Sons of Anarchy 6x11

Sons of Anarchy 6x11

Während der Deal mit Tyne näher rückt, übernimmt Jax endlich die Kontrolle über die Situation. Unterdessen werden in der Episode Aon Rud Persanta so einige wichtige Gespräche geführt, doch die weisesten Worte hat mal wieder Unser beizutragen.

König in Fesseln: Clay Morrow (Ron Perlman) in der Serie „Sons of Anarchy“ / (c) FX
König in Fesseln: Clay Morrow (Ron Perlman) in der Serie „Sons of Anarchy“ / (c) FX

Die Episode Aon Rud Persanta hat sich ihre Verlängerung auf 60 Minuten redlich verdient. Es werden große Entscheidungen getroffen, unglaubliche Wahlergebnisse umgesetzt, furchtbaren Ereignissen folgen erinnerungswürdige Gespräche. Obwohl noch zwei weitere Episoden vor uns liegen, fühlt es sich an, als wenn das große Staffelfinale bereits eingeläutet worden ist.

Die Uhren laufen ab

There's no path to anything that makes any sense. It's just dirty and sad. And we both know it's only gonna get worse.“ Unser (Dayton Callie), neben Nero (Jimmy Smits) die Stimme der Vernunft, legt seinen Finger in die Wunde. Nach 20 Minuten, wenn andere Episoden schon auf den Höhepunkt zusteuern, legt die Episode Aon Rud Persanta gerade erst los. Spannung liegt in der Luft und es fühlt sich an, als wenn die Uhren ablaufen. Sowohl Nero als auch Unser versuchen Gemma (Katey Sagal) davon zu überzeugen, mit der Mutter ihrer Enkelkinder ins Reine zu kommen, solange sie noch die Wahl hat. Unser legt ein Liebesgeständnis ab. Juice (Theo Rossi) öffnet sich endlich und sagt Jax (Charlie Hunnam), dass er etwas Sinnvolles tun möchte. Dass hier und heute noch jemand Bedeutendes stirbt, ist eine klare Sache.

Es trifft Clay (Ron Perlman) und das fühlt sich seltsam an. Einerseits kann man Tara (Maggie Siff) auf mehreren Ebenen Recht geben, wenn sie sagt, dass Clay bereits seit langer Zeit tot sein müsste. Andererseits: Wieso ausgerechnet jetzt? Clay wird von den Sons befreit, er ist Teil eines großen Planes, den Jax im Geheimen verfolgt. Das heißt, geheim war er eigentlich nur außerhalb des Clubs. Der innere Zirkel war eingeweiht. Jax hat über den Tod seines Stiefvaters abstimmen lassen. Dieser Mord ist Teil seines Plans, den Club aus den Waffengeschäften zu befreien. Und auch Galen (Timothy V. Murphy) muss dran glauben. Damit schafft der neue König zwei Erzfeinde aus dem Weg und das drei Episoden vor dem Staffelfinale.

Unser hat Recht damit, wenn er sagt, dass es immer schlimmer wird. Doch er stapelt tief, wenn er glaubt, dass nichts einen Sinn ergibt. In der Episode Aon Rud Persanta ist die Serie Sons of Anarchy wieder in Hochform und das bedeutet: Es wimmelt geradezu vor Sinn und Hintergrund.

Jax bringt den ehemaligen Präsidenten um die Ecke. Den Mann, der seinen Vater umgebracht hat, weil dieser die Waffengeschäfte beenden wollte. Er hat angefangen, zu denken wie sein Gegner, er lässt Clay selbst den Mordplan erklären. Und dieser Mann, der so viele Todesurteile getroffen hat, weiß, dass betteln nichts bringt. Er hat Jax zu dem gemacht, was er heute ist, er kennt den Zustand gut, in dem Jax handelt. Er ergibt sich dem Unausweichlichen.

Es ist das vielleicht Grausamste, was Jax getan hat und er tut es mit Ruhe und Überlegung. Er tut es nicht nur vor den Augen seines Clubs, er tut es vor den Augen seiner Frau, seiner Mutter und seines Geschäftspartners. Keine Geheimnisse mehr. Jax will ein neues Kapitel aufschlagen und er tut es nicht im Alleingang, sondern innerhalb dieser geschlossenen Gesellschaft öffentlich.

Er schafft damit einen neuen Gründungsmythos. Alle, die den Mord gesehen haben, sind Teil dieses Mythos. Jax holt den Club aus den Waffengeschäften, erreicht einen Führungswechsel bei den Iren, schließt ein altes Kapitel. Und beginnt ein neues, gegründet auf einem Mord.

