Sleepy Hollow 2x03

Sleepy Hollow 2x03

Die Sleepy Hollow-Episode Root of All Evil kombiniert erneut alternative Geschichtserzählung mit einem klassisch-mysteriösen Fall der Woche, wodurch der kurzweilige Kurs des Formats trotz kleinerer Abstriche beibehalten werden kann. Ein wenig subtile Gesellschaftskritik gibt es obendrein.

Abbie (Nicole Beharie) konfrontiert ihre Vorgesetzte Reyes (Sakina Jaffrey) in „Root of All Evil“. / (c) FOX
Abbie (Nicole Beharie) konfrontiert ihre Vorgesetzte Reyes (Sakina Jaffrey) in „Root of All Evil“. / (c) FOX

Die Serienmacher von Sleepy Hollow bleiben sich auch in der dritten Episode der zweiten Staffel der FOX-Mysteryserie treu und bauen diese Woche etwas weniger auf übernatürliche Wesen aus irgendwelchen verstaubten, alten Büchern. Dafür kommen jedoch die einzelnen Charaktere mehr zur Geltung. Gleichzeitig wird, ohne zu große Schritte zu machen, am roten Faden weitergesponnen.

Einzig die dieswöchige Geschichtsstunde mit Ichabod Crane mutet ein wenig zu sehr an den Haaren herbeigezogen an. Dass es sich hier um den gewohnten Humbug handelt, steht nicht zur Debatte, jedoch konnte man diesen viele Male zuvor nuancierter verpacken. Dennoch haben sich die Autoren für ihren Mut zur Kreativität (und Absurdität) ein kleines Lob verdient, macht dies doch mitunter den eigenwilligen Charme von Sleepy Hollow aus.

A sudden turn to darkness

In Root of All Evil macht der durchtriebene Henry (John Noble) seinen nächsten Schachzug, um Moloch in die Menschenwelt sowie Finsternis über die Erde zu bringen. Dafür greift er auf ein kleines Hilfsmittel zurück, das die wahre Natur des Menschen ans Licht bringt und jeden noch so kleinen Ansatz des Bösen im Inneren der menschliche Seele offenlegt. Abbie (Nicole Beharie) und Ichabod (Tom Mison) erfahren bereits zu Beginn, dass Henry nichts Gutes im Schilde führt, hat er ihnen als Anwalt von Iriving (Orlando Jones) doch die Besuchsrechte für den Captain, der sich nach wie vor in der Psychiatrie befindet, entzogen.

Abbie und Ichabod sind also alarmiert, was Henrys neuerliches Vorgehen betrifft. Daher spionieren sie diesem in der Folge nach. Als sich jedoch plötzlich eine kleine Schießerei in einer Bank ereignet, wird die Aufmerksamkeit der beiden erst einmal auf diesen Vorfall gelenkt. Die schießwütige Angestellte, die letztendlich von Reyes (Sakina Jaffrey) niedergestreckt wird, kannte Abbie schon, seit sie ihr erstes Konto hat einrichten lassen. Sie war stets eine besonnene Person, freundlich und zuvorkommend, und jetzt soll sie auf einmal eine Bank überfallen und einen Wachmann erschossen haben?

Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) in %26bdquo;Root of All Evil%26ldquo; © FOX
Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) in %26bdquo;Root of All Evil%26ldquo; © FOX

Revealing what's already there

Abbies Zweifel stellen sich schnell als berechtigt heraus, kann sie doch gemeinsam mit Ichabod auf den Videoaufnahmen vor dem Vorfall Henry ausmachen, der der Bankangestellten eine mysteriöse Münze zukommen ließ. Diese ist auch der Grund allen Übels, wie Ichabod in einem geschichtlichen Vortrag seinerseits darlegt. Bei dieser Münze handelt es sich um eine von insgesamt 30 Silbermünzen dieser Art, die einst von britischen Loyalisten gestanzt wurde. Mit diesem Falschgeld sollte der Währungsmarkt der noch sehr jungen Vereinigten Staaten von Amerika torpediert werden, doch Ichabod sowie sein damaliger Mitstreiter und treuer Freund General Benedict Arnold (Scott Poythress) konnten dies verhindern.

Bei dem Namen Arnolds muss Abbie kurz ungläubig prusten. Arnold gilt als die Verräterfigur schlechthin in der Geschichte der Nation, da er mit den Briten gegen sein Vaterland konspirierte. Ichabod entkräftet diese Vorwürfe jedoch und schiebt die Schuld auf den Bann der Münzen, die Arnolds schlechteste Seite in ihm hervorbrachten. Diese Erklärung ist doch recht unterhaltsam gelungen, vor allem, weil sie perfekt für den Einfallsreichtum der Drehbuchautoren steht. Derartige bizarre Vermischungen von realer Historie und alternativer Geschichtserzählung machen nun mal einen der vielen Reize von „Sleepy Hollow“ aus, auch wenn man es hier ein wenig auf die Spitze treibt.

