Sneaky Pete 2x01

Sneaky Pete 2x01

Das Hochstaplerdrama Sneaky Pete versucht nach einer unterhaltsamen ersten Staffel den gleichen Trick ein zweites Mal zu vollfĂŒhren. In seiner zweiten Staffel erreicht die Amazon-Serie eine neue Eskalationsstufe. Dabei sehen sich die Verantwortlichen einigen gefĂ€hrlichen Stolpersteinen ausgesetzt.

Auch in der zweiten Staffel von „Sneaky Pete“ wird es fĂŒr Marius (Giovanni Ribisi) mal wieder eng... (c) Amazon
Auch in der zweiten Staffel von „Sneaky Pete“ wird es fĂŒr Marius (Giovanni Ribisi) mal wieder eng... (c) Amazon
© uch in der zweiten Staffel von „Sneaky Pete“ wird es fĂŒr Marius (Giovanni Ribisi) mal wieder eng... (c) Amazon

Diese Kritik bezieht sich auf die ersten drei Episoden der zweiten Staffel von „Sneaky Pete“.

Das Amazon-Drama Sneaky Pete, das von House-Mastermind David Shore und Breaking Bad-Ikone Bryan Cranston entwickelt wurde, war eine der Serien im Jahr 2017, die leider ein wenig in der Masse an hochqualitativen TV-Produktionen untergangen ist. Völlig zu Unrecht, wie Fans der Geschichte ĂŒber einen meisterhaften TrickbetrĂŒger, der aus dem GefĂ€ngnis kommt und das Leben eines Knastbruders ĂŒbernimmt, sicherlich bestĂ€tigen werden. Nach der gefĂ€lligen Pilotepisode, die bereits im August 2015 bei Amazon Prime Video im Rahmen der mittlerweile eingestampften Amazon-Pilotphase zur Abstimmung freigeben wurde, kam es zunĂ€chst zu ein paar kreativen VerĂ€nderungen hinter den Kulissen.

David Shore verabschiedete sich Anfang 2016 von dem Projekt und trat seinen Posten an Graham Yost ab, der Schöpfer der Neo-Westernserie Justified. Dieser brachte als neuer Showrunner ordentlich Schwung in die Kiste, vor allem mit Blick auf die geschliffenen Dialoge und das smarte Drehbuch - ein Markenzeichen von Yost, der bereits in „Justified“ ein Autorenteam um sich versammelte, das in dieser Hinsicht zuverlĂ€ssig ablieferte und die FX-Serie sukzessive in den Kreis der am besten geschriebenen TV-Dramen der letzten Jahre hievte. Genau dieses Merkmal zeichnete dann wiederum auch die erste Staffel von „Sneaky Pete“ aus, die von halsbrecherischen Dialogen, einem flotten Pacing und charismatischen Darbietungen geprĂ€gt war.

Mit der zweiten Staffel möchte man nun die kleine Erfolgsgeschichte weiterschreiben, steht aber abermals vor großen VerĂ€nderungen. Dieses Mal jedoch vor und nicht hinter der Kamera. Schlitzohr Marius Josipovic (Giovanni Ribisi, der bei der Episode Inside Out erstmals Regie fĂŒhrt) hat in Gangsterboss Vince (Bryan Cranston) seinen Ă€rgsten Feind hinter sich gelassen und stand am Ende der ersten Staffel kurz davor, den Schritt in ein neues Leben zu wagen - bis er plötzlich von zwei dubiosen Gestalten gefasst wurde und diese ihm eine Suppe vorgesetzt haben, die erst einmal ausgelöffelt werden will. Der echte Pete Murphy (Ethan Embry), nach wie vor im Kittchen, hatte nĂ€mlich großen Anteil daran, dass von irgendjemand satte 11 Millionen US-Dollar stibitzt wurden. Und dieser jemand will die Kohle jetzt zurĂŒck haben. Marius sieht indes die Chance, ordentlich Reibach zu machen. Oder nimmt er sich dieses Mal zu viel vor?

