Sons of Anarchy 7x04

Sons of Anarchy 7x04

Die Sons bekommen in der Episode Poor Little Lambs erste Konsequenzen ihres Racheplanes zu spüren. Dabei zeigt sich, dass nicht nur Jax viel verloren hat. Auch uns wird der Blick auf das Innenleben der Figuren verbaut und das ist frustrierend.

Schönes Wiedersehen: Venus Van Damme (Walton Goggins) in der Serie „Sons of Anarchy“ / (c) FX
Schönes Wiedersehen: Venus Van Damme (Walton Goggins) in der Serie „Sons of Anarchy“ / (c) FX

Irgendetwas fühlt sich auch in der vierten Episode der finalen Sons of Anarchy-Staffel nicht richtig an. Um herauszufinden, woran es hapert, lohnt sich ein Blick darauf, was die Serie einst so großartig gemacht hat.

Große Emotionen

Kurt Sutter hat uns in eine Welt aus großen Gefühlen und unvorstellbarer Gewalt entführt. Nichts wurde auf Sparflamme gekocht in der Serie Sons of Anarchy, es ging immer um alles oder nichts. Übertreibung gehört zum Alltag in Charming und doch hat es immer funktioniert, weil wir sie kennen und lieben gelernt haben, die Sons selbst, ihre Wegbegleiter, oft sogar ihre Gegner. Die großen Gangverschwörungen waren manchmal nur Zierde für die menschlichen Dramen darum herum. Welche Bandenverwicklungen zu Opies Tod geführt haben, ist im Rückblick nebensächlich. Wichtig ist, dass er sich für seinen besten Freund geopfert hat. Opie (Ryan Hurst) hatte seine Frau, seinen Vater und seine Hoffnung an das Outlawleben verloren und ist gegangen um zu retten, was ihm noch erhaltenswert schien, seine Loyalität zu Jax (Charlie Hunnam) und die Chance, dass er ein neues Leben starten kann.

Im Moment ist das anders. Die großen, tragischen Geheimnisse sind da und werden wohl auch noch eine Weile unter Verschluss gehalten werden. Doch anstatt emotionales Kapital für die Geschichte daraus zu schlagen, lässt Kurt Sutter uns mit einem undurchschaubarem Präsidenten, effektheischender Brutalität und Fanservice alleine.

Juice (Theo Rossi) ist in Ungnade gefallen, doch mitfühlen kann man eigentlich weder mit ihm noch mit dem Club, denn seine Situation fällt emotional gesehen fast weitgehend unter den Tisch. Jax kümmert sich kaum darum. Einen kleinen Start hat das Treffen mit Chibs (Tommy Flanagan) in der letzten Episode versprochen, doch in Poor Little Lambs ist das wieder auf Besuche von Unser (Dayton Callie) und Wendy (Drea De Matteo) zurückgefahren worden. Auch bei den beiden wissen wir nicht, was sie eigentlich antreibt. Dieses Muster zieht sich durch alle vier Episoden der neuen Staffel.

Es fühlt sich an. als wenn Kurt Sutter uns absichtlich den Blick auf das Innenleben der Figuren verbaut. Vielleicht alles im Sinne des großen Finales, doch im Moment ist das frustrierend. Mit Blick auf den Club ist das große Problem, dass alle den wahnwitzigen Racheplänen ihres Präsidenten folgen, ohne mit der Wimper zu zucken. Loyalität innerhalb der Gang ist immer ein großer Punkt der Story gewesen, doch Chibs, Tig (Kim Coates) und die anderen stehen mit so großer Einheit hinter Jax, dass es kaum noch möglich ist, eigene Charaktere auszumachen. Der Zauber der Serie lag auch lange darin, dass man mit jedem mitfiebern konnte, zwischen den großen Dramen haben sich immer wieder kleine Geschichten abgespielt, wir haben Chibs Exfrau und seine Tochter kennengelernt, wir haben den Mord an Tigs Tochter gesehen.

Die Einzelabenteuer im Moment hingegen scheinen reiner Fanservice zu sein. Venus Van Damme (Walton Goggins) ist eine großartige Figur und ihre Rückkehr ist eine schöne Sache, doch ihre kleine Romanze mit Tig ist zu aufgesetzt und Jax' wiederholte und furchtbar gespielte Verwunderung über Tigs Verhalten tut der Sache keinen Gefallen. Es ist die finale Staffel und statt uns emotional zu involvieren, arbeiten die Autoren Gags ab, die sie noch irgendwo unterbringen müssen. Chibs Beziehung zur neuen Gesetzeshüterin steht der Tig-Story an Aufgesetztheit leider in nichts nach. Statt sie als interessanten Charakter zu etablieren, bleibt die Figur flach und zu zielorientiert.

Gewaltspirale

Die Rachepläne, die Jax in Bewegung gesetzt hat, haben sich in der Episode Poor Little Lambs gegen den Club entwickelt. Doch so richtig wissen wir nicht, wieso. Woher weiß Lin Bescheid? Von Jury? Vielleicht, niemand teilt uns im Moment etwas mit. Wie Jax wandeln wir im Dunkeln über die Wahrheit und das frustriert angesichts des nahenden Endes immer mehr.

Nur eines zeigt sich deutlich: Egal wie brutal Jax auch vorgeht, seine Feinde sind doch immer noch brutaler. Das Massaker an der Frauen durch Lins Gang übertrifft Jax' Pläne bei Weitem. Die Spirale der Gewalt schreitet voran, doch es ist einfach nicht die richtige Geschichte. Die wahre Schuldige, Gemma (Katey Sagal), wird von den Autoren hin und wieder fast vergessen. Die Konflikte zwischen Nero (Jimmy Smits) und Jax, das Problem mit Juice, Unsers Verdacht und seine Ermittlungen, die Frage, wo Wendy eigentlich hin will, das alles wird vertagt, dabei sind das die Dinge, die interessieren und an denen wir emotional Anteil haben könnten.

Fazit

Die Episode Poor Little Lambs hat sicher starke Szenen, Venus ist immer sehenswert, doch am Ende fehlt die Emotionalität, die die Serie einst so stark gemacht hat. Wir werden weitgehend aus den inneren Konflikten der Figuren ausgeschlossen. In der finalen Montage, als Gemma sich offenbar schweren Herzens entscheidet, die Waffe samt Schalldämpfer mit zu dem Treffen mit Juice zu nehmen, macht Hoffnung. Es wird Zeit, dass die Rachepläne etwas zurückgefahren und die interessanten Fragen gestellt werden.

Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 1. Oktober 2014

Sons of Anarchy 7x04 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 4
(Sons of Anarchy 7x04)
Deutscher Titel der Episode
Blutbad
Titel der Episode im Original
Poor Little Lambs
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 30. September 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 24. Dezember 2015
Autoren
Kem Nunn, Kurt Sutter
Regisseur
Guy Ferland

Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 7x04

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