Sons of Anarchy 7x06

Sons of Anarchy 7x06

Mittlerweile ist es erstaunlich, wie man überlange Episoden der finalen Staffel in einen einzigen, langatmigen Prolog verwandeln kann, anstatt endlich mal die echten Probleme anzusprechen. Die SoA-Macher bleiben mit der Episode Smoke 'em if You Got 'em ihrer jüngsten Tradition treu.

Die Gang hat Großes vor in der Serie „Sons of Anarchy“ / (c) FX
Die Gang hat Großes vor in der Serie „Sons of Anarchy“ / (c) FX

Als die Sons of Anarchy-Crew in Interviews auf der Comic Con versprach, dass jede Episode der letzten Staffel sich wie ein Finale für sich anfühlen würde, war klar, dass hier vermutlich ein bisschen Übertreibung am Werk war. Doch was sie uns seit sechs Episoden wirklich abliefern, unterbietet die schlimmsten Befürchtungen. Auch Smoke 'em if You Got 'em reiht sich in die Reihe zielloser Geschichten ein, mit denen die Autoren offensichtlich ausschließlich die Zeit bis zum großen Showdown killen wollen. Müssen wir langsam einsehen, dass zumindest ein Teil der letzten Staffel der einst so interessanten Serie einfach an die Wand gefahren wird?

Der Cliffhanger, der keiner war

Gemma (Katey Sagal) wandert durch die Gegend und trifft sich auf ein Pläuschchen mit Gaststar Lea Michele, während Juice (Theo Rossi) es schafft, seine dümmsten Entscheidungen aus der jüngeren Vergangenheit noch zu überbieten. Die Szene, in der die beiden alleine im Nirgendwo mit einer Waffe stranden, löst sich im Nichts auf nachdem wir Juice lebendig sehen. Was ist hier eigentlich los? Die Sons of Anarchy-Macher verwehren uns die vermutlich emotionale und wichtige Szene von Juices Unfähigkeit, Gemma zu erschießen, um uns einmal mehr mit ziellosen Selbstgesprächen einer Mörderin zu langweilen.

Fast 60 Minuten dauert das neueste Werk und es fühlt sich an, als wenn man zwischendurch auch einfach mal Wäsche waschen gehen kann. Jax (Charlie Hunnam) balanciert weiter mit Feinden, Freunden und Alliierten, um zu seinem großen Ziel, der Rache an Lin (Kenneth Choi), zu gelangen. Dafür muss er in der Episode Smoke 'em if You Got 'em ein paar Rassisten davon überzeugen, dass sie die Farbe des Geldes der Farbe der Haut ihrer Geschäftspartner vorziehen, was zu einem weiteren Massaker führt.

Solange die Autoren uns jegliche Teilnahme an emotionalen Momenten verwehren, fühlen sich auch die anonymen Leichenberge nicht an wie ein Hinweis auf den Geisteszustand des Präsidenten. Seit Taras Tod endet jede Entscheidung, die Jax trifft, mit einer beachtlichen Anzahl an Leichen, doch es sind namenlose Figuren, bei denen sich auch niemand die Mühe macht, sie uns vorzustellen. Und wenn es doch einmal jemanden erwischt, den wir zu Lebzeiten mehr als einen Satz haben sagen hören - wie Colette (Kim Dickens) -, dann wird die Sache zu hohler Gefühlsduseligkeit mit einer seltsamen Portion schwarzem Tig-Humor zusammengestaucht. Das Zusammenspiel aus Gewalt, Humor und Emotion war einst das Steckenpferd der Sons of Anarchy-Autoren. Doch mit dem großen Showdown vor Augen, für den sie alles, was wichtig ist, aufheben wollen, haben sie diese Gabe offenbar verloren.

Alte Bande

Letztendlich hat die Episode Smoke 'em if You Got 'em nur eines zu bieten: Jax und die Jungs haben endlich Juice in ihrer Gewalt. Doch es dauert eine nervenzehrende Stunde bis sie ihn endlich wegführen. Dabei ist das Aufeinandertreffen der ehemaligen Brüder ohne Marcus' Beobachtung eine der wenigen Sachen, die wirklich interessieren im Moment.

