nervig, manchmal ziemlich stark ist, insgesamt kommt am Ende dabei ein Drama heraus, das dank zahlreicher bekannter und gern gesehener Gesichter und einem soliden Drehbuch ein gutes Binge-Potential entfalten kann. Sollte man dabei jedoch unterbrochen werden, könnte es aber auch sein, dass man die Sache zwischendurch vergisst und sie somit vom eigenen Radar verschwindet, bevor die erste Staffel überhaupt durchgelaufen ist.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie „Spinning Out“:

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