Mord mit Zukunft

In seiner eigenen Lesart befreit Jax den Club durch den Mord an Clay von einer kranken Vergangenheit. Er will ein neues Kapitel aufschlagen, ohne Waffengeschäfte. Die Tatsache, dass alle nennenswerten Figuren den Mord mit eigenen Augen gesehen haben, bedeutet auch, dass niemand die Geschichte erzählt bekommen muss. Alle zeigen eine unmittelbare Reaktion, ihre spontanen Gefühle. Die sind besonders bei Gemma beeindruckend. Sie hatte ihre Finger im Spiel, als ihr erster Ehemann getötet wurde, nun wohnt sie dem Mord am zweiten bei. Ihr eigener Sohn hat seinen Finger am Abzug. Für Gemma ist Clays Tod eine Gelegenheit, zu zeigen, dass sie nicht so eiskalt ist, wie sie oft scheint. Gleichzeitig ist es ein fliegender Wechsel. Es ist nun an Tara, diese Kälte zu zeigen. Schon seit langer Zeit spielen die Sons of Anarchy-Autoren mit dem Austausch von Gemma und Tara. Beide wollen die Nummer Eins in Jax' Leben sein. Diese Position geht einher mit einer Machtposition in der Clubstruktur. Einst war Gemma die First Lady, die den Mord an einem Sons-Präsidenten gutgeheißen hat. Nun ist es an Tara, den Mord an Clay gutzuheißen.

Dass sie das tut, fühlt sich zwiespältig an. Einerseits will sie ihre Söhne gerade aus einem giftigen, brutalen Umfeld entfernen, andererseits ist Clay in ihren Augen die Wurzel des Übels. Vielleicht zeigt der vertraute Moment zwischen Jax und Tara nach dem Mord eine neue Richtung an: In ihrer beider Lesart war Clay das Geschwür. Nun, da Jax das entfernt hat, könnte die Hoffnung zurückkehren, gemeinsam glücklich werden zu können. Auch seine aufrichtigen Worte am Ende der Episode dürften wohl dazu beitragen, dass Tara sich mehr als einmal überlegt, ob sie den Deal mit Tyne eingeht. Er bringt die beiden zurück in eine altvertraute Position: Nur die beiden können sich verstehen. Alle anderen haben sich von Tara abgewendet, nachdem die Lüge um die Schwangerschaft ans Licht kam, selbst so vernünftige Stimmen wie Unser und Nero waren schockiert. Doch Jax versteht sie. Sie stehen vielleicht nicht mehr gemeinsam gegen die Welt, aber sie kommen immer noch aus einer Ecke, haben unterschiedliche Entwicklungen genommen, bleiben aber in dem Ziel verbunden, sich nicht kampflos in diese ungeliebte Aussicht zu ergeben.

Ende eines Königs

Nun ist Clay Morrow also tot. Die Szenen um diesen Tod alleine haben die Verlängerung auf 60 Minuten verdient, es sind stille Momente, in denen die Sons of Anarchy-Macher das letzte Mittel nutzen, das ihnen zur dramatischen Untermalung zur Verfügung steht, um diesen Tod von anderen Szenen abzusetzen: Stille. Wir haben so viele emotionale Montagen, untermalt von wunderbaren Liedern gesehen, dass die Wichtigkeit dieses Todes diese ungewöhnliche Stille mehr als verdient hat.

In den letzten Episoden schien Clay mit seinem Leben abgeschlossen zu haben. Und er hat versucht, mit Gemma und Jax ins Reine zu kommen. Es schien, als würde er Reue zeigen. Das werden die Sons of Anarchy-Macher nicht einfach wegwerfen. Etwas wird fortdauern. Vielleicht hat Clay durch seinen letzten Kuss in Juice etwas ausgelöst, vielleicht hat er, ungesehen von uns, im Gefängnis Vorkehrungen getroffen, die die Sons einholen.

Kann man Mitgefühl mit dem Mörder Pineys aufbringen? Auch wenn er vielleicht ein bisschen Reue gezeigt hat, es hat nicht unbedingt gereicht, um ihn reinzuwaschen. Wenn die Autoren ihn als Figur umkrempeln wollten, dann hätten sie das geschafft, das darf man ihnen zutrauen. Mitgefühl ist nicht unbedingt das Ziel gewesen, aber etwas anderes wollten sie uns sicher mitgeben. Das werden wir wohl noch erfahren.

Fazit

Die Episode Aon Rud Persanta fühlt sich an wie ein Finale, die große Offenbarung des geheimen Plans, der Tod von Clay und Galen, Taras große Chance. Man bleibt schockiert, vielleicht gar ein kleines bisschen traurig zurück und darf feststellen, dass es immer noch zwei Episoden bis zum Ende der Staffel sind.

Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 21. November 2013

Sons of Anarchy 6x11 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 11
(Sons of Anarchy 6x11)
Deutscher Titel der Episode
Massaker
Titel der Episode im Original
Aon Rud Persanta
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 19. November 2013 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. April 2015
Autoren
Chris Collins, Kurt Sutter
Regisseur
Peter Weller

Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 6x11

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