Sleepy Hollow 1x07

Sleepy Hollow 1x07

Die Serie Sleepy Hollow beschert ihren Zuschauern auch in der Episode The Midnight Ride wieder eine Lektion in amerikanischer Geschichte. Da Ichabod Crane währenddessen zu humoristischer Hochform aufläuft, ist das Resultat höchst unterhaltsam.

Ichabod Crane (Tom Mison) befasst sich in dieser Episode von „Sleepy Hollow“ mit dem Schädel seines Erzfeindes. / (c) FOX
Ichabod Crane (Tom Mison) befasst sich in dieser Episode von „Sleepy Hollow“ mit dem Schädel seines Erzfeindes. / (c) FOX

Die neuerliche Handlung um den kopflosen Reiter, aka „Tod“, die in der vorangegangenen Episode Sin Eaters ihren Anfang genommen hatte, wird in The Midnight Ride fortgeführt. Abbie Mills (Nicole Beharie) und Ichabod Crane (Tom Mison) erhalten dabei tatkräftige Unterstützung durch Captain Frank Irving (Orlando Jones). Außerdem gibt es im Kampf gegen den Reiter ein Wiedersehen mit Molochs Diener, Andy Brooks (John Cho).

1775

Der Grundstein für die Ereignisse, die sich im Sleepy Hollow der Gegenwart abspielen, wurde bereits im Jahr 1775 gelegt. Damals wurde der Weg zu der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung bereitet. So wurden in Boston zu dieser Zeit mehrere - menschliche - Reiter vom amerikanischen Offizier Joseph Warren auf die Reise geschickt, um die Siedler vor den herannahenden britischen Truppen zu warnen. Der rasante Ritt hatte schließlich zur Folge, dass die Kolonialisten ihre erste Schlacht für sich entscheiden konnten.

Die geschichtlichen Begebenheiten werden in der Serie wieder einmal durch gewohnt mystische Elemente ergänzt. Neben Ichabods altem Bundesgenossen Thomas Jefferson haben so - laut der fantasievollen Serienschöpfer - auch „Tod“ und die Freimaurer eine wichtige Rolle in den Kriegswirren gespielt, in denen es eigentlich sowieso um den Kampf gegen das Böse ging.

Auf in den Kampf!

Nachdem der Kopflose einige Freimauer - per Axt - nach dem eigenen Abbild modifiziert hatte, begeben sich Abbie und Ichabod nun auf die Suche nach Hinweisen darauf, wie sie dem Unhold Einhalt gebieten können. Während der Geheimcode, mit dem sich Crane herumschlägt, und das im Schädel des Reiters versteckte Codewort zeitweise einen allzu beliebigen Eindruck machen, ist das Verhalten der beiden Protagonisten dabei in hohem Maße unterhaltsam. Abbie leistet zwar tapfer und verlässlich ihren Beitrag als helfende Hand und Kennerin der Gegenwart. Ihre freundschaftlichen Annäherungen an den Ex, Luke Morales (Nicholas Gonzalez), wirken jedoch allzu fade und überhaupt ist Ichabod der unangefochtene Star dieser Episode.

Captain Frank Irving (Orlando Jones) kämpft mit vollem Körpereinsatz gegen das Böse. © FOX
Captain Frank Irving (Orlando Jones) kämpft mit vollem Körpereinsatz gegen das Böse. © FOX

Es lebe Ichabod!

Egal, ob Crane vehement die kostenpflichtige Abgabe von Wasser kritisiert oder auf Abbies Mailbox spricht, egal, ob er ungehalten fehlerhafte geschichtliche Überlieferungen anprangert oder kurz den technischen Fortschritt vergisst („London? That's a three month voyage by see!“): Er ist fleischgewordene Unterhaltsamkeit. Auch, als Ichabod bei seinen Recherchen am Computer mit einer spärlich bekleideten Dame konfrontiert wird, die unbedingt mit ihm chatten möchte, macht Tom Mison in seiner Rolle dabei einen höchst liebenswerten Eindruck.

Irving vs. Tod

Neben Ichabod begeistert in dieser Episode auch der Charakter von Captain Frank Irving, der nun endlich stärker in die Handlung eingebunden wird. Zum einen ist er in die wohl packendste Auseinandersetzung dieser Episode involviert, in der er im „Matrix“-Stil seine Beweglichkeit unter Beweis stellt und dem Reiter dank seiner heftigen Gegenwehr entkommen kann. Auch Irvings Gegenspieler kann überzeugen. Der Reiter, der sich mit schweren Schritten und einer diabolischen Zielstrebigkeit fortbewegt, wirkt stets höchst bedrohlich. Obwohl ihm nicht alles gelingt und er sich am Ende der Episode gar recht dämlich austricksen lässt...

