Sleepy Hollow 2x04

Sleepy Hollow 2x04

Go Where I Send Thee... ist eine Episode, die in Form einer klassischen Einzelfolge daherkommt und relativ losgelöst von der Haupthandlung abläuft. Zwar schleichen sich abermals ein paar fragwürdige Elemente ein, doch das Tempo ist hoch und die Monster of the Week-Geschichte ausgefallen.

Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) bekommen es diese Woche mit einer mörderischen Sagenfigur zu tun. / (c) FOX
Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) bekommen es diese Woche mit einer mörderischen Sagenfigur zu tun. / (c) FOX

Jeder kennt sie wohl, die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln. In dieser deutschen Sage der Gebrüder Grimm befreite einst ein recht wunderlicher Mann die Stadt Hameln von einer Rattenplage, indem er mit Hilfe einer Flöte und zauberhaften Melodien die lästigen Nager in den nächstbesten Fluss lockte, wo diese dann bitterlich ertranken. Als man ihm dann jedoch den Lohn für seine Arbeit verweigerte, wandte er seine musikalischen Fähigkeiten aus Zorn noch einmal an, dieses Mal aber auf die Kinder der Stadt, die ihm wie die Ratten zuvor folgten und infolgedessen nie mehr gesehen wurden.

Dieser kurze Exkurs zu der weltweit bekannten und äußerst beliebten Sage über den Rattenfänger von Hameln ist im Zusammenhang mit der neuen Episode Go Where I Send Thee... dahingehend relevant, als dass sie in ähnlicher Form von den Machern der Fox-Mysteryserie thematisiert wird. Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) bekommen es hier nämlich mit niemand Geringerem als dem Pied Piper zu tun, der den äußerst düsteren Zügen seines literarischen Vorbild in nicht viel nachsteht.

Jinba ittai

Doch bevor sich unsere beiden Protagonisten um einen geheimnisvollen Vermissten- bzw. Entführungsfall und den mysteriösen „Rattenfänger“ kümmern, werden wir abermals Zeuge der herrlichen Dynamik und Chemie zwischen Abbie und Ichabod, respektive Beharie und Mison. Für letzteren stehen nämlich ein paar Fahrstunden mit Abbies Wagen an, damit er auch dieses wunderliche Fortbewegungsmittel endlich meistert. Doch Ichabod ist schon längst eins mit dem Fahrzeug geworden, den heimlichen Übungsstunden mit Jenny (Lyndie Greenwood) sei dank. So legt er eine rasante Fahrt hin und kann sich ein schelmisches Grinsen kaum verkneifen, als Abbie ihn überrascht anblickt.

Dieser leichte und sehr charmante Einstieg dient aber auch dazu, um gleich wieder etwas ernstere Töne anzuschlagen und uns die aktuelle Situation vor Augen zu führen. Ichabod muss sich in der modernen Welt auch ohne Abbie zurechtfinden können, sollte ihr je etwas passieren. Das gelobt Ichabod natürlich zu verhindern, doch es ist schon auffällig wie oft man bisher eine mögliche Trennung des sympathischen Duos, wenn nicht sogar einen harten Bruch zwischen den beiden anschneidet.

Tom Mison als Ichabod Crane in %26bdquo;Go Where I Send Thee...%26ldquo;. © FOX
Tom Mison als Ichabod Crane in %26bdquo;Go Where I Send Thee...%26ldquo;. © FOX

Changing the here and now

Für weitere sentimentale Unterhaltungen ist dann aber erst einmal keine Zeit mehr. Abbie und Ichabod erreicht die Nachricht eines Vermisstenfalls um ein kleines Mädchen, die spurlos verschwunden ist. Diese ist wie sich etwas später herausstellt die Tochter von Abbies und Jennys ehemaliger Sachbearbeiterin, die sich der beiden annahm, als ihre Mutter in die Psychiatrie eingewiesen wurde. So erhält der Fall eine kleine persönliche Note, die sich zum Ende der Episode auch durchaus auszahlt.

Ichabod und Abbie nehmen infolgedessen die Suche nach der kleinen Sarah auf und stoßen in den naheliegenden Wäldern alsbald auf eine merkwürdige Knochenflöte, die bei Ichabod den Groschen fallen lässt. In der Folge wird die Sage vom Rattenfänger von Hameln ein wenig abgewandelt, zu Zeiten des Unabhängigkeitskrieges ging die Geschichte eines mysteriösen Assassinen um, der eine ganze Garnison an britischen Soldaten aufs offene Feld lockte und diese dort mit mörderischer Präzision um die Ecke brachte.

