Sons of Anarchy 5x11

Mittlerweile sind in der Serie Sons of Anarchy kaum noch Geheimnisse übrig. Jax (Charlie Hunnam) und Clay (Ron Perlman) stehen sich zwar nicht offen gegenüber, wissen aber nun so gut wie allen übereinander. Inklusive der Information, dass der andere es weiß.
Jax' großer Antrieb im Hass gegen Clay - der Mord an Piney (William Lucking) und der Mordversuch an Tara (Maggie Siff) - sind ebenfalls ausgesprochen, gegenüber den zwei momentan wichtigsten Clubmitgliedern Bobby (Mark Boone Junior) und Chibs (Tommy Flanagan).
Neue Fronten
Man könnte also sagen, mit der Episode To Thine Own Self wird reiner Tisch gemacht. Doch dieser wird direkt genutzt, um neue Geheimnisse zu schaffen.
Mit der geheimen Annahme des Jobs geht Tara einen gefährlichen Weg. Sie spielt großes Risiko. Zwei Episoden der fünften Staffel haben wir noch vor uns. In welche Richtung das Pendel ausschlägt, ist unklar.
Es könnte sein, dass die Ereignisse Tara in die Hände spielen, aber das würde einen Weggang von Jax aus Charming bedeuten. Nach Opies Tod scheint nichts mehr sicher zu sein in der Serie Sons of Anarchy. Doch Jax ist der einzige, bei dem der Zuschauer sich sicher fühlt, ihn nicht zu verlieren. Und ihn gehen zu lassen, das ist wahrscheinlich selbst bei Kurt Sutters Wagemut eine Nummer zu groß.
Ein zweites geheimes Treffen müssen wir in der Schlussszene der Episode mitansehen. Bobby wendet sich gegen seinen Präsidenten. Zumindest irgendwie. Noch hat es den Eindruck, als wenn er sich nicht generell auf Clays Seite schlägt, sondern ihn lediglich vor dem Tod retten will.
Das macht sogar ein kleines bisschen Sinn, angesichts der langen Geschichte, die auch Bobby und Clay teilen und der Entfremdung, die Jax und Bobby in den letzten Episoden durchlebt haben. Im Großen und Ganzen bleibt es dennoch ein „Was zur Hölle soll das“-Moment.
Der verschleppte Tod
Clays Zeit schien schon so manches Mal abgelaufen. Und immer noch ist er da. Wie lange noch können die Serienautoren ihn am Leben halten ohne sich komplett unglaubwürdig zu machen?
Alle seine vergangenen Schandtaten sind jetzt raus. Er hat seinen Zweck erfüllt. Alle Zeichen deuten auf ein baldiges Ende hin.
Doch Bobbys Wendung ist ein Zeichen in die andere Richtung. Und auch Clays Plan mit den gestohlenen Dokumenten ist noch im Dunklen und braucht Zeit, sich zu entfalten. Es ist auch in der Tat schwierig, sich ein SAMCRO ohne Clay vorzustellen.
Aber noch schwieriger ist es, sich vorzustellen, wie die Autoren den Dreh schaffen wollen, der es für den Zuschauer glaubhaft macht, dass Clay weiterhin mit am Tisch sitzen wird.
Nun ist eine kleine Andeutung gefallen: Clay hat Tig (Kim Coates) gesagt, er schaut sich außerhalb des Clubs um. Plant er seinen eigenen Club? Das Auseinanderreißen von SAMCRO wäre ebenfalls ein gewagter Schritt, aber nicht unmöglich.
Anyone dead?
Nach der Trauer und der Verzweiflung, die diese Staffel über den Club gebracht hat, ist auch eine richtige Bad Ass-Fluchtszene mal wieder nett anzusehen. Für die Atmosphäre hat alles gestimmt, als Jax und die Jungs vor Neros alter Gang fliehen. Die auffällige Unglaubwürdigkeit der Szene darf man angesichts des Gefühls, das die Szene rüberbringt, auch mal durchgehen lassen.