Trust is the only currency

Über eine Bekanntschaft Jennys erfahren wir dann nämlich noch weitere Informationen über besagte Münze, die hier und da etwas übertrieben erscheinen. Schatz- und Obskuritätenjäger Nick Hawley (Matt Barr) leiefert sich dabei ein paar amüsante Scharmützel mit dem ebenso von seinem Wissen überzeugten Ichabod. Die Münze stellt sich schnell als Tyrischer Schekel heraus, ein antikes Zahlungsmittel, von denen auch Judas 30 Stück für den Verrat an Jesus bekommen haben soll. Somit ist der Bogen zur gefährlichen Münze, die einst Benedict Arnold korrumpiert hat und mit der Henry nun weiter für Chaos in Sleepy Hollow sorgt, gespannt. In der Tat etwas weit hergeholt, jedoch gewohnt absurd und spaßig erdacht.

Die Münze hat derweil ihren Weg in die Tasche eines jungen Floristen gefunden, der normalerweise keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte. Wie dieser nun in der Lage dazu ist, eine verheerende Bombe zu basteln, sei einmal dahingestellt. Kaltblütig verübt er das explosive Attentat, bei dem er seinen eigenen Vater tötet. Die Münze wandert daraufhin auf die Polizeistation, wo Ichabod und Abbie wiederum auf Henry treffen. Dieser kann es sich nicht nehmen lassen, ein paar süffisante Kommentare gegenüber seinem Vater loszuwerden, die Noble in der gewohnt diabolischen Manier seiner Figur gekonnt von sich gibt.

Henry scheint längst mit ihm abgeschlossen zu haben, wobei Ichabods Frau Katrina nach wie vor große Hoffnungen hegt, ihren verlorenen Sohn erneut zum Guten umzudrehen. In den Fängen Abrahams manipuliert sie diesen ein wenig und sät so Zweifel zwischen Abraham und Henry. So wie sie ihre Hoffnung hinsichtlich Henry noch nicht aufgegeben hat, zeigt Ichabod wiederum vollstes Vertrauen in seine Frau, was Abbie mehrmals mit einem vielsagenden Schweigen kommentiert. Für welche Seite wird sich Katrina entscheiden, wenn es wirklich darauf ankommt? Birgen ihre Muttergefühle für Henry nicht auch eine große Gefahr für Abbie und Ichabod? Wieder einmal werfen die Autoren komplexe Vertrauensfragen in den Raum, die der Serie Tiefe geben und bereits jetzt schon einen roten Faden in der zweiten Staffel von Sleepy Hollow bilden.

Benedict Arnold (Scott Poythress) mit der vermaledeiten Münze © FOX
Benedict Arnold (Scott Poythress) mit der vermaledeiten Münze © FOX

Jenny got your gun

Das Thema Vertrauen war bereits in der ersten Staffel der FOX-Serie ein immer wiederkehrendes Thema und auch in Root of All Evil wird es mehrfach angeschnitten. Zwischen Abbie und Jenny entstehen ebenfalls neue Risse bezüglich der Beziehung der beiden, als Jenny herausfindet, dass Reyes dafür verantworlich gewesen ist, dass ihre Mutter in eine Anstalt für Geisteskranke eingeliefert wurde. Lyndie Greenwood wird dabei durchaus ihrem impulsiven Charakter gerecht. Nicole Beharie gelingt es mit ihrem eher rationalen und gefassteren Charakter dahingehend gut, die Balance zwischen diesen beiden Figuren zu halten.

Letzendlich stellt sich Jenny als Ziel Henrys heraus, der diese über die Münze beeinflussen will, damit sie Reyes tötet. Dadurch würde auch die Beziehung zwischen Abbie und Ichabod auf die Probe gestellt werden, womit Henrys Plan, Uneinigkeit unter den witnesses zu säen, aufgehen würde und er so leichteres Spiel in der Umsetzung von Molochs Interessen hätte. Kurz bevor Jenny jedoch Reyes erschießen kann, gelingt es Abbie, an das Gute in ihrer Schwester zu appelieren und sie zum Zögern zu bringen, was Ichabod wiederum die Möglichkeit gibt, Jenny zu überwältigen. Der Tyrische Schekel wird dann von Hawley zwischen zwei gefärbte Gläser gebannt, deren Macht über die Münze ein wenig zu zweckmäßig in ein paar Nebensätzen erklärt wird.