A piper with a deadly skill

Während Abbie und Ichabod dann der Spur im Wald folgen, indem Abbie sich den betörenden Klängen der Flöte aussetzen lässt, die Ichabod wiederum auf seinem Smartphone „geloopt“ hat. Dabei treffen sie erneut auf Hawley (Matt Barr), der den Wald auf der Suche nach der Knochenflöte durchkämmt, die Abbie und Ichabod gefunden haben. Hawley wurde jedoch vom Pied Piper attackiert und wird kurzerhand in die ganzen Vorkommnisse eingeweiht. Richtig glauben mag er den ganzen Humbug aber nicht, dennoch lässt er sich auf einen Deal ein, um an die kostbare Flöte zu gelangen.

Mit Hawley bekommen wir zumindest was altkluge Geschichtsvorträge angeht ein Spiegelbild zu Ichabod serviert, auch wenn die moralischen Werte und Vorstellungen des Schatzjägers eher zu wünschen übrig lassen. Etwas komisch ist es schon, dass Abbie und Ichabod nach ihrem letztwöchigen Aufeinandertreffen mit Hawley gleich schon wieder auf diesen treffen und dann noch inmitten eines weitläufigen Waldgebiets. Hier biegen sich die Autoren ihre Geschichte ein wenig zurecht, um diese Figur weiter einzuführen. Richtig einzuschätzen vermag ich Hawley und dessen Sinn und Zweck für das Format immer noch nicht, obwohl man am Ende der Episode keinen uninteressanten Weg einschlägt, als man erfährt, dass Hawley nichtsahnend dem diabolischen Henry (John Noble) anscheinend ein mächtiges Artefakt nach dem anderen zukommen lässt.

Sick stuff

Mit Hawley als Erweiterung der Gruppe kommt immer mehr Licht ins Dunkle, was die verschwundene Sarah und den geheimnisvollen Pied Piper betrifft. In Rückblicken wird deutlich, dass der einstige Assassine von dem eher weniger ehrbaren Revoluzzer Daniel Lancaster engagiert wurde, um sich ein paar unflätiger britischer Soldaten anzunehmen, die in Lancasters Haus stationiert waren und dort Schabernack mit dessen Töchtern trieben. Nach dem der Auftrag erfüllt wurde, ließ Lancaster den Assassinen jedoch selbst umbringen, womit die Brücke zur referenzierten Sage geschlagen wäre. Der fähige Schwertkämpfer wurde dann als Dämon wiedererweckt, und zwar von.... richtig, Moloch. Der obligatorische Verweis auf den teuflischen Dämonenherrscher darf hier natürlich nicht fehlen. Die knackige Sequenz, in der der flinke Meuchelmörder seinen Widersachern den Garaus macht, kann sich darüber hinaus wahrlich sehen lassen.

Abbie (Nicole Beharie); Ichabod (Tom Mison) und Hawley (Matt Barr) machen gemeinsame Sache. © FOX
Abbie (Nicole Beharie); Ichabod (Tom Mison) und Hawley (Matt Barr) machen gemeinsame Sache. © FOX

Für Hawley ist das ganze Gerede von irgendwelchen Dämonen und übernatürlichen Wesen großer Quatsch, bis er abermals mit dem unheimlichen Pied Piper in Berührung kommt. Dabei gestaltet sich der Abstieg in dessen Versteck als sehr atmosphärisch und spannend, und auch wenn die Scharmützel mit dem Dämon etwas wackelig geraten und hauptsächlich im Dunkeln spielen, diese Sequenzen können doch mitreißen und für ein wenig Herzrasen sorgen.

Sacrifice

Darüber hinaus ist positiv anzumerken, dass die Geschichte mit der Rettung von Sarah noch lange nicht zu Ende ist, bauen die Macher doch einen netten kleinen Twist ein, der weitere Spannung generieren kann. Dass eine Verbindung zwischen Sarah und dem Pied Piper besteht, ist den beiden längst klar, war Daniel Lancaster ein Vorahne von Abbies ehemaliger Sachbearbeiterin und Sarahs Mutter. Nun stoßen sie und Ichabod aber auf einen furchtbaren Fluch, der über dem Haus der Lancasters liegt.