Seit dem Beginn dieser Staffel können wir davon ausgehen, dass gewisse Dinge passieren werden: Jax wird sich entscheiden müssen, wie er mit Juice umgehen will, Jax wird erfahren, dass sein Racheplan auf einer einzigen Lüge seiner Mutter aufgebaut ist. Bisher arbeiten die Sons of Anarchy-Autoren sich quälend langsam in diese Richtung, jedoch ohne uns für den Weg etwas Interessantes eingepackt zu haben.

Der Cliffhanger am Ende der letzten Episode war ein einziger Witz. Die Episode Smoke 'em if You Got 'em schließt nun wieder mit dem drohenden Tod einer wichtigen Figur ab. Irgendetwas sollte nun also daraus werden. Wenn ein flehender Juice sich verzweifelt seinem ehemaligen Präsidenten anvertraut, dann muss man sich wirklich fragen, wieso es sechs Episoden und zahllose vergebene Chancen gedauert hat, bis wir dort angekommen sind.

Juice hat so einige Probleme, das wissen wir ja nicht erst seit dem Mord an Tara. Er hat niemanden außerhalb des Clubs und hängt mit seinem Leben an seinen Brüdern. Doch er ist in Ungnade gefallen. Irgendwie kann man ihm kaum die Schuld dafür geben. Er hat auf Jax' Befehl hin eine unschuldige Frau getötet und dieses Geheimnis Nero (Jimmy Smits) während einer Überdosis anvertraut. Er ist mehr wie ein Kind, das um Seelenfrieden und Zuneigung bettelt als ein harter Gangster. Sein Tod hätte beste Voraussetzungen tragisch zu werden, doch im Moment wird jegliche Emotionalität in Bezug auf Juice so weit heruntergefahren, dass man sich fast nur noch wünscht, es möge einfach schnell vorbei sein für ihn.

Die Mördermutter

Am wahrscheinlichsten scheint es im Moment zu sein, dass Nero eins und eins zusammenzählt und Gemmas Verbindung zum Mord an Tara (Maggie Siff) herausfindet. Wer sich an alte Sons of Anarchy-Staffeln erinnert, der findet darin eine bestechende Tragik. Doch wenn man den Weg, der dann wirklich zu dieser Entwicklung führt, ansieht, fühlt es sich nur noch hohl an. Früher waren große Überraschungen an der Tagesordnung, nun sind es nur noch zusammengeschusterte Plots, die ausschließlich auf möglichst billigen Wegen ans Ziel führen sollen. Nero wird von Marcus (Emilio Rivera) in denselben Schrank gesperrt wie Juice, damit dieser die Zweifel an Gemmas Story nähren kann.

Dafür muss Juice so dumm sein und versuchen, einen Deal mit einem alten Weggefährten zu machen, von dem er genau wissen sollte, dass auch dieser keine Verräter toleriert. Und dafür muss Nero aus Vertrauensgründen kurz mal von Marcus eingesperrt werden, ohne irgendeinen Anfall von Sinn abgesehen von seinem Aufeinandertreffen mit Juice. Wenn billige Handlungstreiber wie dieser früher in einer Sons of Anarchy-Episode auftauchten, konnte man sich fast sicher sein, dass sich am Ende ein großangelegter, vor uns verborgener Plan offenbarte, der nachträglich zumindest die charakterbasierten Logiklöcher ein Stück weit füllen konnte. Im Moment scheint so ein großer Plan nicht in Sicht zu sein.

Fazit

Trotz Überlänge bleibt nach der Episode Smoke 'em if You Got 'em vieles einfach beim Alten: Jax ist weiterhin böse, zu böse, als dass man noch entsetzt sein könnte, und macht Deals, die sich als sinnlos herausstellen werden, wenn er endlich die Wahrheit erfährt. Auf die arbeiten wir uns zwar hin und die Offenbarung verspricht auch emotional zu werden. Doch das Tempo ist nervenzehrend und die Snacks für den Weg sind meist ziemlich geschmacklos.

Sons of Anarchy 7x07:

Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 15. Oktober 2014
Episode
Staffel 7, Episode 6
(Sons of Anarchy 7x06)
Deutscher Titel der Episode
Vertrauensbeweis
Titel der Episode im Original
Smoke 'em if You Got 'em
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 14. Oktober 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 24. Dezember 2015
Autoren
Mike Daniels, Kurt Sutter
Regisseur
Guy Ferland

Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 7x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?