True colors

Zugegeben, ein paar Entscheidungen der Schreiberlinge sowie Elemente dieser Episode machen doch schon einen recht seltsamen Eindruck, wodurch die Stimmigkeit von Root of All Evil ein wenig leidet. Reyes ist zum Beispiel ein wenig zu plötzlich vor Ort, um in der Bank gnadenlos das Geiseldrama aufzulösen. Zusätzlich wundert man sich schon ein bisschen, dass sie von der Konfrontation zwischen Abbie, Ichabod, Hawley und Jenny von ihrem Schießstand gar nichts mitbekommt, hüpfen die Beteiligten doch mehr oder minder direkt vor ihrer Nase herum.

Bei der „historischen“ Komponente der Folge streiten sich die Geister und selbst wenn ich persönlich der Meinung bin, dass der Spaß hier weiterhin garantiert ist, komme ich auch nicht umher festzustellen, dass mir die kreativen Auswüchse der Macher schon besser gefallen haben. Andererseits fand ich Gefallen daran, wie man hier recht subtil auf die zerstörerischen Konsequenzen von Geldgier und dem rücksichtlosen Streben nach Reichtum verweist. Es gibt nicht wenige, die den verhängnisvollen Charakter des Geldes mit „(The) Root of All Evil“ bezeichnen würden, womit man erfolgreich eine eher ungewohnte und durchaus clevere Metaebene einführt.

Is that considered acceptable now?

Neben den bereits erwähnten Kritikpunkten lassen sich aber auch zahlreiche sehenswerte Augenblicke und interessante Szenen in „Root of All Evil“ finden. Dabei trifft vor allem das emotionale Zusammenspiel zwischen Mison und Beharie mal wieder voll ins Schwarze, was beide zum Beispiel in einer der letzten Szenen dieser Episode eindrucksvoll zeigen. Inwiefern Matt Barr noch ein paar Gastauftritte in naher Zukunft haben wird, bleibt abzuwarten. Er ist mit Sicherheit ein ordentlicher Gegenpart zu Ichabod, der mit ihm eine recht amüsante Szene in einer Kirche teilt - eine von Ichabod dahergeschwafelte Beichte als Ablenkung inklusive -, jedoch bleibt Hawley insgesamt recht einfach als Figur.

Ichabod spricht dem inhaftierten Irving (Orlando Jones) Mut zu. © FOX
Ichabod spricht dem inhaftierten Irving (Orlando Jones) Mut zu. © FOX

Generell muss man auch erneut den perfekt getimten Humor des Formats erwähnen, der größtenteils von Ichabod ausgeht. Seien es alltägliche Beobachtungen (ein Verweis auf das Staffelfinale von Glee) oder auch seine zahlreichen altklugen Bemerkungen (der Name einer Biermarke lässt ihn vor Belustigung auflachen, hat dieser für ihn doch überhaupt keinen Sinn), die ihn das eine oder andere Mal in Bredoullie bringen. Mehr als einmal erwischt man sich jedenfalls als Zuschauer mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen.

Fazit

Root of All Evil“ fällt in meinen Augen qualitativ im Vergleich zu den ersten beiden Episoden der zweiten Staffel von Sleepy Hollow ein wenig ab, auch wenn dies größtenteils nur an der Hintergrundgeschichte der Folge und einigen kleineren Logiklöchern liegt. Extrem störend sind diese Probleme jedoch nicht, denn die Charaktere bieten genügend dramatische sowie humorvolle Momente an, die zum einen fesseln und zum anderen sehr gut unterhalten können.

Mit der Geschichte um Abbies und Jennys Mutter, die sich für ihre beiden Töchter „geopfert“ hat, hält man noch einen potentiellen Trumpf zurück. Dieser muss auch noch lange nicht ausgespielt werden, denn die Handlung der zweiten Staffel gefällt bisher sehr gut und vermag uns einige sehr interessante Konflikte aufzutischen. Diese werden von den Autoren außerdem immer wieder geschickt und mit Bedacht in die wöchentlichen Kapitel ihrer Serie eingewoben. So kann es gerne weitergehen.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 7. Oktober 2014

Sleepy Hollow 2x03 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 3
(Sleepy Hollow 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Die verfluchte Münze
Titel der Episode im Original
Root of All Evil
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 6. Oktober 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 16. März 2015
Regisseur
Jeffrey G. Hunt

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 2x03

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?