Eine andere Szene mit Hoffnungsschimmer ist die Abstimmung über den Ausstieg aus den Drogen- und Waffengeschäften. Jax hat lange im Geheimen herumoperiert. Und diese Art von Geheimnis hätte ihm auch schnell zu Verhängnis werden können. Doch nun ist es raus und es wurde am Tisch mit verständnisvollem Nicken und einer einstimmigen Absegnung aufgenommen. Das verdankt Jax vielleicht nicht zuletzt seiner Vorarbeit in Bezug auf Tig und Juice (Theo Rossi), dennoch ist es eine schöne Szene.
Richtung Finale
Doch schöne Szenen, alles, was Hoffnung beinhaltet, das haben wir gelernt, sind für die Sons of Anarchy meist nur eine Einleitung eines größeren Dramas. Und das beginnt in dieser Episode bereits. Jax' Plan gegen Clay geht dank der Einmischung des Kartells nicht auf und er verliert den Zugriff auf die Dokumente. Das bringt Juice wieder in Gefahr. Und auch Tig scheint vom Präsidenten den Todeskuss bekommen zu haben. Es sind zwei Entwicklungen, die man sich als Fan schwer zu Herzen nehmen kann, ausgerechnet Juice und Tig auf der Kippe stehen zu sehen.
Ein weiterer Schritt Richtung Finale ist vielleicht der ominöse Neuling (Donal Logue, Terriers, Grounded For Life), der in guten Kontakt zum Gefängnis zu stehen scheint. Er taucht bei Otto (Kurt Sutter) und bei Tara auf, was eine Verbindung zur ermordeten Krankenschwester (Karina Logue, Terriers) möglich erscheinen lässt. Dieser Mord schien in der letzten Episode so zweckgebunden. Dass jemand kommen könnte, ihn zu rächen, das kommt überraschend. Der Neue bleibt eine unberechenbare Variable, die nicht von innerhalb des Clubs kommt und das tut der Geschichte vielleicht auch mal ganz gut.
Der Wendepunkt
Die Episode To Thine Own Self ist trotz der relative Ruhe, mit der alle reagieren, nicht arm an Emotionen. Zwei Sympathieträger rühren besonders ans Herz. Einmal ist es der altbekannte Unser (Dayton Callie), dessen Krebsleiden selten so deutlich dargestellt worden ist. Fast wirkt die Unterhaltung mit Tara ein bisschen wie ein Abschiedsgeschenk an die Fans. Auf der anderen Seite ist Unser immer einen schwierigen Gang gegangen, oft schien es am Abgrund zu stehen und immer ist er wieder zurückgekommen.
Der zweite herzzerreißende Charakter ist zwar noch neu, aber für viele Fans so schnell zum Sympathieträger geworden, dass sein Leiden sie nicht kalt lässt.
Nero (Jimmy Smits) ist der einzige, der kopflos auf die Entführungsnachricht reagiert, er geht und tötet zwei Mitglieder seiner alten Crew. Das ist nicht mal weiter tragisch als er und der Zuschauer noch glauben, dass er bei SAMCRO ein neues Zuhause gefunden hat. Doch dann stellt sich heraus, dass sie vergessen, ihn anzurufen, nachdem Jax wieder aufgetaucht ist. Soviel zur Loyalität.
Sein Zusammenbruch an Gemmas Tür ist schwer zu ertragen. Die Ereignisse dieses Tages haben seine Vergangenheit heraufbeschworen. Nun steht Nero an einer Weggabelung: Wird er weiterhin der meist lockere und rational denkende Chef bleiben oder wird seine Enttäuschung dem Club und Gemma (Katie Sagal) gegenüber ihn zurück in eine längst vergessene Rolle treiben. Und wer er dann sein würde, das können wir nur erahnen.
Fazit
To Thine Own Self ist eine Episode, die in vielerlei Hinsicht das Finale vorbereitet. Geheimnisse werden gelüftet. Neue Fragen werden aufgeworfen. Alles zieht sich immer mehr zusammen, bis zu dem Punkt, an dem der große Showdown folgen muss.
Die neue Bedrohung durch den Unbekannten, die drohende Endgültigkeit, die Taras Entscheidung wieder in die Serie gebracht hat, die seltsame Todesbedrohung, die über so vielen Clubmitgliedern zu schweben scheint: Es verspricht ein großes Finale zu werden.
Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 21. November 2012(Sons of Anarchy 5x11)
Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 5x11
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