Die zweite Staffel von „Sneaky Pete“ braucht nicht lange, um in die unterhaltsame Spur zurĂŒckzufinden, die dafĂŒr gesorgt hat, dass bereits die erste Staffel wie Öl heruntergegangen ist. Keine andere Serie vermag es so gekonnt dermaßen viele Schnörkel zu ziehen oder klitzekleine Komplikationen zu gigantischen Problemen aufzublasen, die man mit komplexen PlĂ€nen wieder auflöst. Manchmal aber eben auch verschlimmbessert. Als Zuschauer entwickelt man bei der Sichtung von „Sneaky Pete“ eine seltsame Freude daran zu beobachten, wie sich die gedanklichen Verrenkungen der Charaktere manifestieren und wie sie sich immer wieder neue, abenteuerliche Ideen einfallen lassen, um die Lage zu ihren Gunsten zu wenden.

So, wie sich die Figuren insgeheim freuen oder ihnen ein Stein von Herzen fĂ€llt, wenn einer ihrer PlĂ€ne aufgeht, hĂ€lt auch beim Publikum eine diebische Zufriedenheit Einzug, wenn ein RĂ€dchen ins andere greift und die kurzweilige, oft bewusst verkopfte ErzĂ€hlung wie aus einem Guss ihren Gang nimmt. In der neuen Staffel geht es dabei oft noch chaotischer zu, als in der letzten, weil sich die Sorgen fĂŒr alle Figuren und nicht nur fĂŒr Marius vergrĂ¶ĂŸern. In der ersten Staffel war es vor allem der Ex-HĂ€ftling, der sich vorsichtig durch sein neues Leben gehangelt hat und immer wieder geschickt den Kopf aus der Schlinge ziehen konnte. Jetzt ist es die gesamte Familie um den falschen Pete Murphy herum, die mit heftigen Problemen zu kĂ€mpfen hat und ganz schön ins Rudern kommt, um den allerlei Ärger abzuwenden.

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Mo' money, mo' problems

Das macht Sneaky Pete zu Beginn seiner zweiten Staffel sehr abwechslungsreich, weil man zusĂ€tzlich zu Spitzbube Marius auch mit allen anderen Charakteren mitfiebert, die sich in ihren ganz eigenen, persönlichen Pattsituationen wiederfinden. WĂ€hrend Taylor (Shane McRae) zum Beispiel alles daran setzt, dass seine Großmutter Audrey (Margo Martindale) nicht fĂŒr den Tod des New Yorker Cops Winslow verknackt wird, versucht diese irgendwie mit sich und ihrer folgenschweren Tat ins Reine zu kommen. Opa Otto (Peter Gerety) muss sich indes um die Überbleibsel des glĂŒcklosen Auftragskillers vom Ende der letzten Staffel kĂŒmmern, was leichter gesagt als getan ist. Julia (Marin Ireland) hat in der Zwischenzeit mit dem Folgen eines riskanten kriminellen Deals zu kĂ€mpfen und bewegt sich immer tiefer in eine sich stetig weiterdrehende AbwĂ€rtsspirale rein. Und die junge Carly (Libe Barer) merkt, dass die Erwachsenen um sie herum allesamt irgendetwas vor ihr verbergen und geht dem Ganzen eigenhĂ€ndig nach.

Die Macher jonglieren mehrere BĂ€lle gleichzeitig in der Luft, wodurch phasenweise der Eindruck entsteht, sie wĂ€ren vielleicht ein wenig zu ambitioniert und wĂŒrde sich mehr zumuten, als sie letztlich stemmen können. Die FĂŒlle an unterschiedlichen Plots, die immer wieder miteinander verwoben werden, ist jedoch weniger erdrĂŒckend, als man anfangs vermuten wĂŒrde. GrĂŒnde dafĂŒr sind weiterhin der rasante Schreibstil des Drehbuchs, die dynamischen Dialoge und der Spaß, den die Darsteller an ihren sympathisch-durchtriebenen Charakteren haben, der sich auf die Zuschauer ĂŒbertrĂ€gt. Es fĂŒhlt sich fast so an, als wĂ€re Marius der Stein des Anstoßes gewesen, weshalb alle anderen jetzt ebenfalls immer mehr auf die schiefe Bahn geraten. Dies aus der Ferne zu beobachten, ist unverĂ€ndert kurzweilig.

