Sons of Anarchy 5x04

Nach den Ereignissen in der letzten Episode Laying Pipe, ist es kein einfacher Schritt, die neue Episode einzuschalten. Denn was bevorstehen würde, war klar: Noch mehr Trauer um eine geliebte Figur.
Doch dann setzt die Episode Stolen Huffy alles andere als aufarbeitend ein. Zwar spricht der Augenkontakt zwischen Jax (Charlie Hunnam) und zwei Jungen auf Rädern schon Bände, bevor man zum Ende der Episode ein Foto von Jax und Opie (Ryan Hurst) als Kinder auf Fahrrädern serviert bekommt. Doch bleibt man die meiste Zeit der Episode alleine mit der Trauer, Jax scheint mehr wütend als traurig. Nur Gemma (Katey Sagal) hat einen kleinen Ausbruch, als sie die Wahrheit erfährt.
Gerade versucht man sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass es halt so ist, wenn jemand stirbt, da gibt Kurt Sutter den Fans und den Charakteren doch noch Gelegenheit, sich angemessen zu verabschieden. Und dieser Abschied findet im Kreis der Familie statt, der SAMCRO-Familie, denn dank des Motorradclubs hatte Opie kaum mehr andere Familie. Es ist seltsam, dass die Menschen ihn verabschieden, die ihn dorthin gebracht haben.
Und doch ist dieser schwere Gang wichtig, um zu zeigen, wo Jax nun durch Opies Tod steht. Alleine, als einziger vor dem Sarg hergehend.
Mut und Cleverness
Lyla (Winter Ave Zoli) bleibt zurück mit Opies Kindern und auch wenn sie gerne möchte, sie weiß nicht, wie sie es schaffen soll. Jax, Meister der großen Gesten, zeigt ihr den Weg: in den Schoß der SAMCRO-Familie. Das ist ein kleines bisschen rührend, zeigt in erster Linie aber eins: Lyla ist nicht Donna, sie ist nicht so stark wie Opies erste Frau, zweifelt von vorneherein an sich. Und nimmt die Hilfe des Clubs daher offenbar auch dankend an.
Und das zeigt ein Muster auf. Donna und Opie waren stark, sie haben sich als einzige offen gegen den Club und die Strukturen gestellt. Nun sind beide tot. Es ist ein gefährlicher Weg, gegen diese Welt aufzustehen.
Jax hat sich innerlich zumindest von Teilen des Clubs, vor allem von Clay (Ron Perlman) und Tig (Kim Coates), verabschiedet, und damit der grenzenlosen Loyalität den Rücken gekehrt. Doch er nimmt die ihm zugedachte Rolle an.
Auch seine Wut gegenüber Pope ( Harrold Perrineau Jr.) zeigt er nicht außerhalb der Clubmauern. Anders als Donna und Opie versucht er nicht, im Alleingang gegen den Strom zu schwimmen. Er wartet auf den richtigen Moment. Und auch wenn er gerade ein wenig kalt rüberkommt, darf man doch hoffen, dass er die Rache für Opie, wenn sie eintritt, richtig macht.
Angst
Abwarten, clever handeln und Rache kalt servieren ist nichts Neues für Jax und SAMCRO. Und doch ist die Situation mit Pope anders als alles Dagewesene. Denn der Gegner ist zu mächtig, und von dort, wo sie nun stehen, gibt es keine Hoffnung auf einen Weg raus.
Und am Kopfende des Tisches sitzt einer, der es zugibt, der seine Angst zeigt und nicht in wilder Wut um sich schießt.
Das bekommt der Zuschauer auch an Gemma zu spüren. Sie ist nicht mehr die Alte, hat ihre Rolle als Königin verloren, durch Clay, aber auch durch Tara (Maggie Siff). Sie ist unsicher geworden, ihre Manipulationen sind so hilflos und seicht geworden, dass sie direkt durchschaut werden. Bis zu dem Moment, in dem sie eine Möglichkeit wittert, Tara zurück auf ihre Seite zu ziehen. Indem sie sie an die eine Sache erinnert, die Gemma und Tara, die sie nun sogar Tochter nennt, verbindet: Das Bedürfnis, Jax zu schützen.
Hoffnung
Es geht um Abschied und um Neuanfang in dieser Episode. Jax arbeitet daran, neue Geschäftsverbindungen zu Nero (Jimmy Smits) aufzubauen und aus dem Geschäft mit den Waffen auszusteigen. Bisher tut er gut daran, denn Nero zeigt sich wieder einmal von seiner sanften Seite. Er schützt die Frau, von der alle annehmen, dass sie sein Geschäft an die Cops verraten hat. Doch er hintergeht auch seine eigene Crew. Das sagt viel über ihn aus: Er bringt gesunden Menschenverstand und Empathie mit, schert sich wenig um blinde Loyalität oder Gang-Strukturen.
Nero von Gemma fern zu halten ist nicht gerade Jax cleverste Idee gewesen. Das kann noch gehörig auf ihn zurück feuern, ist aber ein wichtiger Baustein für eine Geschichte, die Gemma schon in dieser Episode wieder in Clays Arme treibt. Ihn die Nachricht von Opies Tod überbringen zu lassen, ist ein Geniestreich der Autoren, um das Paar wieder näher zu einanander zu bringen. Wie nah, das wird sich zeigen.
Vereint
Und auch für die anderen ist der Abschied von Opie wieder einmal eine Gelegenheit, enger zusammenzurücken.
Es sind die großen, emotionalen Szenen, wenn alle im Clubhaus zusammenkommen. Das muss zwar spärlich eingesetzt und für wichtige Anlässe aufgehoben werden. Doch dies ist ganz eindeutig einer der wichtigsten Anlässe, die es geben kann. Und darum kann dieses Zusammentreffen den Zuschauer auch direkt ins Herz treffen. Im Angesicht der Katastrophe verblasst alles andere, selbst Clay zeigt sich von seiner sanften Seite und fordert die Vergebung der Zuschauer heraus.
Auch eine weitere Figur zeigt sich neuerdings in anderem Licht: Ex-Junkie Wendy (Drea De Matteo) wirkt neben Gemma geradezu vernünftig. Das ist auch bei Tara angekommen. Doch Jax schließt die Tür zu einer vernünftigen Vermittlung zwischen allen.
Gast-Star (Ashley Tisdale, „High School Musical“) schlägt sich als bedrohte Prostituierte Emma Jean nicht schlecht, hinterlässt jedoch auch keinen bleibenden Eindruck.
Fazit
Die Episode Stolen Huffy rückt den Motorradclub auf die Spur, die es zu verfolgen gilt. Das Verhältnis zu Pope wird deutlich angesprochen, neue Beziehungen zu Nero werden aufgenommen. Es war eine Episode, die sich ganz auf das Innere des Clubs konzentriert, kein Galindo Cartell, kein Pope. Der Verlust Opies ist groß und SAMCRO muss sich wieder neu aufstellen. Den Anfang hat diese Episode gemacht.
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 5. Oktober 2012(Sons of Anarchy 5x04)
Schauspieler in der Episode Sons of Anarchy 5x04
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