Verstärkung

Aber zurück zu Irving. Auch abseits der Kampfeshandlung fügt er sich gut in das Team der witnesses ein. Selbst er, der große Verfechter der Skepsis, kann die Existenz des Bösen in Sleepy Hollow nun nicht länger verleugnen. In der Tatsache, dass seine erste Reaktion in dem Erstellen eines amtsgemäßen Berichtes besteht, spiegelt sich auf unterhaltsame Weise die Überforderung seines bürokratischen Geistes wider. Schnell taut Frank jedoch auf und konfrontiert Crane gemeinsam mit Abbie dabei mit einer Reihe von unangenehmen Wahrheiten über Thomas Jefferson. Unter anderem kommt auch dessen vermeintliche Affäre mit Sally Hemings zur Sprache.

Da isser wieder

Nach langer Abwesenheit kehrt John Cho in seiner Rolle des Andy Brooks in die Handlung zurück. In einer hinterhältigen Rückblende werden die Zuschauer daran erinnert, warum der Hals des ehemaligen Polizisten so einen faltigen Eindruck macht.

Anscheinend kann sich Brooks für seine Funktion als Diener des Bösen nicht sonderlich begeistern. Schließlich bietet er nun der Gegenseite - und insbesondere Abbie Mills - seine Hilfe an.

Abbie (Nicole Beharie) lässt nichts unversucht
Abbie (Nicole Beharie) lässt nichts unversucht

Dass Andy sich dem Schutz der Polizistin verschrieben hat, liegt wohl darin begründet, dass es Abbie als witness gelingen könnte, die Apokalypse abzuwenden. Vielleicht würde dieser Sieg gegen Moloch ja Andys Seele befreien? Auf der anderen Seite erscheint es höchst fragwürdig, dass so ein mächtiger Dämon wie sein Meister es nicht mitbekommen würde, wenn sein Diener sich mit der gegnerischen Seite verbündet. Will Brooks Abbie vielleicht doch nur in eine Falle locken? Und was zum Teufel sollte Brooks' Auftritt als „Schatten mit Kapuze in der nebligen Gasse“? Zwar war der Effekt, mit dem er Morales sein übernatürliches Dasein vor Augen geführt hat, ein hübscher Bonus. Doch gleichzeitig erscheint der Charakter von Abbies Ex nach wie vor so unbedeutend, dass sich dieser Aufwand des Einschüchterns hier kaum zu lohnen scheint.

Fazit

Im Schlussakkord von The Midnight Ride gelingt es den Kämpfern für das Gute, den kopflosen Reiter mit der Hilfe von UV-Licht zu bändigen. Dieser Trick am Ende mutet - wie es auch schon in vielen vorangegangenen Episoden der Fall gewesen war - allzu unspektakulär an. Zudem ist die Art und Weise, wie Abbie und Ichabod „Tod“ mit der Hilfe von Schädelimitaten in die Falle locken, sogar für Sleepy Hollow-Verhältnisse etwas zu albern geraten. Gleichzeitig war es aber eine schöne Eingebung der Serienverantwortlichen, ein kompliziertes Ritual, das Hexen und Mondtransformationen beinhalten würde, durch ein paar Utensilien aus dem Baumarkt zu substituieren.

Über überdosierte Rückblenden und die allzu künstlich anmutenden „Kopflaternen“ kann man sicherlich hinwegsehen. Schwerer wiegt jedoch die Abwesenheit von John Noble in seiner vielversprechenden Rolle des „Sin Eater“ Henry Parish. Auch sollte das merkwürdige Verhalten von Andy Brooks bitte schnell erklärt werden. Dennoch ist ein selbstreflexives Augenzwinkern der Drehbuchautoren in dieser Episode allgegenwärtig und beschert den Zuschauern die bislang wohl witzigste Folge der Serie.

Trailer zu „Sleepy Hollow“ (1x08):

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 12. November 2013

Sleepy Hollow 1x07 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 7
(Sleepy Hollow 1x07)
Deutscher Titel der Episode
Der Mitternachtsritt
Titel der Episode im Original
The Midnight Ride
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 11. November 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 22. Oktober 2014
Regisseur
Douglas Aarniokoski

Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 1x07

Darsteller
Rolle
Tom Mison
Nicole Beharie
Katia Winter

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