Sorry for Your Loss 1x01

Sorry for Your Loss 1x01

Auch Facebook mischt neuerdings auf dem internationalen Serienmarkt mit und präsentiert nun mit der halbstündigen Dramaserie Sorry for Your Loss seine erste größere Eigenproduktion. Darin spielt Elizabeth Olsen eine trauernde Witwe, deren Leben sich nach dem Tod ihres Mannes komplett verändert.

„Sorry for Your Loss“ (c) Facebook Watch
„Sorry for Your Loss“ (c) Facebook Watch
© ??Sorry for Your Loss“ (c) Facebook Watch

Netflix, Amazon, demnächst auch noch Apple und Disney - wir leben in einer Zeit, in der sich die verschiedensten Streamingdienstleister mit ihren unterschiedlichen Originalinhalten, ob nun Serien, Filme oder Dokumentationen, gegenseitig die Köpfe einschlagen und aggressiv um die Gunst sowie um die Aufmerksamkeit von uns Zuschauern buhlen. Gefühlt vergeht kein Tag, an dem nicht der nächste Anbieter den Schritt auf den internationalen Serienmarkt wagt, um an dieser aufregenden, wachsenden Branche teilzuhaben. Mit Netflix und Amazon haben sich bereits zwei große Namen etabliert, doch das Geschäft ist so wechselhaft und unberechenbar, dass auch deren beider Position früher oder später wackeln könnte. Vor allem, wenn die finanziell nicht wirklich schlechter aufgestellte Konkurrenz tatsächlich ernst macht und zum Großangriff bläst.

Der Einstieg von Apple und Disney ins Streaminggeschäft wird die Industrie in naher Zukunft ordentlich durcheinanderwirbeln, da sind sich die Experten sicher. Doch es gibt noch ein weiteres Unternehmen, das auf dem Papier gute Voraussetzungen hat, ebenfalls ein Stückchen von dem lukrativen Streaming-Kuchen abzubekommen: Facebook. Das soziale Netzwerk stand in den letzten Monaten zu Recht kräftig in der Kritik, unter anderem aufgrund des Umgangs mit vertraulichen Nutzerdaten. Es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass Facebook eben das größte soziale Netzwerk der Welt ist und wie YouTube (inzwischen ebenfalls im Seriengeschäft tätig) auf eine riesige Basis von Nutzern zurückgreifen kann, der man wiederum exklusive Inhalte präsentieren kann. Warum also nicht selbst Serien produzieren und die riesige Plattform nutzen, die man sich über die Jahre erschaffen hat?

Problem ohne Lösung

Vorhang auf für Facebook Watch, den logischen Schritt von Facebook, eine eigene Serienplattform auszuprobieren. Aktuell hat man seit der Gründung im August 2017 ein gutes Dutzend Formate im Programm, die die unterschiedlichsten Genres und Zielgruppen abdecken. Mit dem Neustart Sorry for Your Loss, seit dem 18. September online zu sehen, möchte man nun jedoch ein größeres Ausrufezeichen setzen. Der namhafte Cast um Hauptdarstellerin Elizabeth Olsen und die kompetente Machart könnten dabei äußerst hilfreich sein. Ob die Dramaserie von Kit Steinkellner letztlich jedoch nachhaltig Eindruck hinterlassen wird, kann man nach der sehr soliden (nicht mehr und nicht weniger) Pilotepisode allerdings nur schwer sagen. Dass es sich bei „Sorry for Your Loss“ aber um eine Serie handelt, die mit jeder weiteren Folge und Minute, die man mit den Charakteren verbringt, besser wird, erscheint auf den ersten Blick sehr wahrscheinlich.

Die Geschichte von „Sorry for Your Loss“ folgt Leigh Shaw (Olsen), eine junge Frau, deren Mann vor nicht allzu langer Zeit ums Leben gekommen ist. Nun muss sie irgendwie mit diesem tragischen Verlust umgehen und erkennt dabei, dass es nicht nur ihr Leben ist, das sich schlagartig verändert hat. Auch im direkten Umfeld schlägt dieses furchtbare Ereignis große Wellen. Für Leigh beginnt nun ein schwieriger Prozess, sich ihrer Trauer und ihren Gefühlen zu stellen, während sie gleichzeitig ihr neues Leben bei den Hörnern packen muss. Unterstützt wird sie dabei von ihrer unerschrockenen Mutter Amy (Janet McTeer) und ihrer jüngeren Schwester Jules (Kelly Marie Tran), die jedoch mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat.