In der Familiengeschichte verschwanden immer wieder die zehnjährigen Mädchen der Lancasters, was sich nun als eine Art Tributzahlung an den Pied Piper für das schändliche Verhalten Daniel Lancasters herausstellt. Aus den Knochen der Zehnjährigen hat sich der Assassinendämon dann immer wieder seine Flöte geschnitzt und wenn er seinen Tribut nicht erhalten hat, wurden sämtliche Kinder der aktuellen Familie Lancaster von einem unheilbaren Fieber heimgesucht, was diese dahinraffte.

Finish the job

So bleibt der verzweifelten Mutter gar keine andere Wahl, als ihre zurückgewonnene Tochter sofort wieder in den Wald zu bringen, ringen doch ihre vier Adoptivsöhne mit ihrem Leben. Um diese zu retten, muss sie Sarah opfern, was in einer recht dramatischen Szene endet, in der Gastdarstellerin Francie Swift eine überzeugende Darbietung abliefert. Letztendlich kann Abbie das Unheil noch verhindern, auch weil sie sich selbst verpflichtet fühlt, das unschuldige Kind zu retten und ihrer alten Bekannten zu helfen. Gemeinsam mit Ichabod gelingt es ihr dann auch, den Pied Piper niederzustrecken. Ichabod kann sich während seines Schwertkampfs mit dem Assassinen zwar noch auf seine illuminierten Ohrenstöpsel verlassen (von denen er am Rande bemerkt absolut fasziniert ist), der Gnadenstoß obliegt jedoch Abbie, die Ichabod glücklicherweise noch zur Hilfe geeilt ist.

Während Abbie und Ichabod sich zum Abschluss eine ausgefallene Kaffeekreation schmecken lassen, die letzteren wiederum erst stark in Rage bringt, dann jedoch ähnlich wie die leuchtenden Ohrenstöpsel begeistern kann, kommt Abbie nicht umher festzustellen, dass die beiden ganze Arbeit geleistet haben. Ein wenig Eigenlob ist an dieser Stelle auch durchaus angebracht, auch wenn dieses Klopfen auf die eigene Schulter nicht allzu lange dauern sollte, formiert sich der eigentliche Feind schon wieder.

Nicole Beharie als Abbie Mills in %26bdquo;Go Where I Send Thee...%26ldquo;. © FOX
Nicole Beharie als Abbie Mills in %26bdquo;Go Where I Send Thee...%26ldquo;. © FOX

An instrument of justice

Irving (Orlando Jones) findet sich abseits von Abbies und Ichabods Jagd nach dem Pied Piper nämlich in einer äußerst verzwickten Lage wieder, was vor allem an Henry liegt. Ichabods Sohn und apokalyptischer Reiter in Personalunion hat den ehemaligen Polizeichef nämlich fest im Griff, hat Irving doch ihm ohne es zu Wissen seine Seele vermacht. In einer abgedrehten und überzeichneten Sequenz sehen wir, wie Irving - offensichtlich von einem Dämon besessen - mehrere Polizisten kaltblütig ermordet, Feuer umgibt ihn und im Hintergrund thront War auf seinem Ross. Ist dies hier nur eine finstere Vision oder bereits ein Vorausblick auf Irvings baldiges Schicksal? Henry verschafft sich zumindest einen Hebel, droht er doch indirekt Irvings Familie. Zwar ist dieser Teil der Gesamthandlung doch recht beiläufig eingewoben, dennoch gelingt es, die Geschichte um Irving in der zweiten Staffel von Sleepy Hollow interessant und spannend zu gestalten.

Fazit

Go Where I Send Thee... funktioniert sehr gut als Einzelepisode, in der der rote Faden der bisherigen Folgen der zweiten Staffel größtenteils links liegen gelassen wird und man sich auf eine klassische Monsterjagd begibt. Diese Idee geht auf, was zum einen an den kreativen Einfällen der Autoren und dem sehr angenehmen Zusammenspiel zwischen den Darstellern liegt.

Hier stimmt schlichtweg die Mischung der Elemente, die „Sleepy Hollow“ so kurzweilig machen. Ein paar Fragezeichen gibt es jedoch, zum Beispiel die Figur des Nick Hawley, wo sich erst noch zeigen muss, wie sich dieser eher ruchlose Charakter machen wird, welche Pläne man für ihn hat und was für eine Entwicklung man anstrebt. Insgesamt überzeugt „Go Where I Send Thee...“ sowohl inhaltlich als auch visuell.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 14. Oktober 2014

Sleepy Hollow 2x04 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 4
(Sleepy Hollow 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Der Rattenfänger
Titel der Episode im Original
Go Where I Send Thee...
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 13. Oktober 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 23. März 2015
Regisseur
Douglas Aarniokoski

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x04

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