Jede einzelne der zentralen Figuren wird aus ihrer Komfortzone befördert, wodurch neue, interessante Herausforderungen fĂŒr sie entstehen. Wie sie damit umgehen oder was sie sich einfallen lassen mĂŒssen, um nicht unterzugehen, schaut man sich nur zu gerne an. Apropos Herausforderungen: Die Autoren sehen sich ebenfalls einigen davon ausgesetzt und mĂŒssen im Laufe der zweiten Staffel erst noch den Nachweis bringen, ob sie diesen gewachsen sind. So spĂŒrt man natĂŒrlich die fehlende PrĂ€senz des hervorragenden Bryan Cranston als bedrohlichen Gangsterboss, der immer wieder fĂŒr Schockmomente sorgte und damit die generelle Anspannung auf einem hohen Niveau gehalten hat. In den neuen Folgen deutet man nun den Auftritt des nĂ€chsten Großkriminellen an, mit dem Marius vielleicht besser nicht seine krummen Spielchen treiben sollte.

Es wirkt fast so, als wollte man die PrĂ€misse aus der ersten Staffel noch einmal von vorne beginnen, nur eben noch viel grĂ¶ĂŸer und riskanter. Dadurch lĂ€uft man jedoch Gefahr, dass sich recht schnell Abnutzungserscheinungen einstellen, was man nach einer Staffel eigentlich um jeden Preis vermeiden will. Wie kann man also diesem Problem entgegenwirken? Es könnte passieren, dass man noch mehr als zuvor auf Eskalation setzt, und tatsĂ€chlich gibt es in den ersten drei Folgen ein paar Szenen, in denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Auf der anderen Seite - sollte man wirklich extremere Wege einschlagen, um der formelhaften ErzĂ€hlstruktur um einen klassischen „big bad“ einen neuen Anstrich zu geben - könnte die Serie an sich aber unter einer derartigen Neuausrichtung leiden.

Der besondere Charme von Sneaky Pete geht nach wie vor von den alles andere als perfekten, aber irgendwie doch liebenswerten Charakteren aus und wie sie versuchen, die HĂŒrden zu meistern, die ihnen immer wieder in den Weg gestellt werden. Man merkt der Serie an, dass sie im schlimmsten Fall in eine Art Trott verfallen und sich im Grunde genommen selbst recyceln könnte, da sich an der GrundprĂ€misse des Dramas nicht viel verĂ€ndert hat. Wie spannend das letztlich ist, muss sich erst noch zeigen. Die erfahrenen Serienmacher haben sicherlich noch ein paar Asse im Ärmel (zum Beispiel der echte Pete Murphy, der in der zweiten Staffel anscheinend eine wesentlich grĂ¶ĂŸere Rolle spielen wird), um die Zuschauer zu ĂŒberraschen. In der ersten Staffel wurde gerade in den letzten ZĂŒgen der Stein ordentlich ins Rollen gebracht. Wir werden sehen, ob dieser auf dem Weg nach unten nicht doch irgendwo stecken bleibt - oder mit voller Kraft einschlagen wird.

Alle zehn Folgen der zweite Staffeln von Sneaky Pete sind ab heute, den 9. MĂ€rz komplett auf Amazon Prime Video verfĂŒgbar.

Trailer zur zweiten Staffel von „Sneaky Pete“:

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 9. MÀrz 2018

Sneaky Pete 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Sneaky Pete 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Das dunkle Geheimnis des Hotelzimmers
Titel der Episode im Original
The Sinister Hotel Room Mystery
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 9. MĂ€rz 2018 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 9. MĂ€rz 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 9. MĂ€rz 2018
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 9. MĂ€rz 2018
Autor
Graham Yost
Regisseur
Adam Arkin

Schauspieler in der Episode Sneaky Pete 2x01

Darsteller
Rolle
Shane McRae
Libe Barer
Peter Gerety
Margo Martindale

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