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Facebook Watch
Facebook Watch - © Facebook Watch

Das Ende der Welt

Der Auftakt von Sorry for Your Loss gestaltet sich vergleichsweise bedächtig und gibt uns einen guten Überblick, an welchem Punkt sich die Figuren, allen voran Leigh, zu Beginn dieser Geschichte befinden. Die Erzählung wechselt zwischen dem Jetzt und Leighs neuem Leben als junge Witwe sowie ein paar Rückblicken auf ihr Eheleben mit dem verstorbenen Matt (Mamoudou Athie). Gelegentlich nimmt die Melodramatik etwas Überhand, einige Szenen muten fast schon ein wenig zu schön und kitschig an. Die harten Schnitte holen Leigh und uns Zuschauer aber relativ fix zurück in die graue Realität und die beschwerliche Gegenwart. In dieser nimmt Leigh an Gruppensitzungen für Trauerbewältigungen teil, was jedoch nur bedingt Hilfe in dieser sehr schmerzhaften Situation verspricht.

Aber wie soll sie sonst weitermachen? Es gibt keine Allgemeinformel, wie man mit dem Verlust eines besonderen Menschen umgehen soll. Der Trauerprozess ist individuell, aber andererseits nun mal auch nicht exklusiv. Das muss Leigh erst noch erkennen: Natürlich hat sie ihren Mann, wenn nicht sogar ihren Seelenpartner, verloren. Das tut unglaublich weh. Doch sie ist nicht allein mit diesem Schmerz. Danny (Jovan Adepo), Matts Bruder, hat ebenso mit dieser Tragödie zu kämpfen. Und auch an Leighs Schwester Jules geht der Tod von Matt nicht spurlos vorbei, wie könnte er auch? „Sorry for Your Loss“ gelingt es, ein komplexes Bild von Trauer zu zeichnen, das sich auf verschiedene Charaktere verteilt, die allesamt nicht so recht wissen, was sie nun tun sollen. Und das ist völlig normal, so unschön auch das Gefühl ist, sich völlig rat-, hilf- und machtlos zu fühlen.

Auf diese Basis und die alles anderen als einfachen Beziehungen zwischen den verschiedenen Charakteren lässt sich bauen, hier liegt ein großes Potential verborgen. Die Pilotfolge kann dieses wiederum nur oberflächlich offenlegen, denn zu oft wirkt „Sorry for Your Loss“ wie eine sehr gewöhnliche Allerweltsserie, der noch das gewisse Etwas fehlt, um vom Start weg restlos zu überzeugen. Elizabeth Olsen ist eine exzellente Schauspielerin und ein starker Fixpunkt für diese Serie, die jedoch offensichtlich Zeit benötigt, um sich und ihre Figuren Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Die Ansätze für ein sehenswertes Drama, dessen natürlicher Charme und kurze Laufzeit der Episoden ein angenehmer Vorzug sind, sind gegeben. Es wird sich nach der ersten Folge zeigen müssen, ob man eine eigenständige, originäre Geschichte mit greifbaren Charakteren erzählen kann - oder ob man sich in bereits erwähnter Melodramatik, ausgelutschten Plattitüden und uninteressanten Stereotypen verliert.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass eine sehr gute Serie in Sorry for Your Loss schlummert. Schenkt man den Eindrücken von diversen amerikanischen Kollegen zu den ersten vier Episoden Glauben, dann zeigt die Formkurve der Produktion steil nach oben. In einer Zeit, in der sich halbstündige Dramaserien erfreulicherweise neuerlicher Beliebtheit erfreuen (siehe Kidding, Vida, This Close, das im November startende Homecoming und viele mehr), hat Facebook Watch womöglich mit „Sorry for Your Loss“ einen kleinen Rohdiamant freigelegt, der jetzt noch poliert und feingeschliffen werden muss. Und das braucht ein wenig Zeit. So, wie es Zeit braucht, mit dem Tod eines Liebsten zurechtzukommen und sich irgendwie aufzurappeln. So schwer es einem auch fällt.

Die ersten vier Episoden von Sorry for Your Loss könnt Ihr Euch HIER auf Facebook ansehen.

Englischsprachiger Trailer zu „Sorry for Your Loss":

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 19. September 2018

Sorry for Your Loss 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Sorry for Your Loss 1x01)
Titel der Episode im Original
One Fun Thing
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 18. September 2018 (Facebook Watch)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 18. September 2018
Autor
Kit Steinkellner
Regisseur
James Ponsoldt

Schauspieler in der Episode Sorry for Your Loss 1x01

Darsteller
Rolle
Kelly Marie Tran
Mamoudou Athie
Janet McTeer
Amy

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